Berufsgruppen

2.1 Ingenieurberufe

PDF-Datei (PDF, 487KB)

Überblick

Bereits im zweiten Halbjahr 2019 wurden am Arbeitsmarkt für Ingenieurinnen und Ingenieure Auswirkungen der schwachen Konjunktur und der der Umstellung auf Elektromobilität in der Automobilbranche sichtbar. 2020 kamen ab dem Frühjahr die wirtschaftlichen Beschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hinzu. Deshalb waren Bestand und Neuzugänge an gemeldeten Stellen für Ingenieure im Vergleich zum Vorjahr – zum Teil massiv – rückläufig und die Arbeitslosenzahl ist ebenso enorm gestiegen. Die Arbeitslosenquote fiel dennoch nach wie vor so gering aus, dass man von Vollbeschäftigung sprechen kann und die Zahl der Beschäftigten ist weitergewachsen, wenn auch merklich weniger als in den Vorjahren.

Trotz des Nachfragerückgangs traten nach Daten der Bundesagentur für Arbeit teilweise Besetzungsprobleme zu Tage, zum Beispiel in der Automatisierungstechnik und der Elektrotechnik sowie bei Führungskräften im Baubereich. Im Maschinenbau haben die gestiegenen Absolventenzahlen der Vorjahre und die schwache Exportkonjunktur dazu geführt, dass kein Fachkräftemangel mehr erkennbar ist. Der Trend zur Höherqualifizierung und die hohe Studierendenzahl dürften das Fachkräftepotenzial in den nächsten Jahren weiter steigen lassen.

Zahl beschäftigter Ingenieurkräfte weiter gestiegen

Rund 1,9 Millionen Erwerbstätige verfügten 2019 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes über einen Studienabschluss als Ingenieur/-in. Damit ist die Zahl der erwerbstätigen Ingenieurfachkräfte im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen (+4 Prozent), ebenso wie im Verlauf der letzten Jahre insgesamt. Seit dem Jahr 2010 ist die Zahl der der studierten Ingenieurkräfte um gut 300.000 oder 20 Prozent gewachsen (Abbildung 2.1 – 1).

Abbildung 2.1 - 1

Beschäftigung von Ingenieurfachkräften auch 2020 weiter gestiegen

Erwerbstätige mit ingenieurwissenschaftlichem Abschluss sowie erwerbstätige und sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieurfachkräfte

Diagramm: Beschäftigung von Ingenieurfachkräften auch 2020 weiter gestiegen

Die Zahl der als Ingenieur/-in Arbeitenden fiel allerding etwas geringer aus, da nicht jeder, der einmal ein Ingenieurstudium abgeschlossen hat, diesen Beruf aktuell ausübt: Laut Mikrozensus arbeiteten 2019 rund 1,5 Millionen Personen im Ingenieurberuf. Der Großteil befand sich in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis. Rund 11 Prozent waren als Selbständige tätig. Für die größte Teilgruppe der abhängig Beschäftigten – nämlich Beschäftigte, die in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis stehen, – liegen differenzierte Daten aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit bereits für das Jahr 2020 vor. Danach waren 2020 insgesamt rund 1,05 Mio. Ingenieurfachkräfte1 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Mit knapp zwei Dritteln finden sich die meisten Ingenieur/-innen in der Produktion und Fertigung einschließlich der technischen Forschung und Entwicklung. Gut jede fünfte Ingenieurfachkraft war in Bau, Architektur, Vermessung oder Gebäudetechnik beschäftigt. 16 Prozent übten weitere Ingenieurberufe aus (Abbildung 2.1 – 2).


Abbildung 2.1 - 2 

Zwei Fünftel der Ingenieurinnen und Ingenieure arbeiten in der Technischen Forschung und Produktionssteuerung

Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieurfachkräfte am 30.06.2020

Diagramm: Zwei Fünftel der Ingenieurinnen und Ingenieure arbeiten in der Technischen Forschung und Produktionssteuerung

Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Krise hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieurinnen und Ingenieure 2020 gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent zugenommen, nachdem es in den Vorjahren Beschäftigungsgewinne zwischen jeweils 3 und 5 Pro-zent gegeben hatte. Dabei fiel der Zuwachs im Technischen Vertrieb, im Bauwesen sowie in Verkehrsbetrieb und Sicherheitstechnik überdurchschnittlich aus. In der Metallverarbeitung sowie in Land-, Tier- und Forstwirtschaft dagegen verringerte sich die Beschäftigtenzahl erkennbar (Abbildung 2.1 – 3).

Abbildung 2.1 - 3

Überdurchschnittlicher Beschäftigungsanstieg 2020 im Technischen Vertrieb, gefolgt vom Bauwesen

Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieursfachkräfte; Veränderung zum Vorjahr am 30.06.2020

Diagramm: Überdurchschnittlicher Beschäftigungsanstieg 2020 im Technischen Vertrieb, gefolgt vom Bauwesen

Trotz Anstiegs relativ geringe Arbeitslosigkeit

38.000 Personen, die eine Ingenieurstätigkeit anstrebten, waren 2020 durchschnittlich arbeitslos gemeldet. Im Zuge der schwachen Konjunktur und verstärkt durch die Einschränkungen auf-grund der Corona-Pandemie ist die Zahl der arbeitslosen Ingenieur/-innen gegenüber 2019 um ein Drittel gestiegen. Die Zunahme geht überwiegend auf die Entwicklung im technischen Ingeni-eurwesen zurück (vgl. Kapitel 2.1.1 bis 2.1.3).

Die berufsspezifische Arbeitslosenquote stieg zwar für Ingenieurberufe insgesamt um 0,7 Prozentpunkte. Mit einer Höhe von 3,1 Prozent signalisiert sie dennoch weiterhin nahezu Vollbeschäftigung (Abbildung 2.1 – 4). Am geringsten fiel 2020 die Arbeitslosenquote im Bauin-genieurwesen aus, das sich im Zuge der stabilen Baukonjunktur weitgehend unbeeindruckt von den Corona-Einschränkungen zeigte. Auch in der Technischen Forschung und der Produktionssteuerung ist die Arbeitslosenquote sehr gering. Vergleichsweise hoch fielen sie im Gegensatz dazu im Technischen Vertrieb aus.

Abbildung 2.1 - 4

Arbeitslosenquote für Ingenieurfachkräfte nach Tätigkeitsfeldern sehr unterschiedlich

Arbeitslosenquoten nach ausgewählten Tätigkeitsfeldern für Ingenieurfachkräfte 2020

Diagramm: Arbeitslosenquote für Ingenieurfachkräfte nach Tätigkeitsfeldern sehr unterschiedlich

Die Nachfrage sinkt, bleibt aber auf hohem Niveau

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen für Ingenieur/-innen ist 2020 entsprechend der Wirt-schaftsentwicklung ab dem zweiten Halbjahr 2019 und der Beschränkungen in Folge der Corona-Pandemie deutlich gesunken (-20 Prozent). Mit 15.600 gemeldeten Stellen bleibt die Nachfrage nach Ingenieurfachkräften jedoch im langjährigen Vergleich dennoch auf einem hohen Niveau. Auch der Zugang von insgesamt 45.400 im Jahr 2020 neu gemeldeten Stellen für Ingenieur/-innen liegt gut ein Fünftel unter dem Vorjahreszeitraum. Der Rückgang resultiert zu knapp zwei Dritteln aus dem Tätigkeitsbereich Produktion und Fertigung (-30 Prozent). Mit einem Minus von 7 Prozent ist dagegen der gemeldete Personalbedarf in Bauberufen kaum gesunken.

Engpässe in einzelnen Fachrichtungen

Die Corona-Pandemie hatte den Arbeitsmarkt im Jahr 2020 ab dem Frühjahr fest im Griff. In Folge der Pandemie stieg die Arbeitslosigkeit und die Nachfrage der Unternehmen nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat sich deutlich verringert. Das hat erheblichen Einfluss auf die Indikatoren, anhand derer Engpässe ermittelt werden. So hat sich 2020 die Zahl der Engpassberufe merklich verringert. Trotzdem traten nach Daten der Bundesagentur für Arbeit teilweise Besetzungsprobleme zu Tage, zum Beispiel in der Automatisierungstechnik und der Elekt-rotechnik sowie bei Führungskräften in Bau und Architektur. Im Maschinenbau haben die gestie-genen Absolventenzahlen der Vorjahre und die schwache Exportkonjunktur dazu geführt, dass kein Fachkräftemangel mehr erkennbar ist.

Interesse am Ingenieurstudium auf hohem Niveau stabil

Die Zahl der erfolgreichen Prüfungen hat in den technischen Ingenieur-Studiengängen (hier ohne Informatik) von 2003 bis 2017 stetigen Zuwachs erfahren. Erstmals nach dieser Zeit ist 2018 die Zahl der erfolgreichen Examina leicht gesunken. 2019 wurde dieser leichte Rückgang jedoch mit einem Plus von 1 Prozent wieder ausgeglichen und mit gut 102.000 bestandenen Hochschulprüfungen ein neuer Rekord erreicht.

Seit 2013 sind jährlich über eine halbe Million Studierende in der Fächergruppe Ingenieurswissenschaften (ohne Informatik) eingeschrieben. Mit 533.000 bewegt sich die Zahl der angehenden Ingenieurinnen und Ingenieure stabil auf sehr hohem Niveau.

Die folgenden Kapitel betrachten näher die beschäftigungsstarken Tätigkeitsfelder
• Maschinen- und Fahrzeugtechnik
• Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik,
• technische Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Produktion.
• Bau und Architektur

__________

1 Die Arbeitsmarktdaten basieren auf dem Berufsaggregat "Ingenieurberufe", welches Berufsgattungen der KldB2010 umfasst, die für ausgebildete Ingenieure typische Berufe im Sinne von Tätigkeiten beschreiben.

 

Stand: August 2021

2.1.1 Maschinen- und Fahrzeugtechnik

PDF-Datei (PDF, 678KB)

Die exportorientierte Maschinen- und Fahrzeugbauindustrie bekam bereits 2019 die gedämpfte Weltkonjunktur zu spüren. Gleichzeitig stellt der Wandel zur Elektromobilität die Fahrzeugbranche vor große Herausforderungen. Dies hinterließ Spuren am Arbeitsmarkt für Ingenieur/-innen der Maschinen- und Fahrzeugtechnik. So hat die Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften bereits 2019 deutlich nachgelassen. Die wirtschaftlichen Einschränkungen und die vorrübergehende Unterbrechung der Lieferketten infolge der Corona-Pandemie verstärkten 2020 diese Entwicklung. Zwar ist die Zahl der Beschäftigten auch 2020 leicht gewachsen, doch ging die Arbeitskräftenachfrage massiv zurück. Gleichzeitig nahm die Arbeitslosenzahl enorm zu, wenngleich das Niveau der Arbeitslosigkeit weiterhin deutlich unterdurchschnittlich ausfällt. Die Studierendenzahl hat zwar ihren Zenit überschritten, dennoch sind in den nächsten Jahren weiterhin hohe Absolventenzahlen zu erwarten.

Großes Beschäftigungsfeld mit weiterhin leichtem Wachstum

Rund 260.000 Maschinen- und Fahrzeugtechnik-Expert/-innen, deren Anforderungsprofil einer mindestens vierjährigen Hochschulausbildung oder vergleichbaren Kompetenzen entspricht, waren laut Mikrozensus 2019 in Deutschland als Angestellte, Selbständige oder Beamte tätig. Für die größte Teilgruppe – die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – weist die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit für 2020 rund 134.000 Personen aus.1 Das entspricht einem Zuwachs von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Beschäftigungsaufbau hat sich damit 2020 trotz der Corona-Pandemie fortgesetzt, fiel aber deutlich ab im Vergleich zu den letzten Jahren.

Den Beschäftigungsschwerpunkt des Berufsfeldes bilden mit rund 85.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Personen und einem Anteil von knapp zwei Dritteln der Maschinenbau und die Betriebstechnik. Dieser lässt sich in drei Teilbereiche gliedern: 38 Prozent gestalten und optimieren beispielsweise als Maschinenbau- oder Verfahrensingenieur/-in im Maschinenbau und in der Betriebstechnik Produktionsabläufe oder entwickeln und konstruieren Maschinen und Fertigungsanlagen. 15 Prozent sind im Technischen Service und der Instandhaltung tätig und weitere 10 Prozent nehmen in erster Linie Führungsaufgaben wahr (Abbildung 2.1.1 – 1).

In Berufen der Fahrzeugtechnik waren 2020 etwa 49.000 Expert/-innen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, mit fast 31.000 die meisten in der Kraftfahrzeugtechnik. Es folgt als weiterer, zahlenmäßig nicht zu unterschätzender Tätigkeitsbereich die Luft- und Raumfahrttechnik mit knapp 11.000 Ingenieur/-innen. Hinzu kommen knapp 7.000 Ingenieur/-innen, die in der Fahrzeugtechnik mit Leitungsfunktionen betraut sind.

Sonstige kleinere Tätigkeitsfelder sind der Schiffbau, die Land- und Baumaschinentechnik oder die Zweiradtechnik.

Nachfrage eingebrochen

Aufgrund der schwachen Wirtschaftslage und den Folgen von Strukturwandel und Corona-Beschränkungen auf die Lieferketten in der Automobilindustrie war die Zahl der Zugänge gemeldeter Stellen für Expert/-innen in Maschinenbau und Fahrzeugtechnik 2020 im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. 4.100 Stellenmeldungen gingen im Jahresverlauf bei der Bundesagentur für Arbeit ein, 40 Prozent weniger als im Vorjahr. Monatsdurchschnittlich hatte die öffentliche Arbeitsvermittlung damit 1.400 Stellen im Angebot, 41 Prozent weniger als im Vorjahr.

Deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit

5.300 Arbeitslose suchten im Jahresdurchschnitt eine Arbeit als Expert/-in der Maschinen- oder Fahrzeugtechnik. Das waren 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote stieg zwar um einen Prozentpunkt, war aber mit 3,5 Prozent nach wie vor unterdurchschnittlich hoch.

Weiterhin großes Interesse am Studienfach

Im Prüfungsjahr 2019 beendeten 36.000 Absolvent/-innen erfolgreich ihr Studium im Studienbereich Maschinenbauwesen, Verfahrenstechnik. Das war 1 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der erfolgreichen Berufseinsteiger ist nach wie vor sehr hoch. Im Vergleich zu 2010 hat ihre Zahl 2019 um etwa ein Viertel zugenommen. Dabei ist bereits rechnerisch berücksichtigt, dass der Bachelorabschluss als neu eingeführte Prüfungsart die Absolventenzahl nominal steigen ließ, obwohl viele Bachelorstudierende erst nach dem sich anschließenden Master nach Beschäftigung suchen. Neben dem Studienbereich Maschinenbau, Verfahrenstechnik wurden noch weitere 5.600 erfolgreiche Prüfungen im Studienbereich Verkehrstechnik, Nautik absolviert.

In den nächsten Jahren kann weiterhin mit vielen Absolvent/-innen gerechnet werden. Auch wenn die Zahl der Neueinschreibungen 2019/20 um 5 Prozent kleiner ausfiel als im Vorjahr, bewegte sie sich mit rund 50.000 Studienanfängern im ersten Fachsemester auf einem hohen Stand. Insgesamt waren 175.000 Studierende im Studienbereich Maschinenbau, Verfahrenstechnik eingeschrieben. Die Zahl sinkt zwar kontinuierlich seit 2015, es waren 2019/20 aber immer noch gut 80 Prozent mehr Studierende als um die Jahrtausendwende. Daneben studierten 28.000 junge Menschen Verkehrstechnik, Nautik.

Abbildung 2.1.1 – 1

Diagramm: Maschinen- und Fahrzeugtechnik (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

 __________

1 Der Mikrozensus kam 2019 auf 239.000 Personen. Die starken Abweichungen resultieren aus Spielräumen bei der Zuordnung der beruflichen Tätigkeit zur amtlichen Klassifikation. Offensichtlich bestehen in dieser Berufsgruppe sehr große Unterschiede zwischen der Einschätzung der Betriebe (Beschäftigungsstatistik) und der Beschäftigten selbst (Mikrozensus). Siehe auch Hinweise zu statistischen Angaben.

 

Stand: August 2021

2.1.2 Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik

PDF-Datei (PDF, 669KB)

Die Arbeitsmarktsituation für Expert/-innen der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik stellt sich gut dar, blieb aber 2020 von der Corona-Krise nicht unbeeinflusst. Die Beschäftigtenzahl stagnierte. Aufgrund der konjunkturellen Schwäche und den Auswirkungen der coronabedingten Beschränkungen ist die Zahl der gemeldeten Stellen 2020 gesunken und die Arbeitslosigkeit gestiegen. Die hohe Zahl an Studierenden dürfte in den nächsten Jahren zu einer weiteren Erhöhung des Fachkräftepotenzials beitragen.

Zahl der Beschäftigten stagniert

Nach letzten Angaben des Mikrozensus waren 2019 rund 152.000 Expert/-innen der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik in Deutschland tätig. 7 Prozent von ihnen übten die Arbeit als Selbständige aus. Mit 141.000 Personen befand sich die große Mehrheit in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis als Angestellte, Beamte oder Minijobber beispielsweise neben einem Studium.

Die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit, für die bereits Daten für das Jahr 2020 vorliegen, weist im Feld der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik 89.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Expert/-innen aus (Abbildung 2.1.2 – 1). Nach leichten Zuwächsen in den Jahren 2017 bis 2019 zeigte sich die Beschäftigtenzahl 2020 stabil. Vergleiche mit den Jahren vor 2013 sind aufgrund der Umstellung auf die Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) nicht möglich. Aussagen zu Entwicklungstrends können aber getroffen werden, wenn man stattdessen die ähnlich gefasste Berufsgruppe der Elektroingenieur/-innen betrachtet: Hier ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 2004 bis 2011 um 11 Prozent gesunken.

Damit gehören Elektroingenieur/-innen zu den wenigen Berufsgruppen, bei denen die Beschäftigtenzahl langfristig betrachtet rückläufig war und in den letzten Jahren unterproportional gestiegen ist. Es scheint, als ob die geringen Absolventenzahlen in den Jahren vor und nach der Jahrhundertwende dazu führten, dass Beschäftigungsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft wurden. Darüber hinaus kann von einer zunehmenden Verlagerung von der Elektrotechnik hin zur (technischen) Informatik ausgegangen werden. In der Zusammenschau betrachtet ist das Berufsfeld Informatik / Informations- und Elektrotechnik merklich gewachsen.

Nachfrage stark gesunken

Nachdem die Nachfrage von 2015 bis 2018 regelmäßig zulegt hatte, ist die Zahl der gemeldeten Stellen 2019 merklich und 2020 erheblich gesunken. Im Monatsdurchschnitt 2020 waren 2.600 Stellenangebote gemeldet, 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch der Zugang an neuen Stellenofferten, der besser das Nachfragevolumen eines Jahres beschreibt, fiel 2020 mit 7.500 Stellenangeboten um ein Viertel geringer aus als im Vorjahreszeitraum.

Arbeitslosigkeit gestiegen

Die Zahl der Arbeitslosen, die eine Expertentätigkeit in der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik anstrebten, ist 2020 deutlich gestiegen. Rund 3.600 Arbeitslose waren durchschnittlich gemeldet. Gegenüber 2019 waren das 29 Prozent mehr. Die Arbeitslosenquote stieg von 2,8 Prozent auf 3,6 Prozent.

Interesse am Studium der Elektrotechnik auf hohem Niveau

Die Zahl der erfolgreichen Prüfungen im Studienbereich Elektrotechnik hat sich in den letzten Jahren bei rund 15.000 eingependelt. Im Vergleich zum Vorjahr legten 2019 2 Prozent weniger Studierende ihr Examen ab. Der Anteil der Absolventinnen lag bei nur 13 Prozent.

Die Hälfte der Prüflinge erwarb (zunächst) einen Bachelorabschluss. Drei von vier dieser Bachelorabsolvent/-innen streben zunächst ein Masterstudium an und stehen damit dem Arbeitsmarkt erst später zur Verfügung.1 Der Anteil der Masterprüfungen hat sich weiter auf jetzt 43 Prozent erhöht. Deshalb ist die Zahl der Ingenieur/-innen, die mit ihrem gerade erworbenen Abschluss in den Arbeitsmarkt eintreten, etwas weniger stark gesunken (-1 Prozent) als die Zahl der Prüfungen.

Nicht zuletzt die guten Arbeitsmarktperspektiven dürften dazu geführt haben, dass sich seit 2007 mehr und mehr technikinteressierte junge Menschen für ein Studium der Elektrotechnik entschieden hatten. Insgesamt waren 2019/20 rund 81.000 Studierende im Studienbereich Elektrotechnik eingeschrieben, zwar 1 Prozent weniger als im Vorjahr, aber 14 Prozent mehr als 2010.

Abbildung 2.1.2 – 1

Diagramm: Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

__________

1 Quelle: DZHW: Forum Hochschule 1/2016 Hochschulabschlüsse nach Bologna.

 

Stand: August 2021

2.1.3 Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Produktion

PDF-Datei (PDF, 692KB)

Neben den in den vorangehenden Kapiteln beschriebenen Tätigkeitsfeldern finden Ingenieur/-innen vielfältige Einsatzbereiche in der Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Produktion. Hier entwickeln sie zum Beispiel Produkte, technische Verfahren oder Technologien, sind in der Grundlagenforschung tätig, organisieren und überwachen den Betrieb von Anlagen und Fertigungsprozessen oder arbeiten an Aufgabenstellungen wie Kosteneffizienz, Qualitätssicherung und Prozess- und Produktsicherheit. Typisch für dieses Feld sind Tätigkeitsbezeichnungen wie Forschungs- und Entwicklungsingenieur/-in, Projektingenieur/-in, Konstruktionsingenieur/-in, Qualitätsingenieur/-in oder Wirtschaftsingenieur/-in. Gerade die Verbindung von technischem Knowhow und betriebswirtschaftlichem Sachverstand, die kennzeichnend für die letztgenannte Berufsgruppe ist, hat an Stellenwert gewonnen. Als Führungskräfte sind Ingenieur/-innen darüber hinaus in produzierenden Unternehmen unter anderem für die Steuerung der Fertigung im Hinblick auf Quantität und Qualität, Termintreue und Effizienz verantwortlich.

Diese hochqualifizierten Technik-Expert/-innen zählen zu den gefragten Fachkräften am deutschen Arbeitsmarkt. Dies zeigt sich an einer in den letzten Jahren dynamisch gewachsenen Beschäftigung. 2020 hat sich der Beschäftigungsaufbau allerdings aufgrund der Corona-Krise verlangsamt. Die Arbeitslosigkeit ist aufgrund der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie angestiegen, bleibt aber vergleichsweise gering. Die gemeldete Nachfrage nach Personal ging krisenbedingt enorm zurück. Stark gestiegene Studierendenzahlen dürften in den nächsten Jahren zu einer spürbaren Erhöhung des Fachkräftepotenzials beitragen.

Forschung und Entwicklung als wichtiges und stark wachsendes Arbeitsfeld

In den Tätigkeitsfeldern Technische Forschung und Entwicklung einerseits und der Produktion und Konstruktion andererseits waren 2020 insgesamt 423.000 Ingenieurfachkräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
Von ihnen waren 238.000 Ingenieur/-innen vorwiegend mit Forschen und Entwickeln betraut, darunter 12.000 als Führungskräfte. In der Produktionsplanung und -steuerung sowie der Konstruktion waren 185.000 Ingenieurfachkräfte beschäftigt. Fast jede zweite Ingenieurfachkraft übte Leitungsaufgaben aus (84.000), während fast jeder dritten als Arbeitsplanungs-, Betriebs-, Fertigungs- oder Wirtschaftsingenieur/-in fachliche Verantwortung in der Produktion übertragen war (56.000). Für weitere 16 Prozent stand die technische Qualitätssicherung im Mittelpunkt der Berufsausübung (30.000). Ferner waren mit 14.000 Personen 8 Prozent als hochqualifizierte Fachkräfte in der Konstruktion beziehungsweise im Gerätebau tätig (Abbildung 2.1.3 – 1).

2020 war trotz der Corona-Krise ein Beschäftigungsaufbau zu verzeichnen. Mit einem Wachstum von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Ingenieurarbeitsplätze allerdings merklich geringer als in den Jahren davor, es jährlich ein Plus von um die 4 Prozent verzeichnet wurde.

Der aktuelle Zuwachs geht mit 4.400 Beschäftigten zu einem größeren Teil auf das Konto von Forschung und Entwicklung, gefolgt von 3.400 Beschäftigten in der Produktionsplanung und -steuerung. Hier könnten sich Investitionen in Industrie 4.0, aber auch alternative Antriebe oder autonomes Fahren u. ä. widerspiegeln.

Personalbedarf geht massiv zurück

Monatsdurchschnittlich hatte die öffentliche Arbeitsvermittlung 2020 rund 1.500 Stellenangebote im Portfolio. Damit ist die gemeldete Nachfrage um fast 40 Prozent eingebrochen. Im Laufe des Jahres wurden 4.900 Stellenangebote neu gemeldet, ein Drittel weniger als im Vorjahr. Die meisten Offerten richteten sich dabei an Kräfte in der technischen Produktionsplanung und -steuerung.

Arbeitslosigkeit bleibt trotz Anstiegs auf niedrigem Niveau

2020 waren jahresdurchschnittlich 10.100 Personen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenzahl hat sich damit gegenüber dem Vorjahr um 3.100 erhöht (+44 Prozent) und erreichte den höchsten Stand seit 2007.1 Ausgehend von einem extrem geringen Stand im Jahr 2019 stieg die Arbeitslosenquoten von 1,7 Prozent auf 2,4 Prozent. Sie fiel damit weiterhin erheblich geringer aus als in den meisten Berufsgruppen.

Zahl der Studierenden deutlich gewachsen

Die Zahl der jungen Menschen, die erfolgreich ein Wirtschaftsingenieur-Studium oder ein Studium des Allgemeinen Ingenieurwesens abgeschlossen haben, verzeichnete in den vergangenen Jahren einen steten Aufwärtstrend.221.000 Personen schlossen 2019 ein Studium als Wirt-schaftsingenieur ab und weitere 9.300 ein Studium des Allgemeinen Ingenieurwesens. Das entsprach einem Zuwachs von 0,4 bzw. 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In 3 von 5 Prüfungen wurde dabei ein Bachelorabschluss erworben.

Insgesamt waren rund 108.000 junge Menschen 2019/20 für ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens eingeschrieben (-1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Gleichzeitig wies die Hochschulstatistik 53.000 Studierende der Allgemeinen Ingenieurwissenschaften aus. Das waren 2 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie. Im Bereich des Wirtschaftsingenieurwesens hat dabei der ingenieurwissenschaftliche Schwerpunkt erheblich an Bedeutung gewonnen.3Wählte im Jahr 2009 nur etwa jeder Vierte diesen Schwerpunkt, so waren es 2019/20 bereits zwei Drittel.

Abbildung 2.1.3 – 1

Diagramm: Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Produktion (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

__________

1 Angaben zur früheren Jahren liegen nicht vor.

2 Für eine Berufstätigkeit in Forschung, Entwicklung, Konstruktion oder Produktion kann der Zugang natürlich auch über andere als die hier beschriebenen Ingenieurfächer erfolgen (z.B. Maschinenbau/Verfahrenstechnik). Die Entwicklungen in diesen Studienbereichen werden in den vorhergehenden Abschnitten beschrieben).

3 Differenzierte Betrachtung von Schwerpunkten ab 2009 möglich.

 

Stand: August 2021

2.1.4 Architektur und Bauingenieurwesen

PDF-Datei (PDF, 765KB)

Der Arbeitsmarkt für Architekt/-innen und Bauingenieur/-innen ist eng mit der Entwicklung der Baubranche verknüpft. Die wirtschaftliche Situation 2020 war, ebenso wie in den meisten Berufsbereichen, geprägt von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Einerseits wirkten niedrige Zinssätze und eine anhaltend hohe Nachfrage im Wohnungsbau stützend. Bedingt durch die Corona-Krise ist andererseits der Bedarf von baulichen Maßnahmen seitens der Unternehmen stark zurückgegangen. So ging auch die Nachfrage nach Architekt/-innen sowie Bauingenieur/-innen 2020 nach dem stetigen Anstieg in den Vorjahren etwas zurück. Die Arbeitslosigkeit stieg deutlich, fällt gemessen an der Arbeitslosenquote jedoch weiterhin sehr gering aus. Für die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wird weiter ein Anstieg ausgewiesen. Angesichts hoher Studierendenzahlen ist für die nächsten Jahre von einem stabilen Nachwuchspotenzial an Baufachleuten auszugehen.

480.000 hochqualifizierte Baukundige

Laut Mikrozensus verfügten 2019 rund 248.000 Personen über einen Abschluss im Bauingenieurwesen1 und 232.000 über einen der Architektur. Die Zahl der tatsächlich als Architekt/-in tätigen Personen ist merklich kleiner: Der Mikrozensus weist rund 139.000 erwerbstätige Personen aus (Abbildung 2.1.4 – 1), auch die Mitgliederstatistik der Bundesarchitektenkammer registrierte insgesamt rund 139.000 Architekten/-innen und Stadtplaner/-innen. Ein Drittel war selbständig tätig.2 Eine Tätigkeit als Bauingenieur/-in oder in der Bauleitung übten 241.000 Personen aus (Abbildung 2.1.4 – 2). Auch hier spielt die Selbständigkeit eine wichtige Rolle. Jede/-r fünfte Erwerbstätige war sein eigener Chef bzw. seine eigene Chefin.

Rund 11.000 Bau-Fachkundige waren darüber hinaus bei Bauämtern oder anderen Institutionen des Öffentlichen Dienstes als Beamte beschäftigt.3

Erwerbstätigkeit trotz Pandemie weiter im Aufwind

Die Zahl der Erwerbstätigen mit einem Studienabschluss im Bauingenieurwesen oder in der Architektur ist im Lauf der letzten zehn Jahre immer wieder Schwankungen unterworfen gewesen. Tendenziell zeigt sich jedoch eine beachtliche Zunahme (Architektur: +28 Prozent im Vergleich zu 2010, Bauingenieurwesen +21 Prozent). Auch aktuelle Angaben für die Berufsausübenden weisen auf eine Fortsetzung des positiven Trends hin: Die Bundesarchitektenkammer vermeldete zum Januar 2020 ein Vorjahresplus von 1 Prozent. Laut BA-Statistik ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Architekt/-innen und die der Bauingenieur/-innen und Bauleiter/-innen 2020 gegenüber dem Vorjahr um 2 bzw. 4 Prozent gestiegen.

Fachkräftemangel im Bauingenieurwesen

Bauingenieurinnen und Bauingenieure konnten in den letzten Jahren von der guten Baukonjunktur profitieren. So nahm die Nachfrage nach Fachexpert/-innen im Bau seit Jahren zu. Vor allem in der Bauleitung traten zunehmend Engpässe bei der Fachkräfterekrutierung auf. Im Verlauf des Jahres 2020 wurden 14.200 Stellenangebote neu gemeldet, 6 Prozent weniger als im Vorjahr, aber etwa so viele wie 2018. Damit hatte der Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit monatsdurchschnittlich 5.100 Stellenofferten für Bauingenieur/-innen im Angebot. Dem standen 4.300 arbeitslose Bauexpert/-innen gegenüber, coronabedingt 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch gestaltete sich im Rückblick der letzten zehn Jahre der Abbau der Arbeitslosigkeit sehr eindrucksvoll. Der Arbeitslosenbestand reduzierte sich von 2010 auf 2020 um 35 Prozent. Auch die Arbeitslosenquote fiel 2020 im Bauingenieurwesen mit 2,2 Prozent nach wie vor sehr gering aus.

Kein Einbruch der gemeldeten Stellenangebote in der Architektur

Die Nachfrage nach abhängig beschäftigten Architekt/-innen bewegte sich 2020, gemessen an den im Jahresverlauf neu gemeldeten Arbeitsstellen, mit 4.000 Jobofferten etwas unter dem Niveau des Vorjahres (-9 Prozent). Monatsdurchschnittlich waren 1.400 Arbeitsstellen zu vermitteln. Gleichzeitig waren rund 2.600 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt registriert. Dies entspricht zwar – bedingt durch die niedrige Ausgangsbasis – einem kräftigen prozentualen Anstieg um 31 Prozent, der ausschließlich auf Corona zurückzuführen sein dürfte. Weil gleichzeitig jedoch auch die Beschäftigung gestiegen ist, blieb die Arbeitslosenquote, ebenso wie im Bauingenieurwesen, niedrig (2,2 Prozent).

Verhalten positive Entwicklung erwartet

Die Auftragseingänge lagen im Bauhauptgewerbe im Jahr 2020 real und kalenderbereinigt nur wenig unter denen des Vorjahres (-3 Prozent). Die Baugenehmigungen für Wohnungen waren 2020 im Vergleich zum Vorjahr sogar um 2 Prozent gestiegen.4 Nach dem ifo Geschäftsklimaindex gingen die Baubetriebe Ende März 2021 für die kommenden Monate von einer positiven Geschäftsentwicklung aus.5 Dämpfend könnte sich allerdings auswirken, dass die staatlichen Corona-Hilfen die öffentlichen Haushalte erheblich belasten und damit den Spielraum für öffentlichen Bauinvestitionen verkleinern dürften.

Stabiles Interesse an einem Studium des Bauingenieurwesens oder der Architektur

Die Hochschulstatistik verzeichnete 2019 rund 10.500 Absolvent/-innen des Bauingenieurwesens. Das war 1 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Architektur und Innenarchitektur erwarben 9.100 Studierende einen Abschluss (+1 Prozent).

Für die nächsten Jahre können Absolventenzahlen auf ähnlichen Niveau erwartet werden. 2019/20 waren im Bauingenieurwesen insgesamt 59.000 Studierende eingeschrieben, was erstmals seit elf Jahren einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr bedeutete (-1 Prozent) In der Architektur blieb die Studierendenzahl unverändert bei 42.000.

Abbildung 2.1.4 – 1

Diagramm: Architektur (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

Abbildung 2.1.4 – 2

Diagramm: Bauingenieurwesen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

________

1 Einschließlich Studienfächer Holzbau, Stahlbau, Wasserbau, Wasserwirtschaft, Meliorationswesen, Verkehrsbau.
2 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2019.
3 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2019. Zwischen Architekten und Bauingenieuren kann hierbei nicht trennscharf unterschieden werden.
4 Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 17.03.2021 und vom 25.02.2021.
5 Quelle: ifo Geschäftsklima 26.03.2021.

 

Stand: August 2021

2.2 Informatik

PDF-Datei (PDF, 704KB)

Das Vordringen der Informatik in nahezu alle Arbeits- und Lebensbereiche geht einher mit einem überdurchschnittlichen Zuwachs an Arbeitsplätzen für Computerfachleute in den letzten Jahren. Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen haben durch die Ausweitung von Homeoffice, Online-Unterricht oder Online-Handel zu einem enormen Digitalisierungsschub geführt. So hat sich das Beschäftigungswachstum in IT-Berufen, trotz Rezession, auch 2020 kräftig fortgesetzt.

Wirtschaftliche Einschränkungen und Unsicherheiten haben aber auch den IT-Arbeitsmarkt in Mitleidenschaft gezogen. So ist die gemeldete Nachfrage nach Arbeitskräften erheblich gesunken und die Arbeitslosigkeit deutlich gestiegen. Dennoch bewegt sich die Arbeitslosigkeit weiterhin auf einem Niveau, das Vollbeschäftigung entspricht. Auch die Zahl der Stellenmeldungen fiel höher aus als in den Jahren vor 2017.

Die Studierendenzahlen in der Informatik sind seit 2008 auf Wachstumskurs und erzielten seit 2011 regelmäßig überdurchschnittliche Zuwachsraten. Dies ist auch dringend notwendig, da für die nächsten Jahre eine stark zunehmende Nachfrage nach gut qualifizierten IT-Fachleuten erwartet wird.

Zahl erwerbstätiger IT-Fachleute wächst weiter

Rund 1,13 Mio. IT-Fachleute waren 2019 laut letzten Angaben aus dem Mikrozensus in Deutschland tätig. Das waren 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit setzte sich der Wachstumskurs der letzten Jahre fort. Von 2013 bis 2019 hat die Zahl der erwerbstätigen IT-Fachleute um insgesamt 268.000 zugenommen. Zu den Erwerbstätigen zählen neben den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die den Hauptteil ausmachen, Selbständige und Beamte sowie geringfügig Beschäftigte.

Vor allem die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nimmt zu

Das Wachstum der Erwerbstätigkeit speist sich zum großen Teil aus einer Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit, für die bereits Daten für das Jahr 2020 vorliegen, weist 897.000 IT-Fachleute aus, die in diesem Jahr in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Im Vorjahresvergleich zeigt sich ein deutliches Beschäftigungsplus von 5 Prozent, das so hoch ausfällt wie in keiner anderen Berufsgruppe. In Personen ausgedrückt verbirgt sich dahinter ein Plus von 41.000. Daran lässt sich der durch die Corona-Krise ausgelöste Digitalisierungsschub ablesen.

Der größte Teil des Beschäftigungszuwachses geht auf IT-Expert/-innen mit hochkomplexen Anforderungsprofil zurück, die um 25.000 zugewonnen haben (+7 Prozent). Dabei gewinnt auch der formelle Abschluss in der Informatik zunehmend an Bedeutung. Der Anteil von IT-Beschäftigten mit Fachhochschul- und Hochschulabschluss an allen IT-lern ist von 40 Prozent im Jahr 2013 auf 48 Prozent im Jahr 2020 gestiegen (Abbildung 2.2 – 1).

Überdurchschnittliche Gehälter

Sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigte IT-Kräfte erzielten 2019 im Mittel ein monatliches Bruttogehalt von 5.144 Euro (West 5.288 Euro, Ost 4.370 Euro). Sie konnten sich damit über ein Einkommen freuen, das deutlich über dem Mittel aller Berufe rangiert1 (Deutschland 3.579 Euro, West 3.719 Euro; Ost 2.964 Euro). Mit der Komplexität der Anforderungen steigt das Gehalt. Für Tätigkeiten, die einen mindestens vierjährigen Hochschulabschluss oder vergleichbare Kompetenzen erfordern, weist die Entgeltstatistik monatlich 5.474 Euro aus (West 5.615 Euro, Ost 4.706 Euro). Bei mindestens einem von fünf Hochqualifizierten lag das Monatsgehalt sogar über der Beitragsbemessungsgrenze von 6.700 Euro in Westdeutschland.

Arbeitslosenquote gestiegen

Rund 29.500 IT-Fachleute waren 2020 arbeitslos gemeldet. Von 2015 bis 2019 ist die Zahl arbeitsloser IT-Kräfte 2015 stetig gesunken. 2020 hat jedoch die Corona-Krise zu einem kräftigen Anstieg von 6.600 geführt (+29 Prozent). Während einerseits das Gebot des sozialen Abstand-haltens einen Boom zum Beispiel in der Online-Kommunikation oder im Online-Handel bedeutete, könnte sich hier niederschlagen, dass viele Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten IT-Projekte ausgesetzt hatten oder nicht in dem üblichen Umfang durchführen konnten.

Die Arbeitslosenquote in IT-Berufen ist 2020 für alle Anforderungsniveaus insgesamt um 0,6 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent gestiegen. Für die Teilgruppe von Expert/-innen mit einer vierjährigen akademischen Qualifikation oder vergleichbaren Kenntnissen belief sich die Quote auf 3,1 Prozent, was ebenfalls eine Zunahme von 0,6 Prozentpunkten bedeutet. Fachleute mit einem Informatikberuf sind damit grundsätzlich seltener arbeitslos als viele andere Berufsgruppen. Bei einer Arbeitslosenquote von rund 3 Prozent wird in der Regel von Vollbeschäftigung ausgegangen.

Zahl der gemeldeten Stellen trotz Rückgangs noch auf einem hohen Niveau

Jahresdurchschnittlich hatte die Bundesagentur für Arbeit 2020 rund 16.000 Jobangebote für IT-Kräfte im Bestand. Das war ein deutlicher Rückgang von einem Fünftel nach den zum Teil kräftigen Anstiegen in den Jahren zuvor. Trotz des coronabedingten Einbruchs der gemeldeten Nachfrage war der Stellenbestand 2020 immer noch deutlich höher als in den Jahren vor 2017.

Die Neuzugänge gemeldeter Stellen, die mehr über die Dynamik der Nachfrage aussagen, beliefen sich 2020 auf 41.000 Arbeitsstellen, ebenfalls ein Fünftel weniger als im Vorjahr.

Lange Vakanzzeiten

Dass sich die Besetzung von Stellen für qualifizierte IT-Fachleuten nicht immer einfach gestaltet, zeigt sich dem Grunde nach in einer überdurchschnittlichen Vakanzzeit. Die Vakanzzeit umfasst den Zeitraum vom geplanten Besetzungstermin bis zur tatsächlichen Abmeldung des Stellenangebots bei den Vermittlungsreinrichtungen. 2020 waren gemeldete Stellen für Informatiker auf Fachkraft- und Spezialisten-Ebene 149 Tage vakant. Das waren 11 Tage mehr als im Durchschnitt aller Berufe. Bei IT-Expert/-innen dauerte die Stellenbesetzung 127 Tage, 24 Tage länger als berufsübergreifend bei Expert/-innen. Damit waren Stellen für IT-Expert/-innen deutlich länger unbesetzt als Stellenangebote in anderen Berufsgruppen. Mit Blick auf die Corona-Pandemie muss allerdings angemerkt werden, dass die Aussagekraft der Vakanzzeit aktuell eingeschränkt ist. So hat sich aufgrund des wirtschaftlichen Lockdowns der Fokus des Arbeitgeber-Service in der Pandemie weg von der Vermittlung hin zur Beratung und Gewährung von Kurzarbeitergeld verlagert, was sich erheblich auf die Betreuung von Stellenangeboten ausgewirkt haben dürfte.

Engpässe in der Softwareentwicklung

Bereits seit Jahren treten bei der Besetzung von Stellen in der Softwareentwicklung Engpässe auf, insbesondere dann, wenn Kompetenzen gesucht werden, die einem mindestens vierjährigen Informatikstudium entsprechen oder spezielle Kenntnisse und Erfahrungen notwendig sind. Stellenbesetzungsprobleme zeigten sich nach Daten der Bundesagentur für Arbeit auch speziell in der Geo-, Bio- und Medizininformatik und der technischen Informatik.2
Arbeitsmarktforscher/-innen sehen in einer Projektion bis zum Jahr 2040 im Kontext der zunehmenden Digitalisierung einen stark wachsenden Bedarf an qualifizierten IT-Kräften und warnen vor möglichen Fachkräfteengpässen.3

Großes Interesse an Informatikstudiengängen

Seit der Jahrtausendwende sind die Absolventenzahlen der Informatikstudiengänge stetig gewachsen. Rund 29.000 Informatiker schlossen 2019 ihr Studium erfolgreich ab, 7 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie. Der Anteil der Bachelorabschlüsse liegt mittlerweile bei 61 Prozent. Die meisten Angehörigen dieser Prüfungsgruppe treten jedoch nicht unmittelbar in das Erwerbsleben ein, da sie noch ein Masterstudium anschließen. Der Masteranteil hat sich auf 35 Prozent erhöht.

In den nächsten Jahren dürfte die Zahl der Berufseinsteiger weiter zunehmen, denn die Zahl der Studierenden ist seit 2008 kontinuierlich gewachsen. Insgesamt verzeichnete der Studienbereich Informatik im Studienjahr 2019/20 rund 236.000 Studierende. Das waren 10.000 oder 5 Prozent mehr als im Jahr zuvor, während die Studierendenzahl insgesamt nur um 1 Prozent zugenommen hat. Gleichzeitig wurde ein neuer Höchststand im Studienfach Informatik erreicht.

Abbildung 2.2 - 1

Diagramm: Informatik (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

__________

1 ohne Helfer
2 vgl. Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse, Nürnberg Mai 2020. statistik.arbeitsagentur.de > Statistiken > Themen im Fokus.> Fachkräftebedarf
3 Quelle: BIBB Report 4/2020

 

Stand: August 2021

2.3 Naturwissenschaften

PDF-Datei (PDF, 722KB)

Der Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftler/-innen zeigte sich im letzten Jahrzehnt sehr aufnahmefähig, was sich in einer kräftig gestiegenen Erwerbstätigkeit widerspiegelt. Gleichzeitig befindet sich die Arbeitslosigkeit in den meisten Fachrichtungen auf einem geringen Niveau. 2020 wurde der Arbeitsmarkt von den wirtschaftlichen Eindämmungsmaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie beeinflusst. Die Zahl der gemeldeten Stellenangebote, die sich explizit an Naturwissenschaftler/-innen richtet, fällt ohnehin sehr überschaubar aus und ist coronabedingt gesunken. Insbesondere in der Biologie zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen der Zahl der Arbeits-losen und der Zahl der gemeldeten Stellen. Die hohe Studierendenzahl dürfte in den nächsten Jahren zu einer Erhöhung des Arbeitskräftepotenzials in der Naturwissenschaft beitragen.

Erwerbstätigkeit hat stark zugenommen

Die Zahl der in Deutschland tätigen Naturwissenschaftler/-innen hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht. Der Mikrozensus wies 2019 insgesamt 587.000 Erwerbstätige mit einem naturwissenschaftlichen Hochschulabschluss aus.1 Im Zehn-Jahres-Rückblick ist die Erwerbstätigkeit um 42 Prozent gestiegen (Abbildung 2.3 – 1).

Abbildung 2.3 - 1 

Diagramm: Naturwissenschaften (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)



Die Zahl der originär als Naturwissenschaftler/-innen Tätigen fällt mit schätzungsweise 163.000 im Vergleich dazu gering aus und verringerte sich zudem in den letzten drei Jahren. Zu den Naturwissenschaftler/-innen werden rund 62.000 Chemiker/-innen, 31.000 Physiker/-innen, 34.000 Biolog/-innen, 20.000 Mathematiker/-innen und Statistiker/-innen sowie 16.000 Geograf/-innen, Geowissenschaftler/-innen und Meteorolog/-innen gezählt. Die große rechnerische Differenz zur Zahl derjenigen mit einem naturwissenschaftlichen Abschluss ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Naturwissenschaftler/-innen häufig interdisziplinär in den verschiedensten Berufsfeldern tätig sind und ihre konkrete Berufsausübung oft nicht den Naturwissenschaften zugeordnet wird. So arbeitet laut Mikrozensus ein großer Teil der studierten Naturwissenschaft-ler/-innen in Tätigkeitsfeldern wie Lehre und Forschung, Unternehmensführung und -organisation, Informations- und Kommunikationstechnik oder technische Entwicklung und Produktion (Abbildung 2.3 – 2).

Abbildung 2.3 - 2 

Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind in vielen Berufen zu Hause

Erwerbstätige mit Studienabschluss der Naturwissenschaften nach ausgeübten Tätigkeiten

Diagramm: Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind in vielen Berufen zu Hause

Die Spielräume bei der Berufszuordnung werden auch beim Blick in die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit deutlich. Danach waren 2020 als Naturwissenschaftler/-innen rund 98.000 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. In der Mathematik, Biologie sowie der Geografie/Geologie gab es dabei merkliche Zuwächse gegenüber dem Vorjahr (jeweils 2 Prozent). In der Physik zeigte sich ein leichtes Plus (1 Prozent), während die Beschäftigtenzahl in der Chemie gesunken ist (-2 Prozent).

Anstieg der Arbeitslosigkeit bei unterschiedlich starkem Rückgang der Nachfrage

2020 waren 1.700 Personen arbeitslos gemeldet, die eine hochqualifizierte Tätigkeit in der Physik suchten, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. In Relation zur hohen Zahl Erwerbstätiger mit einem Physik-Studium bewegte sich die Arbeitslosigkeit mit einer Quote von 2,7 Prozent trotz des deutlichen Anstiegs auf einem niedrigen Niveau.2 Bei den gemeldeten Stellen war ein starker Rückgang ersichtlich, außgehend von einem geringen Niveau. So wurden für Physiker/-innen von Januar bis Dezember gut 800 Offerten gemeldet, 19 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Durchschnittlich hatten die Agenturen für Arbeit damit 2020 rund 220 Stellen im Angebot, die sich explizit an Physiker/-innen wandten.

In der Mathematik stellt sich der Arbeitsmarkt grundsätzlich gut dar, hat sich aber auch aufgrund der Corona-Krise vorübergehend leicht verschlechtert. Gut 700 Arbeitslose suchten 2020 eine hochqualifizierte Tätigkeit als Mathematiker/-in, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die studienfachspezifische Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent signalisiert, dass Arbeitslosigkeit in der Regel nur ein kurzfristiges Suchphänomen darstellt. Im Laufe des Jahres gingen knapp 700 Offerten für Mathematiker/-innen ein, 11 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Durch-schnittlich hatten die Agenturen für Arbeit 2020 damit 130 Stellen im Angebot.

In der Chemie ist die Entwicklung ähnlich. So stieg die Arbeitslosenzahl um 13 Prozent auf 2.400 Arbeitslose. Bezogen auf die Zahl aller Erwerbspersonen mit einem Studienabschluss der Chemie ergab sich eine nach wie vor geringe studienfachspezifische Arbeitslosenquote von 2,4 Prozent. Im Jahresverlauf wurden mit 1.300 Stellenangeboten 9 Prozent weniger als im Vor-jahr neu gemeldet. Monatsdurchschnittlich standen damit 320 Stellenangebote für Chemie-Expert/-innen zur Verfügung.

Für Biolog/-innen hat sich die Arbeitsmarktsituation 2020 im Vergleich zu anderen Akademikern coronabedingt zwar nur leicht verschlechtert, die Situation ist aber für Arbeitsuchende insgesamt merklich ungünstiger als in anderen naturwissenschaftlichen Fächern. Im Jahresdurchschnitt suchten rund 3.700 Arbeitslose eine Anstellung als Biolog/-in. Das waren 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die studienfachspezifische Arbeitslosenquote fiel unter Akademiker/-innen weiterhin vergleichsweise hoch aus (3,7 Prozent). Der Einstellungsbedarf, gemessen an den gemeldeten Arbeitsstellen, war zwar unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt ist aber die Nachfrage nach Biologie-Experten gering. So standen den 3.700 Arbeitslosen monatsdurchschnittlich nur 360 gemeldete Stellen gegenüber. Die Neuzugänge an Stellenangeboten im Jahresverlauf, die ein besseres Maß für das Besetzungsvolumen eines Jahres darstellen, beliefen sich 2020 auf 1.600 Vakanzen, 1 Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei fällt ein hoher Anteil befristeter Stellenangebote auf. Mehr als die Hälfte der Biologie-Stellen wurden mit Ablaufdatum ausgeschrieben.

Eine Tätigkeit in den Geowissenschaften, Geografie oder Meteorologie strebten 1.100 Arbeitslose an, 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig hatte die öffentliche Arbeitsvermittlung mo-natsdurchschnittlich gut 230 Stellen für diese Berufe im Bestand. Betrachtet man die Zugänge an Stellenangeboten, die von Januar bis Dezember 2020 gemeldet wurden, war mit knapp 1.000 Stellenmeldungen ein Minus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr festzustellen.

Studierendenzahl auf mehr als eine Viertelmillion gestiegen

Nach regelmäßigen Anstieg von 2002 bis 2015 haben sich die Prüfungszahlen in der Fächer-gruppe Mathematik, Naturwissenschaften auf jährlich über 45.000 eingependelt. 2019 wurde mit 46.000 ein Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt. Der größte Teil hatte Biologie studiert (26 Prozent). 22 Prozent legten ihre Prüfung in Chemie ab. Auf die Fachrichtungen Physik und Mathematik sowie Geowissenschaften einschließlich Geografie entfielen jeweils 13 bis 16 Prozent.

Fast jede fünfte Prüfung (18 Prozent) schloss mit einer Promotion ab und noch 5 Prozent mit einem traditionellen Diplomabschluss. Mehr als 2 von 5 Prüfungen führten zu einem Bachelorabachluss, dem in den Naturwissenschaften in der Regel noch ein Masterstudium folgt. Laut Absolventenbefragungen reichen die Anteile der nach einem Bachelor Weiterstudierenden von 88 Prozent in der Biologie bis hin zu 97 Prozent in der Chemie.3 Der Anteil der Prüfungen, mit denen ein Masterabschluss erworben wird, betrug 35 Prozent.

Auch in den nächsten Jahren werden die Absolventenzahlen hoch bleiben. Insgesamt 266.000 Studierende waren 2019/20 in der Fächergruppe Mathematik, Naturwissenschaften eingeschrie-ben. Das waren mit einem leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr so viele wie noch nie. Im Vergleich zu 2010 studierten ein gutes Viertel mehr Menschen ein naturwissenschaftliches Fach.

________

1 Quelle: Statistisches Bundesamt, Erwerbstätige mit einem Hochschulabschluss der Hauptfachrichtungen Mathematik, Physik, Astronomie, Chemie, Lebensmittelchemie, Biologie, Biochemie, Biotechnologie, Geowissenschaften und Geografie (ohne Informatik, Pharmazie).

2 Studienfachspezifische Arbeitslosenquote für die Studienfächer Mathematik, Physik, Statistik. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote betrug 7,5 Prozent. Sie dürfte erheblich überzeichnet sein, weil viele Naturwissenschafller/-innen in der Berufsausübung anderen Berufsfeldern zugeordnet werden. Vergleiche „Hinweise zu statistischen Angaben“.

3 Quelle: DZHW: Forum Hochschule 1/2016.

 

Stand: August 2021

2.4 Wirtschaftswissenschaften

PDF-Datei (PDF, 715KB)

Die Wirtschaftswissenschaften gehören zu den großen Berufsfeldern. 29 Prozent aller Erwerbstätigen, die eine Tätigkeit mit hochkomplexen Anforderungsniveau ausübten, waren 2019 in einem wirtschaftswissenschaftlichen Beruf tätig. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen.

Von den einschränkenden Maßnahmen in Folge der Corona-Pandemie waren 2020 auch Tätigkeiten betroffen, die von Wirtschaftswissenschaftler/-innen ausgeübt werden. So ist die Nachfrage nach Fachkräften 2020 im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken und die Zahl der Arbeitslosen deutlich gestiegen. Die Arbeitslosenquote befindet sich aber immer noch auf einem niedrigen Niveau. Die weiterhin steigenden Studierendenzahlen könnten in den nächsten Jahren allerdings eine verstärkte Konkurrenz am Arbeitsmarkt bedingen.

Der Bereich Wirtschaftswissenschaften wird hier in vier Tätigkeitsfelder unterteilt, die Beschäftigungschancen insbesondere für Absolvent/-innen mit (betriebs-)wirtschaftlichen Studienabschlüssen bieten:

• Unternehmensführung, -beratung, -verwaltung,
• Handel, Vertrieb, Verkehr und Logistik,
• Finanzen, Rechnungswesen, Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung sowie
• volkswirtschaftliche Tätigkeiten.

Erwerbstätigenzahl in den letzten Jahren stark gestiegen

Studierte mit wirtschaftswissenschaftlichem Abschluss können sich über ein stark gewachsenes Arbeitsplatzpotenzial freuen. Im Laufe der letzten zehn Jahre hat sich die Zahl der Erwerbstätigen, die über einen wirtschaftswissenschaftlichen Hochschulabschluss verfügen, um fast die Hälfte erhöht. 1,9 Millionen wies der Mikrozensus zuletzt aus. Insgesamt waren sogar 2,4 Millionen Erwerbstätige mit hochqualifizierten Aufgaben in Management, Handel, Finanzwesen oder Volkswirtschaft betraut. Das zeigt, dass auch Fachkräften, die nicht Wirtschaft studiert haben, gute Beschäftigungsoptionen in diesem Berufsfeld offenstehen. Der Anteil der Selbständigen liegt bei knapp einem Viertel.

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weist 1,3 Millionen Expert/-innen aus, die 2020 einen wirtschaftswissenschaftlichen Beruf sozialversicherungspflichtig ausübten. Gegenüber dem Vorjahr ist die Beschäftigung um 2 Prozent gewachsen. Die Hälfte des Zuwachses geht auf Tätigkeiten in der Unternehmensführung, -beratung und -verwaltung zurück.

Eindeutiger Aufgabenschwerpunkt ist die Unternehmensführung, -beratung und -verwaltung. Mehr als die Hälfte aller Wirtschaftswissenschaftler/-innen war 2020 hier tätig. Gut jede/-r Vierte nahm Aufgaben in Handel, Vertrieb, Verkehr oder Logistik wahr, während rund jede/-r Sechste einen Beruf im Bereich Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen, Steuerberatung oder Wirtschaftsprüfung ausübte. Auf Tätigkeiten mit volkswirtschaftlicher Ausrichtung entfielen knapp ein Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze (Abbildung 2.4 – 1).

Abbildung 2.4 - 1 

Diagramm: Wirtschaftswissenschaften (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

Unternehmensführung, -beratung, -verwaltung

Der Bedarf an Expert/-innen der Unternehmensführung, -beratung und -verwaltung ist 2020, gemessen an den Neuzugängen gemeldeter Stellen, merklich gesunken. Im Jahresverlauf wurden 11.900 Stellen neu gemeldet, 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Monatsdurchschnitt belief sich der Stellenbestand auf 2.600 Offerten. Rund 23.700 Arbeitslose, die eine Tätigkeit in der Unternehmensführung, -beratung oder -verwaltung anstrebten, waren durchschnittlich gemeldet. Das waren 34 Prozent mehr als im letzten Jahr. Gleichzeitig war aber die berufsspezifische Arbeitslosenquote mit 2,0 Prozent nach wie vor gering.

Handel, Vertrieb, Verkehr und Logistik

Für Betriebswirt/-innen mit den Schwerpunkten Handel, Vertrieb, Verkehr und Logistik wurden der Bundesagentur für Arbeit im Laufe des Jahres insgesamt 13.300 Stellen neu zur Besetzung gemeldet. Das waren 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Der größte Teil entfiel mit 9.700 Stellenangeboten auf Tätigkeiten im Handel und Vertrieb (-23 Prozent). Für Expert/-innen und Experten in Verkehr und Logistik wurden 3.700 Vakanzen gemeldet (-20 Prozent). Auf den Monat bezogen hatte die öffentliche Arbeitsvermittlung damit durchschnittlich 5.300 Stellenofferten in der Kartei. Dem standen 20.600 Arbeitslose gegenüber, die eine Leitungs- oder Expertentätigkeit in diesem Feld suchten, 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote ist mit 5,8 Prozent höher als im Durchschnitt aller akademischen Erwerbspersonen.1

Finanzen, Rechnungswesen, Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung

Die Nachfrage nach Expert/-innen für Finanzen, Rechnungswesen, Steuerberatung oder Wirt-schaftsprüfung ist 2020 gemessen am Stellenzugang im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken (- 24 Prozent). 4.500 Offerten wurden in diesem Tätigkeitsfeld im Laufe des Jahres gemeldet. Im Monatsdurchschnitt waren 1.600 gemeldete Stellen zu besetzen. Gleichzeitig waren 6.100 Arbeitslose registriert, 24 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wenngleich die Arbeitslosenzahl aktuell deutlich höher ausfällt als im letzten Jahr, bewegt sie sich – dank einer hohen und gestiegenen Beschäftigung – auf einem niedrigen Niveau. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote betrug 2,1 Prozent.

Volkswirtschaft 2

Der Arbeitsmarkt für Volkswirt/-innen bleibt auch 2020 sehr klein. Rund 700 Personen, die eine Tätigkeit als Volkswirt/-in suchten, waren 2020 arbeitslos gemeldet. Das waren 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote fällt mit 6,6 Prozent für Akademiker überdurchschnittlich aus.1 Einschlägige Arbeitsmöglichkeiten für Volkswirt/-innen sind begrenzt: Mit insgesamt knapp 200 Stellenzugängen suchten 2020 nur wenige Arbeitgeber wie Banken, Forschungsinstitute oder der öffentliche Dienst explizit nach Volkswirt/-innen (-27 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Der durchschnittliche Bestand gemeldeter Stellen belief sich nur auf 50. Dabei sind die Beschäftigungsmöglichkeiten regional unterschiedlich ausgeprägt: In Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet oder in Berlin, in denen es viele Banken und Behörden gibt, werden vergleichsweise mehr Volkswirt/-innen gesucht. Dagegen sind Arbeitsplätze in mittelständisch geprägten Regionen rar.

Akademischer Nachwuchs in den Wirtschaftswissenschaften gesichert

Im Studienbereich Wirtschaftswissenschaften haben 2019 rund 88.000 Absolvent/-innen erfolgreich ihre Abschlussprüfung abgeschlossen, ebenso viele wie im Jahr zuvor. Darunter waren 50.000 Absolventen der „klassischen“ Betriebswirtschaftslehre, gut 4.000 der Volkswirtschaftslehre und 15.000 der allgemeinen Wirtschaftswissenschaften. Ein weiteres stark belegtes Studienfach war die Internationale Betriebswirtschaft/Management mit fast 11.000 erfolgreichen Examina. Insgesamt erwarben etwa 2 von 3 Prüflingen einen Bachelorabschluss.

Für die kommenden Jahre dürfte der Trend bei den Absolventenzahlen weiter nach oben zeigen. 2019/20 waren insgesamt 434.000 Studierende im Bereich Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben. Das waren zwar 1 Prozent weniger als im Vorjahr, aber 97.000 mehr als 2010 (+29 Prozent).

__________

1 Aufgrund von Spielräumen bei der beruflichen Zuordnung könnte die Arbeitslosenquote überzeichnet sein.

2 Betrachtet wird hier die Berufsgruppe 914 (KldB 2010) „Wirtschaftswissenschaften“. Da diese Bezeichnung gleichzeitig als Oberbegriff für alle betriebs- und volkswirtschaftlichen Tätigkeitsfelder verwendet wird, wurde auf die Benennung „Volkswirtschaft“ zurückgegriffen.

 

Stand: August 2021

2.5 Rechtswissenschaften

PDF-Datei (PDF, 687KB)

Insgesamt zeigt sich die Lage am Arbeitsmarkt für Jurist/-innen positiv. Die Zahl Erwerbstätiger ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen, wobei mehr und mehr Jurist/-innen außerhalb von Kanzleien und Behörden tätig sind. Die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem sehr geringen Niveau, auch wenn sie 2020 coronabedingt angestiegen ist. Trotz allem fällt der Berufsein-stieg nicht immer leicht. Steigende Studierendenzahlen könnten zudem in den nächsten Jahren zu mehr Konkurrenz führen.

Zahl der Erwerbstätigen stark gestiegen

Die Zahl der Jurist/-innen ist im vergangenen Jahrzehnt deutlich gewachsen. Rund 372.000 Erwerbstätige mit einem Jura-Abschluss waren 2019 in Deutschland tätig. Gegenüber 2010 war das ein Fünftel mehr. Allerdings sind nur 2 von 3 Personen, die einmal Jura studiert haben, aktuell mit juristischen Aufgabenstellungen betraut (Abbildung 2.5 – 1).

Abbildung 2.5 - 1

Jede/-r dritte Rechtskundige übt keine juristische Tätigkeit aus

Erwerbstätige mit Abschluss der Rechtswissenschaften nach ausgeübten Tätigkeiten

Diagramm: Jede/-r dritte Rechtskundige übt keine juristische Tätigkeit aus

Rund jeder dritte Jurist/jede dritte Juristin arbeitet dagegen fachfremd. Offen bleibt dabei, in welchem Umfang für die Tätigkeit als Führungskraft, Manager, Berater, Lehrkraft oder Sachbearbeiter juristische Kenntnisse notwendig sind oder inwieweit das Jura-Studium für das Erreichen der Position förderlich war.
Gut ein Drittel aller Jurist/-innen arbeitet als Rechtsanwalt/-in oder Notar/-in. Insgesamt waren das 2019 laut Mikrozensus 133.000 Personen, 2 Prozent mehr als im Jahr zuvor.1 Knapp jede/-r dritte Rechtswissenschaftler/-in stand im Dienst des Staates – rund 113.000 Personen. Davon waren 21.000 als Richter/-in tätig und 6.000 als Staatsanwält/-innen.2 Ihre Zahl hat gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent zugenommen. Von den weiteren rund 86.000 Juristen, die im Öffentlichen Dienst arbeiteten, sahen 39.000 ihren Tätigkeitsschwerpunkt auf juristischen Aufgabenstellungen. 47.000 Jurist/-innen nahmen dagegen in Behörden und Ministerien vorrangig allgemeine Aufgaben wahr, z. B. in der Sachbearbeitung, als Referent oder als Führungskraft.

Weitere gut 126.000 studierte Jurist/-innen arbeiteten außerhalb von Kanzleien und Behörden. Schätzungsweise jeder Dritte (34.000) übte dabei vorrangig juristische Aufgaben aus, z. B. als Wirtschaftsjurist/-in, Vertragsberater/-in oder als Justiziar/-in. Zwei Drittel (92.000) nahmen dagegen Tätigkeiten wahr, die keine eindeutige juristische Ausrichtung hatten. Zu den häufigen Einsatzfeldern gehörten betriebswirtschaftliche Aufgaben, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Lehre und Forschung, Geschäftsführung, Personalwesen oder auch allgemeine Bürotätigkeiten.

Die Statistik über die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weist für 2020 rund 80.000 Jurist/-innen aus. Das waren 2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Gemeldete Stellen kaum gesunken

Rund 1.500 gemeldete Arbeitsstellen standen im Jahresdurchschnitt zur Besetzung bereit. Damit ist die Nachfrage nach Jurist/-innen im Verhältnis zur Zahl der Arbeitslosen weiter auf einem hohen Niveau (Abbildung 2.5 – 2). Die im Jahresverlauf neu eingegangen Offerten, die die Dynamik am Arbeitsmarkt aussagekräftiger beschreiben, beliefen sich auf 5.300 (-6 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Die gemeldeten Stellen bilden nur einen Teilausschnitt des Arbeitsmarktes ab. Stellen für Richter/-innen, Staatsanwält/- innen oder sonstige Beamt/-innen sind hier in der Regel nicht enthalten.3

Geringe Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit unter Juristen ist 2020 gestiegen. Jahresdurchschnittlich waren 5.000 Jurist/-innen arbeitslos gemeldet, 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitsaufnahme gestaltete sich im Jahr 2020 aufgrund der coronabedingten Einschränkungen schwierig. Im Allgemeinen stellt Arbeitslosigkeit für Jurist/-innen aber nur ein Randphänomen dar. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote lag 2020 bei 2,4 Prozent (Vorjahr 2,0 Prozent).

Im Rückblick der letzten zehn Jahre gab es eine sehr positive Entwicklung: So fiel die Arbeitslosenzahl 2020 um ein Fünftel niedriger aus als noch 2010. Trotzdem verläuft der Berufseinstieg nicht immer ohne Schwierigkeiten. Dies wird daran deutlich, dass unter den arbeitslosen Jurist/-innen ein sehr hoher Anteil junger Menschen zu finden ist. So war mehr als die Hälfte der arbeits-losen Rechtskundigen noch keine 35 Jahre alt.

Interesse an Jurastudium weiter hoch

Knapp 18.000 Rechtswissenschaftler/-innen beendeten 2019 erfolgreich ihr Studium. Das waren 12 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Da viele zunächst ein Referendariat beginnen, erfolgt der tatsächliche Eintritt in den Arbeitsmarkt allerdings erst nach frühestens zwei Jahren. Gut jede/-r Dritte hatte einen Bachelor- oder Masterabschluss erworben und strebte damit zum Beispiel eine Tätigkeit als Wirtschaftsjurist/-in an.

Die Studierendenzahlen setzten 2019/20 ihren Wachstumskurs fort, der seit 2008 zu beobachten ist. Rund 139.000 Frauen und Männer waren in einem rechtswissenschaftlichen Studiengang eingeschrieben. Das waren zwar nur minimal mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig wurde damit aber die höchste Einschreibungszahl seit der Wiedervereinigung erreicht.

Abbildung 2.5 -2

Diagramm: Rechtswissenschaften (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

__________

1 Die Angaben der Kammerstatistiken weichen aufgrund anderer Erhebungsstrukturen von den Angaben des Mikrozensus ab. Die Mitgliederstatistik der Bundesrechtsanwaltskammer kommt 2019 auf rund 165.000 Rechtsanwälte/-innen. Das waren 0,3Prozent mehr als im Vorjahr, aber 8 Prozent mehr als 2010. Hinzu kommen laut Statistik der Bundesnotarkammer 1.700 hauptamtliche Notare.

2 Diese Angaben stammen aus Mikrozensus. Die Personalstandstatistik des Öffentlichen Dienstes weist 2019 rund 30.0000 Richter und Staatsanwälte aus, 2 Prozent mehr als im Vorjahr (Quelle: Statistisches Bundesamt).

3 Eine gute Informationsgrundlage für den Einstellungsbedarf an Referendaren bieten die Internetseiten der Justizministerien des Bundes und der Länder.

 

Stand: August 2021

2.6 Medizin und Pharmazie

PDF-Datei (PDF, 715KB)

Das Gesundheitswesen befindet sich auf Wachstumskurs. Damit einher geht eine steigende Zahl an Erwerbstätigen. Die Arbeitslosigkeit ist zwar im Zuge der Einschränkungen bei Beratungs- und Auswahlprozessen wegen der Corona-Pandemie gestiegen, bleibt aber sehr gering. Vorrangig in ländlichen Regionen wird ein Mangel an Humanmediziner/-innen, aber auch an Tierärzt/-innen oder Apotheker/-innen beklagt. Die Studierendenzahlen verzeichnen moderate Zuwächse.

Humanmedizin

Die Beschäftigungschancen nach dem Abschluss des Medizinstudiums stehen sehr gut. Laut Mikrozensus waren 2019 rund 391.000 Ärzt/-innen1 in Deutschland tätig. Laut Ärztestatistik2gab es mit 402.000 Berufstätigen gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 2 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2010 bedeutete dies sogar eine Steigerung um ein Fünftel. Der Wachstumstrend der letzten Jahre setzte sich damit unvermindert fort. Jede/-r vierte bis fünfte Arzt/Ärztin arbeitet als niedergelassene/-r Mediziner/-in auf selbständiger Basis. Sozialversicherungspflichtig angestellt waren laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit 2020 rund 270.000 Ärzt/-innen. Die Zahl der angestellten Ärzt/-innen wächst in den letzten Jahren deutlich stärker als die Zahl der Ärzt/-innen insgesamt, zuletzt um 3 Prozent.

Obwohl die Ärztezahlen kontinuierlich zunehmen, ist der Fachkräftemangel bei Humanmediziner/-innen deutlich zu spüren; und das vor allem in ländlichen Gebieten3, weniger in Ballungszentren. Mehrere Gründe führen dazu, dass der Bedarf an Humanmediziner/-innen wächst: Erstens bringen der medizinische Fortschritt und die zunehmende Zahl älterer Menschen häufigere und aufwändigere Behandlungen mit sich. Zweitens gibt es zwar mehr Personen, die als Ärzte tätig sind. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl der Teilzeitbeschäftigten, denn auch in der Ärzteschaft gewinnt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an Bedeutung. Arbeitete vor zehn Jahren nur jede sechste angestellte ärztliche Fachkraft in Teilzeit, war es 2020 fast jede dritte. Dieser Trend zur Teilzeitarbeit geht einher mit einer gestiegenen Zahl von Ärztinnen. So waren unter den Angestellten 2020 über die Hälfte Frauen (53 Prozent). Zehn Jahre zuvor lag der Frauenanteil noch bei 49 Prozent. Ein dritter Aspekt: Fast jeder dritte Arzt ist heute 55 Jahre oder älter. Das heißt, rund 122.000 Humanmediziner/-innen werden in absehbarer Zeit in den Ruhestand eintreten.4

Trotz Fachkräftemangel stieg die Zahl arbeitsloser Ärzt/-innen in den letzten Jahren gegenüber dem Vorjahr wiederholt an. Hier könnte sich eine wachsende Diskrepanz zwischen den Wünschen der arbeitsuchenden Mediziner/-innen und den angebotenen Stellen niederschlagen. So gibt es vergleichsweise viele Arbeitslose in den Großstädten, während viele Stellenangebote im ländlichen Raum unbesetzt bleiben. 2020 nahm die Arbeitslosenzahl coronabedingt z. B. durch die Einschränkungen bei Auswahlprozessen überdurchschnittlich stark zu: um 900 Personen oder 19 Prozent auf jahresdurchschnittlich 5.900 arbeitslose Ärzt/-innen. Nach wie vor bewegt sich jedoch die Arbeitslosigkeit auf sehr niedrigem Niveau. Die Arbeitslosenquote lag bei 1,7 Prozent und entsprach damit Vollbeschäftigungsniveau. Hinzu kommt, dass der größte Teil der arbeitslosen Ärzte/-innen nach einer kurzen Suchphase von weniger als drei Monaten seine Arbeitslosigkeit wieder beendete.

Im Laufe des Jahres 2020 wurden der Bundesagentur für Arbeit 4.700 neue Stellenangebote gemeldet. Das waren 5 Prozent weniger wie im Vorjahr. Der monatsdurchschnittliche Stellenbestand belief sich, ebenso wie im letzten Jahr, auf 2.300 Angebote.

Zahnmedizin

Laut Mikrozensus waren 2019 insgesamt rund 74.000 Zahnärzte/-innen in Deutschland tätig. Die Bundeszahnärztekammer weist in ihrer Mitgliederstatistik knapp 73.000 aus. Das waren ebenso viele wie im Vorjahr und 4 Prozent mehr als 2010. Mit rund 49.000 ist der größte Teil der Zahnärzteschaft niedergelassen. Allerdings geht diese Zahl seit 2007 leicht, aber stetig zurück. Im Gegensatz dazu steigt die Zahl der Zahnärzt/-innen, die in einer Praxis angestellt sind: Laut Zahnärztekammer waren dies rund 20.000 – doppelt so viele wie 2007. Hinzu kommen rund 3.000 Zahnärzt/-innen, die als Beamte oder Angestellte außerhalb von Zahnarztpraxen für die Zahngesundheit tätig waren. Der Frauenanteil fällt bei den Angestellten in Praxen mit 63 Prozent hoch aus. Bei den niedergelassenen Ärzten sind dagegen die Männer in der Überzahl, der Frauenanteil liegt hier nur bei 39 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist für Zahnmediziner/-innen kein Thema und wird es in absehbarer Zeit auch nicht werden. 1.500 Personen waren im Jahresschnitt 2020 arbeitslos gemeldet – und das meist nur für kurze Zeit. Gegenüber dem Vorjahr gab es zwar coronabedingt einen Anstieg um gut 300 (+30 Prozent). Die Arbeitslosenquote von 2,2 Prozent zeigt aber, dass nach wie vor Vollbeschäftigung herrscht.

Etwa 500 Stellenangebote gingen 2020 bei der Bundesagentur für Arbeit ein, 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Jahresdurchschnitt waren 200 Stellenangeboten für Zahnärzt/-innen einschließlich Kieferorthopäd/-innen im Angebot.

Tiermedizin

Auch bei Tierärzt/-innen herrscht Vollbeschäftigung. In vielen Regionen ist laut Aussage von Verbänden ein Mangel an Fachkräften zu verzeichnen. 33.000 Tierärzte/-innen waren laut Mikrozensus 2019 in Deutschland tätig. Die Statistik der Bundestierärztekammer kommt für 2019 auf 32.000 und weist damit ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Im Vergleich zum Jahr 2010 entspricht dies sogar einem Zuwachs von fast einem Viertel. 45 Prozent der tierärztlich Tätigen übten ihre Arbeit als Selbständige aus.5 Rund 1.500 Tierärzte/-innen sind laut Tierärztestatistik als Beamte z. B. in der Veterinärverwaltung tätig. Laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit stieg die Anzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Tierärzt/-innen um 3 Prozent auf 14.000.

Die Arbeitslosigkeit bewegte sich 2020 mit 500 Personen und einer berufsspezifischen Arbeitslosenquote von 1,7 Prozent auf dem geringen Niveau der Vorjahre. Im Jahresverlauf gingen bei der Bundesagentur für Arbeit 800 Stellenangebote ein, 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Der durchschnittliche Stellenbestand lag bei knapp 300 gemeldeten Stellen.

Pharmazie

Der Arbeitsmarkt für Apotheker/-innen und Pharmazeuten/-innen entwickelte sich in den letzten Jahren positiv. Trotz steigenden Kostendrucks bei den Gesundheitsausgaben und der Zunahme des Versandhandels mit Arzneimitteln nahm die Zahl der Berufstätigen laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände 2019 um 2 Prozent auf 67.000 zu. Der Mikrozensus ermittelte mit 73.000 sogar eine leicht höhere Zahl von erwerbstätigen Apotheker/-innen und Pharmazeut/-innen.6

In öffentlichen und Krankenhaus-Apotheken waren rund 55.000 Apotheker/-innen tätig.7Rund 12.000 Pharmazeuten/-innen waren z. B. in der Pharmaindustrie, an Universitäten und anderen Lehreinrichtungen, bei Behörden oder Prüfinstituten beschäftigt. Rund jeder vierte Arzneimittelkundige übte laut Mikrozensus seinen Beruf als Selbständige/-r aus. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit, in der bereits Daten für 2020 vorliegen, wies in diesem Jahr rund 55.000 sozialversicherungspflichtig angestellte Apotheker/-innen und Pharmazeut/-innen aus. Dies entspricht einem Zuwachs von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Gut 1.300 Stellenangebote wurden im Verlauf des Jahres 2020 für Pharmazieberufe bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit hatte die öffentliche Arbeitsvermittlung monatsdurchschnittlich rund 600 zu besetzende Stellen im Angebot. Vor allem in ländlichen Gebieten gab es zunehmend Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. Die Zahl arbeitsloser Pharmazeut/-innen zeigte sich mit 1.400 um 18 Prozent höher als im Vorjahr. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote ist aber mit 2,0 Prozent nach wie vor sehr gering.

Moderate Zuwächse bei den Studierenden

Rund 25.000 Absolvent/-innen beendeten 2019 in den hier betrachteten Berufsfeldern erfolgreich ihr Hochschulstudium. Davon waren 17.700 Absolvent/-innen der Humanmedizin (+8 Prozent gegenüber Vorjahr), 2.800 der Zahnmedizin (ebenso viele wie im Vorjahr), 1.300 Tiermediziner/-innen (-5 Prozent) und 2.800 Pharmazeut/-innen (+8 Prozent).

Die Zahl der Studierenden stieg in den letzten Jahren moderat an. Im Studienjahr 2019/20 waren 99.000 Frauen und Männer für ein Medizinstudium eingeschrieben (+3 Prozent gegenüber Vorjahr), 15.000 in der Zahnmedizin (+1 Prozent), 8.000 in der Tiermedizin (+0,2 Prozent) und 16.000 in der Pharmazie (+1 Prozent). Verglichen mit anderen Studienfachrichtungen fallen die Zuwächse der letzten Jahre unterdurchschnittlich aus. Während im Vergleich zum Jahr 2010 die Studierendenzahl über alle Fächergruppen betrachtet um 32 Prozent zugenommen hat, gab es – trotz allseits beklagten Ärztemangels – in der Humanmedizin ein sehr viel geringeres Plus von 23 Prozent.

Abbildung 2.6 - 1

Diagramm: Medizin und Pharmazie (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

__________

1 Quelle: Statistisches Bundesamt, Berufsgruppe 814 ohne Zahnmedizin (8147), Mikrozensus 2019.
2 Quelle: Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2019.
3 Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/ambulante-versorgung/aerztliche-versorgung.html
4 Quelle: Statistisches Bundesamt, Berufsgruppe 814 ohne Zahnmedizin (8147), Mikrozensus 2019.
5 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2019. Der Anteil der niedergelassenen Tierärzte beträgt laut Statistik der Tierärzte-kammer rund 38 Prozent.
6 Quelle: Statistisches Bundesamt
7 Quelle: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

 

Stand: August 2021

2.7 Sozialwesen

PDF-Datei (PDF, 681KB)

Der Arbeitsmarkt hat sich in der sozialen Arbeit in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Die Erwerbstätigkeit nahm stark zu. Die Zahl der gemeldeten Stellenangebote bewegt sich trotz coronabedingten Dämpfers auf einem hohen Niveau. Allerdings werden Stellen häufig befristet und in Teilzeit angeboten.

Zu der guten Arbeitsmarktentwicklung im Sozialwesen haben verschiedene Faktoren beigetragen: Der demografische Wandel macht mehr soziale Betreuung und Beratung älterer Menschen notwendig. Hinzu kommen Projekte wie der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, der Schulsozialarbeit und der Ganztagsschulen. Spätestens ab der zweiten Jahreshälfte 2015 ließ auch die Fluchtmigration den Bedarf an Beratung, Betreuung und Begleitung rasant steigen.

2020 ist die Arbeitslosenzahl aufgrund der Corona-Krise deutlich gestiegen. Die Arbeitslosenquote fiel dennoch weiterhin gering aus.
Für die kommenden Jahre kann mit einer weiter wachsenden Zahl an Nachwuchskräften gerechnet werden, denn die Zahl der Studierenden nimmt seit 2008 kräftig zu.

Erwerbstätigkeit kräftig gewachsen

Im Laufe der letzten zehn Jahre hat die Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Sozialberatung als wichtiger Beschäftigungsbereich spürbar an Bedeutung gewonnen. Allein die Zahl der Erwerbstätigen mit einem akademischen Abschluss in der sozialen Arbeit hat sich seit 2010 um knapp ein Viertel erhöht: Waren 2010 noch etwa 267.000 Menschen in Deutschland erwerbstätig, die über einen (Fach-)Hochschulabschluss in der Sozialen Arbeit verfügten, stieg diese Zahl bis zum Jahr 2019 auf rund 328.000 Personen (Abbildung 2.7 – 1). Die Zahl der Menschen, die in der Sozialen Arbeit mit hochqualifizierten Aufgaben betraut sind und deren Anforderungsprofil, unabhängig vom formalen Abschluss, einer akademischen Ausbildung entspricht, fällt sogar noch erheblich höher aus: 395.000 Erwerbstätige, darunter 75 Prozent Frauen, übten 2019 einen Beruf in der Sozialarbeit, Sozialpädagogik, in der Sozialberatung1 aus oder nahmen in diesem Feld Leitungsaufgaben wahr. Das waren 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der größte Teil war als Angestellte/-r beschäftigt. Nur 6 Prozent waren selbständig.

Die Beschäftigungsstatistik weist für 2020 rund 343.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Sozialen Arbeit aus, ein Prozent mehr als im Vorjahr. Auffallend hoch ist mit 52 Prozent die Teilzeitquote.. Unter allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit komplexem Aufgabenprofil waren nur 24 Prozent teilzeitbeschäftigt.

Ein gutes Drittel der Beschäftigten arbeitet im klassischen Feld des Sozialwesens, jede/-r Fünfte in einer Heimeinrichtung, zum Beispiel für Kinder, Jugendliche, Behinderte oder Senioren. Ein weiteres Fünftel ist im öffentlichen Dienst angestellt; hierzu zählen Sozialämter, Jugendämter oder die Sozialversicherungsträger. Jede/-r zehnte Sozialpädagog/-in übt eine Tätigkeit im Bildungswesen aus, beispielsweise als Schulsozialarbeiter/-in in einer Ganztagesschule oder auch bei einem Bildungsbetrieb, der Berufsvorbereitung und Berufsausbildung für benachteiligte Jugendliche oder Behinderte anbietet. Weitere zahlenmäßig bedeutende Arbeitgeber sind Organisationen in Trägerschaft von Interessenvertretungen, Kirchen und religiösen Vereinigungen oder auch Krankenhäuser.

Nachfrage hoch, aber viele Befristungen

Die Zahl der Stellenzugänge hat 2020 aufgrund der Corona-Einschränkungen erheblich abgenommen. Im Laufe des Jahres wurden 25.000 freie Arbeitsstellen bei der Bundesagentur gemeldet. Das waren 15 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Durchschnittlich waren damit über das Jahr betrachtet 6.500 Arbeitsstellen zu vermitteln, 7 Prozent weniger als im Vorjahr. Trotz des deutlichen Rückgangs bewegte sich die gemeldete Nachfrage im Vergleich zur Arbeitslosenzahl auf einem hohen Niveau.

Da viele Stellen im sozialen Bereich im Rahmen von Projekten öffentlich gefördert werden, gibt es einen hohen Anteil befristeter Stellen. So war 2020 fast ein Drittel der gemeldeten Stellenangebote befristet ausgeschrieben. Hinzu kam, dass die Offerten für soziale Berufe häufig in Teilzeit angeboten wurden (vergleiche Abschnitt zur Beschäftigung).

Trotz Anstiegs Arbeitslosigkeit gering

Im Jahresdurchschnitt waren 7.700 Personen arbeitslos gemeldet, die in der Sozialarbeit, der Sozialpädagogik oder -beratung eine Tätigkeit auf Fachhochschul- oder Hochschulniveau suchten. Dies waren 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Bezogen auf alle Erwerbstätigen waren akademische Fachkräfte im Bereich der sozialen Arbeit wenig von Arbeitslosigkeit betroffen. Ihre berufsspezifische Arbeitslosenquote lag bei 2,1 Prozent (Vorjahr 1,8 Prozent).

Absolventen- und Studienanfängerzahlen erreichen neues Allzeithoch

17.000 Studierende beendeten 2019 ein Studium der Kinder- und Jugendarbeit oder Sozialarbeit und -beratung. Das war eine Zunahme von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der Bachelorabschlüsse lag im Sozialwesen bei 86 Prozent, so hoch wie in kaum einem anderen Studienfach. In der Sozialarbeit sind mit dem Bachelorabschluss sehr viele Beschäftigungschancen vorhanden. Ein weiterführendes Studium könnte deshalb nur für einen kleineren Personenkreis interessant erscheinen, zum Beispiel, wenn eine forschende oder konzeptionelle Tätigkeit angestrebt wird.

Insgesamt waren im Wintersemester 2019/20 rund 99.000 junge Menschen für ein Studium der Sozialen Arbeit, der Sozialpädagogik oder des allgemeinen Sozialwesens eingeschrieben. Das waren 8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und so viele wie noch nie.

Abbildung 2.7 - 1 

Diagramm: Sozialwesen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

__________

1 einschließlich Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik.

  

Stand: August 2021

2.8 Lehrkräfte

PDF-Datei (PDF, 724KB)

Der Arbeitsmarkt für Lehrkräfte und Dozenten war 2020 durch die Kontaktbeschränkungen in Folge der Corona-Pandemie deutlich beeinträchtigt. Die Zahl arbeitsloser Lehrkräfte ist gestiegen und die Nachfrage nach Lehrpersonal gesunken. Die Lehrerzahl hat leicht zugenommen. Der Lehrkräftebedarf stellt sich nach Bundesländern, Schulformen und Schulfächern unterschiedlich dar. In vielen Bereichen ist aktuell ein Lehrkräftemangel zu konstatieren. Gleichzeitig wächst die Zahl der Unterrichtenden an Hochschulen. Die Zahl der Studierenden, die einen Lehramtsabschluss anstreben, nimmt seit einiger Zeit zu.

1,5 Millionen Lehrkräfte in Deutschland

Rund 1,5 Millionen Lehrkräfte gibt es in Deutschland.1 Etwa 2 von 3 unterrichten an allgemein- oder berufsbildenden Schulen (Abbildung 2.8 – 1). Etwa jede fünfte Lehrkraft vermittelt ihr Wissen an Studierende einer Fachhochschule oder Hochschule. Jede siebte, das sind rund 229.000, ist in der außerschulischen Bildung tätig. Hierzu zählen die Erwachsenenbildung, musikalische und sprachliche Bildung, Kultur-, Theater-, Religionspädagogik oder auch IT-Schulungen und Sportunterricht. 2 von 5 arbeiten in der außerschulischen Bildung auf selbständiger Basis.

Lehrerzahl an allgemein- und berufsbildenden Schulen 2019/20 leicht steigend

Laut Mikrozensus waren 2019 in Deutschland 813.000 Lehrkräfte für allgemeinbildende Fächer und 147.000 für berufsbildende Fächer und Ausbildungspädagogik tätig. Die Schulstatistik verzeichnet für das Schuljahr 2019/20 rund 694.000 voll- und teilzeitbeschäftigte Lehrer/-innen an allgemeinbildenden Schulen und 125.000 an berufsbildenden Schulen.2 Im Vergleich zum vorangegangenen Schuljahr ist damit die Lehrerzahl 2019/20 leicht gestiegen (+1 Prozent). Rund ein Drittel aller Lehrkräfte arbeitet als Angestellte, etwa zwei Drittel sind verbeamtet.

Abbildung 2.8 - 1

Jede siebte Lehrkraft ist in der außerschulischen Bildung tätig

Erwerbstätige Lehrkräfte nach ausgeübten Tätigkeiten

Diagramm: Jede siebte Lehrkraft ist in der außerschulischen Bildung tätig

Jede dritte bis vierte Lehrkraft mindestens 55 Jahre alt

Jede vierte Lehrkraft an allgemeinbildenden Schulen ist 55 Jahre oder älter, an den Berufsschulen sogar jede dritte.3 Dies könnte auf einen hohen Bedarf an Nachwuchslehrer/-innen in den kommenden Jahren hindeuten. Allerdings ist hierbei von erheblicher Bedeutung, wie sich die Schülerzahl entwickelt. Nach letzten Angaben der Kultusministerkonferenz, die aus dem Jahr 2019 stammen, wird sie auf Basis der Schülerzahlen des Jahres 2018 bis 2030 um 9,0 Prozent steigen, was bei gleich bleibender Schüler-Lehrer-Relation tendenziell einen höheren Lehrkräftebedarf zur Folge hätte.4 Auch eine Bertelsmann-Studie5 kommt 2019 zu der Einschätzung, dass die Schülerzahlen aufgrund Zuwanderung und steigender Geburtenzahlen merklich zunehmen. Deshalb würde künftig auch eine deutlich höhere Zahl an Lehrkräften benötigt, zunächst vor allem an Grundschulen. Wie die Höhe des Bedarfs tatsächlich ausfallen wird, ist darüber hinaus von weiteren Faktoren abhängig, wie der Entwicklung der Teilzeitquote, des tatsächlichen Renten- oder Pensionseintrittsalters oder bildungspolitisch gesetzter Rahmenbedingungen, beispielsweise der Größe der Schulklassen oder der Schulformen an sich. Eine Vorausschätzung des Bedarfs bleibt daher schwierig.

Lehrkräftemangel

Laut ihren letzten Vorausschätzungen geht die Kultusministerkonferenz6
davon aus, dass für den Sekundarbereich II/Gymnasium deutschlandweit in den nächsten Jahren nahezu durchgängig ein Überangebot an Absolvent/-innen zu erwarten ist. In allen anderen Lehrämtern wird dagegen ein zum Teil erheblicher Bedarf, verbunden mit Engpässen, erwartet.

Der Lehrerbedarf fällt dabei je nach Schultyp und Unterrichtsfach, aber auch in den einzelnen Ländern7 verschieden aus. Nach Fachrichtungen betrachtet, dürfte es den Ländern schwerer fallen, genügend Lehrkräfte zum Beispiel für die Fächer Mathematik, Informatik, Chemie, Physik, Englisch, Kunst oder Musik zu finden. Für Fächer wie Sozialkunde/Gesellschaftslehre/Politik, Geschichte und Erdkunde, Französisch oder kath. Religionslehre wird dagegen eine eher geringe Nachfrage erwartet. An den Berufsschulen dürften besonders Bewerber/-innen mit den Fächern Metall-, Elektro- und Informationstechnik, Gesundheits- und Körperpflege sowie Pflege und Sozialpädagogik gefragt sein, ebenso wie Lehrkräfte mit dem allgemeinbildenden Fächerportfolio Mathematik und Naturwissenschaften. In der Sonderpädagogik wird von hohem Einstellungsbedarf in allen Förderschwerpunkten ausgegangen.

2019 trotz Rückgangs viele Einstellungen in den Schuldienst

Nach Angaben der Kultusministerkonferenz haben die deutschen Bundesländer 2019 rund 35.000 neue Lehrkräfte in den öffentlichen Schuldienst eingestellt. Das waren 2 Prozent weniger als im Vorjahr und trotzdem noch merklich mehr als in den Jahren 2009 bis 2014. Damals bewegte sich die Zahl der Neueinstellungen auf einem stabilen Niveau von jährlich um die 30.000, nachdem in den Jahren 2003 bis 2008 deutlich weniger Personal rekrutiert wurde. Seit 2015 bewegte sich die Einstellungszahl jährlich um die 35.000. Der aktuell hohe Einstellungsbedarf wird auch dadurch deutlich, dass die Zahl der Seiteneinsteiger ohne Lehramtsabschluss mit 3.200 zwar im Vergleich zum Vorjahr auch zurückgegangen ist, aber immer noch deutlich höher ausfällt als in den Jahren vor 2016.

In den Vorbereitungsdienst (Referendariat) wurden 2019 rund 31.000 Personen eingestellt, die die erste Lehramtsprüfung bestanden hatten. Das waren 1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Gute Chancen

Und wie standen für Absolvent/-innen des Vorbereitungsdienstes die Chancen auf Übernahme in den Schuldienst? Von 2000 bis 2012 wurden jährlich mehr Lehrkräfte eingestellt als es Absolventen des Vorbereitungsdienstes im jeweiligen Jahr gab. 2013 und 2014 war bundesweit ein leichter Überhang zu verzeichnen, der sich vor allem in Bayern und Nordrhein-Westfalen deutlich bemerkbar machte. In den ostdeutschen Flächenländern und in den Stadtstaaten gab es dagegen deutlich mehr Einstellungen als Absolvent/-innen. Von 2015 bis 2019 wurden in nahezu allen Ländern mehr Lehrkräfte eingestellt als in diesen Jahren den Vorbereitungsdienst beendet hatten.8

Mehr Hochschulpersonal

An den Hochschulen gibt es beim wissenschaftlichen und künstlerischen Personal einen stetigen Aufwärtstrend zu beobachten. Hier spiegelt sich die zunehmende Akademisierung wider. Für 2019 weist die Hochschulstatistik rund 261.000 hauptamtlich Tätige9 aus (+2 Prozent gegenüber Vorjahr). 49.000 davon haben eine Professur inne. Hinzu kommen rund 146.000 Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Hilfskräfte, die an Hochschulen nebenberuflich tätig sind. Der Mikrozensus weist für 2019 insgesamt rund 323.000 Lehrende und Forschende an Hochschulen aus.

Zahl der gemeldeten Stellen 2020 coronabedingt stark gesunken

Die Zahl der Neuzugänge an gemeldeten Stellenangeboten für Lehrkräfte sank 2020 mit 9.400 Angeboten deutlich um 22 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2020 führte dies zu einem Bestand von 2.600 Arbeitsstellen – einem Minus von 25 Prozent. Bei diesen Offerten handelte es sich bei der Hälfte um Stellenausschreibungen für Lehrämter an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen. Ein Drittel entfiel auf Dozent/-innen an Universitäten oder Fachhochschulen.10 Darüber hinaus wurden Beschäftigungen an Privatschulen, Volkshochschulen, privaten Bildungsträgern oder in der Erwachsenenbildung angeboten.

Arbeitslosigkeit trotz aktuellen Anstiegs sehr gering

Insgesamt 18.400 Arbeitslose, die eine lehrende oder ausbildende Tätigkeit anstrebten, waren im Jahresdurchschnitt 2020 registriert. Das bedeutet einen beachtlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr (+25 Prozent). Darunter befanden sich 6.200 Lehrkräfte, die eine Arbeit an allgemeinbildenden Schulen oder in der beruflichen Erstausbildung suchten, sowie 8.400 Personen, die an außerschulischen Bildungseinrichtungen unterrichten wollten, zum Beispiel in der Erwachsenenbildung. Hinzu kamen rund 3.800 Arbeitslose, die eine Dozenten- oder Forschungstätigkeit an einer Hochschule im Auge hatten. Im Verhältnis zur Zahl der erwerbstätigen Lehrer/-innen ist die Arbeitslosigkeit trotz des aktuellen Anstiegs im Kontext der Corona-Krise sehr gering. Rechnerisch ergibt sich eine Arbeitslosenquote von 1,3 Prozent.

Absolventenzahl auf Rekordhöhe

46.000 Studierende legten 2019 erfolgreich die Lehramtsprüfung ab. Mit einem Anstieg im Vergleich zum letzten Jahr um 2 Prozent waren das so viele wie nie zuvor.

In den nächsten Jahren dürfte die Absolventenzahl hoch bleiben, denn die Zahl der Studierenden ist im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls um 2 Prozent auf das Allzeithoch von 253.000 angewachsen. Auch die Zahl der Studienanfänger/-innen im 1. Fachsemester erreichte einen neuen Rekordwert. Eine genaue Einschätzung der Lehrkräfte-Nachwuchsentwicklung wird allerdings dadurch erschwert, dass in einigen Ländern auch Nichtlehramts-Bachelor später noch einen Master mit Lehramtsprüfung anschließen können.

Abbildung 2.8 - 2

Diagramm: Lehrkräfte (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

____________

1 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2019.
2 Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11, Reihen 1 und 2. Berücksichtigt sind voll- und teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte, ohne stundenweise beschäftigtes Lehrpersonal. Im Unterschied dazu sind beim Mikrozensus auch stundenweise beschäftigte Personen eingerechnet.
3 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2019.
4 Quelle: Kultusministerkonferenz, Vorausberechnung der Schüler- und Absolventenzahlen 2019 bis 2030.
5 Klaus Klemm, Dirk Zorn: Steigende Schülerzahlen im Primarbereich – Lehrermangel deutlich stärker als von der KMK erwartet, Bertelsmann-Stiftung, Gütersloh, September 2019.
6 KMK: Lehrereinstellungsbedarf und -angebot in der Bundesrepublik Deutschland Modellrechnung 2020 - 2030, Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz Dokumentation Nr. 226 – Dezember 2020.
7 Viele Bundesländer erstellen eigene Bedarfsprognosen und veröffentlichen diese im Internet. Einen guten Überblick bietet: studienwahl.de > Studienfelder > Lehrämter > Übersicht über länderspezifische Bedarfsprognosen
8 KMK: Einstellung von Lehrkräften 2019, Berlin Mai 2020.
9 Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11 Reihe 4.4.
10 Jeweils bezogen auf die Jahressumme der Zugänge gemeldeter Stellen.

 

Stand: August 2021

2.9 Gesellschaftswissenschaften

PDF-Datei (PDF, 685KB)

Der Arbeitsmarkt war 2020 auch in der Soziologie, Politologie, in den Erziehungswissenschaften und anderen gesellschaftswissenschaftlichen Berufen deutlich von der Corona-Pandemie beeinflusst. So ist die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, die Fachkräftenachfrage gesunken. Generell gibt es eher wenige Stellenangebote, die sich explizit an Arbeitsuchende mit sozialwissenschaftlichem Abschluss wenden. Deshalb erschließen sich arbeitsuchende Gesellschaftswissenschaftler/-innen zunehmend fachverwandte und fachfremde Tätigkeitsbereiche. Das gleichbleibend hohe Interesse an gesellschaftswissenschaftlichen Studiengängen lässt für die nächsten Jahre ein großes Potenzial an Nachwuchskräften erwarten.

Soziologie

Der Arbeitsmarkt für Soziolog/innen zeigte sich in den letzten Jahren stabil. Laut Mikrozensus waren 2019 circa 86.000 Personen mit einem sozialwissenschaftlichen Studienabschluss in Deutschland erwerbstätig – 29 Prozent mehr als 2010. Allerdings arbeiteten mit rund 6.000 Erwerbstätigen nur ein kleiner Teil als Sozialwissenschaftler/-in im engeren Sinne, zum Beispiel in der Forschung oder Lehre.

Etwa 1.300 Arbeitslose, coronabedingt 15 Prozent mehr als im Vorjahr, strebten 2020 eine Tätigkeit als Soziolog/-in, Gender- oder Sozialwissenschaftler/-in an. Weitere 2.100 Arbeitslose, die auch Soziologie studiert hatten, suchten vorrangig alternative Tätigkeiten, zum Beispiel im Personalwesen, der Sozialpädagogik oder Lehrtätigkeiten. Bezogen auf alle Erwerbspersonen mit einem Abschluss in der Soziologie fiel die studienfachspezifische Arbeitslosenquote mit rechnerisch 3,7 Prozent für Akademiker/-innen leicht überdurchschnittlich aus.

Insgesamt fast 1.100 Vakanzen wurden im Jahresverlauf gemeldet. Die Zahl der neu gemeldeten Stellen sank im Vergleich zum Vorjahr coronabedingt (-15 Prozent). Im Monatsdurchschnitt betrachtet bedeutete das einen Bestand von lediglich 200 gemeldeten Stellenangeboten und damit vergleichsweise wenig einschlägige Bewerbungsmöglichkeiten.

Rund 6.400 Absolvent/-innen schlossen 2019 erfolgreich ein Studium der Sozialwissenschaften ab. Das waren 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Über 40.000 Menschen waren 2019/20 in einem sozialwissenschaftlichen Studiengang immatrikuliert. Das war ein Rückgang von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch ist von einer höheren Konkurrenz am Arbeitsmarkt auszugehen, denn die Studierendenzahlen sind von 2008 bis 2017 kontinuierlich gestiegen.

Politikwissenschaften

Die Politikwissenschaften haben, gemessen an der Entwicklung der Zahl der Erwerbstätigen mit einem entsprechenden Studienabschluss, in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. So steigt die Zahl der erwerbstätigen Politolog/-innen kontinuierlich an. Etwa 81.000 waren 2019 in Deutschland tätig. Damit hat sich ihre Zahl seit 2010 fast verdoppelt. Allerdings ordnen nur 12.000 Erwerbstätige ihre Tätigkeit originär politikwissenschaftlichen Aufgaben zu.

Die Zahl der Arbeitslosen, die eine Tätigkeit im Feld der Politikwissenschaften suchten, hat sich 2020 gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent auf jahresdurchschnittlich 700 Arbeitslose erhöht. Weitere 2.400 Arbeitslose, die einen Abschluss der Politikwissenschaften vorweisen konnten, suchten schwerpunktmäßig Aufgaben in Büro und Sekretariat, in der Öffentlichkeitsarbeit, im Journalismus, in der Unternehmensberatung oder in der Projektleitung. Die Arbeitslosenquote fiel, bezogen auf alle Erwerbspersonen mit einem Politikabschluss, mit 3,7 Prozent für Akademiker überdurchschnittlich aus.

Die ohnehin geringe Nachfrage nach Politikwissenschaftler/-innen reduzierte sich – gemessen an den neu gemeldeten Stellen – noch einmal deutlich um ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit im Laufe des Jahres 2020 rund 200 Stellenzugänge. Monatsdurchschnittlich bedeutete dies bundesweit lediglich 50 einschlägige Jobangebote.

Ungeachtet der geringen Zahl an Stellenangeboten stößt das Studienfach Politik auf großes Interesse. So waren im Wintersemester 2019/20 in den Politikwissenschaften 32.000 Immatrikulierte zu verzeichnen. Das waren etwas mehr als im Vorjahr (+0,4 Prozent) und gleichzeitig die bislang höchste Einschreibungszahl im Fach Politik seit 1993. Die Zahl der Absolvent/-innen im Fach Politikwissenschaft fiel 2019 höher aus als im Vorjahr (+2 Prozent). Rund 5.000 Studierende legten erfolgreich eine Abschlussprüfung ab. Davon erhielt gut jeder Zweite einen Bachelorabschluss.

Erziehungswissenschaften

Rund 233.000 Erwerbstätige mit einem Studienabschluss der Erziehungswissenschaften waren laut Mikrozensus 2019 in Deutschland tätig – ein Viertel mehr als 2010. Allerdings ordneten nur wenige der studierten Erziehungswissenschaftler/-innen ihre Tätigkeit dem engeren erziehungswissenschaftlichen Aufgabenfeld einschließlich Hochschullehre und Forschung zu (14 Prozent). Der überwiegende Teil (54 Prozent) arbeitete als Lehr- und Ausbildungspersonal oder war in der praktischen Erziehung oder der Sozialarbeit und -pädagogik tätig. Darüber hinaus waren 11 Prozent mit Aufgaben der Unternehmensführung oder -verwaltung betraut, wozu unter anderem das Personalmanagement und die Personalentwicklung gehören. Von den Erziehungswissenschaftler/-innen insgesamt waren 10 Prozent selbständig tätig.

Mit Blick auf die Arbeitslosigkeit und die gemeldeten Stellen blieb auch der Arbeitsmarkt für Erziehungswissenschaftler und Pädagogen 2020 im Vergleich zum Vorjahr nicht unbeeindruckt von den Einschränkungen in der Corona-Pandemie. Die Zahl der Arbeitslosen, die explizit eine Tätigkeit als Pädagog/-in oder Erziehungswissenschaftler/-in anstrebten, ist deutlich (+20 Prozent) gestiegen auf 1.500. Darüber hinaus waren aber weitere 2.500 Arbeitslose registriert, die über einen erziehungswissenschaftlichen Abschluss verfügten, und ihre Arbeitssuche auf verwandte oder auch fachfremde Tätigkeitsbereiche ausrichteten. Die studienfachspezifische Arbeitslosenquote fällt für Erziehungswissenschaftler/-innen mit rechnerisch 1,7 Prozent aber nach wie vor sehr günstig aus.

Es gibt relativ wenige Stellenangebote, die sich ausdrücklich an Erziehungswissenschaftler/-innen wenden. Monatsdurchschnittlich hatte die Bundesagentur für Arbeit um die 500 zu besetzende Stellen im Bestand. Im Laufe des Jahres gingen 2020 rund 1.700 neue Stellenangebote bei der Bundesagentur für Arbeit ein. Dies ist ein deutlicher Rückgang um ein Fünftel gegenüber dem Vorjahr. Die Mehrzahl der Stellenangebote kommt aus dem Bildungswesen, angefangen von Kindergärten bis hin zu Universitäten und Einrichtungen der Erwachsenenbildung, aus sozialen Beratungseinrichtungen, Schul- und Jugendämtern, Jugendzentren, Pflegeheimen, Unternehmenszentralen sowie Krankenhäusern. Es fällt aber auf, dass gut ein Viertel der gemeldeten Stellen befristet ist.

11.500 Studierende schlossen im Jahr 2019 ein Studium der Erziehungswissenschaften erfolgreich ab, 1 Prozent weniger als im Vorjahr. Gut zwei Drittel der Prüflinge (66 Prozent) erwarben einen Bachelorabschluss und schließen zum großen Teil noch ein Masterstudium an. In den nächsten Jahren dürfte die Zahl der Berufseinsteiger/-innen auf dem jetzigen Niveau bleiben, denn nachdem die Zahl der Studierenden im Fach Erziehungswissenschaften von 2008 bis 2016 kontinuierlich zugenommen hatte, pendelte sie sich in den letzten fünf Jahren stabil bei etwa 60.000 Studierenden ein.

Abbildung 2.9 - 1

Diagramm: Gesellschaftswissenschaften (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

 

Stand: August 2021

2.10 Psychologie

PDF-Datei (PDF, 667KB)

Insgesamt entwickelte sich der Arbeitsmarkt für Psycholog/-innen in den letzten Jahren positiv. So ist die Erwerbstätigkeit in den letzten 10 Jahren deutlich gewachsen. Trotz eines coronainduzierten Anstieg fiel die Arbeitslosigkeit aus 2020 gering aus. Steigende Studierendenzahlen dürften in nächster Zeit zu einer Erhöhung des Fachkräftepotenzials beitragen.

Erwerbstätigkeit stark im Wachsen, viele Selbständige

Der Mikrozensus verzeichnete in Deutschland 2019 rund 142.000 Erwerbstätige, die ein Psychologiestudium erfolgreich absolviert haben. Das waren um die Hälfte mehr als 2010 (Abbildung 2.10 – 1). Nach dem aktuell ausgeübten Beruf befragt, gaben rund 108.000 Personen an, als Psychologin oder Psychologe tätig zu sein. 40 Prozent boten ihre Dienstleistungen auf selbständiger Basis an. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig angestellten Psycholog/-innen belief sich 2020 laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit auf 47.000. Mit einem Zuwachs von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr setzte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung damit auch 2020 ihr Wachstum fort.

Geringe Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenzahl hat sich 2020 aufgrund der coronabedingten Einschränkungen um ein Drittel erhöht. Im Jahresdurchschnitt 2020 suchten 2.400 Arbeitslose eine Anstellung als Psycholog/-in und 500 eine als nichtärztlicher Psychotherapeut/-in. Rechnerisch ergibt sich trotz des Anstiegs eine geringe berufsspezifische Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent.

Viele Stellenangebote aus Krankenhäusern und Reha-Kliniken

Im Jahresdurchschnitt hatte die Bundesagentur für Arbeit rund 700 Stellenangebote für Psycholog/‑innen, darunter 200 für nichtärztliche Psychotherapeut/-innen, im Angebot. Die Stellenzugänge im Laufe des Jahres, die mehr über die Dynamik der Nachfrage aussagen, beliefen sich auf 2.600 Angebote im Bereich der Psychologie. Das waren 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Darin enthalten waren 500 Offerten für Psychotherapeut/-innen, 4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die meisten Vakanzen waren im Gesundheitswesen zu besetzen. So kamen fast 4 von 10 Stellenangeboten aus Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken. Aber auch im Bildungs- und Sozialwesen, von der öffentlichen Verwaltung, von Unternehmensführungen und -beratungen sowie von kirchlichen Vereinigungen, Bildungs- und Jugendorganisationen wurden Psycholog/-innen und Psychotherapeut/-innen gesucht.

Großes Interesse am Studium der Psychologie1

Der akademische Nachwuchs scheint in der Psychologie gesichert: Die Hochschulstatistik weist für das Jahr 2019 16.000 erfolgreiche Abschlüsse aus – im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 11 Prozent. Knapp drei von fünf Prüfungen gehen auf einen Bachelorabschluss zurück. Erfahrungsgemäß folgt danach vielfach noch ein Masterstudium. Auch die Zahl der Psychologie-Studierenden insgesamt wächst in den letzten Jahren sehr deutlich. So waren im Wintersemester 2019/20 rund 91.000 junge Männer und Frauen für ein Studium der Psychologie eingeschrieben. Das waren 7 Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren.

Abbildung 2.10 – 1

Diagramm: Psychologie (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

__________

1 Die Berufsgruppe umfasst Psychologen und nichtärztliche Psychotherapeuten. Ärztliche Psychotherapeuten sind der Berufsgruppe der Ärzte zugeordnet.

 

Stand: August 2021

2.11 Geisteswissenschaften

PDF-Datei (PDF, 736KB)

Unter geisteswissenschaftlichen Berufen werden hier insbesondere Sprach- und Literaturwissenschaftler/-innen, Geschichts-, Medien- und Theaterwissenschaftler/-innen, Philosoph/-innen sowie Regionalwissenschaftler/-innen und Anthropolog/-innen zusammengefasst. Insgesamt hat sich der Arbeitsmarkt für diese Berufe zwar positiv entwickelt; er stellt sich aber nicht unproblematisch dar. Die Zahl der Erwerbstätigen ist in den letzten Jahren sehr stark gestiegen. Allerdings verläuft der Berufseinstieg oft alles andere als einfach, da es nur wenige Stellenangebote gibt, die sich explizit an die Vielzahl der Absolventen geisteswissenschaftlicher Studiengänge richten. Eine frühzeitige berufliche Orientierung, Flexibilität und regionale Mobilität sind daher wichtig für eine erfolgreiche Etablierung am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit fällt in der ersten Zeit nach dem Studium höher aus als in anderen Fachrichtungen, insgesamt bewegt sie sich aber auf einem niedrigen Niveau. Das liegt auch daran, dass Absolvent/-innen der Geisteswissenschaften bei der Arbeitssuche offen für studienfernere Tätigkeiten sind. Von den Folgen der Corona-Krise seit März 2020 sind auch die Sprach- und Geisteswissenschaftler/-innen betroffen, jedoch zeigt sich dies in den Arbeitsmarktdaten weniger stark als bei anderen Berufsrichtungen. Die Zahl der Studierenden ist weiterhin auf einem hohen Niveau. Dies könnte künftig zu mehr Konkurrenz am Arbeitsmarkt führen.

Mehrzahl in adäquaten Tätigkeiten

Auf der einen Seite ist der Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler dadurch geprägt, dass es angesichts hoher Konkurrenz nur einem Teil der Absolventen gelingt, einen Arbeitsplatz in einem studienadäquaten Tätigkeitsfeld zu finden. In Befragungen geben zwei von drei Absolvent/-innen der Sprach- und Kulturwissenschaften an, einer Tätigkeit nachzugehen, deren Inhalte, Anforderungen und Position ihrem Studium entsprechen. Dies heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass alle anderen Geisteswissenschaftler/-innen unterwertigen Tätigkeiten nachgehen. Jeder Vierte beschreibt seine Arbeit zwar als fachfremd, die berufliche Position aber als durchaus einem Hochschulabschluss angemessen. Lediglich 11 Prozent der Diplom-Absolvent/-innen der Sprach- und Kulturwissenschaften sehen sich zehn Jahre nach ihrem Studium tatsächlich sowohl fachlich als auch positionsbezogen unter Niveau beschäftigt.1 Befragungen des Jahrgangs 2013 ein Jahr nach dem Hochschulabschluss sprechen dafür, dass sich die Situation nicht verbessert hat. So waren Master-Absolventen zu 13 Prozent inadäquat beschäftigt, bei Bachelor-Absolventen sogar fast ein Drittel.

Abbildung 2.11 - 1 

Diagramm: Geisteswissenschaften (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

Zahl der Erwerbstätigen kräftig gewachsen

Auf der anderen Seite ist zu beobachten, dass Geisteswissenschaftler in den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen zunehmend geschätzt werden, verfügen sie doch in der Regel über ausgeprägte Kompetenzen im Bereich des Wissensmanagements. Auch ihre interkulturellen Kompetenzen und Fertigkeiten bei der Informationsgewinnung und -aufbereitung gehören zu den nachgefragten Fähigkeiten in einer wissensbasierten und globalen Arbeitswelt. So ist die Zahl der Erwerbstätigen in den letzten Jahren kräftig gestiegen. Waren im Jahr 2010 laut Mikrozensus noch 294.000 Erwerbstätige mit einem Abschluss der Sprach- und Kulturwissenschaften, der Geschichte oder der Philosophie in Deutschland tätig, stieg ihre Zahl bis 2019 auf 408.000 Personen. Das ist ein beachtliches Plus von mehr als einem Drittel (Abbildung 2.11 – 1).

Vielfältige Einsatzfelder

Mehr als die Hälfte arbeitet in Branchen, die typisch sind für klassische Arbeitsfelder von Sprach- und Kulturwissenschaftler/innen (Abbildung 2.11 – 2). Hierzu gehört mit knapp 118.000 Erwerbstätigen vorrangig das Bildungswesen, gefolgt von 29.000 Erwerbstätigen in Medien-Unternehmen (Verlage, Funk und Fernsehen), 22.000 in Kunst und Kultur sowie 15.000 Personen, die mit Dolmetschen und Übersetzen beschäftigt sind. 22.000 Sprach- und Kulturwissenschaftler/-innen sind im öffentlichen Dienst beschäftigt – auch hier dürften viele fachnahe Einsatzbereiche zum Beispiel in der Kulturverwaltung oder in der Wissenschaft zu finden sein. Außerhalb des öffentlichen Sektors sind weitere 8.000 mit Forschungsaufgaben betraut.

Außer diesen für die Geisteswissenschaften typischen Branchen finden sich auch Einsatzmöglichkeiten, die mal mehr oder oft auch mal weniger mit den Studieninhalten in Zusammenhang stehen dürften. So sind 32.000 im Verarbeitenden Gewerbe und 30.000 im Handel tätig. Weitere Geisteswissenschaftler/-innen arbeiten im Gesundheits- und Sozialwesen; andere bei Dienstleistungsunternehmen wie z. B. Reisebüros, Reiseveranstaltern oder Call-Centern oder IT-Dienstleistern. Zu kleineren Anteilen werden Arbeitsplätze angeboten bei Verbänden, Organisationen der kirchlichen Einrichtungen, in Unternehmenszentralen und -beratungen oder auch im Gastgewerbe oder bei Werbebüros.2

Unterdurchschnittliche Gehälter

Die große Varianz der von Sprach-, Literatur- und Geisteswissenschaftler/-innen ausgeübten Tätigkeiten macht es schwierig ein „typisches“ Durchschnittsgehalt zu ermitteln. In der Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit, die ausschließlich auf den ausgeübten Tätigkeiten und nicht auf den vorliegenden Abschlüssen basiert, sind keine aussagekräftigen Angaben enthalten. 3Der Mikrozensus bietet zumindest ein paar Anhaltspunkte, weil hier die Fachrichtung des erworbenen Hochschulabschlusses hinterlegt ist. Allerdings werden hier nur Nettoeinkommen ausgewiesen und es bleibt wiederum offen, welche Tätigkeit konkret ausgeübt wird. Für abhängig Beschäftigte mit Fachhochschul- oder Hochschulabschluss weist der Mikrozensus 2019 insgesamt ein monatliches Netto-Einkommen von 3.043 Euro aus. Selbständige erzielten dagegen im Durchschnitt ein um gut 1.000 Euro höheres Nettoeinkommen (4.123 Euro). Bei Erwerbstätigen, die einen Studienabschluss in der Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften, Sport aufweisen, zeigt sich die finanzielle Lage erheblich verhaltener. Abhängig Beschäftigte mit einem entsprechenden Studienabschluss erzielten ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen von 2.582 Euro (West 2.597, Ost 2.517). Diese Gehaltsangabe wird dadurch positiv beeinflusst, weil auch Lehramtsabsolventen zu dieser Fächergruppe gehören. Absolvent/-innen der Germanistik kamen auf 2.439 Euro, Historiker auf 2.548 Euro. Etwas höhere Gehälter erhielten ehemalige Theologie-Studierende (2.860 Euro), Kulturwissenschaftler/-innen im engeren Sinne dagegen deutlich geringere (2.215 Euro). Die Selbständigkeit mag im Hinblick auf Arbeitsinhalte oder Selbstbestimmtheit Vorteile bringen, auf das Netto-Einkommen wirkt sie sich nicht erhöhend aus. Selbständig tätige Sprach- und Geisteswissenschaftler/-innen erzielten 2019 im Mittel rund 50 Euro geringere Einkommen als abhängig Beschäftigte.

Abbildung 2.11 - 2

Mehr als die Hälfte arbeitet in Branchen, für die ein Studium der Geisteswissenschaften idealtypisch ist

Erwerbstätige mit Studienabschluss der Geisteswissenschaften nach Wirtschaftszweigen

Diagramm: Mehr als die Hälfte arbeitet in Branchen, für die ein Studium der Geisteswissenschaften idealtypisch ist

Gemeldeten Stellen deutlich rückläufig

Berufseinsteigern bereitet es immer wieder Schwierigkeiten, dass es relativ wenig Stellenangebote gibt, die sich ausdrücklich an Geisteswissenschaftler/-innen richten. Es gilt daher, sich möglichst frühzeitig über Tätigkeitsfelder zu informieren und auf ein klares arbeitsmarktgerechtes Qualifikationsprofil hinzuarbeiten. Hierzu sind praktische Erfahrungen und gezielte Netzwerkpflege sehr hilfreich.

Im Verlauf des Jahres 2020 wurden der Bundesagentur für Arbeit 1.100 Stellenangebote gemeldet, die sich explizit an Sprach- oder Geisteswissenschaftler/-innen wandten. Das waren 23 Prozent weniger als im Vorjahr. Monatsdurchschnittlich betrachtet bewegten sich die öffentlich zu vermittelnden Stellenofferten mit einem Bestand von gut 200 Stellenangeboten weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau.

Im Einzelnen gingen für Historiker/-innen und Archäolog/-innen gut 200 Stellenangebote bei der Arbeitsvermittlung ein, für Germanist/-innen und andere Sprach- und Literaturwissenschaftler/-innen 200. Für Medien- und Theaterwissenschaftler/-innen wurden weitere 600 Stellen gemeldet.

Trotz aktuellen Anstiegs geringe Arbeitslosigkeit

Die Zahl Arbeitsloser, die eine geisteswissenschaftliche Tätigkeit anstrebten, ist von 2015 bis 2019 kontinuierlich gesunken. Mit 3.400 Arbeitslosen gab es 2020 einen coronabedingten Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gegenüber 2010 war die Arbeitslosigkeit 2020 trotzdem weiterhin deutlich geringer (-17 Prozent).

Es würde jedoch zu kurz greifen, wenn man hier nur Arbeitslose berücksichtigte, die eine geisteswissenschaftliche Tätigkeit anstreben, die der engen Definition laut Klassifikation der Berufe entspricht. So suchen Sprach-, Literatur- und Geisteswissenschaftler/-innen nicht nur nach den dünn gesäten Stellenangeboten für Historiker/-innen, Germanist/-innen, Amerikanist/-innen, Romanist/-innen, Sinolog/-innen oder vielleicht Theaterwissenschaftler/-innen. Vielfach richten sie ihre Arbeitsuche auf alternative Einsatzgebiete aus oder wählen manchmal auch nur andere, tätigkeitsorientierte Berufsbezeichnungen. So waren 2020 weitere 15.200 studierte Geisteswissenschaftler/-innen arbeitslos gemeldet, die zum Beispiel eine Arbeit suchten als wissenschaftliche Mitarbeiter/-in an Hochschulen, als Übersetzer/-in, als Journalist/-in, als Lehrkraft oder als Pressesprecher/-in. Auch weniger studiennahe Bereiche wie Büro- und Sekretariatsaufgaben, Werbung und Marketing, Verkauf, Unternehmensberatung oder kaufmännische Tätigkeiten standen immer wieder im Fokus.

Aber auch wenn man diesen erweiterten Personenkreis mitzählt, bewegt sich die Arbeitslosigkeit auf einem niedrigen Niveau: Die studienfachspezifische Arbeitslosenquote lag für studierte Sprach- und Literaturwissenschaftler/-innen bei 3,4 Prozent. Das dürfte nicht zuletzt der hohen Flexibilität bei der Wahl der Arbeitsfelder zu verdanken sein. Welch hohe Bedeutung dieser Offenheit für alternative Arbeitsfelder zukommt, illustriert ein Blick auf die nach amtlichen Standard berechnete berufsspezifische Arbeitslosenquote für Geisteswissenschaftler/-innen, die nur Personen einbezieht, die explizit eine Tätigkeit als Geisteswissenschaftler/-innen suchen bzw. als solche tätig sind. Sie belief sich 2020 auf exorbitant hohe 20,8 Prozent. Daraus lässt sich ein sehr hohes Arbeitslosigkeitsrisiko für solche Personen ableiten, die sich allein auf explizit für Geisteswissenschaftler/-innen ausgeschriebene Stellen fokussierten.

Sprach- und kulturwissenschaftliche Studiengänge beliebt

Seit dem Höchststand mit 235.000 im Wintersemester 2016/17 ist die Zahl der Studierenden4 wieder rückläufig. Im Wintersemester 2019/20 waren 215.000 Studierende immatrikuliert. Das waren 2 Prozent weniger als im Vorjahr.

In Folge des Studierendenhochs der letzten Jahre gab es mit 31.000 bestandenen Abschlussprüfungen 2019 ein Prozent mehr Absolvent/-innen als im Vorjahr.

__________

1 Quelle: HIS-Forum Hochschule 10/2013, Prüfungsjahrgang 2001, zehn Jahre nach dem Bildungsabschluss.

2 Quelle: Statistisches Bundesamt, Sonderauswertung Mikrozensus 2019 – Erwerbstätige mit Studienabschluss der Sprach- und Kulturwissenschaften, der Geschichte oder der Philosophie nach Wirtschaftszweigen.

3 Auch die Verdienststrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes, die alle vier Jahre durchgeführt wird, stößt auf ähnliche Probleme.

4 ohne Lehrämter

 

Stand: August 2021

2.12 Publizistik

PDF-Datei (PDF, 688KB)

Die Medienwirtschaft befindet sich im Umbruch. Zurückgehende Verkaufszahlen und Werbeeinnahmen im Printbereich, die bislang nicht durch entsprechende Mehreinnahmen im boomenden Online-Bereich auszugleichen sind, machen vielen Medienunternehmen das Leben schwer. Diese Veränderungen bleiben nicht ohne Wirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Beschäftigungsbedingungen. 2020 hat zudem die Corona-Krise deutliche Spuren hinterlassen.

Positiv hervorzuheben ist eine steigende Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Arbeitslosigkeit fällt höher aus als in anderen akademischen Berufsgruppen; gleichwohl ging sie in den letzten Jahren vor der Corona-Pandemie zurück. Die Zahl der Stellenangebote ist 2020 beachtlich gesunken und insgesamt gering. Da die sprach- und kulturwissenschaftlichen Studiengänge sehr beliebt sind, könnte perspektivisch die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt noch anwachsen. Offen bleibt dabei, wie sich der Kostendruck im klassischen Medienbereich und die Dynamik der Online-Nachrichtenwelt künftig weiter auswirken werden.

Über 200.000 Erwerbstätige in publizistischen Berufen

Rund 223.000 Frauen und Männer übten 2019 eine Tätigkeit in Redaktion und Journalismus, Verlags- und Medienwirtschaft oder in der Öffentlichkeitsarbeit aus (Abbildung 2.12-1). Der Großteil entfällt mit 154.000 Erwerbstätigen oder 69 Prozent auf Tätigkeiten in Redaktion und Journalismus. Hierzu zählen neben Redakteur/-innen und Journalist/-innen, die zusammen einen Anteil von 56 Prozent ausmachen, auch Autor/-innen und Schriftsteller/-innen (7 Prozent) sowie Lektor/-innen (4 Prozent). In Berufen der Verlags- und Medienwirtschaft waren 18.000 Personen tätig (8 Prozent). Weitere 51.000 (23 Prozent) arbeiteten zum Beispiel als Pressesprecher/-in, PR-Berater/-in oder Lobbyist/-in im Feld der Öffentlichkeitsarbeit.

Positive Beschäftigungsentwicklung, viele Selbständige

Der Wachstumstrend der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung hat sich 2020 trotz Corona-Krise fortgesetzt, aber wesentlich verlangsamt. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weist für 2020 119.000 Redakteur/-innen, Journalist/-innen und Öffentlichkeitsarbeiter/-innen aus, die als Angestellte sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Das war gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 1 Prozent, nachdem es seit 2014 jedes Jahr jeweils deutliche Zuwächse gegeben hatte. Längerfristige Vergleiche sind – wie bei anderen Berufsgruppen – aufgrund der Umstellung auf die neue Klassifikation der Berufe nicht exakt möglich. Dennoch lässt sich mit Daten zu Beschäftigten nach „alter“ Klassifikation, die bis zum Jahr 2011 vorliegen, ebenfalls ein spürbarer Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen feststellen. So stieg die Beschäftigung von 2003 bis 2011 in publizistischen Berufen um 15 Prozent – ein überdurch-schnittlicher Anstieg, der auch auf den Boom der Online-Medien zurückgehen dürfte.

In den schreibenden Berufen kommt auch der freiberuflichen Tätigkeit eine hohe Bedeutung zu. Mit 64.000 Selbständigen war fast jeder Dritte sein eigener Chef.

Nachfrage coronabedingt eingebrochen

Die Fachkräftenachfrage schwankt mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. So war die Zahl der gemeldeten Stellen 2009 und 2010 krisenbedingt eingebrochen und im wirtschaftlichen Aufschwung 2011 und 2012 wieder merklich gestiegen. Nach einer wieder verhaltenen Entwicklung in den Jahren 2013 und 2014 stieg die Nachfrage von 2015 bis 2017 erneut an. Seither ist die Nachfrage wieder zurückgegangen. Im Verlauf des Jahres 2020 wurden mit 1.900 Stellenangeboten coronabedingt 29 Prozent weniger neu gemeldet als im Verlauf des Vorjahres. Im Durchschnitt entsprach dies einem monatlichen Stellenbestand von 500 Stellenangeboten, die über die Bundesagentur für Arbeit zu besetzen waren.

Arbeitslosigkeit kräftig gestiegen

Die Zahl Arbeitsloser ist 2020 coronabedingt kräftig gestiegen. 8.000 Arbeitslose, die eine Arbeit als Journalist/-in oder Redakteur/-in oder eine hochqualifizierte Tätigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit oder in der Verlags- und Medienwirtschaft suchten, waren 2020 durchschnittlich gemeldet. Das waren 31 Prozent mehr als im Vorjahr. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote fiel mit 4,3 Prozent im Vergleich zu Akademiker/-innen insgesamt überdurchschnittlich aus.

Mit 5.300 Frauen und Männern strebte 2020 der überwiegende Teil der Arbeitslosen eine Tätigkeit als Redakteur/-in oder Journalist/-in an. Weitere 2.200 Personen hatten eine Betätigung als Pressesprecher/-in oder andere Aufgaben im Bereich Public-Relation ins Auge gefasst. In Berufen der Verlags- und Medienwirtschaft waren rund 500 Arbeitslose auf Jobsuche.

Vielfältige Zugangswege in eine journalistische Tätigkeit

Die Wege zum Einstieg in eine Tätigkeit als Journalist/-in sind vielfältig. In der Regel wird für ein Volontariat in der Medienbranche ein erfolgreicher Studienabschluss vorausgesetzt. Dabei muss es sich nicht unbedingt um ein Journalistik-Studium handeln. Geisteswissenschaftliche Studiengänge kommen ebenso in Frage wie fachspezifische.

Allein im Studienbereich Kommunikationswissenschaften, Publizistik1 legten 2019 rund 4.100 Studierende erfolgreich ihre Prüfung ab, 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Studierenden ist etwas zurückgegangen. Insgesamt waren 2019/20 rund 18.000 Studierende für ein Studium der Kommunikationswissenschaften, Publizistik eingeschrieben. Das waren zwar 4 Prozent weniger als im Vorjahr, aber fast 40 Prozent mehr als vor zehn Jahren.

Abbildung 2.12. - 1

Diagramm: Publizistik (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)

__________

1 Betrachtet werden hier Berufe in Redaktion, Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit und Verlagen auf Spezialisten- und Expertenniveau.

 

Stand: August 2021