1.7 Arbeitslosigkeit
Arbeitslosenzahl erreicht neues Hoch
Aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche und den Umwälzungen durch die Transformation hat sich die Zahl arbeitsloser Akademikerinnen und Akademiker in den letzten drei Jahren stark erhöht. 2025 erreichte sie mit 335.000 einen Höchststand (Abbildung 1.7 – 1). Im Vergleich zum Vorjahr ist eine Zunahme von 46.000 Arbeitslosen zu verzeichnen. Der prozentuale Anstieg fällt mit 16 Prozent stärker aus als die Zunahme der Arbeitslosigkeit insgesamt mit 6 Prozent. Der stärkere prozentuale Anstieg kommt auch dadurch mit zustande, dass das Ausgangsniveau der Akademiker-Arbeitslosigkeit erheblich kleiner war als bei den Arbeitslosen insgesamt. Statistisch spricht man hier von einem Niveau-Effekt.
Auch die Fluchtmigration hat einen Einfluss, denn unter den Geflüchteten sind viele Hochqualifizierte. Die berufliche Integration braucht Zeit, weil die deutsche Sprache erlernt werden muss und häufig die Gleichwertigkeit von Bildungsabschlüssen geprüft werden muss. Insgesamt geht etwa ein Fünftel des Vorjahresanstiegs auf die Fluchtmigration zurück.
Abbildung 1.7 - 1
Wiederholter starker Anstieg der Akademikerarbeitslosigkeit
Jahresdurchschnittsbestand an Arbeitslosen mit (Fach-)Hochschulabschluss und Arbeitslosenquote
Deutschland
Akademiker-Arbeitslosenquote leicht über Vollbeschäftigungsniveau
Die Akademiker-Arbeitslosenquote stieg von 2,9 Prozent im Jahr 2024 auf 3,3 Prozent im Jahr 2025. Trotz des Anstiegs rangiert die Arbeitslosenquote nur knapp über der Marke von 3 Prozent, bei der üblicherweise von Vollbeschäftigung ausgegangen wird.
Hochqualifizierte vergleichsweise gering betroffen
Ein Rückblick über fünf Jahrzehnte zeigt, dass Arbeitskräfte mit (Fach-)Hochschulabschluss immer vergleichsweise selten von Arbeitslosigkeit betroffen waren (Abbildung 1.7 – 2).1 2 Selbst in konjunkturell schlechten Zeiten blieb die Akademiker-Arbeitslosenquote auf sehr geringem Niveau. Seit der Wiedervereinigung bewegte sich die Quote in der Regel unterhalb der 4-Prozent-Marke, von 2007 bis 2024 sogar kontinuierlich unter 3 Prozent. 2025 ist sie erstmals wieder über die 3 Prozent gestiegen.
Abbildung 1.7 - 2
Akademikerinnen und Akademiker immer seltener arbeitslos als andere Qualifikationsgruppen
Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten
Deutschland, bis 1990 früheres Bundesgebiet
Das größte Risiko, arbeitslos zu werden, tragen im Gegensatz dazu die nicht formal Qualifizierten. Hier ist die Arbeitslosenquote in den letzten Jahrzehnten auf ein sehr hohes Maß gestiegen (Spitzenwert 1997 mit 26,9 Prozent). Auch wenn die Quote nach 2005 bis 2019 etwas rückläufig gewesen war – 2025 ist mehr als jeder fünfte nicht formal Qualifizierte arbeitslos gemeldet.
In dieser unterschiedlichen Betroffenheit von Arbeitslosigkeit spiegelt sich der Strukturwandel wider: Die Zahl der Arbeitsplätze, die hohe Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten stellen, hat zugenommen, während der Bedarf an einfachen Tätigkeiten, die keinen Berufsabschluss erfordern, auf niedrigerem Niveau verharrt.
Geringste Arbeitslosenquoten in Verwaltungsberufen, bei Lehrkräften und im Sozialwesen
Nach Berufen betrachtet gibt es die geringsten Arbeitslosenquoten in Verwaltungsberufen und bei Lehrkräften. In diesen Berufsfeldern, für die die Beschäftigungssicherheit des öffentlichen Sektors prägend ist, erreichten die berufsspezifischen Arbeitslosenquoten 2025 einen Wert bis höchstens 1,4 Prozent (Abbildung 1.7 – 3). Aber auch im Sozialwesen, in den Rechtswissenschaften und in Medizin und Pharmazie ist Arbeitslosigkeit ein seltenes Phänomen. Es gibt aber auch akademische Berufsfelder, in denen die Arbeitslosenquoten vergleichsweise hoch ausfallen. Hierzu gehören die Naturwissenschaften mit 9,6 Prozent, Mediengestaltung, Werbung und Marketing mit 8,5 Prozent oder die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften mit 6,5 Prozent.
Abbildung 1.7 - 3
Erhebliche Spannbreite bei den berufsspezifischen Arbeitslosenquoten
Berufsspezifische Arbeitslosenquoten für ausgewählte Berufsgruppierungen - jeweils Experte/-in
2025 im Vergleich zum Vorjahr (Richtungspfeile)
Studienfachspezifische Arbeitslosenquoten relativieren die Einschätzung
Vor allem für Berufe mit relativ hohen Arbeitslosenquoten ist es sinnvoll, einen ergänzenden Blick auf die studienfachspezifischen Arbeitslosenquoten3 zu werfen (Abbildung 1.7 – 4).
Diese zeigen an, welcher Anteil der Erwerbspersonen, die einen Studienabschluss in einem bestimmten Studienfach aufweisen, im betrachteten Jahr durchschnittlich arbeitslos war. Dabei steht nicht, wie bei den berufsspezifischen Arbeitslosenquoten, die konkret ausgeübte bzw. gesuchte Berufstätigkeit im Fokus, sondern der formale Abschluss. Es spielt also keine Rolle, ob eine Tätigkeit passend zum absolvierten Studienfach ausgeübt beziehungsweise gesucht wird oder in einem fachfremden Bereich. Gerade für die Studienfächer, die nicht auf eine konkrete Berufstätigkeit vorbereiten, sondern Kompetenzen für ein weites Tätigkeitsspektrum eröffnen, wie z. B. den Naturwissenschaften oder den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, ergibt sich dadurch ein aussagekräftigeres Gesamtbild.
Abbildung 1.7 - 4
Arbeitslosenquoten gestiegen, aber in vielen Studienrichtungen weiter auf relativ geringem Niveau
Studienfachbezogene Arbeitslosenquoten für ausgewählte Studienfachrichtungen in Prozent
2025
So fällt die studienfachspezifische Arbeitslosenquote für Personen mit einem Abschluss in einem naturwissenschaftlichen Fach mit 3,8 Prozent erheblich geringer aus als die berufsspezifische Arbeitslosenquote mit 9,6 Prozent (Abbildung 1.7 – 3). Lediglich Erwerbstätige mit einem Biologiestudium weisen mit 4,6 Prozent einen etwas höheren Wert auf. Ähnlich verhält es sich bei Studiengängen rund um Werbung und Marketing mit Arbeitslosenquoten von 8,5 Prozent (berufsspezifisch) bzw. 5,6 Prozent (studienfachbezogen). Auch in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften wird eine Differenzierung deutlich: Dank der Aufgeschlossenheit gegenüber fachfremden Tätigkeitsfeldern verzeichnen Erwerbspersonen mit einem Abschluss der Geisteswissenschaften eine studienfachspezifische Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent, in den Politikwissenschaften nur 4,1 Prozent. Auch für Geschichte und Archäologie wird mit 4,5 Prozent die berufsspezifische Berechnung relativiert, die für die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften insgesamt 6,5 Prozent ausweist
Regionale Unterschiede
Da die Arbeitsmarktchancen mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Region in Zusammenhang stehen, fällt die Arbeitslosenquote von Akademikerinnen und Akademikern auch regional betrachtet unterschiedlich aus. Auch die regionale Verteilung von öffentlichen Institutionen wie Behörden, Hochschulen oder Forschungseinrichtungen hat dabei einen großen Einfluss.
Sehr niedrige Arbeitslosenquoten gibt es – wie bei der Gesamtarbeitslosigkeit – im Süden Deutschlands (Abbildung 1.7 – 5).
Abbildung 1.7 - 5
In allen Bundesländern sind Akademikerinnen und Akademiker unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen
Arbeitslosenquoten insgesamt und für Akademiker/-innen in Prozent
2025
In den östlichen Ländern ist die Arbeitslosenquote von Akademikerinnen und Akademikern mit durchschnittlich 4,3 Prozent höher als in Westdeutschland (3,0 Prozent). Auch die Stadtstaaten weisen höhere Arbeitslosenquoten auf. Aber für den Osten Deutschlands und die Stadtstaaten gilt gleichermaßen: Akademische Fachkräfte sind überall weit seltener von Arbeitslosigkeit betroffen als Erwerbspersonen insgesamt. So lag zum Beispiel die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt bei 8,0 Prozent, die der Akademikerinnen und Akademiker bei 3,7 Prozent. In Bremen waren es durchschnittlich 11,6 Prozent gegenüber 4,8 Prozent bei Akademikerinnen und Akademikern.
Arbeitslosigkeit kürzer als bei anderen Qualifikationsgruppen
Akademikerinnen und Akademiker sind im Mittel kürzer arbeitslos als Personen mit geringerer formaler Bildung. Im Vordergrund steht hier die Sucharbeitslosigkeit. 59 Prozent der arbeitslosen Akademikerinnen und Akademikern waren 2025 kürzer als ein halbes Jahr arbeitslos (Abbildung 1.7 – 6). Bei Arbeitslosen mit Berufsabschluss lag dieser Anteil erkennbar niedriger (47 Prozent), bei nicht formal Qualifizierten war er nochmals 5 Prozentpunkte kleiner (42 Prozent).
Abbildung 1.7 - 6
Anteil der kurzfristig Arbeitslosen ist bei Akademikerinnen und Akademikern am größten
Durchschnittliche bisherige Dauer der Arbeitslosigkeit nach Art der beruflichen Qualifikation
Anteile 2025
Langzeitarbeitslosigkeit, also ein Jahr Arbeitslosigkeit und länger, war für 19 Prozent der Akademikerinnen und Akademiker ein Thema. Bei Arbeitslosen, die keinen akademischen Abschluss haben, sind die Anteile Langzeitarbeitsloser deutlich höher (bis hin zu 39 Prozent bei Ungelernten).
Arbeitslosigkeit auch im europäischen Vergleich gering
Auch im europäischen Vergleich fällt die Arbeitslosenquote von Akademikerinnen und Akademikern in Deutschland unterdurchschnittlich aus (Abbildung 1.7 – 7).
Abbildung 1.7 - 7
Auch in anderen Ländern sind Akademikerinnen und Akademiker seltener arbeitslos als andere Qualifikationsgruppen
ILO-Erwerbslosenquoten insgesamt und Akademiker/-innen (Fachkräfte ISCED Level 5 bis 8) in Prozent
Ausgewählte Staaten, 2024
Die ILO-Erwerbslosenquote von Personen mit tertiärer Ausbildung belief sich 2024 in Deutschland auf 2,6 Prozent.4 Der EU-Durchschnitt lag bei 3,9 Prozent. In Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien wurde mit einem Wert von unter 2 Prozent jeweils eine noch geringere Arbeitslosenquote ausgewiesen (nicht alle abgebildet). Die höchsten Arbeitslosenquoten wurden in Griechenland und Spanien ermittelt.
Innerhalb der EU variiert die Akademiker-Erwerbslosenquote erheblich, da sie stark von der Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage des jeweiligen Landes abhängt. Gleichwohl ist in allen EU-Ländern die Erwerbslosenquote von Hochschulabsolventen merklich geringer als die Erwerbslosenquote insgesamt.
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1 Seit dem Jahr 2006 können für Personen mit Fachschul-, Meister- oder Technikerausbildung die Quoten nicht mehr isoliert berechnet werden. Weitergehende Analysen mit ILO-Daten zeigen aber, dass die Erwerbslosenquote für Arbeitskräfte mit diesen Weiterbildungsabschlüssen ähnlich gering oder teilweise sogar geringer ist als die Arbeitslosenquote von Akademikern. Vgl. IAB : Aktuelle Daten und Indikatoren - Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten, 03. September 2020, Nürnberg.
2 Daten von 1975 bis 2014 beruhen auf Berechnungen des IAB. Die Berechnungsmethode unterscheidet sich von der der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, für die Daten ab 2015 verfügbar sind. Die Unterschiede in den Quoten sind aber minimal. Näheres siehe:Bundesagentur für Arbeit, Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung, Grundlagen: Methodenbericht Einführung qualifikationsspezifischer Arbeitslosenquoten in der Statistik der BA (PDF, 912KB).Nürnberg, Juni 2017.
3 Diese sind nur für ausgewählte Studienfachrichtungen verfügbar. Siehe auch Hinweise zu statistischen Angaben.
4 Quelle: Eurostat.Tertiäre Ausbildung: ISCED-2011-Level 5 bis 8. Alter 15 bis 64 Jahre. Näheres zu den Unterschieden zwischen Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit nach ILO siehe: statistik.arbeitsagentur.de > Grundlagen > Statistik erklärt > Arbeitsuche, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung.
Stand: Februar 2026
