2.1 Ingenieurberufe
PDF-Datei (PDF, 234KB)
Die zahlreichen Herausforderungen im Kontext der digitalen und ökologischen Transformation in Kombination mit der wirtschaftlichen Schwäche bleiben nicht ohne Auswirkungen auf den Ingenieur-Arbeitsmarkt. Trotzdem legte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Ingenieurkräften 2025 weiter zu. Das Beschäftigungswachstum reichte aber nicht aus, um einen merklichen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Auch wenn in einigen Tätigkeitsfeldern wie dem Bau weiterhin Engpässe bei der Besetzung offener Stellen auftraten, ist die gemeldete Nachfrage 2025 erneut deutlich gesunken.
Die weiterhin hohe Studierendenzahl dürfte das Fachkräftepotenzial an Ingenieurinnen und Ingenieuren in den nächsten Jahren insgesamt weiter auf hohem Niveau stabilisieren.
Zahl beschäftigter Ingenieurkräfte weiter leicht aufwärts gerichtet
Rund 1,9 Millionen Erwerbstätige verfügten 2025 laut Angaben des Mikrozensus über einen Studienabschluss im Ingenieurwesen.1 Das waren 6 Prozent mehr als 2020. Längere Zeitvergleiche sind aufgrund einer methodischen Umgestaltung der Datenerhebung zwar nicht möglich; im Rückblick auf die Zeit von 2014 bis 2020, für die eine zeitliche Vergleichbarkeit gegeben ist, zeigt sich aber ebenfalls ein deutliches Wachstum der Erwerbstätigenzahl mit ingenieurwissenschaftlichem Abschluss und zwar um rund 145.000. Dies entspricht einem Anstieg von 9 Prozent.
Abbildung 2.1 - 1
Beschäftigung in Ingenieurberufen weiter leicht aufwärts gerichtet
Erwerbstätige mit ingenieurwissenschaftlichem Abschluss sowie erwerbstätige und sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieurfachkräfte
Die Zahl der in einem Ingenieurberuf Arbeitenden fällt allerdings geringer aus, da nicht alle, die einmal ein Ingenieurstudium abgeschlossen haben, diesen Beruf ausüben: Der Mikrozensus verzeichnete 2025 rund 1,6 Millionen im Ingenieurberuf Erwerbstätige. Der Großteil befand sich in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis. Nur etwa 5 Prozent (86.000 Personen) waren als Selbständige tätig (Abbildung 2.1 – 1).
Für die größte Teilgruppe der abhängig Beschäftigten – nämlich Beschäftigte, die in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis stehen – liegen differenzierte Daten aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit vor. Danach waren 2025 insgesamt rund 1,16 Millionen Ingenieurfachkräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt.2 Das waren 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
Abbildung 2.1 - 2
Fast zwei Drittel der Ingenieurinnen und Ingenieure arbeiten in Produktion und Fertigung einschließlich der technischen Forschung
Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieurfachkräfte am 30.06.2025
Mit fast zwei Dritteln finden sich die meisten der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieurinnen und Ingenieure in der Produktion und Fertigung einschließlich der technischen Forschung und Entwicklung. Mehr als jede fünfte Ingenieurfachkraft war in Bau, Architektur, Vermessung oder Gebäudetechnik beschäftigt. 17 Prozent übten weitere Ingenieurtätigkeiten aus, zum Beispiel im Technischen Vertrieb oder mit naturwissenschaftlichen bzw. informationstechnischen Inhalten (Abbildung 2.1 – 2).
Abbildung 2.1 - 3
Überdurchschnittlicher Beschäftigungsanstieg vor allem im Vertrieb und Verkehr
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Ingenieurberufen; 30.06.2025, Veränderung zum Vorjahr in Prozent
In vielen Tätigkeitsfeldern war 2025 ein weiterer Beschäftigungsanstieg zu verzeichnen, prozentual besonders deutlich in Verkehrsbetrieb und Sicherheitstechnik, im Technischen Vertrieb oder im Bauwesen. Dagegen gab es in der Technischen Forschung, in der Produktionssteuerung sowie in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik leichte Beschäftigungseinbußen. Diese dürften im Zusammen mit der konjunkturellen Schwäche und der ökologischen und digitalen Transformation zu sehen sein (Abbildung 2.1 – 3).
Gemeldete Nachfrage deutlich zurückgegangen
Nachdem der Bestand an gemeldeten offenen Stellen 2023 für Ingenieurinnen und Ingenieure mit 26.000 einen neuen Höchststand erreicht hatte, ging die Nachfrage 2024 um 15 und 2025 um weitere 17 Prozent zurück. Mit 18.000 gemeldeten Stellen befindet sie sich aber weiterhin auf einem guten Niveau.
Auch der Zugang, der das Besetzungsvolumen eines Jahres besser abbildet als der Bestand, spiegelt mit 54.000 Stellenmeldungen einen zwar weiterhin erheblichen, aber merklich gesunkenen Personalbedarf wider. Der Rückgang zeigt sich in allen Ingenieurfachrichtungen mit Ausnahme der Metallverarbeitung. Besonders kräftig gesunken sind dabei die Stellenmeldungen in Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik und in Maschinenbau und Fahrzeugtechnik.
Besetzungsprobleme zeigen sich nach Daten der Bundesagentur für Arbeit nur in der Bauleitung, im Tiefbau, in der Gebäudetechnik oder in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.3
Arbeitslosenzahl 2025 weiter gestiegen
Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 48.000 Ingenieurinnen und Ingenieure arbeitslos gemeldet. Das waren 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anstieg ist prozentual am stärksten ausgeprägt in den Produktions- und Fertigungsberufen. Weniger stark ist er hingegen vor allem in Bauingenieurberufen sichtbar.
Mit einer Höhe von 4,2 Prozent fällt die berufsspezifische Arbeitslosenquote für Ingenieurinnen und Ingenieure 2025 um 0,7 Prozentpunkte höher aus als im Vorjahr. Sie übersteigt die Arbeitslosenquote für Akademikerinnen und Akademiker insgesamt, die 2025 3,3 Prozent betrug.
Abbildung 2.1 - 4
Arbeitslosenquoten in den Ingenieurberufen sehr unterschiedlich
Arbeitslosenquoten für ausgewählte Ingenieurberufe 2025 in Prozent
Zwischen den Fachrichtungen gibt es erhebliche Unterschiede. Am geringsten fiel die Arbeitslosenquote 2025 in der Technischen Forschung aus, gefolgt von der Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie der Produktionssteuerung und Konstruktion (Abbildung 2.1 – 4). Im Bauingenieurwesen und der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik war die Arbeitslosenquote mit 4,2 bzw. 5,0 Prozent etwas höher. Eine vergleichsweise hohe Arbeitslosenquote errechnet sich für den Technischen Vertrieb.
Studierendenzahl gesunken, aber auf sehr hohem Niveau
Die Zahl der erfolgreichen Prüfungen hatte in der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften (hier ohne Informatik) seit 2004 einen enormen Zuwachs erfahren.4 Von 2016 bis 2019 wurden jährlich über 100.000 bestandene Hochschulprüfungen gezählt. Im Corona-Jahr 2020 fiel die Zahl der Abschlussprüfungen in einem Ingenieurstudiengang erstmals seit 2016 wieder unter die 100.000. Mit 90.000 ist 2024 die Zahl der frisch examinierten Ingenieurinnen und Ingenieure zwar erneut gegenüber dem Vorjahr gesunken (-3 Prozent). Sie bewegt sich aber im langjährigen Vergleich weiterhin auf hohem Niveau.
Von 2013 bis 2022 sind jährlich über eine halbe Million Studierende in der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften (ohne Informatik) eingeschrieben gewesen. Seit dem Höhepunkt im Jahr 2016 geht die Studierendenzahl zwar von Jahr zu Jahr zurück und hat 2023 erstmals wieder die 500.000 unterschritten. Mit 479.000 eingeschriebenen Studentinnen und Studenten setzte sich dieser Trend 2024 fort. Die Zahl bewegt sich jedoch immer noch auf sehr hohem Niveau.
Die folgenden Kapitel betrachten näher die beschäftigungsstarken Tätigkeitsfelder
• Maschinen- und Fahrzeugtechnik,
• Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik,
• Technische Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Produktion,
• Bau und Architektur.
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1Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus Erstergebnis 2025.
2Die Arbeitsmarktdaten basieren auf dem Berufsaggregat "Ingenieurberufe" (PDF, 119KB), welches Berufsgattungen der KldB2010 umfasst, die für ausgebildete Ingenieure typische Berufe im Sinne von Tätigkeiten beschreiben. Dabei ist zu beachten, dass die Gesamtdarstellung aller Ingenieurtätigkeiten nicht vollständig deckungsgleich ist mit den ausgewählten Ingenieurfachrichtungen der Kapitel 2.1.1 bis 2.1.4. So wird zum Beispiel in Kapitel 2.1.4 nur der Bereich Bau und Architektur betrachtet, während in der Gesamtdarstellung auch die Bereiche Vermessung und Gebäudetechnik beinhaltet sind. Deshalb können die Angaben etwas voneinander abweichen
3Vgl. Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse 2025, Nürnberg Mai 2026.
4Quelle: Statistisches Bundesamt.
Stand: Juni 2026
2.1.1 Maschinen- und Fahrzeugtechnik
PDF-Datei (PDF, 458KB)
Der Maschinen- und Fahrzeugbau steht vor vielfältigen Herausforderungen. Der Umstieg auf die Elektromobilität, stark gestiegene Material- und Energiepreise, die schwache Konjunktur und nicht zuletzt die unsichere geopolitische Lage setzen die exportorientierte Branche unter Druck. Dies bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die Zahl der Beschäftigten ging im Maschinen- und Fahrzeugbau erstmals seit vielen Jahren leicht zurück. Die gemeldete Kräftenachfrage nahm struktur- und konjunkturbedingt weiter ab. Die Arbeitslosenquote stieg auf 3,5 Prozent. Die Studierendenzahl hat mittlerweile ihren Zenit überschritten. Dennoch sind in den nächsten Jahren weiterhin hohe Absolventenzahlen zu erwarten.
Beschäftigung leicht rückläufig
Rund 395.000 Maschinen- und Fahrzeugtechnik-Expertinnen und -Experten, deren Anforde-rungsprofil einer mindestens vierjährigen Hochschulausbildung oder vergleichbaren Kompeten-zen entspricht, waren laut Angaben des Mikrozensus 2025 in Deutschland als Angestellte, Selb-ständige oder Beamte tätig.1 Für die größte Teilgruppe – die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – weist die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit für 2025 rund 147.000 Personen aus.2 Nach einem über zehnjährigem kontinuierlichen Beschäftigungsaufbau war das ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (-0,3 Prozent).
Großes Beschäftigungsfeld mit vielfältigen Aufgaben
Den Beschäftigungsschwerpunkt des Berufsfeldes bilden mit rund 87.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Personen und einem Anteil von 59 Prozent der Maschinenbau und die Betriebstechnik. Dieser Bereich lässt sich in drei Teilbereiche gliedern: Gut 50.000 Beschäftigte gestalten und optimieren im Maschinenbau und in der Betriebstechnik beispielsweise als Maschinenbau- oder Verfahrensingenieurin bzw. -ingenieur Produktionsabläufe oder entwickeln Maschinen und Fertigungsanlagen. Fast 20.000 sind im Technischen Service und der Instandhaltung tätig und weitere rund 17.000 nehmen in erster Linie Führungsaufgaben wahr (Abbildung 2.1.1 – 1).
In Berufen der Fahrzeugtechnik waren 2025 gut 60.000 Expertinnen und Experten sozialversicherungspflichtig beschäftigt, mit mehr als 39.000 die meisten in der Kraftfahrzeugtechnik. Es folgt als weiterer, zahlenmäßig nicht zu unterschätzender Tätigkeitsbereich die Luft- und Raumfahrttechnik mit 13.000 Ingenieurinnen und Ingenieuren. Hinzu kommen knapp 7.000 Ingenieurinnen und Ingenieure, die in der Fahrzeugtechnik mit Leitungsfunktionen betraut sind.
Sonstige kleinere Tätigkeitsfelder sind der Schiffbau, die Land- und Baumaschinentechnik oder die Zweiradtechnik.
Gemeldete Nachfrage vergleichsweise gering
Im Kontext der Wirtschaftsschwäche ist der gemeldete Bedarf an neuen Arbeitskräften um 20 Prozent auf einen Stellenbestand von 1.800 gesunken. Abgesehen von der Corona-Krise ist das der geringste Wert der letzten zehn Jahre.
Die Jahressumme an neuen Stellenmeldungen, die das Besetzungsvolumen besser widerspiegelt als der Bestand, belief sich 2025 auf rund 5.900 Stellenmeldungen. Das waren 18 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Im Vergleich zu den Jahren vor der Corona-Krise scheint es heute in der Regel schneller zu gelingen, offene Stellen zu besetzen. Die Vakanzzeit, also die Zeit von dem gewünschten Besetzungszeitpunkt bis zur Abmeldung einer offenen Stelle bei der Agentur für Arbeit, hat sich merklich verringert: von durchschnittlich 114 Tagen (2015) auf 80 Tage im Jahr 2025. Dies steht im Einklang mit der BA-Fachkräfteengpassanalyse, die für Expertinnen und Experten in Maschinenbau und Betriebstechnik und der Kraftfahrzeugtechnik keinen Fachkräfteengpass mehr ausweist. Expertenberufe in der Kfz-Technik und der Luft- und Raumfahrttechnik gelten nunmehr als „Berufe im Beobachtungsbereich“.3
Arbeitslosigkeit steigt deutlich
5.600 Arbeitslose suchten im Jahresdurchschnitt 2025 eine Arbeit als Expertin oder Experte der Maschinen- oder Fahrzeugtechnik. Damit ist die Zahl der Arbeitslosen, ausgehend von einem geringen Niveau, im Vergleich zum Vorjahr um 1.200 angestiegen (+28 Prozent). Die Arbeitslosenquote stieg deutlich von 2,8 Prozent im Jahr 2024 auf 3,5 Prozent im Jahr 2025.
Hohe, aber rückläufige Studierendenzahl
Im Prüfungsjahr 2024 beendeten 28.000 Absolventinnen und Absolventen erfolgreich ihr Studium im Studienbereich Maschinenbauwesen, Verfahrenstechnik. Das waren 7 Prozent weniger als im Vorjahr. Neben dem Studienbereich Maschinenbau, Verfahrenstechnik wurden noch weitere 4.000 erfolgreiche Prüfungen im Studienbereich Verkehrstechnik, Nautik absolviert. Auch hier sind die Zahlen rückläufig.
In den nächsten Jahren ist mit weiter hohen Absolventenzahlen zu rechnen. Die Zahl der Neueinschreibungen war 2024/25 im Vergleich zum Vorjahr sogar um vier Prozent gestiegen. Sie bewegte sich mit rund 41.000 Studierenden im ersten Fachsemester auf einem im langjährigen Vergleich hohen Niveau.
Insgesamt waren 138.000 Studierende im Studienbereich Maschinenbau, Verfahrenstechnik eingeschrieben. Die Zahl sinkt zwar kontinuierlich seit 2015, es waren aber 2024/25 deutlich mehr Studierende eingeschrieben als zum Tiefststand um die Jahrtausendwende. Daneben studierten 25.000 junge Menschen Verkehrstechnik, Nautik.
Abbildung 2.1.1 – 1
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1Quelle: Statistisches Bundesamt. Erstergebnis 2025. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
2Der Mikrozensus kam 2025 auf 369.000 angestellte Personen. Die starke Abweichung gegenüber der Beschäftigungsstatistik resultiert unter anderem aus Spielräumen bei der Zuordnung des Schwerpunktes der beruflichen Tätigkeit zur amtlichen Klassifikation. Offensichtlich bestehen in dieser Berufsgruppe sehr große Unterschiede zwischen der Einschätzung der Betriebe (Beschäftigungsstatistik) und der Beschäftigten selbst (Mikrozensus). Außerdem ist zu beachten, dass der Mikrozensus wie alle Befragungsergebnisse mit Unschärfen z. B. aufgrund von unvermeidbaren Stichprobenfehlern oder Antwortausfällen behaftet ist. Siehe auch Hinweise zu statistischen Angaben.
3Vgl. Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse 2025, Nürnberg Mai 2026.
Stand: Juni 2026
2.1.2 Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik
PDF-Datei (PDF, 443KB)
Expertinnen und Experten der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik sind prinzipiell am Arbeitsmarkt gut positioniert. Herausforderungen wie die Energiewende oder die rasant zunehmende Digitalisierung und Automatisierung bringen einen hohen Bedarf an Fachexpertise mit sich. Dies schlug sich 2025 in einem weiteren Wachstum der Beschäftigung nieder, wenngleich die Beschäftigungszunahme nur gering ausfällt. Das Produzierende Gewerbe war 2025 aber stark von der Konjunkturschwäche betroffen. Auch die Transformation der Automobilindustrie verläuft nicht ohne Friktionen. Deshalb ging die gemeldete Nachfrage nach Experten und Expertinnen in der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik 2025 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Die Arbeitslosigkeit ist in den letzten drei Jahren angestiegen, zuletzt sogar merklich. Die Zahl der Studierenden ist in den letzten Jahren stabil.
Zahl der Beschäftigten leicht gestiegen
Nach Angaben des Mikrozensus waren 2025 rund 177.000 Expertinnen und Experten der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik in Deutschland tätig.1 5 Prozent von ihnen übten die Arbeit als Selbständige aus. Mit 169.000 Personen befand sich laut Mikrozensus die große Mehrheit in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis als Angestellte, Beamte oder Minijobber beispielsweise neben einem Studium.
Die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit weist 2025 im Feld der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik 95.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Expertinnen und Experten aus (Abbildung 2.1.2 – 1).2 In den letzten Jahren gab es nennenswerte Beschäftigungsgewinne, zuletzt aber nur noch um 1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Verlauf der letzten zehn Jahre ist das Wachstum unterdurchschnittlich ausgefallen. Mögliche Ursache könnte eine zunehmende Verlagerung von der Elektrotechnik hin zur (technischen) Informatik sein. In der Zusammenschau betrachtet ist das Berufsfeld Informatik/Informations- und Elektrotechnik stark gewachsen.
Gemeldete Nachfrage gesunken
Nach dem Hoch der letzten zwei Jahre ist der Bestand an gemeldeten offenen Arbeitsstellen 2025 im Kontext der schwachen Konjunktur auf 3.000 gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr waren das ein gutes Viertel weniger und – mit Ausnahme von 2015 und 2020 –geringer als in den letzten zehn Jahren.
Auch der Zugang an neuen Stellenofferten, der besser das Nachfragevolumen eines Jahres beschreibt, fiel 2025 mit 8.400 Stellenangeboten um 18 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum.
Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit stellt 2025 keinen Fachkräfteman-gel in der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik fest. Berufe der Mechatronik, Automatisie-rungstechnik und der Elektrotechnik gelten als Berufe im Beobachtungsbereich.3
Arbeitslosenzahl gestiegen
Die Zahl der Arbeitslosen, die eine Expertentätigkeit in der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik anstreben, stieg 2025 um rund 1.000 auf 4.700 Arbeitslose. Das war eine Zunahme von gut einem Viertel gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,9 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent. Sie fällt damit höher aus als im Durchschnitt über alle akademischen Berufe (3,3 Prozent).
Studierendenzahl stabil
Rund 13.000 erfolgreiche Prüfungen wurden im Studienbereich Elektrotechnik und Informationstechnik abgelegt. Das waren 3 Prozent weniger als im Vorjahr.
Der Anteil der Frauen hat sich zwar in den letzten zehn Jahren um 5 Prozentpunkte erhöht, betrug aber zuletzt trotzdem nur 15 Prozent und war im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken.
Jeweils rund die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen erwarb einen Bachelor- bzw. einen Masterabschluss. Etwa die Hälfte der Bachelor schließt ein Masterstudium an und steht dem Arbeitsmarkt erst später zur Verfügung.4
Die Zahl der Studierenden unterlag in der Elektro- und Informationstechnik großen Wellenbewegungen, zuletzt blieb sie jedoch stabil. 2024/25 waren insgesamt rund 73.000 Studierende im Studienbereich Elektro- und Informationstechnik eingeschrieben. Das waren 0,1 Prozent mehr als im Vorjahr und 14 Prozent weniger als zehn Jahre zuvor.
Abbildung 2.1.2 – 1
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1Quelle: Statistisches Bundesamt, Erstergebnis 2025. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
2Die starke Abweichung gegenüber dem Mikrozensus resultiert unter anderem aus Spielräumen bei der Zuordnung des Schwerpunktes der beruflichen Tätigkeit zur amtlichen Klassifikation. Offensichtlich bestehen in dieser Berufsgruppe sehr große Unterschiede zwischen der Einschätzung der Betriebe (Beschäftigungsstatistik) und der Beschäftigten selbst (Mikrozensus). Außerdem ist zu beachten, dass der Mikrozensus wie alle Befragungsergebnisse mit Unschärfen z. B. aufgrund von unvermeidbaren Stichprobenfehlern oder Antwortausfällen behaftet ist. Siehe auch Hinweise zu statistischen Angaben.
3 vgl. Bundesagentur für Arbeit: BA-Fachkräfteengpassanalyse 2025, Nürnberg Mai 2026.
4Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistik des Studienverlaufs. Angaben beziehen sich auf die Ingenieurwissenschaften insgesamt.
Stand: Juni 2026
2.1.3 Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Produktion
PDF-Datei (PDF, 457KB)
Neben den in den vorangehenden Kapiteln beschriebenen Tätigkeitsfeldern finden Ingenieurinnen und Ingenieure vielfältige Einsatzbereiche in der Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Produktion. Hier entwickeln sie zum Beispiel Produkte, technische Verfahren oder Technologien. Sie sind in der Grundlagenforschung tätig, organisieren und überwachen den Betrieb von Anlagen und Fertigungsprozessen oder arbeiten an Aufgabenstellungen wie Energie- und Kosteneffizienz, Qualitätssicherung und Prozess- und Produktsicherheit. Typisch für dieses Feld sind Tätigkeitsbezeichnungen wie Forschungs- und Entwicklungsingenieur/-in, Projektingenieur/-in, Konstruktionsingenieur/-in, Qualitätsingenieur/-in oder Wirtschaftsingenieur/-in. Gerade die Verbindung von technischem Knowhow und betriebswirtschaftlichem Sachverstand, die kennzeichnend für die letztgenannte Berufsgruppe ist, hat an Stellenwert gewonnen. Als Führungskräfte sind Ingenieurinnen und Ingenieure darüber hinaus in produzierenden Unternehmen unter anderem für die Steuerung der Fertigung im Hinblick auf Quantität und Qualität, Termintreue und Effizienz verantwortlich.
Diese hochqualifizierten Technik-Expertinnen und -Experten zählen zu den gefragten Fachkräften am deutschen Arbeitsmarkt. Dies zeigt sich an einer in den letzten Jahren dynamisch gewachsenen Beschäftigung. Seit der Corona-Krise 2020 und in Folge des Ukraine-Kriegs und der damit verbundenen Lieferengpässe sowie der gestiegenen Energie- und Materialkosten hat sich der Beschäftigungsaufbau allerdings verlangsamt. 2025 war sogar ein Rückgang zu verzeichnen. Die konjunkturelle Schwäche wirkte sich 2025 besonders auf das Produzierenden Gewerbe negativ aus. Die gemeldete Nachfrage ist nach ihrem Höchststand im Jahr 2023 das zweite Jahr in Folge gesunken. Die Arbeitslosigkeit ist 2025 erneut und deutlich gestiegen, bleibt aber auf Vollbeschäftigungsniveau. Die Studierendenzahl bewegt sich weiterhin auf einem noch hohen Niveau und dürfte in den nächsten Jahren zu einem stabilen Fachkräfteangebot beitragen.
Forschung und Entwicklung als wichtiges Arbeitsfeld
In den Tätigkeitsfeldern Technische Forschung und Entwicklung einerseits und der Produktion und Konstruktion andererseits waren 2025 insgesamt 447.000 Ingenieurfachkräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren ein Prozent weniger als im Jahr zuvor.
Von ihnen waren 253.000 Ingenieurinnen und Ingenieure vorwiegend mit Forschen und Entwickeln betraut, darunter 12.000 als Führungskräfte.
In der Produktionsplanung und -steuerung sowie der Konstruktion waren 194.000 Ingenieurfachkräfte beschäftigt. 90.000 übten Leitungsaufgaben aus, während rund 61.000 als Arbeitsplanungs-, Betriebs-, Fertigungs- oder Wirtschaftsingenieurin oder -ingenieur fachliche Verantwortung in der Produktion übertragen war. Für weitere 30.000 stand die technische Qualitätssicherung im Mittelpunkt der Berufsausübung. Ferner waren mit 13.000 Personen als hochqualifizierte Fachkräfte in der Konstruktion beziehungsweise im Gerätebau tätig (Abbildung 2.1.3 – 1).
Der permanente Beschäftigungsaufbau, der in den letzten Jahren zu beobachten war, hat sich 2025 nicht mehr fortgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Beschäftigung aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Lage um einen Prozent gesunken.
Der aktuelle Rückgang hat sich in Forschung und Entwicklung etwas stärker ausgewirkt als in Produktion und Fertigung. Entwicklungsprojekte werden in Zeiten von Wirtschaftsschwäche und unklarer Entwicklungsprognose geschoben. Bei einer Erholung der Konjunktur sind wieder verstärkte Investitionen in Künstliche Intelligenz, alternative Antriebe, autonomes Fahren oder auch Automatisierung und Vernetzung der Produktionsprozesse zu erwarten, bei denen Entwicklungspersonal wieder stärker gefragt sein dürfte.
Gemeldete Nachfrage gesunken
Nach dem Höchststand im Jahr 2023 hat die gemeldete Nachfrage nach Technik-Expertinnen und -Experten 2024 und 2025 vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Schwäche nachgelassen.
Durchschnittlich hatte die öffentliche Arbeitsvermittlung 2025 rund 2.400 Stellenangebote im Portfolio. Damit ist die gemeldete Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent gesunken. Im Laufe des Jahres wurden 8.900 Stellenangebote neu gemeldet, 4 Prozent weniger als im Vorjahr.
Die meisten Offerten richteten sich dabei an Kräfte in der technischen Produktionsplanung und
-steuerung. Engpässe bei der Stellenbesetzung, wie in früheren Jahren, traten laut Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit nicht mehr zu Tage. Berufe in der Konstruktion und im Gerä-tebau stehen jedoch unter Beobachtung.1
Arbeitslosigkeit steigt deutlich, bleibt aber noch auf niedrigem Niveau
2025 waren jahresdurchschnittlich 11.700 Personen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenzahl hat sich damit gegenüber dem Vorjahr um fast ein Drittel erhöht. Die Arbeitslosenquote stieg von 2024 auf 2025 um 0,1 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Sie fiel damit weiterhin erheblich geringer aus als in den meisten Berufsgruppen.
Zahl der Studierenden weiter gesunken
Die Zahl der jungen Menschen, die erfolgreich ein Wirtschaftsingenieur-Studium oder ein Studium des Allgemeinen Ingenieurwesens abgeschlossen haben, verzeichnete in den vergangenen Jahren – außer im Corona-Jahr 2020 – einen steten Aufwärtstrend.2 Seit 2023 sinkt die Zahl jedoch. 18.000 Personen schlossen 2024 ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens ab (-8 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und weitere 9.000 ein Studium des Allgemeinen Ingenieurwesens (-1 Prozent).
Insgesamt waren rund 90.000 junge Menschen 2024/25 für ein Wirtschaftsingenieurstudium eingeschrieben, 1 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig wies die Hochschulstatistik 53.000 Studierende der Allgemeinen Ingenieurwissenschaften aus, ebenfalls 1 Prozent weniger als im Vorjahr.
Im Bereich des Wirtschaftsingenieurwesens hat der ingenieurwissenschaftliche Schwerpunkt erheblich an Bedeutung gewonnen.3 Wählten im Jahr 2011 etwa die Hälfte diesen Schwerpunkt, so kletterte dieser Anteil bis 2024/25 auf zwei Drittel.
Abbildung 2.1.3 – 1
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1Vgl. Bundesagentur für Arbeit: BA-Fachkräfteengpassanalyse 2025, Nürnberg Mai 2026.
2Für eine Berufstätigkeit in Forschung, Entwicklung, Konstruktion oder Produktion kann der Zugang natürlich auch über andere als die hier beschriebenen Ingenieurfächer erfolgen (z.B. Maschinenbau/Verfahrenstechnik). Die Entwicklungen in diesen Studienbereichen werden in den vorhergehenden Abschnitten beschrieben.
3Differenzierte Betrachtung von Schwerpunkten ab 2009 möglich.
Stand: Juni 2026
2.1.4 Architektur und Bauingenieurwesen
PDF-Datei (PDF, 506KB)
Der Arbeitsmarkt für Architektinnen und Architekten sowie Bauingenieurinnen und Bauingenieure ist eng mit der Baukonjunktur verknüpft. Die wirtschaftlichen Erwartungen sind zwiespältig. Auftragslage und Baugenehmigungen sind zwar aufwärts gerichtet. Gestiegene Baupreise wirken sich aber negativ aus. Das Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung hat sich in Architektur und Bauingenieurwesen 2025 fortgesetzt, jedoch geringer als in früheren Jahren. Die wirtschaftliche Schwäche gepaart mit den steigenden Baukosten spiegelt sich 2025 in einem Rückgang der gemeldeten Stellenangebote und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote fällt aber nach wie vor gering aus. Was das Nachwuchspotenzial an Baufachleuten angeht, kann mit Blick auf tendenziell gestiegene Studierendenzahlen für die nächsten Jahre eine Zunahme erwartet werden.
Über 500.000 hochqualifizierte Baukundige
Laut Angaben des Mikrozensus verfügten 2025 rund 235.000 Personen über einen Abschluss im Bauingenieurwesen und 270.000 über einen der Architektur einschließlich der Städteplanung.1
Die Zahl der tatsächlich als Architektin bzw. Architekt tätigen Personen ist merklich kleiner: Der Mikrozensus weist rund 133.000 erwerbstätige Personen aus (Abbildung 2.1.4 – 1). Die Mitgliederstatistik der Bundesarchitektenkammer registrierte mit insgesamt rund 135.000 Architektinnen und Architekten sowie Stadtplanerinnen und Stadtplanern etwas mehr.2 Allerdings sind hier zum Teil auch Architektinnen und Architekten im Ruhestand oder nicht Berufstätige enthalten. Gut ein Viertel der Architekturkundigen war selbständig tätig.3
Eine Tätigkeit im Bauingenieurwesen oder in der Bauleitung übten rund 263.000 Personen aus (Abbildung 2.1.4 – 2). Auch in diesem Feld dürften viele Architektinnen und Architekten tätig sein, denn die Zahl der Erwerbstätigen, die über einen Studienabschluss im Bauingenieurwesen verfügen, ist mit 235.000 deutlich geringer.
Auch im Bauingenieurwesen kommt der selbständigen Berufsausübung eine gewisse Bedeutung zu. Rund 16 Prozent waren ihr eigener Chef bzw. ihre eigene Chefin. Unter den Bau-Fachleuten waren darüber hinaus rund 14.000 Personen, die bei Bauämtern oder anderen Institutionen des Öffentlichen Dienstes als Beamte beschäftigt waren.4
Erwerbstätigkeit in den letzten 10 Jahren gestiegen
Die Zahl der Erwerbstätigen mit einem Studienabschluss im Bauingenieurwesen oder in der Architektur ist im Lauf der letzten zehn Jahre immer wieder Schwankungen unterworfen gewesen. Tendenziell zeigt sich aber eine merkliche Zunahme. Die Bundesarchitektenkammer verzeichnet im Januar 2026 allerdings das zweite Jahr in Folge einen Rückgang der Berufsausübenden.5 Laut BA-Statistik ist die Zahl der im Bauingenieurwesen oder der Bauleitung sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 2025 gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent gestiegen, die Zahl der Architektinnen und Architekten blieb dagegen auf dem Niveau des Vorjahres.
Fachkräftemangel im Bauingenieurwesen
Bauingenieurinnen und Bauingenieure konnten in den letzten Jahren von der guten Baukonjunktur profitieren. So hatte die Nachfrage nach Fachexpertinnen und Fachexperten im Bau seit Jahren zugenommen. In der Bauleitung oder im Tiefbau traten dabei 2025 merkliche Engpässe bei der Fachkräfterekrutierung auf.6 Im Verlauf des Jahres 2025 wurden im Bauingenieurwesen insgesamt 14.900 Stellenangebote neu gemeldet. Das war aufgrund der konjunkturellen Schwäche ein Minus von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, aber gleichzeitig immer noch ein im langjährigen Vergleich hohes Niveau. Monatsdurchschnittlich hatte der Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit damit 5.900 Stellen im Angebot.
Dem standen 6.600 arbeitslose Bauexpertinnen und Bauexperten gegenüber, 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote stieg in Architektur und Bauingenieurwesen von 2,9 Prozent im Jahr 2024 auf immer noch niedrige 3,3 Prozent im Jahr 2025.
In der Architektur trotz gestiegener Arbeitslosigkeit nahezu Vollbeschäftigung
Die Nachfrage nach abhängig beschäftigten Architektinnen und Architekten bewegte sich 2025, gemessen an den im Jahresverlauf neu gemeldeten Arbeitsstellen, mit 3.200 Jobofferten spürbar unter dem Niveau des Vorjahres (-11 Prozent). Monatsdurchschnittlich waren 1.000 Arbeitsstellen zu vermitteln.
Gleichzeitig waren rund 3.900 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt registriert. Dies entspricht einem Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote, die nur gemeinsam für die Berufe Bauingenieur/-in und Architekt/-in berechnet wird, liegt mit 3,3 Prozent weiterhin nahe der Vollbeschäftigung.
Wirtschaftliche Lage für die Bauwirtschaft zwiespältig
Die wirtschaftliche Lage im Baugewerbe ist zwiespältig. 2025 lagen die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe real und kalenderbereinigt um 7 Prozent über denen des Vorjahres. Auch die Baugenehmigungen für Wohnungen überstiegen im Jahr 2025 den Wert des Vorjahres um 11 Prozent. Allerdings haben die Preise für Wohngebäude weiter zugenommen, was zusammen mit der rezessiven wirtschaftlichen Lage einen dämpfenden Einfluss haben dürfte.6 Mit der aktuellen Lage waren Unternehmen des Bauhauptgewerbes im April 2026 laut ifo Geschäftsklima weniger zufrieden. Die Erwartungen gaben fast um 10 Punkte nach.7
Interesse an einem Bauingenieur- oder Architekturstudium weiter hoch
Die Hochschulstatistik verzeichnete 2024 rund 10.000 Absolventinnen und Absolventen des Bauingenieurwesens. Das waren 3 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Architektur und Innenarchitektur erwarben 10.000 Studierende einen Abschluss (+5 Prozent).
In den nächsten Jahren könnten die Absolventenzahlen weiter steigen, weil die Studierendenzahlen in den letzten Jahren, vor allem in der Architektur, tendenziell gestiegen waren. 2024/25 waren im Bauingenieurwesen insgesamt 60.000 Studierende eingeschrieben, etwa genauso viele wie im Vorjahr. In der Architektur sank die Studierendenzahl um 1 Prozent auf 46.000.
Abbildung 2.1.4 – 1
Abbildung 2.1.4 – 2
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1 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus, Erstergebnis 2025. ISCED-F 0731 Architektur und Städteplanung sowie 0732 Baugewerbe, Hoch- und Tiefbau.
2 Quelle: Bundesarchitektenkammer, Bundeskammerstatistik zum 1. Januar 2026
3 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus, Erstergebnis 2025.
4 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus, Erstergebnis 2025. Gesamtzahl für Architekten und Bauingenieure, weil hier zwischen den Berufen nicht trennscharf unterschieden wird.
5 Quelle: Bundesarchitektenkammer, Bundeskammerstatistik zum 1. Januar 2026
6Vgl. Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse 2025, Nürnberg Mai 2026.
7Quelle: ifo Geschäftsklima 24.04.2026
Stand: Juni 2026
2.2 Informatik
PDF-Datei (PDF, 470KB)
Die digitale Transformation geht einher mit einem überdurchschnittlichen Zuwachs an Arbeitsplätzen für Computerfachleute.1 Selbst in wirtschaftlich schwachen Jahren hat sich der Beschäftigungsaufbau in Berufen der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT-Berufe) fortgesetzt.
Die gemeldete Nachfrage ist aber in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Das ist die Folge der aktuellen konjunkturellen Schwäche, aber auch des branchenspezifischen Strukturwandels. Dabei scheint der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) die Anforderungen grundlegend zu verändern, was den Bedarf an kontinuierlicher Weiterbildung erhöht. Teilweise sind zwar weiterhin Engpässe bei der Besetzung gemeldeter Stellen sichtbar. Besetzungsprobleme sind aber spürbar zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote ist dagegen in IT-Berufen insgesamt auf 4,5 Prozent gestiegen, bei hochqualifizierten IKT-Expertinnen und -Experten auf 3,5 Prozent.
Die Studierendenzahlen in der Informatik bewegen sich auf Wachstumskurs und erzielten seit 2011 regelmäßig überdurchschnittliche Zuwachsraten. Daraus lässt sich für die nächsten Jahre eine wachsende Zahl an Berufseinsteigerinnen und -einsteigern ableiten. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung erwartet die Arbeitsmarktforschung in der Zukunft einen tendenziell steigenden Bedarf an IKT-Fachleuten.
Zahl erwerbstätiger IKT-Fachleute stark gewachsen
Rund 1,6 Mio. IKT-Fachleute waren 2025 laut Angaben des Mikrozensus in Deutschland tätig. Damit hat die Erwerbstätigenzahl in der Informations- und Kommunikationstechnik in den letzten Jahren einen beeindruckenden Wachstumskurs hinter sich. 2025 war sie um fast 700.000 höher als 2015.2 Zu den Erwerbstätigen zählen neben den Beschäftigten im Angestelltenverhältnis, die den Hauptteil ausmachen, Selbständige und Beamte sowie geringfügig Beschäftigte.
Vor allem die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat zugenommen
Das Wachstum der Erwerbstätigkeit speist sich zum großen Teil aus einer Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weist 2025 rund 1,15 Millionen IKT-Fachleute aus, die in diesem Jahr in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Im Vorjahresvergleich zeigt sich ein Plus von 28.000 Personen oder 2 Prozent, während die Beschäftigungsentwicklung insgesamt stagnierte.
Gut ein Drittel des Beschäftigungszuwachses geht auf IKT-Expertinnen und -Experten mit hochkomplexem Anforderungsprofil zurück. Ihre Zahl hat um 10.000 oder 2 Prozent zugenommen. Dabei hat der formale Abschluss in der Informatik an Bedeutung gewonnen. Der Anteil von IKT-Beschäftigten mit Fachhochschul- und Hochschulabschluss an allen IKT-lern hat von 43 Prozent im Jahr 2015 auf 52 Prozent im Jahr 2025 zugenommen (Abbildung 2.2 – 1).
Überdurchschnittliche Gehälter
Sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigte IT-Kräfte erzielten 2023 im Mittel ein monatliches Bruttogehalt von 5.688 Euro (West 5.775 Euro, Ost 5.193 Euro). Sie konnten sich damit über ein Einkommen freuen, das deutlich über dem Mittel aller Berufe3 rangiert (Deutschland 4.009 Euro, West 4.129 Euro, Ost 3.489 Euro). Mit der Komplexität der Anforderungen steigt das Gehalt. Für Tätigkeiten, die einen mindestens vierjährigen Hochschulabschluss oder vergleichbare Kompetenzen erfordern, weist die Entgeltstatistik monatlich 6.068 Euro aus (West 6.145 Euro, Ost 5.666 Euro). Bei mehr als jedem fünften hochqualifizierten IKT-Beschäftigten lag das Monatsgehalt sogar über der Beitragsbemessungsgrenze von 7.100 Euro in West-deutschland.
Arbeitslosenquote merklich gestiegen
Vor dem Hintergrund der schwachen Wirtschaftsentwicklung ist 2025 die Arbeitslosigkeit trotz des kräftigen Beschäftigungswachstums deutlich gestiegen. Rund 54.000 IKT-Fachleute waren im Jahresdurchschnitt 2025 arbeitslos gemeldet, 12.000 oder 27 Prozent mehr als im Vorjahr und gleichzeitig die höchste Zahl der letzten zehn Jahre.
Von den arbeitslosen IKT-Fachleuten verfügten 23.000 über einen akademischen Abschluss. Dies entspricht einem Anteil von 42 Prozent. Im Vergleich zu ihrem Anteil an den IKT-Beschäftigten (52 Prozent) sind Hochqualifizierte damit unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen.
Die Arbeitslosenquote in IKT-Berufen ist 2025 insgesamt um 0,8 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent gestiegen. Bei IKT-Expertinnen und -Experten, die in der Regel über einen Hochschulabschluss oder vergleichbare Kompetenzen verfügen, belief sie sich auf vergleichsweise geringe 3,5 Prozent. Hier ist ein Anstieg von 0,2 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen.
Zahl der gemeldeten offenen Stellen stark gesunken
Jahresdurchschnittlich hatte die Bundesagentur für Arbeit 2025 rund 13.000 Jobangebote für IKT-Kräfte im Bestand. Das war ein Minus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig entspricht dies dem geringsten Stellenbestand seit 2015.
Die Neuzugänge gemeldeter Stellen, die mehr über die Dynamik der Nachfrage aussagen, beliefen sich 2025 auf rund 39.000 Arbeitsstellen, 11 Prozent weniger als im Vorjahr.
Engpässe aktuell rückläufig
Fachkräfteengpässe in der Softwareentwicklung, die in der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit in den letzten Jahren regelmäßig ausgewiesen wurden, waren 2025 nicht mehr sichtbar. Besetzungsprobleme zeigten sich aber nach Daten der Bundesagentur für Arbeit weiterhin bei einigen Spezialistenberufen.4 Einige weitere IT-Berufe gelten laut BA-Engpassanalyse als Berufe unter Beobachtung.
Arbeitsmarktforscherinnen und Arbeitsmarktforscher sehen in einer Projektion bis zum Jahr 2040 im Kontext der zunehmenden Digitalisierung einen stark wachsenden Bedarf an qualifizierten IKT-Kräften und warnen vor möglichen Fachkräfteengpässen.5
Laut einer Umfrage des Branchenverbandes BITKOM unter IT-Unternehmen wird die Nachfrage nach IT-Kräften ohne KI-Kompetenzen stark zurückgehen, während der Bedarf an Fachkräften mit spezifischen IT-Kompetenzen hoch bleibt.6
Großes Interesse an Informatikstudiengängen
Seit der Jahrtausendwende sind die Absolventenzahlen der Informatikstudiengänge, anders als in den meisten anderen Studienbereichen, ununterbrochen gewachsen. Rund 39.000 Studierende schlossen 2024 ein Informatikstudium erfolgreich ab. Das waren 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Bachelorabschlüsse liegt bei 57 Prozent. Etwa die Hälfte der examinierten Informatik-Bachelors stehen dem Arbeitsmarkt nicht unmittelbar als Arbeitskräfte zur Verfügung, weil sie ein Masterstudium anschließen.7
In den nächsten Jahren dürfte die Berufseinsteigerzahl weiter zunehmen, denn seit 2008 ist die Zahl der Studierenden kontinuierlich gewachsen. Insgesamt verzeichnete der Studienbereich Informatik im Studienjahr 2024/25 rund 266.000 Studierende. Das waren 7.000 oder 3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig wurde damit ein neuer Höchststand im Studienbereich Informatik erreicht.
Zum Weiterlesen: Der Arbeitsmarkt für IKT-Berufe im Kontext der Transformation (PDF, 681KB)
Abbildung 2.2 - 1
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1In diesem Kapitel wird der Gesamtarbeitsmarkt für IKT-Kräfte, unabhängig vom Berufsabschluss, betrachtet. Auf die Situation von Akademikerinnen und Akademiker wird dabei als Teilgröße eingegangen.
2Quelle: Statistisches Bundesamt. Erstergebnis 2025. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
3 ohne Helfer.
4Vgl. Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse 2025, Nürnberg Mai 2026.
5Quelle: BIBB Report 3/2022 sowie IAB-Forschungsbericht 3/2025.
6Quelle: Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte, Bitkom-Studie 2025.
7Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistik des Studienverlaufs. Angaben beziehen sich auf die Ingenieurwissenschaften insgesamt.
Stand: Juni 2026
2.3 Naturwissenschaften
PDF-Datei (PDF, 463KB)
Der Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zeigte sich im letzten Jahrzehnt sehr aufnahmefähig, was sich in einer kräftig gestiegenen Erwerbstätigkeit widerspiegelt. Im Zuge der schwachen Konjunktur ist die Arbeitslosenzahl 2025 zwar angestiegen, grundsätz-lich aber in den meisten Fachrichtungen noch auf einem geringen Niveau. Die Zahl der gemeldeten Stellenangebote, die sich explizit an Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler richten, ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Sie fällt generell sehr überschaubar aus. Insbesondere in der Biologie zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen der Zahl der Arbeitslosen und der Zahl der gemeldeten Stellen. Die hohe Studierendenzahl dürfte in den nächsten Jahren zu einem stabilen Arbeitskräftepotenzials in den Naturwissenschaften beitragen.
Zahl der Erwerbstätigen gestiegen
Der Mikrozensus wies 2025 in Deutschland insgesamt fast 700.000 Erwerbstätige mit einem naturwissenschaftlichen Hochschulabschluss aus.1 (Abbildung 2.3 – 1)
Die Zahl der originär in der Naturwissenschaft Tätigen fällt 2025 mit rund 225.000 im Vergleich dazu gering aus. Hierzu zählen rund 61.000 in der Chemie Berufstätige, 65.000 in der Biologie, 44.000 in der Physik, 32.000 in Mathematik und Statistik sowie 23.000 in Berufen der Geografie, Geowissenschaften oder der Meteorologie.
Die große rechnerische Differenz zur Zahl derjenigen mit einem naturwissenschaftlichen Abschluss (699.000) ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler häufig interdisziplinär in den verschiedensten Berufsfeldern tätig sind und ihre konkrete Berufsausübung oft nicht den Naturwissenschaften zugeordnet wird. So arbeitet laut Mikrozensus ein großer Teil der studierten Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in Tätigkeitsfeldern wie Lehre und Forschung, Unternehmensführung und -organisation, Informations- und Kommunikationstechnik oder technische Entwicklung und Produktion (Abbildung 2.3 – 2)
Abbildung 2.3 - 1
Abbildung 2.3 - 2
Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind in vielen Berufen zu Hause
Erwerbstätige mit Studienabschluss der Naturwissenschaften nach ausgeübten Tätigkeiten, Deutschland 2025
Die Spielräume bei der Berufszuordnung werden auch beim Blick in die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit deutlich. Danach waren 2025 rund 102.000 Personen als Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sozialversicherungspflichtig beschäftigt. In der Geologie, in der Biologie und in der Physik gab es dabei leichte Zuwächse gegenüber dem Vorjahr. In der Mathematik blieb die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unverändert. In der Chemie gab es ein Minus von 2 Prozent.
Arbeitslosigkeit gestiegen, gemeldete Nachfrage auf geringem Niveau
2025 waren 1.800 Personen arbeitslos gemeldet, die eine hochqualifizierte Tätigkeit in der Physik suchten, ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Bezogen auf die hohe Zahl der Erwerbspersonen mit einem Physik-Studium bewegte sich die studienfachspezifische Arbeitslosenquote mit 3,3 Prozent trotz des Anstiegs noch auf einem relativ niedrigen Niveau.2 Bei den neu gemeldeten Stellen war 2025 ein merkliches Minus zu verzeichnen. So wurden für Physikerinnen und Physiker von Januar bis Dezember 2025 gut 900 Offerten gemeldet, 7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Durchschnittlich hatten die Agenturen für Arbeit damit 2025 200 Stellen im Angebot, die sich explizit an Physikerinnen und Physiker wandten.
In der Mathematik stellt sich der Arbeitsmarkt grundsätzlich gut dar. Etwa 800 Arbeitslose such-ten 2025 eine hochqualifizierte mathematisch ausgerichtete Tätigkeit, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Die studienfachspezifische Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent signalisiert, dass Arbeitslosigkeit in der Regel nur ein kurzfristiges Suchphänomen darstellt.3 Im Laufe des Jahres gingen gut 700 Offerten für Mathematikerinnen und Mathematiker ein, 4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Durchschnittlich hatten die Agenturen für Arbeit 2025 damit 200 Stellen im Angebot.
In der Chemie (einschließlich Chemieingenieurwesen) stieg die Arbeitslosenzahl um 16 Prozent auf 2.300 Arbeitslose. Bezogen auf die Zahl aller Erwerbspersonen mit einem Studienabschluss der Chemie ergab sich 2025 eine geringe studienfachspezifische Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent. Im Jahresverlauf wurden mit 1.200 Stellenangeboten 13 Prozent weniger als im Vorjahr neu gemeldet. Monatsdurchschnittlich standen damit fast 300 Stellenangebote für Chemie-Expertinnen und -Experten zur Verfügung.
Im Jahresdurchschnitt 2025 suchten rund 4.400 Arbeitslose eine Anstellung in der Biologie. Das waren 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Die studienfachspezifische Arbeitslosenquote betrug 4,3 Prozent. Die gemeldete Nachfrage nach Biologie-Expertinnen und Experten ist, wie in anderen naturwissenschaftlichen Fachrichtungen, gering. So standen den 4.400 Arbeitslosen monatsdurchschnittlich nur gut 300 gemeldete Stellen gegenüber. Die Neuzugänge an Stellenange-boten im Jahresverlauf, die ein besseres Maß für das Besetzungsvolumen eines Jahres darstellen, beliefen sich 2025 auf 1.500 Vakanzen, 1 Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei fällt allerdings ein hoher Anteil befristeter Stellenangebote auf. Mehr als zwei Fünftel der Biologie-Stellen wurden mit Ablaufdatum ausgeschrieben.
Eine Tätigkeit in den Geowissenschaften, Geografie oder Meteorologie strebten nicht ganz 900 Arbeitslose an, 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig hatte die öffentliche Arbeitsvermittlung monatsdurchschnittlich knapp 300 Stellen für diese Berufe im Bestand. Bei den Zugängen an Stellenangeboten, die von Januar bis Dezember 2025 gemeldet wurden, war mit 1.000 Stellenmeldungen ein deutliches Minus gegenüber dem Vorjahr festzustellen
(-20 Prozent).
Fast eine viertel Million Studierende
Nach regelmäßigem Anstieg von 2002 bis 2015 hatten sich die Prüfungszahlen in der Fächergruppe Mathematik, Naturwissenschaften auf jährlich um die 45.000 eingependelt.4 2024 haben 44.000 Studierende erfolgreich ihr Studium abgeschlossen, 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kamen etwa 11.000 Lehramtsprüfungen in den Naturwissenschaften.
Der größte Teil der erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen5 hatte Biologie studiert (29 Prozent). 20 Prozent legten ihre Prüfung in Chemie ab. Auf die Fachrichtungen Physik, Mathematik sowie Geowissenschaften einschließlich Geografie entfielen jeweils 12 bis 17 Prozent.
18 Prozent der Prüfungen6 schlossen mit einer Promotion ab und noch 5 Prozent mit einem traditionellen Diplomabschluss. 41 Prozent führten zu einem Bachelorabschluss, dem in den Naturwissenschaften in der Regel noch ein Masterstudium folgt. Laut Statistischem Bundesamt schließen fast 80 Prozent ein weiteres Studium an.7 36 Prozent der Prüfungen führten zu einem Masterabschluss.
In den nächsten Jahren dürften die Absolventenzahlen auf hohem Niveau leicht zurückgehen. Insgesamt 244.000 Studierenden waren 2024/25 in der Fächergruppe Mathematik, Naturwissenschaften eingeschrieben. Das waren 1.000 weniger als im Vorjahr und die geringste Zahl seit 2012.
Außerdem gab es in den Naturwissenschaften 54.000 Lehramtsstudierende. Das waren 4 Prozent weniger als im Vorjahr, aber 7 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.
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1Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus, Erstergebnis 2025, Erwerbstätige mit einem Hochschulabschluss der Hauptfachrichtungen Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik (ISCED-F 05). Wegen einer Umstellung der Erhebungsmethodik können die aktuellen Daten mit den Jahren vor 2021 nur eingeschränkt verglichen werden.
2Studienfachspezifische Arbeitslosenquote für das Studienfach Physik. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote betrug 2025 in Physik 9,0 Prozent. Diese dürfte erheblich überzeichnet sein, weil viele Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der Berufsausübung anderen Berufsfeldern zugeordnet werden. Vergleiche „Hinweise zu statistischen Angaben“.
3Studienfachspezifische Arbeitslosenquote für die Studienfächer Mathematik und Statistik. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote betrug 2025 in Mathematik, Statistik 8,0 Prozent. Diese dürfte erheblich überzeichnet sein, weil viele Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der Berufsausübung anderen Berufsfeldern zugeordnet werden. Vergleiche „Hinweise zu statistischen Angaben“.
4Quelle: Statistisches Bundesamt.
5ohne Lehramtsstudierende.
6ohne Lehramtsstudierende.
7Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistik des Studienverlaufs
Stand: Juni 2026
2.4 Wirtschaftswissenschaften
PDF-Datei (PDF, 520KB)
Die Wirtschaftswissenschaften gehören zu den großen Berufsfeldern. Ein Viertel aller Erwerbstätigen, die eine Tätigkeit mit hochkomplexen Anforderungsniveau ausübten, waren 2025 in einem wirtschaftswissenschaftlichen Beruf tätig. Ihre Zahl hat in den letzten zehn Jahren kräftig zugenommen. 2025 brachte die schwache wirtschaftliche Lage das Beschäftigungswachstum zum Halten.
Die Nachfrage nach Fachkräften hat 2025 im Vergleich zum Vorjahr etwas nachgelassen. Sie übertrifft aber weiter den Personalbedarf vor der Corona-Krise. Die Arbeitslosenquote bleibt niedrig. Die Studierendenzahlen befinden sich auf einem sehr hohen Niveau und dürften in den nächsten Jahren ein hohes Potenzial an Nachwuchskräften mit sich bringen.
Der Bereich Wirtschaftswissenschaften wird hier in vier Tätigkeitsfelder unterteilt, die Beschäftigungschancen insbesondere für Absolventinnen und Absolventen mit (betriebs-)wirtschaftlichen Studienabschlüssen bieten:
• Unternehmensführung, -beratung, -verwaltung,
• Handel, Vertrieb, Verkehr und Logistik,
• Finanzen, Rechnungswesen, Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung sowie
• volkswirtschaftliche Tätigkeiten.
Beschäftigtenzahl in den letzten Jahren stark gestiegen
Laut Mikrozensus waren 2025 gut 2,3 Millionen Erwerbstätige mit hochqualifizierten Aufgaben in Management, Handel, Finanzwesen oder Volkswirtschaft betraut. Der Anteil der Selbständigen lag bei einem Fünftel.1
Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weist für 2025 rund 1,5 Millionen Expertinnen und Experten aus, die einen wirtschaftswissenschaftlichen Beruf sozialversicherungspflichtig ausübten (Abbildung 2.4 – 1). Im Verlauf der letzten zehn Jahre gab es einen kräftigen Zuwachs von fast einem Drittel. Eine überdurchschnittliche prozentuale Zunahme verzeichneten dabei Expertinnen und Experten in Verkehr und Logistik sowie in Finanzen, Rechnungswesen. Im Zuge der Wirtschaftsschwäche ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler 2025 gegenüber dem Vorjahr faktisch stagniert.
Eindeutiger Aufgabenschwerpunkt ist die Unternehmensführung, -beratung und -verwaltung. Mehr als die Hälfte aller Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wirtschaftler war 2025 hier tätig (vgl. Abbildung 2.4 – 1). Ein Viertel nahm Aufgaben in Handel, Vertrieb, Verkehr oder Logistik wahr, während knapp jeder Fünfte einen Beruf im Bereich Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen, Steuerberatung oder Wirtschaftsprüfung ausübte. Auf Tätigkeiten mit volkswirtschaftlicher Ausrichtung entfielen nur 0,5 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze.
Unternehmensführung, -beratung, -verwaltung
Der Bedarf an Expertinnen und Experten der Unternehmensführung, -beratung und -verwaltung ist 2025, gemessen an den Neuzugängen gemeldeter Stellen gesunken. Im Jahresverlauf wurden 15.000 Stellen neu gemeldet, 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Monatsdurchschnitt belief sich der Stellenbestand auf 4.000 Offerten. Dem standen rund 28.500 Arbeitslose gegenüber, die eine Tätigkeit in der Unternehmensführung, -beratung oder -verwaltung anstrebten. Das waren 19 Prozent mehr als im letzten Jahr. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote fällt trotz Anstiegs sehr gering aus. Sie nahm von 2,0 Prozent im Jahr 2024 auf 2,4 Prozent im Jahr 2025 zu.
Handel, Vertrieb, Verkehr und Logistik
Für Betriebswirtinnen und Betriebswirte mit den Schwerpunkten Handel, Vertrieb, Verkehr und Logistik wurden der Bundesagentur für Arbeit im Laufe des Jahres insgesamt 21.200 Stellen neu zur Besetzung gemeldet. Das waren 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Entwicklung ist dadurch beeinflusst, dass einzelne Arbeitgeber ihren Personalbedarf der BA neu als Großaufträge gemeldet haben. Der Anstieg der gemeldeten Stellen ist also nicht gleichbedeutend mit einer allgemein gestiegenen Nachfrage und ist mit daher zurückhaltend zu bewerten.
Der größte Teil der neu gemeldeten Stellenzugänge entfiel mit 17.200 auf Tätigkeiten im Handel und Vertrieb. Für Expertinnen und Experten in Verkehr und Logistik gingen 4.100 Stellenzugänge ein. Auf den Monat bezogen hatte die öffentliche Arbeitsvermittlung damit durchschnittlich 7.600 Stellenofferten in der Kartei.
Dem standen 23.400 Arbeitslose gegenüber, die eine Leitungs- oder Expertentätigkeit in diesem Feld suchten, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Die berufsspezifischen Arbeitslosenquoten stiegen 2025 auf 4,1 Prozent in Verkehr und Logistik sowie auf 6,4 Prozent in Handel und Vertrieb. Damit fielen die Arbeitslosenquoten auch weiterhin höher aus als im Durchschnitt aller akademischen Erwerbspersonen.2
Finanzen, Rechnungswesen, Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung
Der Zugang an gemeldeten Stellen für Expertinnen und Experten in Finanzen, Rechnungswesen, Steuerberatung oder Wirtschaftsprüfung ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent gestiegen. 6.600 Offerten wurden in diesem Tätigkeitsfeld im Laufe des Jahres gemeldet. Im Monatsdurchschnitt waren 2.600 gemeldete Stellen zu besetzen. Gleichzeitig waren 6.400 Arbeitslose registriert, 18 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Arbeitslosenzahl bewegte sich – bezogen auf eine große Zahl an Beschäftigten – auf einem sehr niedrigen Niveau. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote betrug 2025 lediglich 1,9 Prozent, 0,2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Volkswirtschaft
Der Arbeitsmarkt für Volkswirtinnen und Volkswirte3 bleibt auch 2025 mit insgesamt rund 8.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sehr klein. Im Vergleich zum Vorjahr war ein Rückgang von einem Prozent zu verzeichnen.
800 Personen, die eine Tätigkeit als Volkswirt/-in suchten, waren 2025 arbeitslos gemeldet. Das waren 6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote fällt mit 8,8 Prozent für akademisch Qualifizierte weiterhin überdurchschnittlich aus. Einschlägige Arbeitsmöglichkeiten für Volkswirtinnen und Volkswirte sind begrenzt: Mit insgesamt 200 Stellenzugängen suchten 2025 nur wenige Arbeitgeber wie Banken, Forschungsinstitute oder der öffentliche Dienst explizit nach Volkswirtinnen und Volkswirten (-8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Der durchschnittliche Bestand gemeldeter Stellen belief sich nur auf rund 60. Dabei sind die Beschäftigungsmöglichkeiten regional unterschiedlich ausgeprägt: In Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet oder in Berlin, in denen es viele Banken und Behörden gibt, werden vergleichsweise mehr Volkswirtinnen und Volkswirte gesucht. Dagegen sind Arbeitsplätze in mittelständisch geprägten Regionen rar.
Akademischer Nachwuchs in den Wirtschaftswissenschaften gesichert
Im Studienbereich Wirtschaftswissenschaften haben 2024 rund 84.000 Absolventinnen und Absolventen erfolgreich ihre Abschlussprüfung abgeschlossen, fast genauso viele wie im Jahr zuvor. Darunter waren 48.000 Absolventinnen und Absolventen der „klassischen“ Betriebswirtschaftslehre, 15.000 der allgemeinen Wirtschaftswissenschaften und gut 3.000 der Volkswirtschaftslehre. Ein weiteres stark belegtes Studienfach war die Internationale Betriebswirtschaft/Management mit rund 11.000 erfolgreichen Examina.
Für die kommenden Jahre dürften die Absolventenzahlen weiter auf hohem Niveau bleiben. 2024/25 waren insgesamt 426.000 Studierende im Bereich Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben. Das waren geringfügig weniger als im Vorjahr. Im Verlauf der letzten zehn Jahre waren aber zum Teil deutliche Zugewinne zu verzeichnen. Die Studierendenzahl lag konstant über 400.000.
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1 Datenquelle: Statistisches Bundesamt. Mikrozensus Erstergebnis 2025.
2 Aufgrund von Spielräumen bei der beruflichen Zuordnung könnte die Arbeitslosenquote überzeichnet sein.
3 Betrachtet wird hier die Berufsgruppe 914 (KldB 2010) „Wirtschaftswissenschaften“. Da diese Bezeichnung gleichzeitig als Oberbegriff für alle betriebs- und volkswirtschaftlichen Tätigkeitsfelder verwendet wird, wurde auf die Benennung „Volkswirtschaft“ zurückgegriffen.
Stand: Juni 2026
2.5 Rechtswissenschaften
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Insgesamt zeigt sich die Lage am Arbeitsmarkt für Juristinnen und Juristen positiv. Die Zahl Erwerbstätiger, die einen Rechtsberuf ausüben, ist in den letzten Jahren tendenziell gewachsen, wobei mehr und mehr Juristinnen und Juristen außerhalb von Kanzleien und Behörden tätig sind. Die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem sehr geringen Niveau. Trotz allem fällt der Be-rufseinstieg nicht immer leicht. Weiterhin hohe Studierendenzahlen dürften in den nächsten Jahren zu einem stabilen Nachwuchspotenzial beitragen.
Zahl der Erwerbstätigen stark gestiegen
Die Zahl der Juristinnen und Juristen ist im vergangenen Jahrzehnt deutlich gewachsen. Rund 424.000 Erwerbstätige mit einem Jura-Abschluss waren 2024 laut Mikrozensus in Deutschland tätig.1 Allerdings sind nur rund zwei Drittel der Menschen, die einmal Jura studiert haben, aktuell mit juristischen Aufgabenstellungen betraut (Abbildung 2.5 – 1).
Abbildung 2.5 - 1
Jede/-r dritte Rechtskundige übt keine juristische Tätigkeit aus
Erwerbstätige mit Abschluss der Rechtswissenschaften nach ausgeübten Tätigkeiten, Deutschland 2024
Etwa ein Drittel arbeitet dagegen fachfremd. Offen bleibt dabei, in welchem Umfang für die Tätigkeit als Führungskraft, Manager/-in, Berater/in, Lehrkraft oder Sachbearbeiter/-in juristische Kenntnisse notwendig sind oder inwieweit das Jura-Studium für das Erreichen der Position förderlich war.
Die Tätigkeitsfelder von studierten Rechtswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern lassen sich in drei große Blöcke einteilen: Ein Drittel aller Juristinnen und Juristen arbeitet als Rechtsanwalt/-anwältin oder Notar/-in. Insgesamt waren das 2024 laut Mikrozensus 136.000 Personen.2 Ein weiteres knappes Drittel stand im Dienst des Staates – rund 125.000 Personen. Davon waren 31.000 als Richter/-in oder als Staatsanwalt/-anwältin tätig.3 Von den weiteren rund 94.000 Juristen, die im Öffentlichen Dienst arbeiteten, sahen 70.000 ihren Tätigkeitsschwerpunkt bei juristischen Aufgabenstellungen oder in der Rechtspflege. Rund 24.000 Jurist/-innen nahmen dagegen in Behörden und Ministerien vorrangig allgemeine Aufgaben wahr, z. B. in der Sachbearbeitung, als Referent/-in oder als Führungskraft
Der dritte Tätigkeitsbereich umfasst 163.000 studierte Juristinnen und Juristen, die außerhalb von Kanzleien und Behörden in der freien Wirtschaft arbeiteten. Rund 47.000 übten dabei vorrangig juristische Aufgaben aus, z. B. als Wirtschaftsjurist/-in, Vertragsberater/-in oder als Justiziar/-in. 116.000 nahmen dagegen Tätigkeiten wahr, die keine eindeutige juristische Ausrichtung hatten. Zu den häufigen Einsatzfeldern gehörten betriebswirtschaftliche und allgemeine sachbearbeitende Aufgaben, Lehre und Forschung, Geschäftsführung, Personalwesen, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen oder auch journalistische Tätigkeiten.
Die Statistik über die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weist für 2025 lediglich rund 92.000 Personen aus, die als Jurist/-in tätig waren. Das waren 3 Prozent mehr als im Vorjahr.
Gemeldete Stellen rückläufig
1.500 gemeldete Arbeitsstellen standen im Jahresdurchschnitt zur Besetzung bereit. Damit bleibt die gemeldete Nachfrage nach Juristinnen und Juristen im Verhältnis zur Zahl der Erwerb-stätigen weiter auf einem niedrigen Niveau. Die im Jahresverlauf neu eingegangen Offerten, die die Dynamik am Arbeitsmarkt aussagekräftiger beschreiben, beliefen sich auf 5.100. Das waren 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Die gemeldeten offenen Stellen bilden nur einen Teilausschnitt des Arbeitsmarktes ab. Insbesondere Stellen für Tätigkeiten als Richter/-in, Staatsanwalt/-anwältin oder sonstige Beamte oder auch Selbständige sind hier in der Regel nicht enthalten..4
Arbeitslosigkeit auf niedrigem Niveau
2025 waren jahresdurchschnittlich 5.600 Juristinnen und Juristen arbeitslos gemeldet, 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Allgemeinen stellt Arbeitslosigkeit für Juristinnen und Juristen nur ein Randphänomen dar. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote war 2025 mit 2,6 Prozent weiter-hin sehr gering.
Trotzdem verläuft der Berufseinstieg nicht immer ohne Schwierigkeiten. Dies wird daran deut-lich, dass unter den arbeitslosen Juristinnen und Juristen ein sehr hoher Anteil junger Menschen zu finden ist. So waren weit mehr als die Hälfte der arbeitslosen Rechtskundigen noch keine 35 Jahre alt.
Interesse an Jurastudium auf hohem Niveau
17.000 Rechtswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler beendeten 2024 erfolgreich ihr Studi-um. Das waren geringfügig mehr als 2023. Da viele zunächst ein Referendariat beginnen,
erfolgt der tatsächliche Eintritt in den Arbeitsmarkt allerdings erst nach frühestens zwei Jahren. 2 von 5 hatten einen Bachelor- oder Masterabschluss erworben und strebten damit zum Beispiel eine Tätigkeit als Wirtschaftsjurist/-in an.
Insgesamt waren 2024/25 rund 137.000 Frauen und Männer in einem rechtswissenschaftlichen Studiengang eingeschrieben. Die Studierendenzahl ist damit gegenüber dem Vorjahr leicht um 1 Prozent gestiegen. Im Zehn-Jahres-Vergleich ist sogar ein Plus von 6 Prozent zu konstatieren.
Abbildung 2.5 -2
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1 Datenquelle: Statistisches Bundesamt. Mikrozensus Erstergebnis 2024. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
2 Die Angaben der Kammerstatistiken weichen aufgrund anderer Erhebungsstrukturen von den Angaben des Mikrozensus ab. Die Mitgliederstatistik der Bundesrechtsanwaltskammer kommt zum 1.1.2025 auf rund 167.000 Rechtsanwälte/-innen. Das waren ähnlich viele wie im Vorjahr. Hinzu kommen laut Statistik der Bundesnotarkammer 1.700 hauptamtliche Notare.
3 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus Erstergebnis 2024. Die Personalstandstatistik des Öffentlichen Dienstes ist eine weitere spezielle Datenquelle. Sie weist 2023 rund 32.000 Richter/-innen und Staatsanwälte/Staatsanwältinnen aus, 1 Prozent mehr als im Vorjahr.
4 Eine gute Informationsgrundlage für den Einstellungsbedarf an Referendarinnen und Referendaren bieten die Internetseiten der Justizministerien des Bundes und der Länder.
Stand: Mai 2026
2.6 Medizin und Pharmazie
PDF-Datei (PDF, 452KB)
Das Gesundheitswesen befindet sich auf Wachstumskurs. Damit einher geht eine steigende Zahl an Erwerbstätigen. Die Arbeitslosenzahl ist zwar seit 2022 stetig gestiegen. Mit einer Arbeitslosenquote von unter 3 Prozent herrscht aber weiterhin Vollbeschäftigung. Vor allem in ländlichen Regionen wird ein Mangel an Humanmedizinerinnen und Humanmedizinern, aber auch an Tierärztinnen und Tierärzten oder Apothekerinnen und Apothekern beklagt. Die Studierendenzahlen haben in den letzten Jahren zugenommen.
Humanmedizin
Die Beschäftigungschancen nach dem Abschluss des Medizinstudiums stehen sehr gut. Laut Mikrozensus waren 2024 rund 428.000 Ärztinnen und Ärzte in Deutschland tätig.1 Laut Ärztestatistik gab es 2024 mit 437.000 Berufstätigen gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 2 Prozent.2 Im Vergleich zum Jahr 2014 bedeutete dies sogar eine Steigerung um knapp ein Fünftel. Der Wachstumstrend der letzten Jahre setzte sich damit unvermindert fort. Etwas mehr als die Hälfte der Ärzteschaft ist laut Kammerangaben in der stationären Versorgung tätig. Ein Viertel hat sich als Ärztin bzw. Arzt niedergelassen und arbeitet auf selbständiger Basis.
Sozialversicherungspflichtig angestellt waren laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit 2025 rund 309.000 Ärztinnen und Ärzte. Die Zahl der angestellten Heilkundigen ist in den letzten Jahren deutlich stärker gewachsen als die Zahl der Ärztinnen und Ärzte insgesamt, zuletzt um 3 Prozent.
Obwohl die Ärztezahlen kontinuierlich zugenommen haben, ist der Fachkräftemangel bei Humanmedizinerinnen und -medizinern deutlich zu spüren; und das vor allem in ländlichen Gebieten, weniger in Ballungszentren.3 Mehrere Gründe führen dazu, dass der Bedarf an Humanmedizinerinnen und -medizinern wächst:
Erstens bringen der medizinische Fortschritt und die zunehmende Zahl älterer Menschen häufigere und aufwändigere Behandlungen mit sich. Zweitens gibt es zwar mehr Personen, die als Ärzte tätig sind. Gleichzeitig steigt aber die Zahl der Teilzeitbeschäftigten, denn auch in der Ärzteschaft gewinnt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an Bedeutung. Arbeitete vor zehn Jahren nur jede fünfte sozialversicherungspflichtig beschäftigte ärztliche Kraft in Teilzeit, war es 2025 mehr als jede dritte. Ein dritter Aspekt: Fast jeder dritte erwerbstätige Arzt ist 55 Jahre oder älter. Das heißt, gut 130.000 Humanmedizinerinnen und -mediziner werden in absehbarer Zeit in den Ruhestand eintreten.4
Trotz Ärztemangel ist die Zahl arbeitsloser Ärztinnen und Ärzte in den letzten Jahren wiederholt gestiegen. 2025 waren durchschnittlich 10.000 Ärztinnen und Ärzte arbeitslos, 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Hier könnte sich eine wachsende Diskrepanz zwischen den Wünschen der arbeitsuchenden Medizinerinnen und Mediziner und den angebotenen Stellen niederschlagen. So gibt es vergleichsweise viele Arbeitslose in den Großstädten, während viele Stellenangebote im ländlichen Raum unbesetzt bleiben. Auch die Dauer von Anerkennungsverfahren von ausländischen Medizinabschlüssen dürfte einen Einfluss haben, denn der Anteil der Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit an allen arbeitslosen Medizinerinnen und Medizinern ist mit fast 50 Prozent deutlich höher aus als bei Arbeitslosen in akademisch geprägten Berufen insgesamt (26 Prozent).
Die Arbeitslosenquote blieb 2025 mit 2,5 Prozent weiter auf sehr niedrigem Niveau.5 Hinzu kommt, dass der größte Teil der arbeitslosen Ärztinnen und Ärzte nach einer kurzen Suchphase von weniger als sechs Monaten seine Arbeitslosigkeit wieder beendete.
Im Laufe des Jahres 2025 wurden der Bundesagentur für Arbeit 5.900 neue Stellenangebote gemeldet. Das waren 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Der durchschnittliche Stellenbestand belief sich auf 2.800 Angebote.
Zahnmedizin
Laut Mikrozensus waren 2024 insgesamt rund 75.000 Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland tätig. Die Bundeszahnärztekammer weist in ihrer Mitgliederstatistik für 2024 knapp 74.000 aus. Das waren ein Prozent mehr als im Vorjahr und 3 Prozent mehr als 2015. Mit rund 44.000 ist der größte Teil der Zahnärzteschaft niedergelassen. Allerdings geht diese Zahl seit 2007 leicht aber stetig zurück. Im Gegensatz dazu steigt die Zahl der Zahnärztinnen und Zahnärzte, die in einer Praxis angestellt sind: Laut Zahnärztekammer waren dies rund 27.000 – fast doppelt so viele wie 2015. Hinzu kommen rund 3.000 Zahnärztinnen und Zahnärzte, die als Beamte oder Angestellte außerhalb von Zahnarztpraxen für die Zahngesundheit tätig waren. Der Frauenanteil fällt bei den Angestellten in Praxen mit zwei Dritteln hoch aus. Bei den niedergelassenen Ärzten sind dagegen die Männer in der Überzahl, der Frauenanteil liegt hier nur bei 40 Prozent.
In der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit liegen bereits Daten für 2025 vor. Danach waren 28.000 Zahnheilkundige sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das entspricht einem Zuwachs von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Arbeitslosigkeit ist für Zahnmedizinerinnen und Zahnmediziner kein Thema. 1.900 Personen waren im Jahresschnitt 2025 arbeitslos gemeldet – und das meist nur für kurze Zeit. Gegenüber dem Vorjahr blieb die Arbeitslosenzahl unverändert. Die Arbeitslosenquote (zusammen mit Humanmedizin) von 2,5 Prozent im Jahr 2025 zeigt, dass Vollbeschäftigung herrscht.
Etwa 600 Stellenangebote gingen 2025 bei der Bundesagentur für Arbeit ein, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Jahresdurchschnitt waren knapp 400 Stellenangebote für Zahnärztinnen und-ärzte (einschließlich Kieferorthopädie) im Angebot
Tiermedizin
Auch bei Tierärztinnen und Tierärzten herrscht Vollbeschäftigung. Laut Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit ist bundesweit ein Mangel an Fachpersonal zu verzeichnen. 32.000 Tierärztinnen und -ärzte waren laut Mikrozensus 2024 in Deutschland tätig. Die Statistik der Bundestierärztekammer kommt für 2024 auf knapp 34.000 und weist damit ein Plus von fast 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Im Vergleich zum Jahr 2015 entspricht dies sogar einem Zuwachs von fast einem Fünftel. Jeder bzw. jede dritte tierärztlich Tätige ist niedergelassen. Rund 1.400 Tierärztinnen und -ärzte sind laut Tierärztestatistik als Beamte z. B. in der Veterinärverwaltung tätig. Laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit stieg die Anzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Tierärztinnen und -ärzte 2025 um 3 Prozent auf 17.000.
Die Arbeitslosigkeit bewegte sich 2025 mit 600 Personen und einer berufsspezifischen Arbeitslosenquote von 2,0 Prozent auf einem sehr geringen Niveau. Im Jahresverlauf gingen bei der Bundesagentur für Arbeit knapp 800 Stellenangebote ein, 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Der durchschnittliche Stellenbestand lag bei fast 300 gemeldeten Stellen.
Pharmazie
Der Arbeitsmarkt für Apothekerinnen und Apotheker sowie Pharmazeutinnen und Pharmazeuten entwickelte sich in den letzten Jahren positiv. Trotz steigenden Kostendrucks bei den Gesundheitsausgaben und der Zunahme des Versandhandels mit Arzneimitteln nahm die Zahl der Berufstätigen laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände 2024 leicht zu auf rund 70.000. Der Mikrozensus ermittelte für 2024 mit rund 88.000 eine etwas höhere Zahl von Erwerbstätigen, die als Apotheker/-in oder Pharmazeut/-in ihren Lebensunterhalt bestritten.6
In Apotheken waren rund 56.000 Apothekerinnen und Apotheker tätig.7 Rund 14.000 Pharmazeutinnen und Pharmazeuten arbeiteten außerhalb von Apotheken z. B. in der Pharmaindustrie, an Universitäten und anderen Lehreinrichtungen, bei Behörden oder Prüfinstituten. Dabei legte die Beschäftigtenzahl in der Pharmaindustrie in den letzten Jahren überdurchschnittlich zu. 2024 ging sie leicht auf rund 8.000 Beschäftigte zurück.
Relativ häufig wird der Apothekerberuf freiberuflich ausgeübt. 19 Prozent der Arzneimittelkundigen waren laut Kammergaben als Selbständige tätig.
Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit wies 2025 rund 62.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus, die als Apotheker/-in und Pharmazeut/-in angestellt waren. Dies entspricht einem Zuwachs von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Rund 1.000 Stellenangebote wurden im Verlauf des Jahres 2025 für Pharmazieberufe bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, ein 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit hatte die öffentliche Arbeitsvermittlung durchschnittlich gut 500 zu besetzende Stellen im Angebot. Nicht nur in ländlichen Gebieten gab es Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen – der Apothekerberuf gilt laut letzter BA-Engpassanalyse vom Mai 2024 als Engpass. Die Zahl arbeitsloser Pharmazeutinnen und Pharmazeuten zeigte sich 2025 mit 2.400 allerdings um 10 Prozent höher als im Vorjahr. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote ist aber trotz Anstiegs mit 3,1 Prozent weiter nahe der Vollbeschäftigung.
Zuwächse bei den Studierenden
2024 beendeten gut 18.000 Absolventinnen und Absolventen der Humanmedizin erfolgreich ihr Hochschulstudium (+3 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Des Weiteren waren 14.000 bestandene Abschlussprüfungen in den Allgemeinen Gesundheitswissenschaften zu verzeichnen (+5 Prozent), knapp 3.000 in der Zahnmedizin (+3 Prozent), 1.000 in der Tiermedizin (-17 Prozent) und gut 2.000 in der Pharmazie (-13 Prozent).
Die Studierendenzahlen haben vor allem in den Gesundheitswissenschaften und in der Humanmedizin in den letzten Jahren weiter zugenommen, während die fächerübergreifende Studierendenzahl ab 2021 rückläufig ist.
Im Studienjahr 2024/25 waren 118.000 Personen für ein Medizinstudium eingeschrieben (+4 Prozent gegenüber Vorjahr), 77.000 in den Allgemeinen Gesundheitswissenschaften (+2 Prozent), 16.000 in der Zahnmedizin (+1 Prozent), 8.000 in der Tiermedizin (keine Veränderung) und 16.000 in der Pharmazie (keine Veränderung).
Abbildung 2.6 - 1
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1 Quelle: Statistisches Bundesamt, Berufsgruppe 814 ohne Zahnmedizin (8147), Mikrozensus, Erstergebnis 2024. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
2 Quelle: Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2024.
3 Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/ambulante-versorgung/aerztliche-versorgung.html
4 Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Erwerbstätige in der Berufsgruppe 814 ohne Zahnmedizin (8147), Mikrozensus, Erstergebnis 2024
5 Angaben für Berufsgruppe 814 Human- und Zahnmedizin
6 Quelle: Statistisches Bundesamt, Erstergebnis 2024.
7 Quelle: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.
Stand: Mai 2026
2.7 Sozialwesen
PDF-Datei (PDF, 441KB)
Der Arbeitsmarkt hat sich in der Sozialen Arbeit positiv entwickelt. Die Erwerbstätigkeit nahm in den letzten Jahren stark zu. Die Zahl der gemeldeten Stellenangebote ist zwar rückläufig, aber weiter auf einem hohen Niveau. Allerdings werden Stellen häufig befristet und in Teilzeit angeboten. Die Arbeitslosenzahl ist 2025 allerdings erneut gestiegen. Die Arbeitslosenquote fällt aber weiter sehr gering aus.
Zu der guten Arbeitsmarktentwicklung im Sozialwesen haben verschiedene Faktoren beigetragen: Der demografische Wandel macht mehr soziale Betreuung und Beratung älterer Menschen notwendig. Hinzu kommen Projekte wie der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, der Schulsozialarbeit und der Ganztagsschulen. Auch die die Fluchtmigration ließ den Bedarf an Beratung, Betreuung und Begleitung zunehmen.
Für die kommenden Jahre kann weiterhin mit einer wachsenden Zahl an Nachwuchskräften gerechnet werden, denn die Zahl der Studierenden nimmt seit 2008 kräftig zu und liegt auf hohem Niveau.
Erwerbstätigkeit kräftig gewachsen
Im Laufe der letzten 10 Jahre hat die Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Sozialberatung als wichtiger Beschäftigungsbereich spürbar an Bedeutung gewonnen. Die Zahl der Erwerbstätigen mit einem akademischen Abschluss in der Sozialen Arbeit hat sich seit 2014 deutlich erhöht, wenngleich aufgrund methodischer Umstellungen des Mikrozensus das genaue Wachstum nicht beziffert werden kann.1 2024 waren laut Mikrozensus etwa 375.000 Menschen in Deutschland erwerbstätig, die über einen (Fach-)Hochschulabschluss in der Sozialen Arbeit verfügten. (Abbildung 2.7 – 1). Die Zahl der Menschen, die in der Sozialen Arbeit mit hochqualifizierten Aufgaben betraut sind und deren Anforderungsprofil, unabhängig vom formalen Abschluss, einer akademischen Ausbildung entspricht, fällt sogar noch erheblich höher aus: 486.000 Erwerbstätige, darunter drei Viertel Frauen, übten 2024 einen Beruf in der Sozialarbeit, Sozialpädagogik, in der Sozialberatung2 aus oder nahmen in diesem Feld Leitungsaufgaben wahr. Der größte Teil war als Angestellte bzw. Angestellter beschäftigt. Nur 4 Prozent waren selbständig.
Mehr als die Hälfte arbeitet in Teilzeit
Die Beschäftigungsstatistik weist für 2025 rund 363.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Sozialen Arbeit aus, 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Korrespondierend zum hohen Frauenanteil ist das Berufsfeld mit 56 Prozent von einer etwa doppelt so hohen Teilzeitquote gekennzeichnet wie die die Beschäftigten mit hochkomplexem Aufgabenprofil insgesamt.
Ein gutes Drittel der Beschäftigten arbeitet im klassischen Feld des Sozialwesens. Jeder Fünfte ist im öffentlichen Dienst angestellt; hierzu zählen Sozialämter, Jugendämter oder die Sozialversicherungsträger. Jeder Sechste ist in einer Heimeinrichtung beschäftigt, zum Beispiel für Kinder, Jugendliche, Behinderte oder Senioren. 10 Prozent der Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen üben eine Tätigkeit im Bildungswesen aus, beispielsweise in der Schulsozialarbeit, in einer Ganztagesschule oder auch bei einem Bildungsträger, der Berufsvorbereitung oder Berufsausbildung für benachteiligte Jugendliche oder Behinderte anbietet. Weitere zahlenmäßig bedeutende Arbeitgeber sind Krankenhäuser, Interessenvertretungen und Kirchen oder auch Unternehmenszentralen, -verwaltungen und -beratungen.
Nachfrage hoch, aber viele Befristungen
Im Laufe des Jahres wurden 22.000 freie Arbeitsstellen bei der Bundesagentur gemeldet. Das waren 10 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Durchschnittlich waren damit über das Jahr betrachtet 6.400 Arbeitsstellen zu vermitteln, 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit bewegte sich die gemeldete Nachfrage – auch im Vergleich zur Arbeitslosenzahl – aber immer noch auf einem hohen Niveau.
Da viele Stellen im sozialen Bereich im Rahmen von Projekten öffentlich gefördert werden, gibt es einen hohen Anteil befristeter Stellen. So war 2025 jedes fünfte gemeldete Stellenangebot befristet ausgeschrieben. Außerdem werden Offerten für soziale Berufe häufig in Teilzeit angeboten (vgl. Abschnitt zur Beschäftigung).
Arbeitslosigkeit gering
Im Jahresdurchschnitt waren 8.800 Personen arbeitslos gemeldet, die in der Sozialarbeit, der Sozialpädagogik oder -beratung eine Tätigkeit auf Fachhochschul- oder Hochschulniveau suchten. Dies waren 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Akademische Fachkräfte im Bereich der Sozialen Arbeit waren trotz des Anstiegs wenig von Arbeitslosigkeit betroffen. Ihre berufsspezifische Arbeitslosenquote lag 2025 bei 2,3 Prozent.
Studierendenzahlen bleiben auf sehr hohem Niveau
21.000 Studierende beendeten 2024 ein Studium im Sozialwesen. Das war ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der Bachelorabschlüsse lag im Sozialwesen bei 86 Prozent, so hoch wie in kaum einem anderen Studienfach. In der Sozialarbeit und -pädagogik sind mit dem Bachelorabschluss sehr viele Beschäftigungschancen vorhanden. Ein weiterführendes Studium könnte deshalb nur für einen kleineren Personenkreis interessant erscheinen, zum Beispiel, wenn eine forschende oder konzeptionelle Tätigkeit angestrebt wird.
Insgesamt waren im Wintersemester 2024/25 rund 120.000 Menschen für ein Studium im Sozialwesen eingeschrieben. Das waren 1 Prozent mehr als im Vorjahr und 72 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.
Abbildung 2.7 - 1
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1 Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus Erstergebnis 2024. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
2 einschließlich Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik.
Stand: Mai 2026
2.8 Lehrkräfte
PDF-Datei (PDF, 469KB)
Der Arbeitsmarkt für Lehrkräfte stellt sich weiterhin positiv dar. Die Zahl Arbeitsloser ist sehr gering. Die Lehrerzahl an öffentlichen Schulen weist einen leicht steigenden Trend auf. In vielen Feldern wird ein Lehrkräftemangel beklagt. Gleichzeitig ist die Zahl der Unterrichtenden an Hochschulen gewachsen. Die Zahl der Studierenden, die einen Lehramtsabschluss anstreben, bewegt sich auf einem hohen Niveau.
1,7 Millionen Lehrkräfte in Deutschland
Rund 1,7 Millionen Lehrkräfte gibt es in Deutschland.1 2 von 3 unterrichten an allgemein- oder berufsbildenden Schulen (Abbildung 2.8 – 1). Jede vierte bis fünfte Lehrkraft vermittelt ihr Wissen an Studierende einer Fachhochschule oder Hochschule. Jede neunte, das sind rund 193.000, ist in der außerschulischen Bildung tätig. Hierzu zählen die Erwachsenenbildung, musikalische und sprachliche Bildung, Kultur-, Theater-, Religionspädagogik oder auch IT-Schulungen und Sportunterricht. Knapp zwei Fünftel arbeiten in der außerschulischen Bildung auf selbständiger Basis.
Lehrerzahl an allgemein- und berufsbildenden Schulen 2024 bei gut 1,1 Millionen
Laut Mikrozensus waren 2024 in Deutschland 1.024.000 Lehrkräfte für allgemeinbildende Fächer und 82.000 für berufsbildende Fächer und Ausbildungspädagogik tätig. Knapp ein Drittel aller Lehrkräfte in diesen Schularten arbeitet als Angestellte, gut zwei Drittel sind verbeamtet.
Die Schulstatistik verzeichnet für das Schuljahr 2023/24 rund 739.000 voll- und teilzeitbeschäftigte Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen und 124.000 an berufsbildenden Schulen (ohne nur stundenweise beschäftigte Lehrkräfte).2 Im Vergleich zum vorangegangenen Schuljahr ist damit die Lehrerzahl 2023/24 leicht gestiegen (+2 Prozent).
Abbildung 2.8 - 1
Mehr als 60 Prozent der 1,7 Millionen Lehrkräfte arbeiten an einer allgemeinbildenden Schule, 11 Prozent in der außerschulischen Bildung
Erwerbstätige Lehrkräfte nach ausgeübten Tätigkeiten, Deutschland, 2024
Großer Einstellungsbedarf in den nächsten Jahren
22 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen sind 55 Jahre oder älter, an den Berufsschulen sogar 29 Prozent.3 Dies könnte auf einen hohen Bedarf an Nachwuchslehrkräften in den kommenden Jahren hindeuten. Allerdings ist hierbei von erheblicher Bedeutung, wie sich die Schülerzahl entwickelt. Nach letzten Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) wird sie auf Basis der Schülerzahlen des Jahres 2023 bis 2035 auf fast 900.000 Schülerinnen und Schüler steigen, bevor sie bis 2040 wieder auf etwas über 850.000 zurückgeht. Mittelfristig hätte dies bei gleichbleibender Schüler-Lehrer-Relation einen wesentlich höheren Lehrkräftebedarf als heute zur Folge.4 Hintergrund sind teilweise gestiegene Geburtenzahlen und die Migration. Deshalb würde künftig auch eine deutlich höhere Zahl an Lehrkräften benötigt, zunächst vor allem an Grundschulen, aber auch im Sekundarbereich I. Wie die Höhe des Bedarfs tatsächlich ausfallen wird, ist darüber hinaus von weiteren Faktoren abhängig, wie der Entwicklung der Teilzeitquote, des tatsächlichen Renten- oder Pensionseintrittsalters oder bildungspolitisch gesetzter Rahmenbedingungen, beispielsweise der Größe der Schulklassen oder der Schulformen an sich. Eine genaue Vorausschätzung des Bedarfs bleibt daher schwierig.
Lehrkräftebedarf und Lehrkräftemangel
Laut der letzten Vorausschätzung der KMK5 dürften in den Jahren 2025 bis 2035 über alle Lehrämter hinweg voraussichtlich etwas über 329.000 Lehrkräfte den Vorbereitungsdienst absolvieren und sich um eine unbefristete Einstellung in den Schuldienst bemühen. Der Einstellungsbedarf an voll ausgebildeten Lehrkräften beliefe sich in der gleichen Zeit auf knapp 356.000. Die kumulierte Differenz würde 27.000 Lehrkräfte betragen. Im betrachteten Prognosezeitraum wäre damit zu rechnen, dass die Höhe der neu auf den Lehrkräftearbeitsmarkt eintretenden, voll ausgebildeten, Lehrkräfte nicht ausreicht, um den Einstellungsbedarf zu decken.
Besonders gute Chancen werden dabei künftig für Lehrkräfte im Sekundarbereich I gesehen sowie für Lehrkräfte in beruflichen Fächern oder in der Sonderpädagogik. Als weniger gut bezeichnet die KMK die Einstellungsaussichten für den Sekundarbereich II oder das Gymnasium, wobei es je nach Land und Einstellungsjahr deutliche Unterschiede gebe.
Der Lehrerbedarf falle je nach Schultyp und Unterrichtsfach, aber auch in den einzelnen Ländern verschieden aus. Im Sekundarbereich I bestehe größerer Einstellungsbedarf zum Beispiel für die Fächer Mathematik, Informatik, Chemie, Physik, Englisch, Musik oder Kunst. Weniger Bedarf bestehe dagegen für die Fächer wie Sozialkunde/Gesellschaftslehre/Politik, Religion, Ethik/Philosophie. An den Berufsschulen dürften besonders Bewerberinnen und Bewerber mit den Fächern Metall-, Elektro-, Fahrzeug- und Informationstechnik sowie Pflege und Sozialpädagogik gefragt sein, ebenso wie Lehrkräfte mit dem allgemeinbildenden Fächerportfolio Mathematik, Naturwissenschaften und Deutsch. In der Sonderpädagogik wird von hohem Einstellungsbedarf in allen Förderschwerpunkten ausgegangen.
2024 etwas weniger Einstellungen in den Schuldienst als im Vorjahr
Nach Angaben der Kultusministerkonferenz haben die deutschen Bundesländer 2024 rund 32.000 neue Lehrkräfte in den öffentlichen Schuldienst eingestellt.6 Das waren 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Seit 2015 bewegte sich die Einstellungszahl mit Ausnahme der Jahre 2021 und 2022 jährlich um die 35.000.
Unter den Neueinstellungen waren 2024 – ähnlich wie im Vorjahr – 4.000 Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger ohne Lehramtsabschluss. Das entspricht 13 Prozent aller Neueinstellungen.
Einen Vorbereitungsdienst (Referendariat) begannen 2024 rund 30.000 Personen, die die erste Lehramtsprüfung bestanden hatten. Das waren 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Unter den neuen Referendarinnen und Referendaren waren 1.500 Quereinsteigerinnen und -einsteiger ohne lehramtsbezogenen Studienabschluss. Dies entspricht einem Anteil von 5 Prozent.
Mehr Hochschulpersonal
An den Hochschulen gibt es beim wissenschaftlichen und künstlerischen Personal einen stetigen Aufwärtstrend zu beobachten. Hier spiegelt sich die zunehmende Akademisierung wider. Für 2024 weist die Hochschulstatistik rund 284.000 hauptamtlich Tätige aus (+1 Prozent gegenüber Vorjahr).7 52.000 davon haben eine Professur inne. Hinzu kommen rund 142.000 Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Hilfskräfte, die an Hochschulen nebenberuflich tätig sind. Der Mikrozensus weist für 2024 insgesamt rund 373.000 Lehrende und Forschende an Hochschulen aus.
Zahl der gemeldeten Stellen gestiegen
Entgegen der allgemeinen Entwicklung hat die gemeldete Nachfrage nach Lehrkräften 2025 zugenommen. Die Zahl der Neuzugänge an gemeldeten Stellenangeboten für Lehrkräfte stieg von 2024 auf 2025 um 7 Prozent auf fast 11.000 Angebote. Durchschnittlich hatte die Öffentliche Arbeitsvermittlung einen Bestand von 2.500 Arbeitsstellen im Angebot.
Bei knapp zwei Fünftel der Stellenzugänge handelte es um Offerten für Lehrämter an allgemeinbildenden Schulen und in der beruflichen Ausbildung. Gut zwei Fünftel entfielen auf Angebote für Dozentinnen und Dozenten an Universitäten oder Fachhochschulen. Ein knappes Fünftel waren der außerschulischen Bildung zuzuordnen, beispielsweise an Privatschulen, Volkshochschulen, privaten Bildungsträgern oder in der Erwachsenenbildung.
Arbeitslosigkeit sehr gering
Insgesamt 21.300 Arbeitslose, die eine lehrende oder ausbildende Tätigkeit anstrebten, waren im Jahresdurchschnitt 2025 registriert (+11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr).
Unter den gemeldeten Arbeitslosen befanden sich 7.400 Lehrkräfte, die eine Arbeit an allgemeinbildenden Schulen oder in der beruflichen Erstausbildung suchten, sowie 7.700 Personen, die an außerschulischen Bildungseinrichtungen unterrichten wollten, zum Beispiel in der Erwachsenenbildung. Hinzu kamen rund 6.200 Arbeitslose, die eine Dozenten- oder Forschungstätigkeit an einer Hochschule im Auge hatten.
Im Verhältnis zur Zahl der erwerbstätigen Lehrerinnen und Lehrer ist die Arbeitslosigkeit sehr gering. Rechnerisch ergibt sich eine berufsspezifische Arbeitslosenquote von 1,4 Prozent. Dieser extrem geringe Wert beruht vor allem auf der Verbeamtungspraxis im Bereich der öffentlichen Bildungseinrichtungen.
Studierendenzahl auf hohem Niveau
50.000 Studierende legten 2024 erfolgreich die Lehramtsprüfung ab. Das bedeutet ein Plus von 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
In den nächsten Jahren dürfte sich die Absolventenzahl leicht zurückgehen, da die Studierendenzahlen seit 2021 sinken. 2024/25 waren insgesamt 255.000 Lehramtsstudierende eingeschrieben, 2 Prozent weniger als im Vorjahr und 8 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.
Eine genaue Einschätzung der Lehrkräfte-Nachwuchsentwicklung wird dadurch erschwert, dass in einigen Ländern auch Nichtlehramts-Bachelor später noch einen Master mit Lehramtsprüfung anschließen können.
Abbildung 2.8 - 2
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1 Quelle: Mikrozensus, Erstergebnis 2024. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
2 Quelle: Statistisches Bundesamt. Berücksichtigt sind voll- und teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte, ohne stundenweise beschäftigtes Lehrpersonal. Im Unterschied dazu sind beim Mikrozensus auch stundenweise beschäftigte Personen eingerechnet.
3 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus, Erstergebnis 2024
4 Quelle: Kultusministerkonferenz, Vorausberechnung der Schüler/-innen und Absolvierendenzahlen 2024 bis 2040, November 2025.
5 KMK: Lehrkräfteeinstellungsbedarf und -angebot in der Bundesrepublik Deutschland 2024 – 2035 – Zusammengefasste Modellrechnungen der Länder, Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz Dokumentation Nr. 2 – Dezember 2025
6 KMK: Einstellung von Lehrkräften 2024, Fassung vom 30.9.2025.
7 Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistischer Bericht Hochschulpersonal
Stand: Mai 2026
2.9 Gesellschaftswissenschaften
PDF-Datei (PDF, 453KB)
Der Arbeitsmarkt in der Soziologie, Politologie, in den Erziehungswissenschaften und anderen gesellschaftswissenschaftlichen Berufen hat sich 2025 schwach entwickelt. So ist die Arbeitslosigkeit gestiegen und es gab weniger neue Stellenofferten als im Vorjahr. Generell gibt es eher wenige Stellenangebote, die sich explizit an Arbeitsuchende mit sozialwissenschaftlichem Abschluss wenden. Deshalb erschließen sich arbeitsuchende Gesellschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zunehmend fachverwandte und fachfremde Tätigkeitsbereiche. Das hohe Interesse an gesellschaftswissenschaftlichen Studiengängen lässt für die nächsten Jahre ein weiterhin großes Potenzial an Nachwuchskräften erwarten.
Soziologie
Laut Mikrozensus waren 2024 circa 141.000 Personen mit einem sozialwissenschaftlichen Studienabschluss in Deutschland erwerbstätig.1 Allerdings arbeitete mit rund 8.000 Erwerbstätigen nur ein kleiner Teil als Sozialwissenschaftler/-in im engeren Sinne, zum Beispiel in der Forschung oder Lehre.
Knapp 1.200 Arbeitslose, 14 Prozent mehr als im Vorjahr, strebten 2025 eine Tätigkeit als Soziolog/-in oder Gender- oder Sozialwissenschaftler/-in an. Weitere 3.000 Arbeitslose, die Soziologie studiert hatten, suchten vorrangig alternative Tätigkeiten, zum Beispiel im Personalwesen, der Sozialpädagogik oder Lehrtätigkeiten. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote lässt sich nur insgesamt für Personen ermitteln, die eine gesellschaftswissenschaftliche Tätigkeit suchten. Sie belief sich 2025 auf 4,4 Prozent.
Insgesamt 800 Vakanzen wurden im Jahresverlauf gemeldet. Die Zahl der neu gemeldeten Stellen sank damit im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel. Im Monatsdurchschnitt betrachtet bedeutete das einen Bestand von lediglich knapp 200 gemeldeten Stellenangeboten und damit vergleichsweise wenig einschlägige Bewerbungsmöglichkeiten.
Rund 6.000 Absolventinnen und Absolventen schlossen 2024 erfolgreich ein Studium der Sozialwissenschaften ab. Das waren 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt 37.000 Menschen waren 2024/25 in einem sozialwissenschaftlichen Studiengang immatrikuliert. Das war ein Minus von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und von 4 Prozent gegenüber dem Stand zehn Jahre zuvor.
Politikwissenschaften
Die Politikwissenschaften haben, gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen mit einem entsprechenden Studienabschluss, in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. So hat sich die Zahl der erwerbstätigen Politologinnen und Politologen seit 2014 ungefähr verdoppelt.2 Etwa 101.000 waren 2024 in Deutschland tätig. Allerdings ordnen nur 17.000 Erwerbstätige ihre Tätigkeit originär politikwissenschaftlichen Aufgaben zu.
Die Zahl der Arbeitslosen, die eine Tätigkeit im Feld der Politikwissenschaften suchten, hat sich 2025 gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent auf jahresdurchschnittlich 600 Arbeitslose erhöht. Weitere 3.700 Arbeitslose, die einen Abschluss der Politikwissenschaften vorweisen konnten, suchten schwerpunktmäßig Aufgaben in der Unternehmensorganisation, in der Öffentlichkeitsarbeit, im Journalismus, in der Unternehmensberatung oder in der Projektleitung. Die Arbeitslosenquote 2025 fiel, bezogen auf alle Erwerbspersonen mit einem Politikabschluss, mit 4,1 Prozent etwas höher aus als im Vorjahr.3
Die gemeldeten Arbeitsangebote, die sich an Politikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler richteten, blieben 41 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt verzeichnete die Bundes-agentur für Arbeit im Laufe des Jahres 2025 rund 150 Stellenzugänge. Jahresdurchschnittlich bedeutete dies bundesweit lediglich 50 einschlägige Jobangebote.
Ungeachtet der geringen Zahl an Stellenangeboten stößt das Studienfach Politik auf großes Interesse. So waren im Wintersemester 2024/25 in den Politikwissenschaften 31.000 Immatrikulierte zu verzeichnen. Das waren 1 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Absolventinnen und Absolventen im Fach Politikwissenschaft fiel 2024 etwas höher aus als im Vorjahr (+4 Prozent). 5.000 Studierende legten erfolgreich eine Abschlussprüfung ab. Über die Hälfte davon erwarben einen Bachelorabschluss.
Erziehungswissenschaften
Rund 190.000 Erwerbstätige mit einem Studienabschluss der Erziehungswissenschaften waren laut Mikrozensus 2024 in Deutschland tätig. Allerdings ordneten nur rund 92.000 Erwerbstätige ihre Tätigkeit dem engeren erziehungswissenschaftlichen Aufgabenfeld einschließlich Hochschullehre und Forschung zu.4 Zwei von drei studierten Erziehungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern arbeiteten als Lehr- und Ausbildungspersonal oder waren in der praktischen Erziehung oder der Sozialarbeit und -pädagogik tätig. Darüber hinaus waren etwa 12 Prozent mit Aufgaben der Unternehmensführung oder -verwaltung betraut, wozu unter anderem das Personalmanagement und die Personalentwicklung gehören.
Die Zahl der Arbeitslosen, die explizit eine Tätigkeit als Pädagogin bzw. Pädagoge oder Erziehungswissenschaftlerin oder -wissenschaftler anstrebten, ist 2025 um 7 Prozent auf 1.700 gestiegen. Darüber hinaus waren 2025 weitere 3.500 Arbeitslose registriert, die über einen erziehungswissenschaftlichen Abschluss verfügten und ihre Arbeitssuche auf verwandte oder auch fachfremde Tätigkeitsbereiche ausrichteten. Die studienfachspezifische Arbeitslosenquote 2025 fiel für Erziehungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit rechnerisch 2,7 Prozent nach wie vor sehr günstig aus.5
Es gibt relativ wenige Stellenangebote, die sich ausdrücklich an Erziehungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler wenden. Durchschnittlich hatte die Bundesagentur für Arbeit knapp 700 zu besetzende Arbeitsstellen im Bestand. Im Laufe des Jahres gingen 2025 rund 1.900 neue Stellenangebote bei der Bundesagentur für Arbeit ein, 9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Mehrzahl der Stellenangebote kommt aus dem Bildungswesen, angefangen von Kindergärten bis hin zu Universitäten und Einrichtungen der Erwachsenenbildung, aus sozialen Beratungseinrichtungen, Schul- und Jugendämtern, Jugendzentren, Unternehmenszentralen, Pflegeheimen, sowie Krankenhäusern. Es fällt auf, dass knapp ein Viertel des Bestands an gemeldeten Stellen befristet ist.
Fast 10.000 Studierende schlossen im Jahr 2024 ein Studium der Erziehungswissenschaften erfolgreich ab, 1 Prozent weniger als im Vorjahr. Zwei Drittel der Prüflinge erwarben einen Bachelorabschluss und schließen zum großen Teil noch ein Masterstudium an. In den nächsten Jahren könnte die Zahl der Berufseinsteigerinnen und -einsteiger leicht zurückgehen, denn die Zahl der Studierenden ist in den letzten vier Jahren etwas gesunken. 2024/25 waren insgesamt 55.000 Studierende im Studienbereich Erziehungswissenschaften immatrikuliert. Das waren 3 Prozent weniger als im Vorjahr.
Abbildung 2.9 - 1
1 Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus Erstergebnis 2024. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
2 Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus Erstergebnis 2024. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
3Studienfachspezifische Arbeitslosenquote. Vorläufige Werte für 2025.
4 In dieser Zahl sind auch Personen enthalten, die einen Studienabschluss einer anderen Hauptfachrichtung als Erziehungswissenschaften erworben haben.
5Studienfachspezifische Arbeitslosenquote. Vorläufige Werte für 2025.
Stand: Mai 2026
2.10 Psychologie
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Insgesamt entwickelte sich der Arbeitsmarkt für Psychologinnen und Psychologen in den letzten Jahren positiv. So ist die Erwerbstätigkeit in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewachsen. Die Arbeitslosigkeit ist jedoch zuletzt gestiegen. Gestiegene Studierendenzahlen dürften in nächster Zeit zu einer weiteren Erhöhung des Fachkräftepotenzials beitragen.
Erwerbstätigkeit stark im Wachsen, viele Selbständige
Der Mikrozensus verzeichnete 2024 in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 185.000 Erwerbstätige, die ein Psychologiestudium erfolgreich absolviert haben. Das waren über die Hälfte mehr als 2014 (Abbildung 2.10 – 1). Nach dem ausgeübten Beruf befragt, gaben rund 135.000 Personen an, als Psychologin oder Psychologe tätig zu sein. Knapp zwei Fünftel von ihnen boten ihre Dienstleistungen auf selbständiger Basis an. 77 Prozent der Erwerbstätigen sind Frauen.1
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig angestellten Psychologinnen und Psychologen belief sich 2025 laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit auf 61.000. Mit einem Zuwachs von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr setzte sich der Beschäftigungsaufbau damit auch in diesem Jahr fort.
Anstieg der Arbeitslosigkeit
Im Jahresdurchschnitt suchten 4.500 Arbeitslose eine Anstellung in der Psychologie, darunter 700 in der nichtärztlichen Psychotherapie. Das waren zusammen 16 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Arbeitslosenbestand der letzten Jahre. Rechnerisch ergibt sich 2025 eine berufsspezifische Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent – eine für akademische Berufe etwas überdurchschnittlicher Wert.
Viele Stellenangebote aus Krankenhäusern und Reha-Kliniken
Im Jahresdurchschnitt hatte die Bundesagentur für Arbeit rund 900 Stellenangebote für Psychologinnen und Psychologen, darunter 300 in der nichtärztlichen Psychotherapie, im Angebot. Die Stellenzugänge im Laufe des Jahres, die mehr über die Dynamik der Nachfrage aussagen, beliefen sich auf 3.100 Angebote. Das faktisch genauso viele wie im Vorjahreszeitraum. Darin enthalten waren 800 Offerten für Psychotherapeutinnen und -therapeuten.
Die meisten Vakanzen waren im Gesundheitswesen zu besetzen. So kamen 3 von 10 neu gemeldeten Stellenangeboten aus Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken. Aber auch in der Öffentlichen Verwaltung, im Bildungswesen und im Sozialwesen einschließlich Wohnheimen wurden Psychologinnen und Psychologen oder Psychotherapeutinnen und -therapeuten gesucht. Weitere Stellenofferten kamen von Unternehmensführungen und -beratungen oder von kirchlichen Vereinigungen, Bildungs- und Jugendorganisationen.
Fast doppelt so viele Studierende wie zehn Jahren zuvor
Der akademische Nachwuchs hat in der Psychologie in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Hochschulstatistik weist für das Jahr 2024 20.000 erfolgreiche Abschlüsse aus – 5 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie zuvor. Knapp drei von fünf Prüfungen gehen auf einen Bachelorabschluss zurück. Häufig folgt danach noch ein Masterstudium.
Auch die Zahl der Psychologie-Studierenden insgesamt ist in den letzten Jahren sehr deutlich gewachsen, während die Studierendenzahl fächerübergreifend rückläufig war. Im Wintersemester 2024/25 waren rund 116.000 Frauen und Männer für ein Studium der Psychologie eingeschrieben. Das waren 2 Prozent mehr als im Vorjahr und fast doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor.
Abbildung 2.10 – 1
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1Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus Erstergebnis 2024. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar
Stand: Mai 2026
2.11 Geisteswissenschaften
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Unter geisteswissenschaftlichen Berufen werden hier insbesondere Berufe in den Tätigkeitsfeldern Sprach- und Literaturwissenschaften, Geschichts-, Medien- und Theaterwissenschaften, Philosophie sowie Regionalwissenschaften und Anthropologie zusammengefasst. Insgesamt hat sich der Arbeitsmarkt für diese Berufe in den letzten Jahren positiv entwickelt. So ist die Zahl der Erwerbstätigen in den letzten Jahren sehr stark gestiegen. Der Markt stellt sich aber nicht unproblematisch dar. Der Berufseinstieg verläuft oft alles andere als einfach, da es nur wenige Stellenangebote gibt, die sich explizit an die Vielzahl der Absolventinnen und Absolventen geisteswissenschaftlicher Studiengänge richten. Eine frühzeitige berufliche Orientierung, Flexibilität und regionale Mobilität sind daher wichtig für eine erfolgreiche Etablierung am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit fällt in der ersten Zeit nach dem Studium höher aus als in anderen Fachrichtungen, insgesamt bewegt sie sich aber auf einem niedrigen Niveau. Das liegt auch daran, dass Absolventinnen und Absolventen der Geisteswissenschaften bei der Arbeitssuche offen für studienfernere Tätigkeiten sind. Etwa jeder Fünfte übt eine inadäquate Tätigkeit aus. Die Studierendenzahl geht seit 2016 zurück. Dies könnte künftig zu etwas weniger Konkurrenz am Arbeitsmarkt führen.
Mehrzahl in adäquaten Tätigkeiten
Der Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ist dadurch geprägt, dass es angesichts hoher Konkurrenz nur einem Teil der Absolventinnen und Absolventen gelingt, einen Arbeitsplatz in einem studienadäquaten Tätigkeitsfeld zu finden. In einer Absolventenbefragung gab etwas mehr als die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen von geisteswissenschaftlichen Fächern an, einer Tätigkeit nachzugehen, deren Inhalte, Anforderungen und Position ihrem Studium entsprechen.1 13 Prozent beschreiben ihre Arbeit zwar als fachfremd, die berufliche Position aber als durchaus einem Hochschulabschluss angemessen. Weitere 11 Prozent arbeiten fachlich passend zu ihrem Studienabschluss. Ihre Position entspricht aber nach ihrer Einschätzung nicht einem Hochschulabschluss. Knapp jeder Fünfte war etwa 1,5 Jahre nach dem Examen sowohl fachlich als auch positionsbezogen unter Niveau beschäftigt. Im Laufe des Erwerbslebens verbesserte sich in der Regel die berufliche Etablierung. Eine frühere Untersuchung mit Absolventinnen und Absolventen des Jahres 2005 stellte fest, dass zehn Jahre nach dem Abschluss zwei von drei Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler volladäquat beschäftigt waren und nur noch 10 Prozent inadäquat.2
Abbildung 2.11 - 1
Zahl der Erwerbstätigen kräftig gewachsen
Auf der anderen Seite ist zu beobachten, dass Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen zunehmend geschätzt werden, verfügen sie doch in der Regel über ausgeprägte Kompetenzen im Bereich des Wissensmanagements. Auch ihre interkulturellen Kompetenzen und Fertigkeiten bei der Informationsgewinnung und -aufbereitung gehören zu den nachgefragten Fähigkeiten in einer wissensbasierten und globalen Arbeitswelt.
Laut Mikrozensus stieg die Zahl der Erwerbstätigen mit einem geisteswissenschaftlichen Abschluss in Deutschland von 431.000 im Jahr 2021 auf 442.000 im Jahr 2024 (Abbildung 2.11 – 1).3 Vergleichbare Angaben liegen für frühere Jahre leider nicht vor.
Vielfältige Einsatzfelder
Nur knapp ein Drittel arbeitet laut Mikrozensus in Branchen, die typisch sind für klassische Arbeitsfelder von Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler (Abbildung 2.11 – 2). Hierzu gehört mit rund 85.000 Erwerbstätigen vorrangig das Bildungswesen, 13.000 Erwerbstätige in Medien-Unternehmen (Verlage, Funk und Fernsehen) sowie 11.000 Personen, die mit Dolmetschen und Übersetzen beschäftigt sind. 18.000 Geisteswissenschaftler/-innen sind im Öffentlichen Dienst beschäftigt – auch hier dürften viele fachnahe Einsatzbereiche zum Beispiel in der Kulturverwaltung oder in der Wissenschaft zu finden sein.
Außer diesen für die Geisteswissenschaften typischen Branchen finden sich auch Einsatzmöglichkeiten, die mal mehr oder oft auch mal weniger mit den Studieninhalten in Zusammenhang stehen dürften. So sind 24.000 im Verarbeitenden Gewerbe und jeweils 19.000 im Gesundheits- und Sozialwesen oder im Handel tätig. Andere Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler arbeiten bei IT-Dienstleistern oder auch bei Verbänden, Organisationen und kirchlichen Einrichtungen. Außerdem werden Arbeitsplätze bei sonstigen Dienstleistungsunternehmen wahrgenommen wie z. B. Reisebüros, Reiseveranstaltern, Call-Centern oder Werbeagenturen.4
Abbildung 2.11 - 2
Etwa ein Drittel arbeitet in Branchen, für die ein Studium der Geisteswissenschaften idealtypisch ist
Erwerbstätige mit Studienabschluss der Geisteswissenschaften nach Wirtschaftszweigen, Deutschland, 2024
Unterdurchschnittliche Gehälter
Die große Varianz der von Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ausgeübten Tätigkeiten macht es schwierig ein „typisches“ Durchschnittsgehalt zu ermitteln. In der Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit, die ausschließlich auf den ausgeübten Tätigkeiten und nicht auf den vorliegenden Abschlüssen basiert, sind keine aussagekräftigen Angaben enthalten.5 Der Mikrozensus bietet zumindest ein paar Anhaltspunkte, weil hier die Fachrichtung des erworbenen Hochschulabschlusses hinterlegt ist. Allerdings werden hier nur Nettoeinkommen ausgewiesen und es bleibt wiederum offen, welche Tätigkeit ausgeübt wird. Für abhängig Beschäftigte mit Fachhochschul- oder Hochschulabschluss weist der Mikrozensus 2024 insgesamt ein monatliches Netto-Einkommen von 3.509 Euro aus.6 Selbständige erzielten dagegen im Durchschnitt ein um gut 1.000 Euro höheres Nettoeinkommen (4.584 Euro). Bei Erwerbstätigen, die einen Studienabschluss in den Geisteswissenschaften oder Kunst aufweisen, zeigt sich die finanzielle Lage erheblich verhaltener. Abhängig Beschäftigte mit einem entsprechenden Studienabschluss erzielten ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen von 2.752 Euro.
Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler kamen auf 2.699 Euro. Etwas höhere Gehälter erhielten ehemalige Theologie-Studierende (3.175 Euro), Künstlerinnen und Künstler dagegen geringere (2.630 Euro). Die Selbständigkeit mag im Hinblick auf Arbeitsinhalte oder Selbstbestimmtheit Vorteile bringen, auf das Netto-Einkommen wirkt sie sich in Geisteswissenschaft und Kunst nicht positiv aus: Selbständig Tätige erzielten 2024 im Mittel 300 Euro geringere Einkommen als ihre Fachkollegenschaft in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis.
Gemeldete Stellen auf niedrigem Niveau rückläufig
Berufseinsteigerinnen und -einsteigern bereitet es immer wieder Schwierigkeiten, dass es relativ wenig Stellenangebote gibt, die sich ausdrücklich an Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler richten. Es gilt daher, sich möglichst frühzeitig über Tätigkeitsfelder zu informieren und auf ein klares arbeitsmarktgerechtes Qualifikationsprofil hinzuarbeiten. Hierzu sind praktische Erfahrungen und gezielte Netzwerkpflege sehr hilfreich.
Im Verlauf des Jahres 2025 wurden der Bundesagentur für Arbeit 1.700 Stellenangebote gemeldet, die sich explizit an Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler wandten. Das waren 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Jahresdurchschnitt betrachtet bewegten sich die öffentlich zu vermittelnden Stellenofferten mit einem Bestand von nur gut 300 Stellenangeboten weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau.
Im Einzelnen gingen für Historikerinnen und Historiker sowie Archäologinnen und Archäologen 240 Stellenangebote im Lauf des Jahres 2025 bei der Arbeitsvermittlung ein, für Germanistinnen und Germanisten sowie andere Sprach- und Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler 260. In den Medien- und Theaterwissenschaften wurden 1.100 Stellen neu gemeldet.
Arbeitslosigkeit gestiegen, aber insgesamt gering
2025 waren durchschnittliche 2.900 Arbeitslose registriert, die eine geisteswissenschaftliche Tätigkeit anstrebten. Das waren 3 Prozent mehr als im Vorjahr.
Es würde zu kurz greifen, wenn man hier nur Arbeitslose berücksichtigte, die eine geisteswissenschaftliche Tätigkeit anstreben, die der engen Definition laut Klassifikation der Berufe entspricht. Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler suchen nicht nur nach den dünn gesäten Stellenangeboten in Geschichtswissenschaften, Germanistik, Amerikanistik, Romanistik, Sinologie oder vielleicht Theaterwissenschaften. Vielfach richten sie ihre Arbeitsuche auf alternative Einsatzgebiete aus oder wählen manchmal auch nur andere, tätigkeitsorientierte Berufsbezeichnungen. So waren 2025 weitere 19.000 studierte Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler arbeitslos gemeldet, die zum Beispiel eine Arbeit suchten als wissenschaftliche/-r Mitarbeiter/-in an Hochschulen, als Übersetzer/-in, als Journalist/-in, als Lehrkraft oder als Pressesprecher/-in. Auch weniger studiennahe Bereiche wie Büro- und Sekretariatsaufgaben, Werbung und Marketing, Verkauf, Unternehmensberatung oder kaufmännische Tätigkeiten standen immer wieder im Fokus.
Aber auch wenn man diesen erweiterten Personenkreis mitzählt, bewegt sich die Arbeitslosigkeit auf einem vertretbaren Niveau: Die studienfachspezifische Arbeitslosenquote lag 2025 für studierte Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bei 4,8 Prozent.7 Das diese nicht höher ausfällt dürfte nicht zuletzt der hohen Flexibilität bei der Wahl der Arbeitsfelder zu verdanken sein. Welch hohe Bedeutung dieser Offenheit für alternative Arbeitsfelder zukommt, illustriert ein Blick auf die nach amtlichem Standard berechnete berufsspezifische Arbeitslosenquote in den Geisteswissenschaften, die nur Personen einbezieht, die explizit eine Tätigkeit als Geisteswissenschaftlerin oder -wissenschaftler suchen bzw. als solche tätig sind. Sie belief sich 2025 auf exorbitant hohe 25,5 Prozent. Daraus lässt sich ein sehr hohes Arbeitslosigkeitsrisiko für solche Personen ableiten, die sich allein auf explizit für Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ausgeschriebene Stellen fokussierten.
Studierendenzahl weiter rückläufig
Seit dem Höchststand von 235.000 im Wintersemester 2016/17 ist die Zahl der Studierenden in der Fächergruppe Geisteswissenschaften von Jahr zu Jahr gesunken.8 Im Wintersemester 2024/25 waren 177.000 Studierende immatrikuliert. Das waren 2 Prozent weniger als im Vorjahr und knapp ein Viertel weniger als zehn Jahre zuvor. Trotz des Rückgangs ist die Zahl der Studierenden aber sehr hoch im Vergleich zu den einschlägig arbeitenden Erwerbstätigen.
Mit gut 25.000 legten 2024 2 Prozent mehr Absolventinnen und Absolventen ihre Abschlussprüfung ab. In den nächsten Jahren dürfte die Absolventenzahl der rückläufigen Entwicklung der Studierendenzahl jedoch folgen.
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1 Quelle: DZHW, Befragung des Absolventenjahrgangs 2021.
2 Quelle: DZHW Forum Hochschule 1/2018.
3 Quelle: Statistisches Bundesamt, Erstergebnisse des Mikrozensus 2024. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
4 Quelle: Statistisches Bundesamt, Sonderauswertung Mikrozensus 2024 – Erwerbstätige mit Studienabschluss der Sprach- und Kulturwissenschaften, der Geschichte oder der Philosophie nach Wirtschaftszweigen.
5Auch die Verdienststrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes, die alle vier Jahre durchgeführt wird, stößt auf ähnliche Probleme
6 Quelle: Statistisches Bundesamt, Sonderauswertung des Mikrozensus, Erstergebnis 2024. Angaben für Angestellte und Beamte.
7 Die studienfachspezifische Arbeitslosenquote kann nur für ausgewählte Studienabschlüsse berechnet werden, hier z. B. für die Erwerbstätige mit einem akademischen Abschluss in den Geisteswissenschaften (ISCED-F 022 und 023). Eigene Berechnungen auf Basis von Daten des Mikrozensus 2024 und Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit.
8Quelle: Statistisches Bundesamt. Angaben ohne Lehrämter.
Stand: Mai 2026
2.12 Publizistik
PDF-Datei (PDF, 452KB)
Die Medienwirtschaft befindet sich im Umbruch. Während die Unternehmen für 2026 mit einemzweistelligen Wachstum im digitalen Geschäft rechnen, setzt sich bei den Printmedien der Rückgang von Verkaufszahlen und Werbeeinnahmen fort.1 Die strukturellen Veränderungen bleiben nicht ohne Wirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Beschäftigungsbedingungen.
Positiv hervorzuheben ist eine gestiegene Zahl von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in publizistischen Berufen, 2025 jedoch nur noch in geringem Umfang.2 Allerdings hat auch die Arbeitslosigkeit 2025 zugenommen und fällt höher aus als in anderen akademischen Berufsgruppen. Die Zahl der Stellenangebote ist 2025 gesunken und insgesamt gering. Da der Zugang zu schreibenden Tätigkeiten über viele Wege möglich ist, stehen viele Akademikerinnen und Akademiker unter anderem aus den geisteswissenschaftlichen Fächern als Nachwuchspotenzial zur Verfügung. Offen bleibt bei einer Zukunftsschau, wie sich der Kostendruck im klassischen Medienbereich und die Dynamik der Online-Nachrichtenwelt künftig weiter auswirken werden.
218.000 Erwerbstätige in publizistischen Berufen
Rund 218.000 Frauen und Männer übten 2024 laut Mikrozensus eine Tätigkeit in Redaktion und Journalismus, Verlags- und Medienwirtschaft oder in der Öffentlichkeitsarbeit aus (Abbildung 2.12-1).3 Der Großteil entfällt mit 157.000 Erwerbstätigen auf Tätigkeiten in Redaktion und Journalismus. Hierzu zählen neben den Berufen Redakteur/-in und Journalist/-in auch Tätigkeiten als Autor/-in und Schriftsteller/-in sowie Lektor/-in. In Berufen der Verlags- und Medienwirtschaft waren 11.000 Personen tätig. Weitere 50.000 arbeiteten zum Beispiel als Pressesprecher/-in, PR-Berater/-in oder Lobbyist/-in im Feld der Öffentlichkeitsarbeit.
Positive Beschäftigungsentwicklung, viele Selbständige
Der Wachstumstrend der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in publizistischen Berufen hat sich 2025 fortgesetzt, mit einem Plus von 0,5 Prozent aber nur noch geringfügig. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weist für 2025 rund 132.000 Personen aus, die in Redaktion, Journalismus oder Öffentlichkeitsarbeit als Angestellte sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Seit 2014 hatte es jedes Jahr zumeist deutliche Zuwächse gegeben, die vor allem auf den Boom der Online-Medien zurückzuführen sein dürften.
In den schreibenden Berufen kommt auch der freiberuflichen Tätigkeit eine hohe Bedeutung zu. Mit 56.000 Selbständigen war 2024 jeder Vierte sein eigener Chef.
Nachfrage auf geringem Niveau weiter gesunken
Die gemeldete Nachfrage nach publizistischen Fachleuten schwankt stark mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Ungeachtet des Auf und Ab bewegt sie sich insgesamt im Vergleich zum Beschäftigungsstand und zur Arbeitslosenzahl auf einem geringem Niveau.
Im Verlauf des Jahres 2025 wurden 1.800 Stellenangebote neu gemeldet. Das waren 13 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Jahresdurchschnittlich entsprach dies 2025 knapp 500 Offerten, die über die Bundesagentur für Arbeit zu besetzen waren. Das war der geringste Stellenbestand der letzten zehn Jahre.
Arbeitslosigkeit wieder gestiegen
9.000 Arbeitslose, die eine Arbeit in Journalismus, Redaktion, Öffentlichkeitsarbeit oder in der Verlags- und Medienwirtschaft suchten, waren 2025 durchschnittlich gemeldet. Das waren 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote stieg von 4,3 Prozent im Jahr 2024 auf 4,8 Prozent im Jahr 2025.
Mit 5.900 Frauen und Männern strebte 2025 der überwiegende Teil der Arbeitslosen eine Tätigkeit in Redaktion und Journalismus an. Weitere 2.600 Personen hatten eine Betätigung als Pressesprecherin oder Pressesprecher oder andere Aufgaben im Bereich Public-Relation ins Auge gefasst. In Berufen der Verlags- und Medienwirtschaft waren rund 500 Arbeitslose auf Jobsuche.
Vielfältige Zugangswege in eine journalistische Tätigkeit
Die Wege zum Einstieg in eine Tätigkeit im Journalismus sind vielfältig. In der Regel erfolgt dieser über ein Volontariat in der Medienbranche, wofür ein erfolgreicher Studienabschluss vorausgesetzt wird. Dabei muss es sich nicht unbedingt um ein Journalistik-Studium handeln. Geisteswissenschaftliche Studiengänge kommen ebenso in Frage wie fachspezifische.
Allein im Studienfach Kommunikationswissenschaften, Publizistik legten 2024 rund 4.000 Studierende erfolgreich ihre Prüfung ab, 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt waren 2024/25 rund 18.000 Studierende für ein Studium der Kommunikationswissenschaften, Publizistik eingeschrieben. Das waren 2 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Abbildung 2.12. - 1
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1Quelle: Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger, Trendumfrage 2026; Berlin, Februar 2026
2Betrachtet werden hier Berufe in Redaktion, Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit und Verlagen auf Spezialisten- und Expertenniveau.
3Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus Erstergebnis 2024. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
Stand: Mai 2026