1.7 Arbeitslosigkeit

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Arbeitslosenzahl wieder leicht gesunken

Die Zahl arbeitsloser Akademikerinnen und Akademiker hatte sich 2020 coronabedingt kräftig auf 238.000 erhöht (+51.000 gegenüber Vorjahr) und fiel so hoch aus wie seit über 10 Jahren nicht mehr (Abbildung 1.7 – 1). Dieser Zuwachs konnte 2021 nicht vollständig wieder abgebaut werden. Im Jahresdurchschnitt 2021 waren 222.000 Personen mit akademischem Abschluss arbeitslos gemeldet. Das waren 16.000 weniger als im Vorjahr (-7 Prozent).


Abbildung 1.7 - 1
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Deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit im Kontext der Pandemie, aber 2021 leichte Erholung

Jahresdurchschnittsbestand an Arbeitslosen mit (Fach-)Hochschulabschluss und Arbeitslosenquote
Deutschland, 2011 bis 2021

Diagramm: Kräftiger Anstieg der Arbeitslosigkeit aufgrund von Corona

 

Akademiker-Arbeitslosenquote nach wie vor auf Vollbeschäftigungsniveau

Die Akademiker-Arbeitslosenquote sank 2021 von 2,6 auf 2,4 Prozent. 2019, also vor der Corona-Krise, hatte sie bei 2,1 Prozent gelegen. Trotz des leicht höheren Niveaus im Vergleich zum Jahr 2019 ist die relative Arbeitslosigkeit, ausgedrückt durch die Arbeitslosenquote, weiterhin gering. Bis zu einer Arbeitslosenquote von rund 3 Prozent sprechen Ökonomen üblicherweise von Vollbeschäftigung.

Seit 2007 Arbeitslosenquote kontinuierlich unter 3 Prozent

Die Arbeitslosenquote ist gut für längerfristige Betrachtungen geeignet. Ein Rückblick über vier Jahrzehnte zeigt, dass Arbeitskräfte mit (Fach-)Hochschulabschluss immer vergleichsweise selten von Arbeitslosigkeit betroffen waren (Abbildung 1.7 – 2). Selbst in konjunkturell schlechten Zeiten blieb die Akademiker-Arbeitslosenquote auf sehr niedrigem Niveau. 1 Seit der Wiedervereinigung bewegte sich die Quote in der Regel unterhalb der 4-Prozent-Marke, seit 2007 sogar kontinuierlich unter 3 Prozent.2

 Abbildung 1.7 - 2
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Akademikerinnen und Akademiker immer seltener arbeitslos als andere Qualifikationsgruppen

Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten
Deutschland, bis 1990 früheres Bundesgebiet

Diagramm: Akademikerinnen und Akademiker immer seltener arbeitslos als andere Qualifikationsgruppen

 

Das größte Risiko, arbeitslos zu werden, tragen im Gegensatz dazu die nicht formal Qualifizierten. Hier ist die Arbeitslosenquote in den letzten Jahrzehnten auf ein sehr hohes Maß gestiegen (Spitzenwert 1997 mit 26,9 Prozent). Zwar war die Quote seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 bis 2019 etwas rückläufig, trotzdem war 2019 noch jeder sechste Geringqualifizierte arbeitslos, 2020 und auch 2021 im Zuge der Pandemie sogar jeder fünfte. In dieser unterschiedlichen Betroffenheit von Arbeitslosigkeit spiegelt sich der Strukturwandel wider: Die Zahl der Arbeitsplätze, die hohe Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten stellen, nimmt zu, während der Bedarf an einfachen Tätigkeiten, die keinen Berufsabschluss erfordern, auf niedrigem Niveau verharrt.

Geringste Arbeitslosenquoten in Verwaltungsberufen, bei Lehrkräften und in der Medizin

Nach Berufen betrachtet gibt es sehr geringe Arbeitslosenquoten in Verwaltungsberufen, bei Lehrkräften und in Medizin und Pharmazie. Hier erreichten die berufsspezifischen Arbeitslosenquoten 2021 einen Wert von unter 2,0 Prozent (Abbildung 1.7 – 3). Es gibt aber auch akademische Berufsfelder, in denen die Arbeitslosenquoten vergleichsweise hoch ausfallen. Hierzu gehören die Naturwissenschaften mit 7,5 Prozent, die Mediengestaltung, Werbung und Marketing mit 6,7 Prozent oder die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften mit 6,3 Prozent.

 Abbildung 1.7 - 3
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Erhebliche Spannbreite bei den berufsspezifischen Arbeitslosenquoten

Berufsspezifische Arbeitslosenquoten für ausgewählte Berufsgruppierungen - jeweils Experte/-in
2021 im Vergleich zum Vorjahr (Richtungspfeile)

Diagramm: Berufsspezifische Arbeitslosenquoten sehr gering

 

Studienfachspezifische Arbeitslosenquoten relativieren die Einschätzung

Für Berufe mit relativ hohen Arbeitslosenquoten ist es sinnvoll, einen ergänzenden Blick auf die studienfachspezifischen Arbeitslosenquoten 3 zu werfen.

Diese zeigen an, welcher Anteil der Erwerbspersonen, die einen Studienabschluss in einem be-stimmten Studienfach aufweisen, im betrachteten Jahr durchschnittlich arbeitslos war. Dabei steht nicht, wie bei den berufsspezifischen Arbeitslosenquoten, die konkret ausgeübte bzw. gesuchte Berufstätigkeit im Fokus, sondern die formale Qualifikation. Es spielt also keine Rolle, ob eine Tätigkeit passend zum absolvierten Studienfach ausgeübt wird oder in einem fachfremden Bereich. Gerade für die Studienfächer, die nicht auf eine konkrete Berufstätigkeit vorbereiten, sondern Kompetenzen für ein weites Tätigkeitsspektrum eröffnen, wie z. B. den Naturwissenschaften oder den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, ergibt sich dadurch ein aussagekräftigeres Gesamtbild (Abbildung 1.7 – 4).

 Abbildung 1.7 - 4
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Arbeitslosenquoten in den meisten Studienfachrichtungen sehr gering

Studienfachbezogene Arbeitslosenquoten für ausgewählte Studienfachrichtungen in Prozent
2021

Diagramm: Arbeitslosenquoten in den meisten Studienfachrichtungen sehr gering

So fällt die studienfachspezifische Arbeitslosenquote für Personen mit einem Abschluss in ei-nem naturwissenschaftlichen Fach nominal erheblich geringer aus als die berufsspezifische Ar-beitslosenquote: Für Erwerbstätige mit einem abgeschlossenen Mathematik-, Statistik-, Physik- oder Chemie Studium errechnen sich 2021 studienfachspezifische Arbeitslosenquoten von unter 3,0 Prozent. In der Biologie fällt die studienfachspezifische Arbeitslosenquote mit 3,3 Prozent zwar im Akademiker-Vergleich immer noch überdurchschnittlich aus, aber merklich kleiner als die berufsspezifische Quote von 7,5 Prozent in den Naturwissenschaften. Ähnlich verhält es sich bei Studiengängen rund um Marketing und Werbung mit Arbeitslosenquoten von 6,7 Prozent (berufsspezifisch) bzw. 3,3 Prozent (studienfachbezogen). Auch in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften wird eine Differenzierung deutlich: Dank der Aufgeschlossenheit gegenüber fachfremden Tätigkeitsfeldern verzeichnen Erwerbspersonen mit einem Abschluss der Sprach- und Literaturwissenschaften eine studienfachspezifische Arbeitslosenquote von nur 3,3 Prozent, in den Politikwissenschaften von 3,1 Prozent. Auch für die Geschichtswissenschaften wird mit 4,6 Prozent die berufsspezifische Berechnung relativiert, die für die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften 7,1 Prozent ausweist. Bei den Berufen rund um Redaktion und Journalistik liefern dagegen die studienfach- und berufsspezifische Berechnung der Arbeitslosenquote keine nennenswerten Unterschiede (jeweils 4,3 Prozent).

Regionale Unterschiede

Da die Arbeitsmarktchancen mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Region in Zusam-menhang stehen, fällt die Arbeitslosenquote von Akademikerinnen und Akademikern auch regional betrachtet unterschiedlich aus. Sehr niedrige Arbeitslosenquoten gibt es – wie bei der Gesamtarbeitslosigkeit – im Süden Deutschlands (Abbildung 1.7 – 5).

 Abbildung 1.7 - 5
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In allen Bundesländern sind Akademikerinnen und Akademiker unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen

Arbeitslosenquoten insgesamt und für Akademiker/-innen in Prozent

2021

Landkarten: In allen Bundesländern sind Akademikerinnen und Akademiker unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen

 

In den östlichen Ländern ist die Arbeitslosenquote von Akademikerinnen und Akademikern mit durchschnittlich 3,1 Prozent höher als in Westdeutschland (2,2 Prozent). Auch die Stadtstaaten weisen höhere Arbeitslosenquoten auf. Aber für den Osten Deutschlands und die Stadtstaaten gilt ebenso: Akademische Fachkräfte sind überall weit seltener von Arbeitslosigkeit betroffen als Erwerbspersonen insgesamt. So lag zum Beispiel die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt bei 7,6 Prozent, die der Akademiker bei 2,7 Prozent. In Bremen waren es durchschnittlich 10,7 Prozent gegenüber 3,5 Prozent bei Akademikerinnen und Akademikern.

Arbeitslosigkeit dauert kürzer als bei anderen Qualifikationsgruppen

Akademiker sind im Mittel kürzer arbeitslos als Personen mit geringerer formaler Bildung. Im Vordergrund steht hier die Sucharbeitslosigkeit. 53 Prozent der arbeitslosen Akademikerinnen und Akademikern im Jahr 2021 waren kürzer als ein halbes Jahr arbeitslos (Abbildung 1.7 – 6). Bei Arbeitslosen mit Berufsabschluss lag dieser Anteil erkennbar niedriger (43 Prozent), bei nicht formal Qualifizierten war er nochmals 6 Prozentpunkte kleiner (38 Prozent).

 Abbildung 1.7 - 6
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Anteil der kurzfristig Arbeitslosen ist bei Akademikerinnen und Akademikern am größten

Durchschnittliche bisherige Dauer der Arbeitslosigkeit nach Art der beruflichen Qualifikation

Anteile 2021

Diagramm: Anteil der kurzfristig Arbeitslosen ist bei Akademikerinnen und Akademikern am größten

 

Langzeitarbeitslosigkeit, also ein Jahr Arbeitslosigkeit und länger, war für 25 Prozent der Akademikerinnen und Akademikern ein Thema. Bei Arbeitslosen, die keinen akademischen Abschluss haben, sind die Anteile Langzeitarbeitsloser deutlich höher (bis hin zu 43 Prozent bei Ungelernten).

Arbeitslosigkeit auch im europäischen Vergleich gering

Auch im europäischen Vergleich ist die Arbeitslosenquote von Akademikerinnen und Akademikern in Deutschland eine der geringsten (Abbildung 1.7 - 7). Die ILO-Erwerbslosenquote von Personen mit tertiärer Ausbildung belief sich 2021 in Deutschland auf 2,5 Prozent.4 Nur in Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Polen wurde jeweils eine noch geringere Arbeitslosenquote ermittelt (nicht alle abgebildet). Die höchsten Arbeitslosenquoten wurden in Griechenland und Spanien ermittelt. Der EU-Durchschnitt beläuft sich auf 4,6 Prozent.

Innerhalb der EU variiert die Akademiker-Erwerbslosenquote erheblich, da sie stark von der Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage des jeweiligen Landes abhängt. Gleichwohl ist in allen EU-Ländern die Erwerbslosenquote von Hochschulabsolventen geringer als die Erwerbslosenquote insgesamt. 

 Abbildung 1.7 - 7
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Auch in anderen Ländern sind Akademikerinnen und Akademiker seltener arbeitslos als andere Qualifikationsgruppen

ILO-Erwerbslosenquoten insgesamt und Akademiker/-innen (Fachkräfte ISCED Level 5 bis 8) in Prozent

Ausgewählte Staaten, 2021

Diagramm: Auch in anderen Ländern sind Akademikerinnen und Akademiker seltener arbeitslos als andere Qualifikationsgruppen

Die ILO-Erwerbslosenquote von Personen mit tertiärer Ausbildung belief sich 2020 in Deutschland auf 2,5 Prozent. Nur in Tschechien, Ungarn, Polen und Rumänien wurden jeweils eine noch geringere Arbeitslosenquote ermittelt (nicht alle abgebildet). Innerhalb der EU variiert die Akademiker-Erwerbslosenquote erheblich, da sie stark von der Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage des jeweiligen Landes abhängt. Gleichwohl ist in allen EU-Ländern die Erwerbslosenquote von Hochschulabsolventen geringer als die Erwerbslosenquote insgesamt.

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1 Für die Jahre 2006 bis 2008 liegen keine Angaben zur Akademikerarbeitslosigkeit vor.
Seit dem Jahr 2006 können für Personen mit Fachschul-, Meister- oder Technikerausbildung die Quoten nicht mehr isoliert berechnet werden. Weitergehende Analysen mit ILO-Daten zeigen aber, dass die Erwerbslosenquote für Arbeitskräfte mit diesen Weiterbildungsabschlüssen ähnlich gering oder teilweise sogar geringer ist als die Arbeitslosenquote von Akademikern. Siehe IAB – Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten, 24. Oktober 2016, Nürnberg.
3 Die qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquoten von 1975 bis 2014 beruhen auf Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die Berechnungsmethode unterscheidet sich von der der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, die ab 2015 verfügbar ist. Die Unterschiede in den Quoten sind aber minimal. Näheres siehe: statistik.arbeitsagentur.de > Grundlagen > Methodenberichte > Arbeitsmarkt
4 Diese sind nur für ausgewählte Studienfachrichtungen verfügbar. Siehe Hinweise zu statistischen Angaben.
5 Quelle: Eurostat, Angaben für 2020.Tertiäre Ausbildung: ISCED-2011-Level 5 bis 8. Alter 15 bis 64 Jahre. Näheres zur ILO-Erwerbslosigkeit siehe statistik.arbeitsagentur.de > Grundlagen > Statistik erklärt > Arbeitsuche, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

  

Stand: Juli 2022