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Methodische Hinweise zu Aktivierungsquoten

Definition

Eine Aktivierungsquote misst das Verhältnis der Anzahl der Teilnehmenden an Maßnahmen der Arbeitsförderung zur Gesamtzahl der zu aktivierenden Personen zu einem Zeitpunkt. Sie beschreibt, wie hoch der Anteil der Geförderten an allen förderbaren Personen ist. Durch die Quotenbildung werden absolut gemessene Größen besser vergleichbar und interpretierbar. Zum Beispiel können anhand der Normierung Regionen oder der Zeitverlauf verglichen werden.

Die Grundmenge der zu aktivierenden Personen wird in zwei Teilaktivierungsquoten differenziert:

  • den arbeitsmarktorientierten Personen, das heißt alle Personen, die entweder arbeitslos sind oder sich in einer Förderung befinden
  • den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, das heißt alle Personen, die Leistungen nach dem SGB II beziehen

Arbeitsmarktorientierte Aktivierungsquote

Arbeitsmarktorientierte Aktivierungsquote

Die arbeitsmarktorientierte Aktivierungsquote setzt die Teilnehmenden an Maßnahmen der Arbeitsförderung zu den Teilnehmenden an Maßnahmen der Arbeitsförderung plus den Arbeitslosen in Beziehung. Die AQ1 wird nach den beiden Rechtskreisen SGB III und SGB II differenziert. Die Rechtskreiszuordnung richtet sich bei den Arbeitslosen danach, ob ein Jobcenter oder die Agentur für Arbeit den Arbeitslosen betreut. Bei den Teilnehmenden richtet sich die Rechtskreiszuordnung danach, ob das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit die Förderung finanziert.

Arbeitsmarktorientierte Aktivierungsquote insgesamt

Arbeitsmarktorientierte Aktivierungsquote SGB III

Arbeitsmarktorientierte Aktivierungsquote SGB II

ELB-orientierte, arbeitsmarktnahe Aktivierungsquote

Die ELB-orientierte, arbeitsmarktnahe Aktivierungsquote setzt die Teilnehmenden an Maßnahmen der Arbeitsförderung im SGB II zu den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (ab Berichtsmonat Januar 2017 abzüglich der Aufstocker) in Beziehung. Die erwerbsfähigen Leistungsberechtigten umfassen alle potenziellen Teilnehmenden. Die Fähigkeit zur Beendigung der Hilfebedürftigkeit durch Erwerbstätigkeit steht im SGB II im Vordergrund und ist auch bei denen zu fördern.

ELB-orientierte, arbeitsmarktnahe Aktivierungsquote

Diese Berechnung findet bei allen personenbezogenen Strukturmerkmalen (Alter/Alter bei Eintritt, Geschlecht usw.) Anwendung. Ausnahme sind die bei Eintritt langzeitarbeitslosen SGB II-Teilnehmenden. Hier gilt die folgende Berechnung:

ELB-orientierte, arbeitsmarktnahe Aktivierungsquote vor Eintritt langzeitarbeitslos

ELB-orientierte, ausbildungsmarktnahe Aktivierungsquote

Die AQ2b betrachtet die berufsausbildungsnahe Förderung. Diese ist besonders bei den Jüngeren von Interesse.

Die AQ2a und die AQ2b können additiv zusammengefasst werden, da der Nenner identisch ist und systematische Mehrfachzählungen in den Teilnehmendenbeständen ausgeschlossen werden können. Bei der AQ2a und der AQ2b können potentiell alle erwerbsfähigen Leistungsberechtigten aktiviert werden. Da die Anzahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten höher ausfällt als die Summe aus den Teilnehmenden und den Arbeitslosen, ist die Aktivierungsquote AQ2 definitionsbedingt geringer als die SGB II-bezogene AQ1.

ELB-orientierte, ausbildungsmarktnahe Aktivierungsquote

Die Teilnehmer an folgenden Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik fließen in die Berechnung der Aktvierungsquote AQ1/AQ2a bzw. AQ2b ein.

Maßnahmen Aktivierungsquoten AQ1 im Rechtskreis SGB III

  • Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung
  • Probebeschäftigung für Menschen mit Behinderungen
  • Beauftragung von Träger mit Eingliederungsmaßnahmen
  • Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung (inkl. bes. Maßn. zur Weiterbildung behinderter Menschen)
  • Arbeitsentgeltzuschuss zur beruflichen Weiterbildung Beschäftigter
  • ESF-Qualifizierung wahrend Kurzarbeit (nur SGB III)
  • Maßnahmen der Eignungsfeststellung/Trainingsmaßnahmen
  • Eingliederungszuschuss
  • Eingliederungszuschuss für besonders betroffene schwerbehinderte Menschen
  • Entgeltsicherung für Ältere (nur SGB III)
  • Zuschüsse an Personal-Service-Agenturen
  • Einstellungszuschuss für Neugründungen
  • Einstellungszuschuss bei Vertretung
  • Qualifizierungszuschuss für jüngere Arbeitnehmer
  • Eingliederungsgutschein
  • Gründungszuschuss (nur SGB III)
  • Überbrückungsgeld für Selbständige (nur SGB III)
  • Existenzgründerzuschuss für Gründung einer Ich-AG (nur SGB III)
  • Einzelfallforderung Reha (nur SGB III)
  • Individuelle rehaspezifische Maßnahmen (nur SGB III)
  • Unterstützte Beschäftigung Reha (nur SGB III)
  • Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
  • Strukturanpassungsmaßnahmen traditionell
  • Beschäftigung schaffende Infrastrukturmaßnahmen
  • Freie Forderung nach § 10 SGB III (a.F.) (nur SGB III)
  • Europäischer Globalisierungsfonds (nur SGB III)

Maßnahmen Aktivierungsquoten AQ1/AQ2a im Rechtskreis SGB II

  • Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung
  • Probebeschäftigung für Menschen mit Behinderungen
  • Beauftragung von Träger mit Eingliederungsmaßnahmen
  • Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung (inkl. bes. Maßn. zur Weiterbildung behinderter Menschen)
  • Arbeitsentgeltzuschuss zur beruflichen Weiterbildung Beschäftigter
  • Maßnahmen der Eignungsfeststellung/Trainingsmaßnahmen
  • Eingliederungszuschuss
  • Eingliederungszuschuss für besonders betroffene schwerbehinderte Menschen
  • Einstiegsgeld bei abhängiger Erwerbstätigkeit (nur SGB II)
  • Einstiegsgeld bei selbständiger Erwerbstätigkeit (nur SGB II)
  • Bundesprogramm Eingliederung langzeitarbeitsloser Leistungsberechtigter (nur SGB II)
  • Beschäftigungszuschuss nach § 16e SGB II (a.F.) (nur SGB II)
  • Zuschüsse an Personal-Service-Agenturen
  • Einstellungszuschuss für Neugründungen
  • Einstellungszuschuss bei Vertretung
  • Qualifizierungszuschuss für jüngere Arbeitnehmer
  • Eingliederungsgutschein
  • Eingliederungshilfen für jüngere Arbeitnehmer
  • Leistungen zur Eingliederung von Selbständigen nach § 16c Abs. 2 SGB II (nur SGB II)
  • Arbeitsgelegenheiten (nur SGB II)
  • Forderung von Arbeitsverhältnissen (nur SGB II)
  • Bundesprogramm Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt (nur SGB II)
  • Beschäftigungsphase Bürgerarbeit (nur SGB II)
  • Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
  • Strukturanpassungsmaßnahmen traditionell
  • Beschäftigung schaffende Infrastrukturmaßnahmen
  • Freie Förderung nach § 16f SGB II (nur SGB II)
  • sonstige weitere Leistungen nach § 16 Abs. 2 Satz 1 SGB II (a.F.) (nur SGB II)
  • Förderung schwer zu erreichender junger Menschen
  • Eingliederung von Langzeitarbeitslosen nach § 16e SGB II (nur SGB II)
  • Teilhabe am Arbeitsmarkt nach § 16i SGB II (nur SGB II)

Maßnahmen Aktivierungsquoten AQ2b im Rechtskreis SGB II

  • Assistierte Ausbildung
  • ausbildungsbegleitende Hilfen
  • Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen
  • Ausbildungszuschuss für Menschen mit Behinderungen und schwerbehinderte Menschen
  • Zuschuss für schwerbehinderte Menschen im Anschluss an Aus- u. Weiterbildung
  • Einstiegsqualifizierung
  • sozialpädagogische Begleitung und Ausbildungsmanagement
  • Übergangshilfen/Aktivierungshilfen
  • Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ)

Interpretationshinweise

Hinsichtlich der Größenordnung der Aktivierungsquoten ist es unrealistisch, zu erwarten, dass alle Arbeitslosen bzw. erwerbsfähigen Leistungsberechtigten zu einem bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig aktiv gefördert werden, also eine Aktivierungsquote von 100 Prozent vorliegt. Zum einen ist für Personen, bei denen Arbeitslosigkeit oder Hilfebedürftigkeit nur vorübergehend ist oder denen aus eigener Kraft eine Integration in Beschäftigung gelingen dürfte, eine Förderung nicht erforderlich. Außerdem schließt sich an die Beendigung einer Maßnahme häufig eine intensive Phase der Suche nach Arbeit an, ohne dass sich bei Fortbestehen von Arbeitslosigkeit und Hilfebedürftigkeit unmittelbar eine weitere Fördermaßnahme anschließen muss.

Darüber hinaus gibt es wegen der bekannten Dynamik mit ständigen Neuzugängen in und Abgängen aus Arbeitslosigkeit bzw. Hilfebedürftigkeit immer Personen, die nicht gefördert werden. Bei der Bewertung der Ergebnisse ist auch zu berücksichtigen, dass der Umfang der eingesetzten finanziellen Mittel nicht in die Aktivierungsquote einfließt und eine hohe Aktivierungsquote nicht zwangsläufig auf einen hohen Mitteleinsatz schließen lässt. Auch ist zu beachten, dass in die Aktivierungsquoten nur die Aktivierung durch den Einsatz von Instrumenten der Arbeitsförderung bzw. von Leistungen zur Eingliederung einfließt. Aktivierungen durch intensivere Beratung, Betreuung und Vermittlung dienen der Eingliederung in Arbeit, können aber statistisch nicht gemessen werden.

Die Aktivierungsquote weist den „momentanen“ Anteil der aktivierten Personen aus. Der Anteil der potentiell zu aktivierenden Personen, die innerhalb einer bestimmten vergangenen Periode bereits aktiviert wurden, ist naturgemäß höher. Insoweit ist eine „inverse“ Interpretation der Aktivierungsquoten problematisch; aus einer Aktivierungsquote in Höhe von 40 Prozent kann nicht geschlossen werden, dass 60 Prozent der potentiell zu aktivierenden Personen (überhaupt) nicht gefördert werden.

Aktivierungsquoten werden mit einer Wartezeit von drei Monaten als endgültige Ergebnisse ausgewiesen. Aktuellere Werte basieren auf hochgerechneten Werten der Förderstatistik.

Die Anpassung der Formeln der ELB-orientierten Aktivierungsquoten AQ2a und AQ2b ab 2017 erfolgte aufgrund der gesetzlichen Änderung des SGB II zum 1. Januar 2017, nach der die Aufstocker nun nicht mehr im SGB II, sondern im SGB III betreut werden. Aufstocker sind Personen, die neben dem Arbeitslosengeld (Alg) oder Teilarbeitslosengeld auch Arbeitslosengeld II (Alg II) beziehen. Für Berichtsmonate bis einschließlich Dezember 2016 erfolgt keine Anpassung der Formeln.

Durch die Ausklammerung der Aufstocker in der Bezugsgröße der o. g. Quoten und Raten ab Januar 2017 werden als Grundgesamtheit auch weiterhin nur die Personen berücksichtigt, die für eine Aktivierung im SGB II in Frage kommen.

Bei den arbeitsmarktorientierten Aktivierungsquoten AQ1 waren keine Anpassungen erforderlich, da in den Formeln schon per Definition die geänderte Zusammensetzung der Rechtskreise nachvollzogen wird.

Weiterführende Informationen sind dem Methodenbericht „Aktivierung in den Rechtskreisen SGB III und SGB II“(pdfPDF, 1 MB) zu entnehmen.

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