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Methodische Hinweise zur Kohortenanalyse in der Förderstatistik

Erhebungsgegenstand und begriffliche Abgrenzung

Im Unterschied zu anderen Auswertungen im Rahmen der Förderstatistik sind bei Kohortenanalysen die Angaben zu Förderungen für unterschiedliche Berichtsmonate immer auf denselben Personenkreis, die jeweils betrachtete Kohorte, bezogen. Eine Kohorte ist eine Gruppe, die das gleiche Ereignis zur gleichen Zeit erlebt hat.[1] Für eine so beschriebene Menge an Personen können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden; so lässt sich z. B. ermitteln, ob eine Gruppe von Personen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Maßnahme besucht hat, zu diesem Zeitpunkt noch in weiteren Maßnahmen vertreten war (sog. Doppelförderung). Es lässt sich aber auch ermitteln, ob diese Gruppe nach Austritt oder vor Eintritt in eine bestimmte Maßnahme weitere Förderungen erhalten hat (Vor- oder Folgeförderung).

Darüber hinaus ist es interessant zu wissen, wie viele der Personen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Maßnahme beendet haben, zu einem späteren Zeitpunkt sozialversicherungspflichtig beschäftigt, nicht im Leistungsbezug oder nicht arbeitslos sind. Die sog. Eingliederungs-, Nichtleistungsempfänger- und Verbleibsquoten gehören zum Standard der Berichterstattung der BA-Statistik. In den methodischen Hinweisen macht die BA-Statistik darauf aufmerksam, dass die Daten Ergebnisse darstellen, die u. a. Aufschluss über die Beschäftigungschancen und Arbeitslosigkeitsrisiken nach Abschluss einer Maßnahme geben, die aber nicht unmittelbar im Sinne einer Ursache-Wirkungs-Analyse zu interpretieren sind.

Ähnliches gilt für die eingangs erwähnte Doppelförderung und die Vor- und Folgeförderung. Kohortenanalysen stellen i. d. R. keine Kausalanalyse der Ursache dar. Es lässt sich in der Regel nicht isolieren, ob beispielsweise ein Effekt auf die längere Maßnahmeteilnahme oder auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingen zurückzuführen ist.

[1] Helmut Scherer u. Teresa Naab: Messen im Zeitverlauf. In: Wiebke Möhring u. Daniela Schlütz (Hrsg.): Handbuch standardisierte Erhebungsverfahren in der Kommunikationswissenschaft, Springer, Wiesbaden 2013, S. 103 ff.

Personenbezogene vs. teilnahmebezogene Auswertungen

In der Förderstatistik werden Förderungen (Teilnahmen) und nicht Personen gezählt. Der Unterschied zwischen Teilnahmen und geförderten Personen liegt darin, dass einzelne Personen zu einem bestimmten Stichtag mehrere Förderungen gleichzeitig erhalten können. Die Zahl der Teilnahmen übersteigt damit die Zahl der geförderten Personen.

Im Rahmen einer Kohortenanalyse kann die tatsächliche Zahl der Personen ermittelt werden, die zu einem Stichtag gefördert wurden.

Doppelförderungen

Für eine Kohorte von Personen, die zu einem bestimmen Zeitpunkt mit einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme (oder mehreren Maßnahmen) gefördert werden, kann ermittelt werden, welche Anzahl und welche Art von Förderungen dieser Personenkreis zum selben oder zu einem anderen Zeitpunkt erhält.

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass es sich um Angaben zu Förderungen (Teilnahmen) und nicht zu geförderten Personen handelt, auch wenn auf einen bestimmten Personenkreis (die Kohorte) Bezug genommen wird. Es wird die Zahl der Förderungen dargestellt, welche die betrachtete Personengruppe erhält, und nicht die Zahl der Personen, die zu einem oder mehreren Zeitpunkten mit bestimmten arbeitsmarktpolitischen Instrumenten gefördert wurden.

Vor- und Folgeförderung, Nachhaltigkeit des Verbleibs

Die Verbleibsbetrachtung in der Förderstatistik basiert grundsätzlich auf Austritten aus Maßnahmen der Arbeitsförderung in einem genau definierten Zeitraum (i. d. R. einem gleitenden Zwölfmonatswert). Alle Teilnehmer dieser Ausgangsmenge werden hinsichtlich ihres Status bezüglich sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit zum sog. Verbleibsintervallende – z. B. sechs oder zwölf Monate nach Austritt aus der Maßnahme – untersucht. Dabei wird allerdings jeder Stichtag unabhängig vom anderen betrachtet, es ist also unerheblich, welche Status ein Teilnehmer zu den übrigen Verbleibsintervallenden hat. Mithilfe der Kohortenanalyse kann dagegen die Zahl der Personen ermittelt werden, die sowohl sechs als auch neun als auch zwölf Monate nach Austritt aus der Maßnahme sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, um sich damit der Frage der Nachhaltigkeit zu nähern.

Hinweis mit Bezug auf die Eingliederungs-, Nichtleistungsempfänger- und Verbleibsquote: Auch die eingangs erwähnten Eingliederungs-, Nichtleistungsempfänger- und Verbleibsquoten basieren auf dem Prinzip der Kohortenanalyse. Allerdings wird hier zur Bildung der Kohorte nicht auf Personenmerkmale, sondern auf einen anderen Identifikator abgestellt. Dies führt im Vergleich zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Hinweis mit Bezug auf Vor- und Folgeförderung: In der Förderstatistik können seit längerem auch die statistischen Merkmale Vor- und Folgeförderung ausgewertet werden. Im Unterschied zur Kohortenanalyse findet hier aber bei mehreren Vor- und Folgeförderungen eine Priorisierung statt, es wird nur eine Vor- oder Folgeförderung als solche ausgewiesen. Zudem ist das statistische Merkmal Vorförderung auf einen Ein-Jahres-Zeitraum vor Eintritt in die Maßnahme fixiert.

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