Allgemeiner Teil

1.1 Der Arbeitsmarkt 2021

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Die deutsche Wirtschaft befand sich 2021 in einem gebremsten konjunkturellen Aufschwung. Das reale Bruttoinlandsprodukt ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2021 um 2,9 Prozent gewachsen, nach einem Minus von 4,6 Prozent im Jahr 2020. Mit den im Frühsommer 2021 einsetzenden Lockerungen hat die Wirtschaft im zweiten Quartal wieder an Fahrt aufgenommen, wurde aber im weiteren Jahresverlauf von Lieferengpässen und neuen Einschränkungen infolge der vierten Corona-Welle gebremst. Der Arbeitsmarkt bewegte sich 2021 auf einem Erholungskurs, der im Zuge der Lockerungen im Frühsommer deutlich an Dynamik gewann. So ist vor allem die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung deutlich gestiegen. Weil Minijobs und Selbständigkeit im Jahresdurchschnitt weiter rückläufig waren, blieb die gesamte Erwerbstätigkeit jahresdurchschnittlich aber unverändert. Im Jahresverlauf gab es allerdings einen erheblichen Zuwachs. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) sind im Jahresdurchschnitt gesunken, im Jahresverlauf noch deutlich stärker. Die Folgen der Corona-Krise wurden zunehmend kleiner, sind aber vor allem in einer gestiegenen Langzeitarbeitslosigkeit sichtbar. Der Arbeitsmarkt wurde auch 2021 in erheblichem Umfang durch den Einsatz von Kurzarbeit gestützt, die Inanspruchnahme hat aber im Vergleich zum ersten Corona-Jahr deutlich abgenommen.

Im Juni 2021 waren 33,80 Millionen Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 1,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag damit um 1,2 Prozent über dem Wert aus dem entsprechenden Vor-Krisen-Monat Juni 2019 und höher als je zuvor in einem Juni. Allerdings war die Kurzarbeiterzahl mit jahresdurchschnittlich 1,74 Millionen immer noch beträchtlich. Der von den Betrieben gemeldete Arbeitskräftebedarf betrug im Jahr 2021 durchschnittlich 706.000 Arbeitsstellen. Das waren 15 Prozent mehr als vor einem Jahr, aber noch 9 Prozent weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019. Das Volumen an neu eingegangenen Stellenangeboten ist 2021 sogar um rund ein Fünftel gestiegen. Im Jahresdurchschnitt 2021 waren in Deutschland 2,61 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, 3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote belief sich 2021 auf 5,7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr nahm sie um 0,2 Prozentpunkte ab. Die Unterbeschäftigung, die auch vorübergehend arbeitsunfähige Personen und Menschen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen beinhaltet, war auf 3,37 Millionen zu beziffern. Das waren 3 Prozent weniger als im Vorjahr.

 

Stand: Juli 2022

1.2 Der Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker

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Der Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker hat sich 2021, wie der Arbeitsmarkt insgesamt, von den Auswirkungen der Corona-Pandemie erholt. Es gab dank der Unterstützung mit der Zahlung von Kurzarbeitergeld keine Entlassungswellen.

Den kontinuierlichen Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre brachte die Corona-Krise nicht zum Erliegen, sie wirkte sich lediglich dämpfend aus. Während in vielen Branchen Kurzarbeit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt von Arbeitsplätzen leistete, gab es vor allem in IT-Berufen, in Werbung und Marketing, der öffentlichen Verwaltung sowie in Bau und Architektur sogar ein merkliches Beschäftigungswachstum. Summa summarum nahm 2021 die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einem akademischen Abschluss um 275.000 auf 6,4 Millionen zu (+4 Prozent) 1.

Gleichzeitig gingen im Jahresverlauf 2021 20 Prozent mehr Meldungen neuer Stellenangebote ein als im Vorjahreszeitraum. Die Nachfrage nach neuem Personal erreichte damit etwa wieder den Stand des Vorkrisenjahres 2019. Der durchschnittliche Stellenbestand stieg um 7.000 auf 60.000.

Während die Arbeitslosenzahl von Personen mit akademischem Abschluss im ersten Pandemiejahr 2020 deutlich um 51.000 anstieg (+19 Prozent), ging sie 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 16.000 auf 222.000 zurück (-7 Prozent). Die Arbeitslosenquote für Hochqualifizierte sank im Zuge der wirtschaftlichen Erholung von 2,6 Prozent im Jahr 2020 auf 2,4 Prozent im Jahr 2021. Der geringe Stand des Jahres 2019 mit einer Akademiker-Arbeitslosenquote von 2,1 Prozent wurde zwar noch nicht erreicht. Jedoch bewegte sich die Arbeitslosenquote sowohl 2020 als auch 2021 weiterhin in einer Größenordnung, bei der üblicherweise von Vollbeschäftigung gesprochen wird.

Trotz der bestehenden Unsicherheiten dürfte der Arbeitsmarkt jungen Hochschulabsolventinnen und -absolventen im Allgemeinen wieder gute Chancen auf einen erfolgreichen Start ins Erwerbsleben bieten. Allerdings verläuft der Berufseinstieg auch bei guter Marktlage nicht immer problemlos. Schwierigkeiten bereitet häufig, dass Arbeitgeber Berufserfahrung erwarten. Vor allem in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, in Medienberufen oder in den Naturwissenschaften sind außerdem nur wenig einschlägige Stellen zu besetzen. Nach einer gewissen Suchphase gelingt der Einstieg ins Erwerbsleben aber in der Regel auch hier, wenngleich die Beschäftigung nicht immer studienadäquat erfolgt.

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1 In den Angaben zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Fach- und Hochschulabschluss sind geschätzte Angaben für Personen einbezogen, für die keine Angaben zum Berufsabschluss vorliegen. Das gleiche gilt für die Berechnung der Anteile.

Stand: Juli 2022

1.3 Erwerbstätigkeit

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Fast ein Viertel der Erwerbstätigen hat einen akademischen Abschluss

Knapp 10 Millionen Erwerbstätige verfügten nach letzten Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2021 über einen akademischen Abschluss.1

Damit hatte fast jede/-r vierte Erwerbstätige an einer Universität, Fachhochschule oder einer Berufsakademie studiert (23 Prozent). Die Zahl erwerbstätiger Akademikerinnen und Akademiker ist in den letzten Jahren kräftig gewachsen: seit 2011 um rund 2,3 Millionen oder rund ein Drittel (Abbildung 1.3 – 1). Der Akademikeranteil kletterte in diesem Zeitraum um 4 Prozentpunkte. Dies spiegelt den fortschreitenden Strukturwandel hin zu einer wissensgeprägten Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft wider.

Der Großteil der erwerbstätigen Akademikerinnen und Akademiker (73 Prozent) übt eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aus (vgl. Kapitel 1.5). Außerdem sind in akademischen Berufen Selbständigkeit (12 Prozent) und Beamtenstatus (14 Prozent) von Bedeutung.

Abbildung 1.3 - 1 

Zahl der Erwerbstätigen mit akademischen Abschlüssen auf rund 10 Millionen gestiegen

Erwerbstätige mit (Fach-)Hochschulabschluss* in Millionen,

Deutschland, 2011 bis 2021

Diagramm: Zahl der Erwerbstätigen mit akademischen Abschlüssen auf rund 10 Millionen gestiegen



Unterschiedliche Erwerbsformen in akademischen Berufen

Die Tätigkeitsfelder Wirtschaftswissenschaften, Lehrtätigkeiten, Ingenieurwesen, Informatik sowie Medizin und Pharmazie bilden die größten akademischen Berufsgruppen (Abbildung 1.3 – 2). Rund 60 Prozent der Akademikerinnen und Akademiker gehören einer dieser Berufsgruppen an.

Abbildung 1.3 - 2

Wirtschaft, Lehre, Ingenieurwesen, Informatik und Medizin sind die großen Tätigkeitsfelder für Akademikerinnen und Akademiker

Erwerbstätige Experten/-innen nach ausgeübten Berufen

Deutschland, 2021

Diagramm: Wirtschaft, Lehre, Ingenieurwesen, Informatik und Medizin sind die großen Tätigkeitsfelder für AkademikerInnen ...

 
In vielen Berufsgruppen dominiert das Angestelltenverhältnis. Besonders groß ist der Anteil der Angestellten bei den Berufen Sozialpädagoge/-in, Ingenieur/-in, Naturwissenschaftler/-in und Informatiker/-in. Aber auch in den geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Berufen, in der Pharmazie, im Bauingenieurwesen oder in den Wirtschaftswissenschaften wird häufig im Angestelltenverhältnis gearbeitet.

Selbständigkeit und Verbeamtungen kommt eine sehr unterschiedliche Bedeutung zu – eine Tatsache, die unter Umständen schon bei der Wahl des Studienfachs berücksichtigt werden kann (Abbildung 1.3 – 3). Unter den in Psychologie, Medizin, Rechtswissenschaften, Architektur, Mediengestaltung oder Publizistik Erwerbstätigen ist der Anteil Selbständiger überdurchschnittlich hoch.

Abbildung 1.3 - 3

Das Angestelltenverhältnis dominiert in vielen Berufsgruppen

Anteile der Erwerbsformen an der jeweiligen Berufsgruppierung (jeweils Experten/-innen)

Deutschland, 2021

Diagramm: Das Angestelltenverhältnis dominiert in vielen Berufsgruppen

 

Verbeamtungen gibt es in großen Umfang nur in Verwaltungsberufen, in Archiven und Bibliotheken sowie in den Bildungsberufen, namentlich bei den Lehrämtern. Nennenswert sind darüber hinaus Juristinnen und Juristen, die beispielsweise im Richteramt oder in der Staatsanwaltschaft tätig sind oder eine Stelle als Referentin oder Referent in Behörden oder Ministerien bekleiden.
Unter Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern ist der Beamtenanteil mit 2 Prozent zwar verschwindend gering. Aufgrund der Größe dieser Berufsgruppe ist die absolute Anzahl von 38.000 Beamtinnen und Beamten dennoch erwähnenswert.

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1 Quelle: Statistisches Bundesamt, vorläufige Erstergebnisse des Mikrozensus. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2020 sind deshalb nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.

 

Stand: Juli 2022

1.4 Demografisch bedingter Ersatzbedarf

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Die Zahl der Erwerbstätigen, die heute 55 Jahre oder älter sind, bietet einen Anhaltspunkt dafür, wie viele Personen in den nächsten gut zehn Jahren in den Ruhestand eintreten werden. Knapp jeder vierte Erwerbstätige mit akademischem Abschluss war 2021 mindestens 55 Jahre alt. Insgesamt waren das rund 2,1 Millionen Erwerbstätige. Stellt man das Anforderungsniveau der ausgeübten Tätigkeit in den Vordergrund und vernachlässigt den formalen Abschluss, kommt man auf 2,0 Millionen Ältere und einen Anteil von 25 Prozent an allen Erwerbstätigen mit hochkomplexem Aufgabenprofil. Gleichgültig, welche Betrachtung man zugrunde legt, der Anteil der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist in den letzten Jahren gestiegen und dürfte in nächster Zeit weiter steigen. Dies liegt im Großen und Ganzen daran, dass die geburtenstarken Jahrgänge das ent-sprechende Alter erreichen und außerdem Erwerbstätige länger im Berufsleben bleiben.

Der demografisch bedingte Ersatzbedarf fällt in den Berufsgruppen unterschiedlich aus (Abbildung 1.4 – 1). Rund 154.000 Medizinerinnen und Medizinern sowie 115.000 Bauingenieurinnen und Bauingenieure könnten altersbedingt in den nächsten Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Das entspricht knapp einem Drittel in der jeweiligen Berufsgruppe. Da bereits ein Fachkräftemangel in diesen Berufen beklagt wird, erscheint diese Entwicklung als große Herausforderung. Auch in der Öffentlichen Verwaltung oder der Psychologie ist der Anteil Älterer sehr hoch; allerdings ist die absolute Zahl der Ruhestandseintritte merklich kleiner als bei den erstgenannten großen Berufsgruppen. Anteilig sehr wenig ältere Erwerbstätige finden sich dagegen in Mediengestaltung, Werbung und Marketing sowie in MINT-Berufen, was nicht zuletzt auf die stark gestiegenen Absolventenzahlen der letzten Jahre zurückzuführen sein dürfte.

Ein hoher Anteil älterer Erwerbstätiger muss allerdings nicht automatisch zu einer Mangelsituation führen. Entscheidender dürfte vielmehr die absolute Anzahl im Vergleich zur künftigen Zahl der Absolventinnen und Absolventen sein. Darüber hinaus gibt es viele Einflussfaktoren, deren Auswirkungen heute noch gar nicht absehbar sind. So spielen der Strukturwandel der Wirtschaft, die Digitalisierung, neue Technologien, politische Rahmensetzungen, weltpolitische und weltwirtschaftliche Entwicklungen oder Wanderungsbewegungen eine Rolle.

Abbildung 1.4 - 1 

Viele Eintritte in den Ruhestand zu erwarten

Erwerbstätige mit mind. 55 Jahren, Anteile an der jeweiligen Berufsgruppierung (jeweils Experten/-innen)
Deutschland, 2021

Diagramm: Viele Eintritte in den Ruhestand zu erwarten

Das Bundesinstitut für Berufsbildung und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kommen in einer Berufsfeld-Projektion1, die bis zum Jahr 2040 reicht, zu dem Ergebnis, dass der Arbeitskräftebedarf in akademischen Berufen – auch bei weiter steigendem Bedarf – im Allgemeinen durchaus gedeckt werden dürfte, weil deutlich mehr Hochqualifizierte neu in den Arbeitsmarkt einsteigen als aus Altersgründen aussteigen. Mögliche Engpässe sieht die Forschung punktuell zum Beispiel in IT-Berufen sowie in Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialberufen. Dagegen wird ein hoher Konkurrenzdruck zum Beispiel in Managementberufen sowie in Berufen in Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung erwartet. Auch in den Sprach-, Literatur- und Geisteswissenschaften oder in künstlerischen und unterhaltenden Berufen kommt man zu dem Ergebnis, dass das Arbeitskräfteangebot die Nachfrage deutlicher über-steigen könnte als das heute der Fall ist.

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1 Quelle: BIBB Report 4/2020

 

Stand: Juli 2022

1.5 Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

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Trend zur Akademisierung setzt sich fort

Die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit weist im Juni 2021 rund 6,4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss aus (Abbildung 1.5 – 1).1 Gegenüber dem Vorjahr waren das 275.000 mehr. Dies entspricht einem Anstieg von 4 Prozent, nachdem es selbst 2020 trotz Corona-Pandemie ein Wachstum von 3 Prozent gegeben hatte. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung insgesamt hatte dagegen 2021 lediglich um 1 Prozent zugenommen und verzeichnete 2020 sogar einen leichten Rückgang (-1 Prozent). Damit bestätigt auch die Beschäftigungsstatistik: Der Trend zur Akademisierung setzt sich fort.

Abbildung 1.5 - 1

Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Akademikerinnen und Akademiker steigt kontinuierlich an

Sozialversicherungsfpflichtig beschäftigte Akademiker/-innen** in Millionen
Deutschland, 2013 bis 2021, jeweils zum Stichtag 30.6.

Diagramm: Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Akademikerinnen und Akademiker steigt kontinuierlich an

  

Im Verlauf der letzten 20 Jahre hat sich die Zahl der beschäftigten Akademikerinnen und Akademiker mehr als verdoppelt (Abbildung 1.5 – 2).2 Im gleichen Zeitraum stieg die Beschäftigung von Personen mit Berufsabschluss3 um 14 Prozent, die von Beschäftigten ohne formalen Berufsabschluss lag 2021 dagegen nach zwischenzeitlichem starken Rückgang 5 Prozent unter dem Stand von 2002. Obwohl auch Geringqualifizierte abgesehen von der Coronakrise von der guten Arbeitsmarktentwicklung der letzten Jahre profitierten, zeigen sich in dieser unterschiedlichen Entwicklung die große Bedeutung formaler Abschlüsse und die damit verbundenen Chancen.

 Abbildung 1.5 - 2

Trend der Akademisierung setzt sich fort

Indizierte Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Berufsabschluss*
Deutschland, Jahr 2002 = 100, jeweils zum Stichtag 30.6.

Diagramm: Trend der Akademisierung setzt sich fort

 

Nicht nur die Zahl der „Köpfe“ mit akademischem Abschluss steigt, sondern auch relativ gesehen gewinnen akademische Qualifikationen an Bedeutung: 2021 verfügten 20 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss. 2013 lag der Anteil noch bei 15 Prozent.

Digitalisierung lässt Beschäftigung von IT-Berufen weiter stark wachsen

Die Corona-Pandemie hat den Prozess der Digitalisierung verstärkt. So zeigt sich in IT-Berufen 2021 erneut ein großes relatives Beschäftigungswachstum. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze für hochqualifizierte IT-Fachkräfte hat gegenüber dem Vorjahr um gut 22.000 oder 6 Prozent zugelegt (Abbildung 1.5 – 3). Relativ betrachtet gab es ebenfalls hohe Beschäftigungsgewinne in Mediengestaltung, Werbung, Marketing und in der Psychologie. Darüber hinaus verzeichneten auch die Geistes-, Gesellschaftswissenschaften und Publizistik, Ver-waltungsberufe sowie Bau- und Architekturberufe einen beachtlichen Beschäftigungsaufbau.

In absoluten Zahlen gab es die höchsten Zuwächse an Arbeitsplätzen in Wirtschaftsberufen (+34.400). Neben der Informatik waren hohe Zugewinne auch bei Lehrkräften (+17.300) und in Medizin, Pharmazie (+10.900) auszumachen.

Abbildung 1.5 - 3

Größtes Wachstum in IT-Berufen sowie in Mediengestaltung und Psychologie

Bestand sozialversicherungspflichtig beschäftigter Experten/-innen
Deutschland, 30.6.2021 im Vergleich zum Vorjahr

Diagramm: Größtes Wachstum in IT-Berufen

 

Frauenanteil gestiegen, aber große Unterschiede zwischen den Berufen

Rund 47 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die 2021 über einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss verfügten, waren Frauen. Damit war der Frauenanteil unter Akademikern leicht höher als bei allen Beschäftigten. Wird aber nur die Gruppe der Beschäftigten betrachtet, die einer hochqualifizierten Tätigkeit4 nachgingen, waren Frauen mit einem Anteil von 40 Prozent erkennbar unterrepräsentiert.

Auffällig sind die großen Unterschiede zwischen den Berufen (Abbildung 1.5 - 4): In der Psychologie oder in sozialen Berufen sind Frauen deutlich in der Mehrzahl, während unter 100 technischen Ingenieuren nur 13 Frauen zu finden sind. Mehr Frauen als Männer gibt es auch unter den Angestellten in geistes-, gesellschaftswissenschaftlichen und publizistischen Berufen, in Medizin und Pharmazie, sowie in Verwaltungs-, Lehr- und Rechtsberufen.

Abbildung 1.5 - 4

Frauenanteil in den Berufsgruppen sehr unterschiedlich

Frauenanteil bei sozialversicherungspflichtig beschäftigten Experten/-innen insgesamt sowie an der jeweiligen Berufsgruppierung in Prozent
Deutschland, 30.6.2021

Diagramm: Frauenanteil in den Berufsgruppen sehr unterschiedlich

 

Weiter zunehmende Präsenz von Frauen

In den vergangenen Jahren ist der Frauenanteil unter den akademischen Beschäftigten kräftig gestiegen. 2013 lag er mit 43 Prozent noch 4 Prozentpunkte unter dem heutigen Anteil. Auf die zukünftige Entwicklung kann man schließen, wenn die Unterschiede zwischen jüngeren Menschen und der Gesamtgruppe untersucht werden. Dabei fällt auf, dass Frauen bei akademisch Gebildeten unter 35 Jahren mit 52 Prozent sogar etwas stärker vertreten sind als Männer (nicht abgebildet). Bei Beschäftigten unter 35 Jahren, die hoch komplexe Experten-Tätigkeiten ausüben, liegt der Frauenanteil bei 46 Prozent, immerhin 6 Prozentpunkte höher als über alle Altersgruppen betrachtet. Die höhere Präsenz von Frauen bei den unter 35-Jährigen ist in allen Berufsgruppen (außer bei Lehrkräften) festzustellen (Abbildung 1.5 – 5).

In akademischen Bau- und Architekturberufen sind beispielsweise nur 32 Prozent Frauen (vergleiche Abbildung 1.5 – 4). Wenn man jedoch Personen unter 35 Jahren betrachtet, beträgt der Frauenanteil 41 Prozent. Ältere Jahrgänge mit hohem Männeranteil, die nach und nach aus dem Erwerbsleben ausscheiden, werden hier also durch Jahrgänge mit größerem Frauenanteil ersetzt. Dadurch dürfte der Frauenanteil in akademischen Bau- und Architekturberufen insgesamt in den nächsten Jahren allmählich weiter steigen.

Abbildung 1.5 - 5

Unter jüngeren Hochqualifizierten ist der Frauenanteil erheblich höher

Frauenanteil bei sozialversicherungspflichtig beschäftigten Experten/-innen unter 35 Jahren an der jeweiligen Berufsgruppierung in Prozent im Vergleich zum korrespondierenden Frauenanteil aller Altersgruppen (Kennzeichnung durch Punkte)
Deutschland, 30.6.2021

Diagramm: Unter jüngeren Hochqualifizierten ist der Frauenanteil erheblich höher

 
Ähnlich ist die Situation in den naturwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Berufen, bei denen unter den Jüngeren langsam ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis greifbar wird. In Lehre und Ausbildung verläuft die Entwicklung umgekehrt. Hier gibt es in jüngeren Jahr-gängen mit 52 Prozent einen geringeren Frauenanteil als insgesamt (57 Prozent).

Bemerkenswert ist darüber hinaus die Entwicklung im medizinischen Sektor; dort sind nahezu zwei Drittel der jungen Beschäftigten weiblich. In einem starken Kontrast zu allen anderen Berufsgruppen stehen die Informatik sowie die technischen Ingenieurberufe. Obwohl auch hier un-ter den Jüngeren etwas mehr Frauen sichtbar sind, werden diese Berufe wohl auf absehbare Zeit vorwiegend eine Männerdomäne bleiben.

Ausländische Akademikerinnen und Akademiker leicht überwiegend aus Nicht-EU-Staaten

Rund 744.000 in Deutschland sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit akademischem Abschluss hatten 2021 eine ausländische Staatsbürgerschaft. Der Ausländeranteil bei Akademikerinnen und Akademikern betrug 12 Prozent. Er ist damit höher als bei Arbeitnehmern mit Berufsabschluss (7 Prozent), aber erheblich niedriger als bei Personen ohne Berufsabschluss (27 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der ausländischen Akademikerinnen und Akademiker um 76.000 gestiegen (+11 Prozent). Fast drei Viertel des Zuwachses gehen auf gut Gebildete aus Nicht-EU-Staaten zurück, allen voran Beschäftigte mit indischer, türkischer oder syrischer Staatsangehörigkeit. Hochqualifizierte aus nichteuropäischen Asylzugangsländern wie Syrien, dem Iran oder Pakistan machen insgesamt 13 Prozent des Zuwachses aus. Unter den akademisch qualifizierten EU-Ausländerinnen und Ausländer, die in Deutschland arbeiten, hat sich vor allem die Zahl aus Italien und Polen erhöht.

Insgesamt stammen 2021 mehr als die Hälfte der ausländischen Akademiker/-innen aus einem Land außerhalb der Europäischen Union (Abbildung 1.5 – 6). EU-Angehörige sind unter den ausländischen Hochqualifizierten mit 43 Prozent vertreten. Dabei gehören Polen, Italien, Rumänien und Frankreich zu den beschäftigungsstärksten EU-Einzelnationen. Nicht-EU-Staatsangehörigkeiten, die zahlenmäßig eine größere Bedeutung haben, sind Indien, Russland, die Türkei, China und die Ukraine. Die Staatsangehörigkeit eines nichteuropäischen Asylzugangslandes5 besaßen 2021 rund 53.000 Akademikerinnen und Akademiker. Letztere haben einen relativen Zuwachs von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Dies entspricht einer Beschäftigungszunahme von rund 10.000 Personen.

Abbildung 1.5 - 6

Ausländische Akademikerinnen und Akademiker kommen zu etwas mehr als der Hälfte aus Nicht-EU-Staaten

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit (Fach-)Hochschulabschluss und ausländischer Staatsangehörigkeit
Deutschland, 30.6.2021

Diagramm: Ausländische Akademikerinnen und Akademiker kommen zu etwas mehr als der Hälfte aus Nicht-EU-Staaten

 

Die kulturelle Vielfalt der in Deutschland beschäftigten Akademikerinnen und Akademiker ist größer als der Ausländeranteil vermuten lässt. 2,3 Millionen haben einen Migrationshintergrund6 – das sind 22 Prozent aller Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss.

 

Wachsende Bedeutung atypischer Beschäftigungsverhältnisse

Die Arbeitsmarktreformen nach der Jahrtausendwende haben flexiblere Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnet. So ist der Beschäftigungsanstieg seit Mitte des letzten Jahrzehnts von einer Zunahme flexibler, auch „atypisch“ genannter Beschäftigungsverhältnisse begleitet. Hierzu zählen Teilzeitverträge, Minijobs, befristete Beschäftigung und Zeitarbeit. Auch am Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker haben atypische Beschäftigungsverhältnisse an Bedeutung gewonnen.

So hatten 2021 rund 83.000 Akademikerinnen und Akademiker einen Arbeitsvertrag in der Zeitarbeit.7Das waren zwar 54 Prozent mehr als 2013. Bezogen auf alle sozialversicherungspflichtig beschäftigten Akademikerinnen und Akademiker entspricht dies aber einem Anteil von lediglich 1 Prozent. Bei Beschäftigten mit Berufsabschluss fällt dieser Anteil leicht höher und bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ohne Berufsabschluss deutlich höher aus (Abbildung 1.5 – 7).

 Abbildung 1.5 - 7

Atypische Erwerbsformen spielen bei Akademikerinnen und Akademiker in der Regel eine untergeordnete Rolle

Atypische Beschäftigung nach Berufsabschluss, Anteile in Prozent
Deutschland, 30.6.2021, Befristung Jahresdurchschnitt 2020

Diagramm: Atypische Erwerbsformen spielen bei Akademikerinnen und Akademiker in der Regel eine untergeordnete Rolle

 
Mit 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeitete ein gutes Viertel der Akademikerinnen und Akademiker in Teilzeit. Gegenüber 2013 entspricht dies einem deutlichen Anstieg von 82 Prozent. Darüber hinaus gab es 407.000 Akademikerinnen und Akademiker, die ausschließlich einen Minijob ausübten. Ihre Zahl hat im Vergleich zu 2013 um 16 Prozent zugenommen. Insgesamt gingen 6 Prozent der beschäftigten Akademikerinnen und Akademiker ausschließlich einem Minijob nach. Bei der Bewertung dieser Zahlen ist zu bedenken, dass insbesondere Teilzeitarbeitsverhältnisse, aber auch Minijobs häufig freiwillig gewählt sein können, weil sie den persönlichen Präferenzen und Lebenssituationen am besten entsprechen. Sie können aber auch deswegen zustande kommen, weil es an alternativen Angeboten (zum Beispiel in Vollzeit) oder vielleicht an Kinderbetreuung mangelt. Nach letzten Angaben des Mikrozensus wollten 183.000 erwerbstätige Akademikerinnen und Akademiker ihre Arbeitszeit um durchschnittlich 13 Wochenstunden ausweiten.8

In der Regel nicht freiwillig wird dagegen die Befristung eines Arbeitsverhältnisses angestrebt. Mit 46 Prozent hatte 2021 knapp jeder zweite neu abgeschlossene Arbeitsvertrag eines Akademikers ein Ablaufdatum.9 Bei Arbeitnehmern mit Berufsabschluss war der Anteil an Befristungen erheblich geringer (34 Prozent), bei Beschäftigten ohne Berufsabschluss höher (54 Prozent). Zwischen den Branchen gibt es merkliche Unterschiede. Sehr häufig sind Befristungen in der Kultur- und Unterhaltungsbranche oder auch an Hochschulen und Forschungseinrichtungen, denn Forschungsprojekte sind in der Regel zeitlich begrenzt und das Wissenschaftszeitvertragsgesetz gibt einen weiten Rahmen für Befristungen vor. Viele Befristungen bei Neueinstellungen gibt es außerdem bei gemeinnützigen Organisationen, im Öffentlichen Dienst oder im Gesundheits- und Sozialwesen. Dagegen sind die Befristungsanteile im Verarbeitenden Gewerbe oder bei Banken und Versicherungen geringer.

Häufig werden Befristungen, vor allem sachgrundlose, in unbefristete Arbeitsverträge umgewandelt. Nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mündeten 2019 44 Prozent der befristet geschlossenen Arbeitsverhältnisse in einen Dauervertrag; 2020 waren es coronabedingt mit 39 Prozent etwas weniger.10

Der oben genannte Befristungsanteil bei neu begonnenen Beschäftigungsverhältnissen lässt sich deshalb sinnvoll durch eine Gesamtbefristungsquote ergänzen: 2020 hatten – bezogen auf die Gesamtzahl aller abhängig beschäftigten Akademiker – 9 Prozent einen befristeten Arbeitsvertrag. Dies entspricht 792.000 Akademikern mit befristeten Arbeitsvertrag.11 Auch bei dieser Gesamtbetrachtung sind, wie bei der Fokussierung auf die neu begonnenen Beschäftigungsver-hältnisse, Befristungen in akademischen Berufen deutlich verbreiteter als bei Beschäftigten mit Berufsabschluss.

Befristungen treten vorrangig in der Anfangsphase des Berufslebens auf und werden mit fortschreitender beruflicher Etablierung immer mehr zur Ausnahme. Während von allen abhängig Beschäftigten unter 35 Jahren 20 Prozent befristet tätig waren, betraf dies bei den 35- bis 49-Jährigen noch 7 Prozent. Bei Personen mit mindestens 50 Jahren hatten lediglich 5 von 100 einen befristeten Vertrag.12

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1 In den Angaben zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Fach- und Hochschulabschluss sind geschätzte Angaben für Personen einbezogen, für die keine Angaben zum Berufsabschluss vorliegen. Das gleiche gilt für die Berechnung der Anteile. 
2  Aufgrund der Umstellung auf die „Klassifikation der Berufe 2010“ sind die Angaben ab dem Jahr 2013 nur eingeschränkt mit den Jahren davor vergleichbar.
3 Einschließlich Personen mit Meister-, Techniker- oder gleichwertigem Abschluss
4 Anforderungsniveau 4 – hoch komplexe Tätigkeiten (KldB 2010).
5 Als nichteuropäische Asylzugangsländer werden hier die nichteuropäischen Staaten zusammengefasst, aus denen in den letzten Jahren die meisten Menschen in Deutschland Asyl beantragt haben (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien). Näheres siehe: statistik.arbeitsagentur.de > Themen im Fokus  > Migration
6 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2021 (vorläufige Erstergebnisse), Erwerbstätige mit Migrationshintergrund im weiteren Sinne.
7 Hier sind jeweils geschätzte Angaben einbezogen für Personen, für die keine Angaben zum Berufsabschluss vorliegen. Zeitarbeit: Beschäftigte in der Arbeitnehmerüberlassung.
8 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2019, Sonderauswertung. Aktuellere Daten lagen bis Juni 2022 noch nicht vor.
9 Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Es liegen hier nur Angaben zu Befristungen bei neu begonnenen Beschäftigungsverhältnissen vor.
10 Quelle: IAB-Forum 26.04.2021
11 Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2020, Angaben ohne Personen in Ausbildung.
12 Quelle: Statistisches Bundesamt, Sonderauswertung des Mikrozensus. Vorläufige Erstergebnisse für 2021.

 

Stand: Juli 2022

1.6 Gehälter

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Ein Studium lohnt sich in der Regel auch in finanzieller Hinsicht. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat errechnet, dass Personen mit einem Fachhochschul- und Hochschulabschluss im Laufe ihres Berufslebens im Schnitt 860.000 Euro mehr verdienen als Facharbeiterinnen und Facharbeiter mit Berufsabschluss.1 Die Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit, die auf den Angaben zur Sozialversicherung der 2021 fast 34 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland aufbaut, bestätigt diese Abstufung. Sie weist für Vollzeitbeschäftigte mit einer Tätigkeit, deren Anforderungsprofil einem mindestens vierjährigen Hochschulabschluss entspricht, ein mittleres Monatsentgelt2 von 5.729 Euro aus (Westdeutschland 5.904 Euro, Ostdeutschland 5.010 Euro). Das Medianentgelt von sozialversicherungspflichtig beschäftigten Fachkräften mit dem Anforderungsprofil einer betrieblichen oder schulischen Berufsausbildung lag mit 3.259 Euro deutlich niedriger (West 3.372 Euro, Ost 2.758 Euro).

Es gibt allerdings beträchtliche Unterschiede zwischen und innerhalb der einzelnen Berufsgruppen. Ebenso wird das erzielte Gehalt durch Faktoren wie den Beschäftigungsort, die Branche, die Betriebsgröße, die Berufserfahrung oder auch das Geschlecht beeinflusst.

Deutliche Unterschiede nach Berufen...

Innerhalb der Akademikerberufe erzielen zum Beispiel sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Medizin und Pharmazie, in Ingenieurberufen, in Wirtschafts- und Managementberufen oder in den Rechts- und Naturwissenschaften weit überdurchschnittliche Gehälter (Abbildung 1.6 – 1). Dagegen fallen die Monatsentgelte in der Sozialen Arbeit, in der Psychologie, der Mediengestaltung, der Publizistik oder im Bildungswesen tendenziell geringer aus.

... Regionen ...

Zwischen West- und Ostdeutschland besteht rechnerisch ein durchschnittliches Lohngefälle von 895 Euro, was 15 Prozent entspricht. Eine Ausnahme bilden Lehrkräfte im Osten Deutschlands, die laut Entgeltstatistik mehr verdienen als ihre Kolleginnen und Kollegen in Westdeutschland. Dieses Phänomen kann mit der unterschiedlichen Verbeamtungspraxis im Schuldienst erklärt werden.3

Abbildung 1.6 - 1

In ärztlichen, technischen und wirtschaftswissenschaftlichen Berufen werden in Westdeutschland die höchsten Gehälter erzielt

Mittleres Monats- Bruttoentgelt von sozialversicherungspflichtigen vollzeitbeschäftigten Expert/-innen in Euro, 2021

Diagramm: In technischen, ärztlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Berufen werden die höchsten Gehälter erzielt

 

... Branchen ...

Nach Branchen betrachtet zählen Akademikerinnen und Akademiker, die im Verarbeitenden Gewerbe tätig sind, zu den Spitzenverdienern. Hier lag 2021 in Westdeutschland bei mehr als der Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten das erzielte Entgelt bei mindestens 6.971 Euro monatlich (Abbildung 1.6 – 2). Auch in Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie im Gesundheitswesen fielen die Entgelte deutlich überdurchschnittlich aus. In Ostdeutschland ergibt sich eine andere Reihenfolge. Die höchsten Entgelte wurden hier im Gesundheitswesen, gefolgt von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen erzielt. Das Verarbeitende Gewerbe belegte mit merklichem Abstand nur den Platz 3.

 Abbildung 1.6 - 2

Spitzen-Gehälter werden im Verarbeitenden Gewerbe, bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern
und im
Gesundheitswesen gezahlt

Mittleres Monats-Bruttoentgelt von sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigten Expert/-innen nach Wirtschaftsabteilungen in Westdeutschland in Euro (Werte für Ostdeutschland in Klammern), 2021

Diagramm: Spitzen-Gehälter werden im Verarbeitenden Gewerbe, bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern und im Gesundheitswesen gezahlt

... sowie Geschlecht ...

Die mittleren Vollzeit-Bruttoentgelte von Männern und Frauen lagen 2021 laut Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit in Westdeutschland 1.464 Euro bzw. 23 Prozent auseinander. Im Osten Deutschlands fiel die Lohnlücke mit 566 Euro bzw. 11 Prozent erheblich geringer aus. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass ostdeutsche Männer erheblich weniger verdienten als westdeutsche Männer.

Die Differenz zwischen Frauen- und Männergehältern kommt auch durch die unterschiedlichen Präferenzen bei der Berufswahl zustande, die sich im Westen stärker zeigen als im Osten. Während Frauen häufig soziale, lehrende, erziehende oder geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Berufe ausüben, in denen die Gehälter geringer ausfallen, dominiert zum Beispiel in den einkommensstarken technischen Berufen und den Wirtschaftswissenschaften das männliche Geschlecht. Darüber hinaus schlagen unter anderem Unterschiede hinsichtlich der Beschäftigungsbranchen, der Berufserfahrung oder -unterbrechungen sowie der Häufigkeit von Führungspositionen zu Buche. Die nominalen Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen verringern sich deshalb merklich, wenn man nur die Gehälter z. B. derselben Berufsgruppen, derselben Branche und derselben Anforderungsniveaus miteinander vergleicht. Nach diesem Prinzip ermittelt das Statistische Bundesamt alle vier Jahre auf Basis der Verdienststrukturerhebung den sogenannten bereinigten Gender Pay Gap. Danach lassen sich rund drei Viertel der unbereinigten Lohnlücke mit den geschilderten Strukturunterschieden erklären. Rechnerisch bereinigt um diese Unterschiede verdienten Frauen bei vergleichbarer Tätigkeit, vergleichbarer Qualifikation und Position 6 Prozent weniger als Männer.4 Für Akademiker/-innen liegen leider keine gesonderten Angaben vor.

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1 Quelle: IAB-Kurzbericht 17/2016.

2 Einkommen werden in der Beschäftigungsstatistik nur bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze ausgewiesen (2021 West 7.100 Euro, Ost 6.700). Als Mittelwert wird deshalb nicht das arithmetische Mittel (=Durchschnitt), sondern der Median ausgewiesen (50 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verdienen mehr, 50 Prozent weniger). Der Median hat den Vorteil, dass er nicht von statistischen Ausreißern mit sehr geringen oder sehr hohen Verdiensten beeinflusst wird.

3 Auf die Lehramtsgehälter in Westdeutschland schlägt sich dämpfend nieder, dass dort junge Lehrkräfte (mit geringeren Gehältern) unter dem sozialversicherungspflichtig beschäftigten Personal einen größeren Anteil einnehmen als in Ostdeutschland (Anteil der unter 40-jährigen Angestellten in Westdeutschland 50 Prozent im Vergleich zu 41 Prozent in Ostdeutschland). Das liegt daran, dass in den westlichen Ländern die Lehrkräfte – vor allem die berufserfahreneren und damit besser dotierten – häufiger verbeamtet waren als in den östlichen Ländern.

4 Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 106 vom 09.03.2021. Wenn für die Berechnungen weitere Informationen über lohnrelevante Einflussfaktoren zur Verfügung stünden, würde der bereinigte Gender Pay Gap möglicherweise geringer ausfallen. So liegen beispielsweise zu familienbedingten Erwerbsunterbrechungen keine Informationen vor.

 

Stand: Juli 2022

1.7 Arbeitslosigkeit

PDF-Datei (PDF, 276KB)

Arbeitslosenzahl wieder leicht gesunken

Die Zahl arbeitsloser Akademikerinnen und Akademiker hatte sich 2020 coronabedingt kräftig auf 238.000 erhöht (+51.000 gegenüber Vorjahr) und fiel so hoch aus wie seit über 10 Jahren nicht mehr (Abbildung 1.7 – 1). Dieser Zuwachs konnte 2021 nicht vollständig wieder abgebaut werden. Im Jahresdurchschnitt 2021 waren 222.000 Personen mit akademischem Abschluss arbeitslos gemeldet. Das waren 16.000 weniger als im Vorjahr (-7 Prozent).


Abbildung 1.7 - 1
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Deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit im Kontext der Pandemie, aber 2021 leichte Erholung

Jahresdurchschnittsbestand an Arbeitslosen mit (Fach-)Hochschulabschluss und Arbeitslosenquote
Deutschland, 2011 bis 2021

Diagramm: Kräftiger Anstieg der Arbeitslosigkeit aufgrund von Corona

 

Akademiker-Arbeitslosenquote nach wie vor auf Vollbeschäftigungsniveau

Die Akademiker-Arbeitslosenquote sank 2021 von 2,6 auf 2,4 Prozent. 2019, also vor der Corona-Krise, hatte sie bei 2,1 Prozent gelegen. Trotz des leicht höheren Niveaus im Vergleich zum Jahr 2019 ist die relative Arbeitslosigkeit, ausgedrückt durch die Arbeitslosenquote, weiterhin gering. Bis zu einer Arbeitslosenquote von rund 3 Prozent sprechen Ökonomen üblicherweise von Vollbeschäftigung.

Seit 2007 Arbeitslosenquote kontinuierlich unter 3 Prozent

Die Arbeitslosenquote ist gut für längerfristige Betrachtungen geeignet. Ein Rückblick über vier Jahrzehnte zeigt, dass Arbeitskräfte mit (Fach-)Hochschulabschluss immer vergleichsweise selten von Arbeitslosigkeit betroffen waren (Abbildung 1.7 – 2). Selbst in konjunkturell schlechten Zeiten blieb die Akademiker-Arbeitslosenquote auf sehr niedrigem Niveau. 1 Seit der Wiedervereinigung bewegte sich die Quote in der Regel unterhalb der 4-Prozent-Marke, seit 2007 sogar kontinuierlich unter 3 Prozent.2

 Abbildung 1.7 - 2
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Akademikerinnen und Akademiker immer seltener arbeitslos als andere Qualifikationsgruppen

Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten
Deutschland, bis 1990 früheres Bundesgebiet

Diagramm: Akademikerinnen und Akademiker immer seltener arbeitslos als andere Qualifikationsgruppen

 

Das größte Risiko, arbeitslos zu werden, tragen im Gegensatz dazu die nicht formal Qualifizierten. Hier ist die Arbeitslosenquote in den letzten Jahrzehnten auf ein sehr hohes Maß gestiegen (Spitzenwert 1997 mit 26,9 Prozent). Zwar war die Quote seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 bis 2019 etwas rückläufig, trotzdem war 2019 noch jeder sechste Geringqualifizierte arbeitslos, 2020 und auch 2021 im Zuge der Pandemie sogar jeder fünfte. In dieser unterschiedlichen Betroffenheit von Arbeitslosigkeit spiegelt sich der Strukturwandel wider: Die Zahl der Arbeitsplätze, die hohe Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten stellen, nimmt zu, während der Bedarf an einfachen Tätigkeiten, die keinen Berufsabschluss erfordern, auf niedrigem Niveau verharrt.

Geringste Arbeitslosenquoten in Verwaltungsberufen, bei Lehrkräften und in der Medizin

Nach Berufen betrachtet gibt es sehr geringe Arbeitslosenquoten in Verwaltungsberufen, bei Lehrkräften und in Medizin und Pharmazie. Hier erreichten die berufsspezifischen Arbeitslosenquoten 2021 einen Wert von unter 2,0 Prozent (Abbildung 1.7 – 3). Es gibt aber auch akademische Berufsfelder, in denen die Arbeitslosenquoten vergleichsweise hoch ausfallen. Hierzu gehören die Naturwissenschaften mit 7,5 Prozent, die Mediengestaltung, Werbung und Marketing mit 6,7 Prozent oder die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften mit 6,3 Prozent.

 Abbildung 1.7 - 3
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Erhebliche Spannbreite bei den berufsspezifischen Arbeitslosenquoten

Berufsspezifische Arbeitslosenquoten für ausgewählte Berufsgruppierungen - jeweils Experte/-in
2021 im Vergleich zum Vorjahr (Richtungspfeile)

Diagramm: Berufsspezifische Arbeitslosenquoten sehr gering

 

Studienfachspezifische Arbeitslosenquoten relativieren die Einschätzung

Für Berufe mit relativ hohen Arbeitslosenquoten ist es sinnvoll, einen ergänzenden Blick auf die studienfachspezifischen Arbeitslosenquoten 3 zu werfen.

Diese zeigen an, welcher Anteil der Erwerbspersonen, die einen Studienabschluss in einem be-stimmten Studienfach aufweisen, im betrachteten Jahr durchschnittlich arbeitslos war. Dabei steht nicht, wie bei den berufsspezifischen Arbeitslosenquoten, die konkret ausgeübte bzw. gesuchte Berufstätigkeit im Fokus, sondern die formale Qualifikation. Es spielt also keine Rolle, ob eine Tätigkeit passend zum absolvierten Studienfach ausgeübt wird oder in einem fachfremden Bereich. Gerade für die Studienfächer, die nicht auf eine konkrete Berufstätigkeit vorbereiten, sondern Kompetenzen für ein weites Tätigkeitsspektrum eröffnen, wie z. B. den Naturwissenschaften oder den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, ergibt sich dadurch ein aussagekräftigeres Gesamtbild (Abbildung 1.7 – 4).

 Abbildung 1.7 - 4
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Arbeitslosenquoten in den meisten Studienfachrichtungen sehr gering

Studienfachbezogene Arbeitslosenquoten für ausgewählte Studienfachrichtungen in Prozent
2021

Diagramm: Arbeitslosenquoten in den meisten Studienfachrichtungen sehr gering

So fällt die studienfachspezifische Arbeitslosenquote für Personen mit einem Abschluss in ei-nem naturwissenschaftlichen Fach nominal erheblich geringer aus als die berufsspezifische Ar-beitslosenquote: Für Erwerbstätige mit einem abgeschlossenen Mathematik-, Statistik-, Physik- oder Chemie Studium errechnen sich 2021 studienfachspezifische Arbeitslosenquoten von unter 3,0 Prozent. In der Biologie fällt die studienfachspezifische Arbeitslosenquote mit 3,3 Prozent zwar im Akademiker-Vergleich immer noch überdurchschnittlich aus, aber merklich kleiner als die berufsspezifische Quote von 7,5 Prozent in den Naturwissenschaften. Ähnlich verhält es sich bei Studiengängen rund um Marketing und Werbung mit Arbeitslosenquoten von 6,7 Prozent (berufsspezifisch) bzw. 3,3 Prozent (studienfachbezogen). Auch in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften wird eine Differenzierung deutlich: Dank der Aufgeschlossenheit gegenüber fachfremden Tätigkeitsfeldern verzeichnen Erwerbspersonen mit einem Abschluss der Sprach- und Literaturwissenschaften eine studienfachspezifische Arbeitslosenquote von nur 3,3 Prozent, in den Politikwissenschaften von 3,1 Prozent. Auch für die Geschichtswissenschaften wird mit 4,6 Prozent die berufsspezifische Berechnung relativiert, die für die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften 7,1 Prozent ausweist. Bei den Berufen rund um Redaktion und Journalistik liefern dagegen die studienfach- und berufsspezifische Berechnung der Arbeitslosenquote keine nennenswerten Unterschiede (jeweils 4,3 Prozent).

Regionale Unterschiede

Da die Arbeitsmarktchancen mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Region in Zusam-menhang stehen, fällt die Arbeitslosenquote von Akademikerinnen und Akademikern auch regional betrachtet unterschiedlich aus. Sehr niedrige Arbeitslosenquoten gibt es – wie bei der Gesamtarbeitslosigkeit – im Süden Deutschlands (Abbildung 1.7 – 5).

 Abbildung 1.7 - 5
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In allen Bundesländern sind Akademikerinnen und Akademiker unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen

Arbeitslosenquoten insgesamt und für Akademiker/-innen in Prozent

2021

Landkarten: In allen Bundesländern sind Akademikerinnen und Akademiker unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen

 

In den östlichen Ländern ist die Arbeitslosenquote von Akademikerinnen und Akademikern mit durchschnittlich 3,1 Prozent höher als in Westdeutschland (2,2 Prozent). Auch die Stadtstaaten weisen höhere Arbeitslosenquoten auf. Aber für den Osten Deutschlands und die Stadtstaaten gilt ebenso: Akademische Fachkräfte sind überall weit seltener von Arbeitslosigkeit betroffen als Erwerbspersonen insgesamt. So lag zum Beispiel die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt bei 7,6 Prozent, die der Akademiker bei 2,7 Prozent. In Bremen waren es durchschnittlich 10,7 Prozent gegenüber 3,5 Prozent bei Akademikerinnen und Akademikern.

Arbeitslosigkeit dauert kürzer als bei anderen Qualifikationsgruppen

Akademiker sind im Mittel kürzer arbeitslos als Personen mit geringerer formaler Bildung. Im Vordergrund steht hier die Sucharbeitslosigkeit. 53 Prozent der arbeitslosen Akademikerinnen und Akademikern im Jahr 2021 waren kürzer als ein halbes Jahr arbeitslos (Abbildung 1.7 – 6). Bei Arbeitslosen mit Berufsabschluss lag dieser Anteil erkennbar niedriger (43 Prozent), bei nicht formal Qualifizierten war er nochmals 6 Prozentpunkte kleiner (38 Prozent).

 Abbildung 1.7 - 6
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Anteil der kurzfristig Arbeitslosen ist bei Akademikerinnen und Akademikern am größten

Durchschnittliche bisherige Dauer der Arbeitslosigkeit nach Art der beruflichen Qualifikation

Anteile 2021

Diagramm: Anteil der kurzfristig Arbeitslosen ist bei Akademikerinnen und Akademikern am größten

 

Langzeitarbeitslosigkeit, also ein Jahr Arbeitslosigkeit und länger, war für 25 Prozent der Akademikerinnen und Akademikern ein Thema. Bei Arbeitslosen, die keinen akademischen Abschluss haben, sind die Anteile Langzeitarbeitsloser deutlich höher (bis hin zu 43 Prozent bei Ungelernten).

Arbeitslosigkeit auch im europäischen Vergleich gering

Auch im europäischen Vergleich ist die Arbeitslosenquote von Akademikerinnen und Akademikern in Deutschland eine der geringsten (Abbildung 1.7 - 7). Die ILO-Erwerbslosenquote von Personen mit tertiärer Ausbildung belief sich 2021 in Deutschland auf 2,5 Prozent.4 Nur in Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Polen wurde jeweils eine noch geringere Arbeitslosenquote ermittelt (nicht alle abgebildet). Die höchsten Arbeitslosenquoten wurden in Griechenland und Spanien ermittelt. Der EU-Durchschnitt beläuft sich auf 4,6 Prozent.

Innerhalb der EU variiert die Akademiker-Erwerbslosenquote erheblich, da sie stark von der Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage des jeweiligen Landes abhängt. Gleichwohl ist in allen EU-Ländern die Erwerbslosenquote von Hochschulabsolventen geringer als die Erwerbslosenquote insgesamt. 

 Abbildung 1.7 - 7
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Auch in anderen Ländern sind Akademikerinnen und Akademiker seltener arbeitslos als andere Qualifikationsgruppen

ILO-Erwerbslosenquoten insgesamt und Akademiker/-innen (Fachkräfte ISCED Level 5 bis 8) in Prozent

Ausgewählte Staaten, 2021

Diagramm: Auch in anderen Ländern sind Akademikerinnen und Akademiker seltener arbeitslos als andere Qualifikationsgruppen

Die ILO-Erwerbslosenquote von Personen mit tertiärer Ausbildung belief sich 2020 in Deutschland auf 2,5 Prozent. Nur in Tschechien, Ungarn, Polen und Rumänien wurden jeweils eine noch geringere Arbeitslosenquote ermittelt (nicht alle abgebildet). Innerhalb der EU variiert die Akademiker-Erwerbslosenquote erheblich, da sie stark von der Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage des jeweiligen Landes abhängt. Gleichwohl ist in allen EU-Ländern die Erwerbslosenquote von Hochschulabsolventen geringer als die Erwerbslosenquote insgesamt.

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1 Für die Jahre 2006 bis 2008 liegen keine Angaben zur Akademikerarbeitslosigkeit vor.
Seit dem Jahr 2006 können für Personen mit Fachschul-, Meister- oder Technikerausbildung die Quoten nicht mehr isoliert berechnet werden. Weitergehende Analysen mit ILO-Daten zeigen aber, dass die Erwerbslosenquote für Arbeitskräfte mit diesen Weiterbildungsabschlüssen ähnlich gering oder teilweise sogar geringer ist als die Arbeitslosenquote von Akademikern. Siehe IAB – Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten, 24. Oktober 2016, Nürnberg.
3 Die qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquoten von 1975 bis 2014 beruhen auf Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die Berechnungsmethode unterscheidet sich von der der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, die ab 2015 verfügbar ist. Die Unterschiede in den Quoten sind aber minimal. Näheres siehe: statistik.arbeitsagentur.de > Grundlagen > Methodenberichte > Arbeitsmarkt
4 Diese sind nur für ausgewählte Studienfachrichtungen verfügbar. Siehe Hinweise zu statistischen Angaben.
5 Quelle: Eurostat, Angaben für 2020.Tertiäre Ausbildung: ISCED-2011-Level 5 bis 8. Alter 15 bis 64 Jahre. Näheres zur ILO-Erwerbslosigkeit siehe statistik.arbeitsagentur.de > Grundlagen > Statistik erklärt > Arbeitsuche, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

  

Stand: Juli 2022

1.8 Arbeitskräftenachfrage

PDF-Datei (PDF, 201KB)

Nachfrage erholt sich von coronabedingtem Einbruch

Im Laufe des Jahres 2021 wurden 202.000 Stellenangebote für hoch komplexe Tätigkeiten1 bei der Bundesagentur für Arbeit neu gemeldet (Abbildung 1.8 – 1). Nach einem ununterbrochenen Anstieg von 2014 bis zum Peak im Jahr 20192 war die Arbeitskräftenachfrage 2020 aufgrund der Corona-Pandemie deutlich gesunken. Im Jahr 2021 erreichte die Zahl der neu gemeldeten Stellenangebote wieder das Niveau von 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gingen im Hochqualifizierten-Segment ein Fünftel mehr Stellenangebote ein. Diese Entwicklung ist in ähnlichem Umfang auch bei der Stellenentwicklung insgesamt zu verzeichnen.

Neben den Stellenangeboten mit hochkomplexen Anforderungsprofil wurden weitere 234.000 Offerten gemeldet, die sich an Arbeitsuchende mit einem Meister-, Techniker- oder Bachelorabschluss wandten, zwei Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. 3

Im Monatsdurchschnitt hatte die öffentliche Arbeitsvermittlung damit 60.000 Arbeitsstellen für Tätigkeiten mit hoch komplexen Anforderungen und 85.000 für komplexe Spezialistentätigkeiten im Angebot (Abbildung 1.8 – 1).

Abbildung 1.8 - 1

Kräftenachfrage erreicht nach coronabedingtem Einbruch wieder das hohe Vorkrisenniveau

Gemeldete Arbeitsstellen für Expert/-innen

Diagramm: Kräftenachfrage 2020 coronabedingt eingebrochen

 

Gesamtwirtschaftliche Nachfrage größer als die gemeldete Nachfrage

In Deutschland gibt es keine Meldepflicht für offene Stellen. Deshalb ist der gesamtwirtschaftliche Bedarf an Arbeitskräften größer als die Zahl der gemeldeten Stellen. Nach Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wurden im 4. Quartal 2021 41 Prozent der offenen Stellen bei den Vermittlungseinrichtungen angezeigt. Bei Stellen für hochkomplexe Ex-pertentätigkeiten liegt die Meldequote deutlich niedriger: für knapp 23 Prozent der freien Stellen wurde hier ein Vermittlungsauftrag erteilt. Laut IAB-Stellenerhebung waren im 4. Quartal 2021 rund 121.000 Stellen mit hochkomplexen Anforderungsprofilen zu besetzen. Das war ein plus von 25.000 gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig waren in den Betrieben und Institutionen 208.000 Stellen für komplexe Spezialistenaufgaben zu besetzen (+52.000 gegenüber Vorjahr).

Wirtschaftswissenschaftliche, soziale und IT-Berufe am häufigsten gesucht

Die Liste der „gefragtesten“ Akademikerinnen und Akademiker wurde 2021 angeführt von den Wirtschafts-Experten: Rund 39.000 Stellenangebote für Tätigkeiten in Management, Handel, Finanzen oder Wirtschaftswissenschaften gingen im Laufe des Jahres 2021 bei der Bundesagentur für Arbeit ein (Abbildung 1.8 – 2). Es folgten soziale Berufe, IT-Berufe, das technische Ingenieurwesen und im Kontext der anhaltend guten Baukonjunktur Bau- und Architekturberufe.

Abbildung 1.8 - 2

Die gefragtesten akademischen Berufe

Zugänge gemeldeter Arbeitsstellen (Jahressumme) für Expert/-innen in akademischen Berufen
Deutschland, 2021

Diagramm: Die gefragtesten akademischen Berufe

Deutlichste Erholung der gemeldeten Nachfrage in Marketing und Werbung sowie im Ingenieurwesen

INach dem coronabedingten Einbruch der Nachfrage im Jahr 2020 lag die Nachfrage 2021 in allen Berufen wieder über dem Vorjahr (Abbildung 1.8 – 3).

Prozentual am stärksten sind die Stellenmeldungen gewachsen in Mediengestaltung, Werbung und Marketing sowie im technischen Ingenieurwesen (+60 bzw. +39 Prozent). Hier war 2020 aber auch das größte prozentuale Minus zu verzeichnen gewesen. Besonders deutliche prozentuale Zuwächse gab es darüber hinaus für Informatikberufe sowie Berufe der Wirtschaftswissenschaften (jeweils +30 Prozent). Das geringste Plus wurde für Lehrkräfte (+2 Prozent), Berufe der Rechtswissenschaften (+6 Prozent) sowie Verwaltungsberufe (+9 Prozent) registriert. In beiden zuletzt genannten Berufsgruppen waren die Rückgänge 2020 allerding auch nur unterdurchschnittlich ausgefallen.

Abbildung 1.8 - 3

Erholung der Nachfrage in allen Fachrichtungen sichtbar

Veränderung der Zugänge gemeldeter Arbeitsstellen für Expert/-innen (Jahressumme)
Deutschland, 2021 gegenüber Vorjahr

Diagramm: Corona-Pandemie lässt Nachfrage in allen Fachrichtungen zurückgehen

 

Vakanzzeit als ein Indikator für mögliche Besetzungsprobleme

Die Zeitspanne zwischen dem vom Arbeitgeber gewünschten Besetzungstermin und der tatsäch-lichen Abmeldung eines Stellenangebotes bei der Arbeitsvermittlung, die sogenannte Vakanz-zeit, liefert Anhaltspunkte dafür, wie schnell es Unternehmen gelingt, freie Stellen zu besetzen. Ein hohes Niveau kann einen Engpass signalisieren. Allerdings kann die Vakanzzeit auch von anderen Faktoren beeinflusst werden, zum Beispiel wie zeitig mit der Personalsuche begonnen wird oder wie aufwändig und formal ein Auswahlverfahren gestaltet wird.4

Im Jahr 2020 waren wie bei einem beginnenden Konjunkturabschwung steigende Vakanzzeiten zu beobachten, weil Betriebe Entscheidungsprozesse hinauszögerten, weil zunächst unklar war, wie sich die Lage weiterentwickelt. Die 2020 leicht gestiegenen Vakanzzeiten könnten deshalb für ins Stocken geratene oder sogar auf Eis gelegte Stellenbesetzungsverfahren stehen. Auch veränderte Aufgabenprioritäten im Arbeitgeber-Service der öffentlichen Arbeitsvermittlungen, z. B. in der Beratung und Gewährung von Kurzarbeitergeld, hatten einen merklichen Einfluss. Die sinkenden Vakanzzeiten im Jahr 2021 könnten als Anzeichen für die allmähliche Rückkehr zu „nor-malen“ Stellenbesetzungsprozessen interpretiert werden.

2021 waren Stellen für akademische Expertinnen und Experten durchschnittlich 90 Tage vakant. Das waren 13 Tage weniger als im Vorjahr. Gemeldete Arbeitsstellen für Fachkräfte mit Berufsausbildung wiesen allerdings mit 127 Tagen eine erheblich höhere Vakanzzeit auf.

Zwischen den Berufen gibt es eklatante Unterschiede. Hohe, weit überdurchschnittliche Vakanz-zeiten kennzeichnen die Stellenangebote in Medizin und Pharmazie sowie in Bau und Architektur. Diese können als Indiz für Engpässe bei der Stellenbesetzung gewertet werden (Abbildung 1.8 – 4). Zu der rückläufigen Vakanzzeit von Ingenieurberufen könnte auch die Transformation der Automobilbranche beigetragen haben. Die geschilderten Einflussfaktoren auf die Vakanzzeiten machen jedoch eine eindeutige Interpretation der Daten schwierig.

Abbildung 1.8 - 4

Sehr hohe Vakanzzeiten in Medizin, Bauwesen und Informatik

Durchschnittliche Vakanzzeit gemeldeter sozialversicherungspflichtiger Arbeitsstellen in Tagen, gemessen bei Abmeldung der Stellen, ohne gemeldeten Stellen von Zeitarbeitsunternehmen
Deutschland, 2021, Veränderung gegenüber Vorjahr in Tagen

Diagramm: Sehr hohe Vakanzzeiten in Medizin, Ingenieurwesen und Informatik

 

Engpässe haben wieder zugenommen

Auf Basis eines Indikatorensets, zu dem neben der Vakanzzeit beispielsweise die Arbeitsuchen-den-Stellen-Relation, die berufsspezifische Arbeitslosenquote oder auch die Entwicklung des Entgelts gehören, hat die Engpassanalyse der Bundes¬agentur für Arbeit für das Jahr 2021 ins-gesamt für 35 akademisch geprägte Berufe5 inen Fachkräfteengpass ausgewiesen. Aufgrund der Pandemie hat sich die Anzahl der Engpassberufe zwischenzeitlich deutlich reduziert – 2019 wurden noch 40 ermittelt, 2020 waren es 30 Engpassberufe (Abb. 1.8 – 5).

Bei der Softwareentwicklung schlägt sich die zunehmende Digitalisierung in Fachkräfteengpässen nieder. Engpässe zeigten sich darüber hinaus in ärztlichen und pharmazeutischen Berufen. Außerdem sind Lehrkräfte für die Sekundarstufe sehr gesucht. Des Weiteren traten in der Rechts- und Steuerberatung, im Versicherungswesen und in der Buchhaltung Besetzungsprobleme zu Tage. Auch die Berufsfelder Bau, Gebäudetechnik, Vermessungstechnik, Landschafts-bau sowie Ver- und Entsorgung waren betroffen.

Differenzierte Informationen zu Fachkräfteengpässen im Jahr 2021, auch in nichtakademischen Berufen, sind in der Fachkräfte-Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zu finden. .6

Abbildung 1.8 - 5

Engpassanalyse für 2021: Engpässe unter anderem in Medizin und Informatik

Berufe Fachkräfteengpass (ohne Bewertung der Dringlichkeit eines Engpasses)
Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit 2021

  • Informatik (vor allem in der Softwareentwicklung)
  • Medizin, Tiermedizin, Pharmazie
  • Heilerziehungspflege
  • Lehrkräfte in der Sekundarstufe
  • Bau, Landschaftsbau, Gebäudetechnik, Vermessungstechnik
  • Rechtsanwalt/-anwältin, Finanzanalyst/-in, Steuerberater/-innen, Versicherungskaufleute
  • Luft- und Raumfahrttechnik
  • Überwachung des Verkehrsbetriebs
  • Ver- und Entsorgung, Wasserwirtschaft

Außerdem:

  • 41 Berufe auf Spezialistenniveu (Meister, Techniker, Bachelor)
  • 72 Berufe auf Fachkräfteniveau (betriebliche oder schulische Berufsausbildung)

 

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1 Das Merkmal (Fach-)Hochschulabschluss ist in der Statistik der gemeldeten Stellen nicht vorhanden. Deshalb werden hier Stellen mit dem Anforderungsniveau 4 – hoch komplexe Tätigkeiten (Experte) zu Grunde gelegt. Voraussetzung für die Ausübung einer solchen Tätigkeit sind Kenntnisse und Fertigkeiten, die einem mindestens vierjährigen (Fach-)Hochschulabschluss entsprechen oder damit vergleichbar sind.

2 Vergleichbaren Angaben liegen ab dem Jahr 2007 vor.

3 Stellenangebote mit dem Anforderungsniveau 3 – komplexe Spezialistentätigkeiten (Spezialisten). Eine Differenzierung nach Meister-, Techniker oder Hochschulausbildung ist nicht möglich. Siehe auch Hinweise zu statistischen Angaben.

4 Die Qualität der Kennziffer hängt unter anderem davon ab, mit welchem zeitlichen Vorlauf Arbeitgeber Stellenangebote melden und wie schnell sie die Arbeitsvermittlung über die erfolgreiche Besetzung freier Stellen informieren. Engpässe lassen sich nicht an einem einzelnen Indikator ablesen. Vielmehr ist zu empfehlen, dass ein Set an Indikatoren herangezogen wird (vgl. BA-Fachkräfteengpassanalyse).

5 Berufsgattungen (Fünfsteller) der KldB 2010 mit Anforderungsniveau 4 - Experte

6 statistik.arbeitsagentur.de > Themen im Fokus > Fachkräftebedarf

 

Stand: Juli 2022

1.9 Akademischer Nachwuchs

PDF-Datei (PDF, 184KB)

Wie viele Jungakademikerinnen und -akademiker zukünftig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden, wird beeinflusst durch die demografische Entwicklung, die Studierneigung junger Menschen, Ausmaß und Struktur von Zu- und Abwanderung oder auch Reformen des Bildungssystems.

Demografisch bedingt geht mittelfristig die Zahl junger Menschen zurück. Dies könnte aber durch die gestiegene Studierneigung oder durch Zuwanderung ausgeglichen werden. Die BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen1 rechnen damit, dass bis 2040 wesentlich mehr Akademikerinnen und Akademiker ins Erwerbsleben eintreten als ausscheiden. Der Nachwuchs an akademischen Arbeitskräften dürfte insgesamt den Ersatzbedarf übersteigen. Da jedoch der wirtschaftliche Strukturwandel zusammen mit der fortschreitenden Digitalisierung einen steigenden Bedarf an akademisch gebildeten Arbeitskräften mit sich bringen dürfte, könnten die Hochschulabsolventen der nächsten Jahre auf dem Arbeitsmarkt auch nachgefragt werden. Längerfristig bleibt allerdings laut BIBB und IAB offen, ob alle Hochschulabsolventinnen und -absolventen eine ihrer Qualifikation entsprechende Beschäftigung werden finden können. Arbeitskräfteengpässe könnten sich dagegen vor allem in IT-Berufen sowie in Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialberufen ergeben.

Studierendenzahl bleibt auf sehr hohem Niveau

Insgesamt waren im Wintersemester 2021/22 rund 2,9 Millionen Studierende immatrikuliert.2 Das waren geringfügig mehr als im Vorjahr und knapp ein Viertel mehr als zehn Jahre zuvor. Damit erreichte die Studierendenzahl ein neues Allzeithoch.

Studienanfängerzahl sinkt leicht

472.000 Personen, davon 52 Prozent Frauen, nahmen im Studienjahr 2021/22 ein Studium in Deutschland auf. Die Zahl der Neueinschreibungen fiel damit 4 Prozent geringer aus als im Vorjahr.

Nach Phasen der Stagnation in den 1990er Jahren und von 2004 bis 2006 erlebten die Studienanfängerzahlen von 2007 bis zum Allzeithoch im Studienjahr 2011/12 einen rasanten Aufwärtstrend. 2011/12 gab es – bedingt vor allem durch die Aussetzung der Wehrpflicht und „doppelte Abiturjahrgänge“ – mit fast 519.000 die meisten Studienanfängerinnen und Studienanfänger (Ab-bildung 1.9 – 1). Bis zur Corona-Pandemie bewegten sich die Einschreibungszahlen stabil auf sehr hohem Niveau. 2021/22 ist wiederholt ein merklicher Rückgang und die geringste Einschreibungszahl seit 2011 zu verzeichnen.

Bezogen auf die Bevölkerung hat rund jede/-r Zweite ein Studium aufgenommen. Die Studienanfängerquote lag 2020 bei 47 Prozent.3 Von den jungen Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit begannen sogar 53 Prozent ein Studium. An diesen Kennzahlen lässt sich die Bildungsexpansion der letzten Jahre ablesen: 2005 begann nicht einmal ganz jede/-r Dritte ein Studium (32 Prozent insgesamt, Deutsche 34 Prozent).

 Abbildung 1.9 - 1

Studienanfänger- und Absolventenzahlen pandemiebedingt auf hohem Niveau rückläufig

Studierende im 1. Hochschulsemester und bestandene Prüfungen (ohne weiterstudierende Bachelor)
Ab 2022 Vorausberechnung der Kultusministerkonferenz, Veränderungen gegenüber Vorjahr

Diagramm: Studienanfänger- und Absolventenzahlen bleiben auf hohem Niveau

 

Auch in den nächsten Jahren viele Erstsemester

Die Kultusministerkonferenz geht in ihrer 2021 veröffentlichten Vorausberechnung der Studienanfängerzahlen bis 2030 von relativ stabilen Neueinschreibungszahlen aus.4 Abgesehen von den Jahren 2025 bis 2027, in denen in einigen Ländern die Rückkehr zum neunjährigen Abitur zum Tragen kommt, erwartet sie jeweils Neueinschreibungen zwischen 480.000 bis 490.000. Für das letzte Jahr der Vorausschau 2030 werden 490.000 Studienanfängerinnen und -anfänger berechnet. Die KMK weist darauf hin, dass durch die Akademisierung weiterer Berufsfelder wie beispielsweise der Gesundheits- und Pflegeberufe die Studierendenzahlen über diesen Angaben liegen könnten. Auch Trends wie die Digitalisierung oder lebenslanges Lernen könnten die Bedeutung der akademischen Bildung weiter steigern.

Viele akademische Nachwuchskräfte

2020 wurden rund 477.000 erfolgreiche Hochschulprüfungen abgelegt. Das war nach dem Re-kordstand des Vorjahres coronabedingt ein Minus von 6 Prozent. Bis dahin war seit Anfang des Jahrtausends die Zahl der ausgewiesenen Hochschulprüfungen kontinuierlich gestiegen. Gegen-über 2011 ist die Zahl immer noch um 22 Prozent erhöht. Allerdings ist diese Steigerung mit Zurückhaltung zu bewerten. Ein Teil des Anstiegs wurde auch dadurch hervorgerufen, dass mit den Bachelorprüfungen eine neue Prüfungsart eingeführt wurde, für die vorher kein Pendant existierte. Mehr als die Hälfte der Prüfungen führte 2020 zu einem Bachelorabschluss (53 Prozent).5. 2010 lag ihr Anteil noch bei einem Drittel, 2011 bereits bei 40 Prozent. Nur der kleinere Teil startet sofort nach dem Bachelorabschluss in das Berufsleben, viele setzen das Studium fort. Nach Befragungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschafts-forschung (DZHW) nahmen 82 Prozent der Uni-Absolventen nach dem Bachelor ein Masterstudi-um in Angriff; an den Fachhochschulen war es mit 44 Prozent knapp jeder Zweite.6

Deshalb ist die Zahl der akademischen Berufseinsteiger deutlich kleiner als die Prüfungszahl vermuten lässt und es ist sinnvoll, die Angaben ohne die weiter studierenden Bachelor zu betrachten: Die dem Arbeitsmarkt neu zur Verfügung stehende Absolventenzahl dürfte 2020, so berechnet, rund 333.000 betragen haben. Das waren 11 Prozent mehr als 2011 (statt 22 Prozent, berechnet mit der unbereinigten Prüfungszahl). Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Berufseinsteiger um 7 Prozent verringert (Abbildung 1.9 - 2).

Vor dem Hintergrund bis 2019 konstant hoher Studienanfängerzahlen ist zu erwarten, dass die Zahl der Absolventinnen und Absolventen in den nächsten Jahren auf ähnlichem Niveau bleiben wird.

Langfristige Zuwächse vor allem in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Um einzuschätzen, wie viele Absolventinnen und Absolventen in den einzelnen Fächergruppen dem Arbeitsmarkt jeweils neu zur Verfügung standen, sind bei den nachfolgend betrachteten Prüfungszahlen die Bachelorprüfungen rechnerisch herausgenommen, bei denen sich ein Masterstudium anschließt.

Mit einem Anteil von nahezu 40 Prozent haben die meisten Nachwuchsakademikerinnen und
-akademiker 2020 ein Studium der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften abgeschlossen. Im Vergleich zum Jahr 1993 hat sich ihre Zahl auf 131.000 verdoppelt. Gegenüber dem Vorjahr gab es coronabedingt ein Minus von 6 Prozent (Abbildung 1.9 – 2).

Abbildung 1.9 - 2

Aufgrund der Pandemie 2020 in allen Fachrichtungen zurückgehende Absolventenzahlen, langfristig aber überall eine starke Zunahme

Bestandene Prüfungen ohne weiterstudierene Bachelor
Veränderung zum Vorjahr bzw. zu 1993 in Klammern

Diagramm: Eine starke Zunahme des akademischen Nachwuchses zeigt sich langfristig in allen Fächergruppen

 
Knapp jede vierte Absolventin bzw. jeder vierter Absolvent hatte ein ingenieurwissenschaftliches Fach oder Informatik studiert. Mit 79.000 Nachwuchs-Technikerinnen und Technikern waren dies um die Hälfte mehr als 1993. Die viel diskutierten Fachkräfteengpässe beim Ingenieurberuf resultierten in erster Linie aus dem Einbruch der Absolventenzahlen in den Jahren ab 1997. Seit 2003 hat die Zahl der Berufseinsteigerinnen und -einsteiger stetig zugenommen und erreichte 2019 den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. In Folge der Coronakrise ist 2020 ein Rückgang von 7 Prozent zu verzeichnen.

38.000 Absolventinnen und Absolventen der Mathematik und der Naturwissenschaften standen 2020 dem Arbeitsmarkt neu zur Verfügung. Das entspricht einem Anteil von 11 Prozent aller akademischen Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern. Seit 2004 haben die Nachwuchszahlen kontinuierlich zugenommen. Im Vergleich zu 1993 gibt es einen Zuwachs von 46 Prozent zu vermelden. Gegenüber dem Vorjahr ist ihre Zahl um 9 Prozent gesunken.

Mit ebenfalls 38.000 legten 2020 weitere 11 Prozent aller Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger eine Abschlussprüfung in den Geisteswissenschaften ab. Das Interesse an dieser Fächergruppe hat stark zugenommen – gegenüber 1993 hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt. 2020 gab es ein Minus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

In der Fächergruppe Humanmedizin, Gesundheitswissenschaften fällt die Entwicklung über die Jahre vergleichsweise bescheiden aus. Dabei spielt die Steuerung über Zulassungsbeschränkungen in der Medizin eine große Rolle. Das langfristige Plus von 29 Prozent geht weit überwiegend auf das Konto der Gesundheitswissenschaften, während die Prüfungszahlen in der Humanmedizin lange Zeit stagnierten oder sogar zurückgingen.

Bachelor und Master sind zum Regelabschluss geworden

Peu à peu haben Bachelor und Master die traditionellen akademischen Abschlüsse überholt. Im Wintersemester 2021/22 führten 92 Prozent aller Studiengänge zu einem Bologna-Abschluss. An Fachhochschulen liegt die Quote sogar bei 99 Prozent, an Universitäten bei 89 Prozent.7 Die meisten der nicht umgestellten Studiengänge sind solche, die mit Staatsexamen abschließen oder im Zuständigkeitsbereich der Kirchen liegen. Eine Umstellung ist nicht geplant.

88 Prozent der Studienanfängerinnen und -anfänger strebten im Wintersemester 2020/21 einen Bachelor- oder Masterabschluss an, während 3 Prozent einen „klassischen“ Lehramtsabschluss zum Ziel hatten, 8 Prozent ein Staatsexamen oder einen sonstigen universitären Abschluss und 2 Prozent eine Promotion.8 Auch bei den Studierenden und den Prüfungen sind mittlerweile mehr als vier von fünf einem gestuften Studiengang zuzuordnen. Dabei entfiel gut die Hälfte der Prüfungen auf Bachelor- und ein knappes Drittel auf Masterabschlüsse. (Abbildung 1.9 – 3).

Abbildung 1.9 - 3

Bachelor und Master haben sich zum Regelabschluss entwickelt

Anteile Bachelor und Master an allen Studierenden / bestandenen Prüfungen

Diagramm: Bachelor und Master haben sich zum Regelabschluss entwickelt

 

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1 Quelle: BIBB Report 4/2020.
2 Quelle: Statistisches Bundesamt; vorläufige Ergebnisse.
3 Statistisches Bundesamt, Fachserie 11, Reihe 4.3. ohne Bildungsausländer, d. h. ohne Ausländer, die ihre Hochschulzugangsberechtigung nicht in Deutschland erworben haben.
4 KMK: Vorausberechnung der Studienanfängerzahlen 2019-2030 vom Mai 2021.
5 Einschließlich Lehrämter.
6 Quelle: DZHW: Forum Hochschule 1/2016, Absolventenjahrgang 2013.
7 Quelle: Hochschulrektorenkonferenz: Statistiken zur Hochschulpolitik 1/2020
8 Studienanfänger - Studierende im 1. Fachsemester. Die Zahl der Bachelor- und Masterprüfungen schließt jeweils auch Lehramtsstudierende mit Bachelor- oder Masterprüfung ein. 

 

Stand: Juli 2022

1.10 Berufseinstieg mit Bachelorabschluss

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Bachelor und Master sind am Arbeitsmarkt angekommen. Laut Mikrozensus verfügten 2021 rund 3,4 Millionen Erwerbstätige über einen Bologna-Abschluss. Davon hatten 1,9 Millionen einen Bachelorabschluss und rund 1,5 Millionen einen Master.

Eine umfassende Befragung des Absolventenjahrganges 2013 schätzt die Arbeitsmarktakzeptanz im Großen und Ganzen positiv ein.1 Gleichwohl zeigen sich auch Schwierigkeiten beim Berufseinstieg, die vor allem bei Uni-Absolventinnen und Absolventen mit Bachelorabschluss häufiger zu Tage treten.

Die Mehrheit der Uni-Bachelor schließt ein Masterstudium an

Vor allem den Studierenden an einer Universität reicht ein Bachelorabschluss nicht aus. Der weit überwiegende Teil startet nach der Bachelorprüfung nicht in das Berufsleben, sondern schreibt sich in einen Masterstudiengang ein. Vier von fünf Uni-Absolvent/-innen haben in den eineinhalb Jahren nach ihrem Bachelorabschluss ein Masterstudium begonnen; bei den Fachhochschulabsolventen war es knapp jeder Zweite (Abbildung 1.10 – 1). Besonders hoch ist der Anteil der Weiterstudierenden in den Ingenieurwissenschaften, den Naturwissenschaften und den Lehrämtern. Darüber hinaus plant jeder fünfte Fachhochschulbachelor zu einem späteren Zeitpunkt den Master nachzuholen; bei Uni-Bachelor beträgt dieser Anteil 8 Prozent.
Für die Hälfte der Studierenden an einer Universität stand bereits vor dem Bachelorstudium fest, anschließend ein Masterstudium aufzunehmen. Lediglich 9 Prozent haben sich erst nach dem Abschluss für ein Weiterstudieren entschieden. An den Fachhochschulen wurde die Entscheidung für ein Masterstudium mehrheitlich erst während des Studiums (56 Prozent) oder nach dem Studium (30 Prozent) getroffen.
Im positiven Fall können diese „späten“ Entscheidungen dafür stehen, dass sich bei den Ba-chelorstudierenden das fachliche Interesse im Laufe des Studiums erhöht hat und der Wunsch nach Vertiefung entstanden ist. Im negativen Fall kann die Entscheidung für ein Masterstudium Ausdruck von Problemen sein, mit dem Bachelorabschluss eine passende Arbeitsstelle zu finden. Tatsächlich begründeten Fachhochschulabsolvent/-innen, die sich erst nach dem Bachelorabschluss für ein Weiterstudieren entschieden haben, ihre Entscheidung häufiger damit, dass es ein zu geringes Stellenangebot gäbe und dass Unternehmen häufig Berufserfahrung, Spezialkenntnisse oder einen anderen Abschluss fordern.

Abbildung 1.10 - 1

Die meisten Universitätsbachelor studieren weiter im Gegensatz zu Fachhochschulbachelor

Verbleib von Bachelorabsolvent/-innen eineinhalb Jahre nach
Studienabschluss, Anteile in Prozent

Diagramm: Die meisten Universitätsbachelor studieren weiter im Gegensatz zu Fachhochschulbachelor

Arbeitslosigkeit spielt beim Berufseinstieg kaum eine Rolle

Spiegelbildlich zu den unterschiedlichen Übergangsquoten in ein Masterstudium ergibt sich bei den Fachhochschulbachelor eine mit 65 Prozent relativ hohe Erwerbstätigenquote. Von den Universitätsbachelor wird dagegen nur ein kleiner Teil im Zeitraum von anderthalb Jahren nach dem Bachelorabschluss erwerbstätig (25 Prozent).2
Positiv festzuhalten ist, dass Praktika und Übergangstätigkeiten wie Jobben oder Honorartätig-keiten beim Berufseinstieg kaum eine Rolle spielen. Auch Arbeitslosigkeit tritt nur selten auf. Die Arbeitslosenquote lag für Fachhochschulabsolventen bei 3 Prozent, für Uni-Absolventen sogar bei nur 2 Prozent. 3 Allerdings bestätigen sich die größeren Schwierigkeiten der Sprach- und Kul-turwissenschaftler/-innen beim Berufseinstieg, die von den klassischen Abschlüssen her bekannt sind.
Der Anteil Arbeitsloser lag hier mit 7 Prozent (Fachhochschulen) und 5 Prozent (Uni) über dem Durchschnitt. Auch Übergangstätigkeiten, Praktika und Volontariate nahmen in diesem Berufs-feld einen größeren Raum ein (FH 13 Prozent, Uni 14 Prozent).

Fachhochschulbachelor häufiger in adäquater Beschäftigung

Als Qualitätskriterien der Erwerbstätigkeit können Aussagen zur Adäquanz der Beschäftigung, zum Einkommen und zur individuellen Gesamtzufriedenheit herangezogen werden.
Die Mehrheit der erwerbstätigen Bachelor übt ca. eineinhalb Jahre nach dem Studium eine Tätig-keit aus, deren Anforderungen einem Hochschulabschluss entsprechen (Abbildung 1.10 – 2). Dabei sind Fachhochschulbachelor mit 80 Prozent häufiger adäquat beschäftigt als Universi-tätsbachelor mit 69 Prozent. Dieser große Unterschied hängt auch mit dem unterschiedlichen Fächermix von Universitäten und Fachhochschulen zusammen. Nach Fachrichtungen betrachtet schnitten die Geisteswissenschaften am schlechtesten ab. Hier gingen 32 Prozent einer Arbeit nach, die keinen Hochschulabschluss erforderte. Auch in den Wirtschaftswissenschaften ist rund jeder Vierte unterwertig beschäftigt. Die besten Ergebnisse waren für Ingenieurabsolvent/-innen der Fachhochschulen zu verzeichnen.

Abbildung 1.10 - 2

Die Mehrzahl der Bachelor übt eine adäquate Tätigkeit aus

Einschätzung des Adäquanzniveaus der aktuellen Tätigkeit, Anteile in Prozent
Bachelorabsolvent/-innen ca. eineinhalb jahre nach dem Abschluss

Diagramm: Die Mehrzahl der Bachelor übt eine adäquate Tätigkeit aus

 

Einstiegsgehälter bei Fachhochschulbachelor höher

Das durchschnittliche Vollzeit-Jahresgehalt belief sich ca. eineinhalb Jahre nach dem Universitätsstudium auf 33.200 Euro. Das Einkommen von Fachhochschulbachelor fiel mit 39.100 Euro höher aus. Diese Abstufungen zwischen den Verdiensten zeigen sich in allen Fachrichtungen. Zu den besseren Verdienstaussichten von Fachhochschulabsolvent/-innen trägt bei, dass überproportional viele bereits mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in ihr Studium gestartet sind. Sie verfügten somit über Berufserfahrung und waren älter als ihre Kommilitonen von Universitäten. Unabhängig davon überrascht es nicht, dass die Ingenieurwissenschaften die höchsten Einstiegsgehälter erzielen und Geisteswissenschaften die geringsten.

Hohe Berufszufriedenheit in den Ingenieurwissenschaften

Fachhochschulbachelor waren eineinhalb Jahre nach dem Studium etwas häufiger (sehr) zufrieden mit ihrer beruflichen Situation als Hochschulbachelor (59 Prozent versus 52 Prozent). Ausdrücklich unzufrieden war bei beiden Hochschularten nur eine Minderheit von 15 bzw. 14 Prozent. Hohe Unzufriedenheitswerte gab es in den Geisteswissenschaften und den Sozial- und Politikwissenschaften, wo jeder vierte bis fünfte wenig bzw. überhaupt nicht zufrieden war. Insbesondere im Hinblick auf Einkommen und Aufstiegsmöglichkeiten herrschte hier Unzufriedenheit. Deutlich höhere Zufriedenheitswerte wurden dagegen in den Ingenieurwissenschaften registriert, gefolgt von den Wirtschaftswissenschaften und Lehrämtern.

Vielfältige Einsatzbereiche in Technik und Wirtschaftswissenschaften

Die Unternehmen in Deutschland sehen für Bachelorabsolvent/-innen eine weite Palette von Einsatzfeldern vor. Ingenieure werden am häufigsten in der Konstruktion, in Forschung und Entwicklung oder in Marketing und Vertrieb eingesetzt.4 Es folgen Produktion, Beratung, Schulung und Kundendienst sowie Montage und fertigungsnahe Dienste (Abbildung 1.10 - 3). Es gibt allerdings auch Restriktionen. So zeigen sich Arbeitgeber zurückhaltend gegenüber Bachelorabsolventen, wenn es um forschungsintensive Aufgaben geht oder vertiefte Spezialkenntnisse gefordert sind.5

 Abbildung 1.10 - 3

Einsatzbereiche für Bachelor (Technik)

Anteile der Unternehmen, die Bachelor in diesen Bereichen einsetzen

Diagramm: Einsatzbereiche für Bachelor (Technik)


Vier von fünf Unternehmen, die Wirtschaftswissenschaftler mit Bachelorabschluss eingestellt haben, nennen Rechnungswesen, Controlling und Marketing, Marktforschung und Vertrieb als wichtigste Einsatzbereiche. Wirtschaftswissenschaftler/-innen arbeiten häufig auch in betriebs- und volkswirtschaftlichen Abteilungen, im Personalwesen, im Finanzmanagement, Einkauf, Öffentlichkeitsarbeit oder in der Assistenz der Geschäftsleitung (Abbildung 1.10 - 4).

Abbildung 1.10 - 4

Einsatzbereich für Bachelor (Wirtschaftswissenschaften)

Anteile der Unternehmen, die Bachelor in diesen Bereichen einsetzen

Diagramm: Einsatzbereiche für Bachelor (Wirtschaftswissenschaften)

 

Projektaufgaben und Sachbearbeitung als Einstieg

In der Regel werden die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger mit der eigenständigen Bearbeitung einer Projektaufgabe betraut oder sie arbeiten in der Sachbearbeitung nach Anweisung. Die Mehrheit der Unternehmen, die derzeit Bachelor beschäftigen, sehen hierin Einstiegspositionen. Nicht selten bekommen Bachelor auch die Gesamtverantwortung für ein Projekt ohne Personalführung übertragen (in 43 Prozent der Unternehmen), selten dagegen mit Personalverantwortung (14 Prozent). Für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger mit Masterabschluss werden diese Positionen zwar etwas häufiger vorgesehen (54 bzw. 22 Prozent); insgesamt sind jedoch Aufgaben mit hoher Verantwortung die Ausnahme für Berufsanfänger/-innen, egal, welchen Abschluss sie haben.

Karriere ist mit dem Bachelorabschluss möglich, aber es gibt auch Restriktionen

Auch mit dem Bachelorabschluss kann man Karriere machen. So gibt es in zwei von drei Unternehmen, die Bachelor beschäftigen, bereits welche, die als Abteilungsleiter/-innen arbeiten. In mehr als vier von fünf Betrieben haben Bachelorabsolvent/-innen die Position der Projektleitung erreicht. Allerdings gibt es durchaus Karrierepositionen, die Bachelorabsolventen verschlossen bleiben. So gibt es in jedem fünften Unternehmen, das mehr als 250 Beschäftigte hat, Aufgaben, für die ein höherer Studienabschluss erwartet wird. Oft betrifft das oberste Führungskräfte wie Vorstand oder Geschäftsführung, manchmal aber auch das mittlere Management. Auch wissenschaftsnahe oder sehr spezialisierte Fach- und Leitungsaufgaben können Bewerber/-innen mit Masterabschluss oder Promotion vorbehalten sein.

Leistungsmotivation ist entscheidend

Wenn es um die Auswahl für höhere Fach- und Führungspositionen geht, spielt die Art des Abschlusses zwar eine Rolle, aber nicht die größte: Für knapp jedes vierte Unternehmen ist ein Masterabschluss sehr wichtig oder eher wichtig, während für ähnlich viele Unternehmen die Abschlussart völlig unwichtig ist. Die Hälfte der Betriebe schätzt die Art des Abschlusses und des besuchten Hochschultyps als eher unwichtig ein. Viel zentraler für einen beruflichen Aufstieg sind Leistungsmotivation, die Identifikation mit den Zielen des Unternehmens und die Kommunikationsfähigkeit. Andere motivieren zu können und führen zu wollen, ist ebenfalls entscheidend für einen beruflichen Aufstieg; ebenso wie Bewährung im Unternehmen und Bereitschaft zur Weiterbildung (Abbildung 1.10 – 5).

 Abbildung 1.10 - 5

Formaler Abschluss eher zweitrangig für die Karriere- Leistungsmotivation der Identifikation sind wichtiger

Auswahlkriterien für höhere Fach- und Führungspositionen, Anteile in Prozent

Diagramm: Formaler Abschluss eher zweitrangig für die Karriere − Leistungsmotivation oder Identifikation sind wichtiger

 

Fazit: Bachelor als neuer Abschluss akzeptiert

Zusammengefasst zeigen die Ergebnisse: Die pauschale Befürchtung, der Bachelorabschluss vermittle keine Berufsbefähigung, ist unbegründet. Viele Unternehmen beschäftigen Bachelorabsolvent/-innen und auch ein beruflicher Aufstieg ist möglich. Beim Berufseinstieg und den Beschäftigungschancen zeigt sich allerdings eine ähnliche Abstufung der Fachrichtungen wie bei den herkömmlichen Abschlussarten: In den MINT-Fächern gibt es überdurchschnittlich gute Chancen, in den Sprach-, Kultur- und Geisteswissenschaften ist es schwieriger, denn hier sind einschlägige Arbeitsplätze rar. Im Vergleich der Hochschularten gelingt der Berufsstart den Fachhochschulbachelor besser als den Bachelor von Universitäten.

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1 DZHW: Forum Hochschule 1/2016.
2 Aufgrund des relativ langen Befragungszeitraumes von etwa eineinhalb Jahren und nicht immer fließender Übergänge zwischen Studium und Erwerbstätigkeit ergeben sich durch Mehrfachnennungen Anteile von erwerbstätig gewordenen Absolventen und Masterstudierenden von zusammen über 100 Prozent.
3 Die Angaben in diesem Absatz beziehen sich auf die Befragung des Absolventenjahrgangs 2009, da für den Absolventenjahrgang 2013 keine entsprechenden Angaben veröffentlicht sind. Quelle: HIS: Forum Hochschule 17/2011.
4 Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft:, Institut der deutschen Wirtschaft Köln: Karrierewege für Bachelorabsolventen, Essen 2015. Die Befragung richtet sich nur an Absolventen der Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften.
5 Qualitative Interviews mit Großunternehmen in: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Hochschulinformationssystem (HIS), Institut der deutschen Wirtschaft Köln: Mit dem Bachelor in den Beruf – Arbeitsmarktbefähigung und -akzeptanz von Bachelorstudierenden und -absolventen, Essen 2011.

 

Stand: Juli 2022

1.11 Berufseinstieg mit Masterabschluss

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Nach drei bis vier Monaten sind die meisten erwerbstätig

Mit 88 Prozent übte die Mehrzahl der Masterabsolventinnen und -absolventen des Absolventenjahrgangs 2013 eineinhalb Jahre nach dem Studium eine Erwerbstätigkeit aus. An den Fachhochschulen, an denen die Promotion seltener ist, waren es sogar 95 Prozent.

Rund drei bis vier Monate haben die Master durchschnittlich nach einer Stelle gesucht. Am kürzesten war die Suchzeit bei Absolventinnen und Absolventen der Informatik sowie von Architektur und Bauingenieurwesen. Mit bis zu sechs Monaten dauerte dagegen die Suche in den Sozial- und Politikwissenschaften, in den Geisteswissenschaften, in Psychologie, Pädagogik oder auch bei Wirtschaftswissenschaftlern von Fachhochschulen etwas länger.

Mehrheit ist adäquat beschäftigt

Mit Blick auf die Adäquanz der ausgeübten Tätigkeit hat sich der Masterabschluss vor allem für Universitätsabsolventinnen und -absolventen gelohnt. Gaben noch lediglich 69 Prozent der Uni-Bachelor an, eine Tätigkeit auszuüben, für die ein Hochschulabschluss notwendig war, stieg dieser Anteil bei den Uni-Masterabsolventinnen und -absolventen auf 94 Prozent. Allerdings waren darunter 8 Prozent, für deren Aufgabenwahrnehmung auch ein Bachelorabschluss ausgereicht hätte (Abbildung 1.11 – 1). Nur für die Tätigkeit von 5 Prozent der Uni-Master wäre ein Hochschulabschluss vollständig entbehrlich gewesen. Auch bei den Masterabsolventinnen und -absolventen von Fachhochschulen übte mit 92 Prozent der Großteil eine Tätigkeit aus, die einen Hochschulabschluss erforderte. Aber 21 Prozent hätten ihre Stelle auch mit Bachelorabschluss erhalten, so dass sich nur 71 Prozent als abschlussadäquat beschäftigt sahen.

Uni-Master bringt deutlichen Gehaltsgewinn gegenüber dem Uni-Bachelor

Das durchschnittliche Jahreseinkommen von vollzeiterwerbstätigen Masterabsolvent/-innen von Universitäten übersteigt mit 43.600 Euro das ihrer Uni-Kommiliton/-innen mit Bachelorabschluss (33.200 Euro) deutlich. Der Gehaltsunterschied zwischen Bachelor (39.100 Euro) und Master an Fachhochschulen (44.100 Euro) fällt bei Weitem nicht so groß aus. Aus der Einkommensperspektive zahlt sich also offensichtlich vor allem für Studierende an einer Universität ein Masterstudium aus, während Absolvent/innen von Fachhochschulen bereits mit Bachelorabschluss vergleichsweise viel verdienen und der Master nur noch einen kleineren Gehaltszuwachs bringt. Letzten Endes sind aber die Einkommensunterschiede zwischen Uni-Master und FH-Master geringfügig.

Hinsichtlich der Fachrichtungen ergibt sich die gleiche Abstufung wie bei den Bachelorstudiengängen. Die höchsten Einkommen werden in den Ingenieurwissenschaften erzielt, gefolgt von der Informatik und den Wirtschaftswissenschaften.

Merklich geringer sind die Gehälter dagegen in den Geistes- sowie Sozial- und Politikwissenschaften.

Abbildung 1.11 - 1

Mehrheit der Master abschlussadäquat beschäftigt, für jeden fünften FH-Master hätte aber ein Bachelor genügt

Einschätzung des Adäquanzniveaus der aktuellen Tätigkeit, Anteile in Prozent
Masterabsolvent/-innen ca. eineinhalb Jahre nach dem Abschluss

Diagramm: Mehrheit der Master abschlussadäquat beschäftigt, für jeden fünften FH-Master hätte aber ein Bachelor genügt

 

Master häufiger zufrieden als Bachelor

Bei den Masterabsolvent/-innen ist der Anteil derjenigen, die mit ihrer beruflichen Situation zufrieden sind, bei beiden Hochschularten höher als bei den Bachelorabsolventen. Lediglich
11 bzw. 13 Prozent zeigen sich explizit unzufrieden (Abbildung 1.11 – 2). Die meisten negativen Einschätzungen gibt es in den Sozial- und Politikwissenschaften, gefolgt von den Geisteswissenschaften und der Psychologie und Pädagogik. Die Bewertungen dieser seit jeher für ihre schwierigere Marktposition bekannten Studienfächer führen dazu, dass der Anteil der zufriedenen Masterabsolventen von Universitäten insgesamt geringer ausfällt als an Fachhochschulen. Vergleicht man aber die großen Fächergruppen Ingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften und Informatik miteinander, die an beiden Hochschularten gelehrt werden, bewerten die Universitätsmaster ihre Situation häufiger positiv als Fachhochschulmaster.

 Abbildung 1.11 - 2

Master häufiger zufrieden als Bachelor

Zufriedenheit mit der beruflichen Situation, Anteile in Prozent
Absolvent/-innen ca. eineinhalb Jahre nach dem Abschluss

Diagramm: Master häufiger zufrieden als Bachelor

Master gut positioniert, aber Unterschiede nach Studienfächern

Insgesamt bestätigt die Befragung, dass der Master als neue Abschlussart gut positioniert ist. Ein wenig verhaltener scheint sich die berufliche Situation dabei für die Masterabsolvent/-innen von Fachhochschulen darzustellen. Hier fallen die Vorteile gegenüber dem FH-Bachelorabschluss nicht so deutlich aus wie bei den Absolvent/-innen von Universitäten. Das liegt aber auch daran, weil der FH-Bachelor am Arbeitsmarkt besser platziert ist als der Uni-Bachelor. Im Vergleich der Hochschularten schneidet der Universitätsmaster in Punkto Adäquanz der ausgeübten Tätigkeiten oder beruflicher Zufriedenheit etwas besser ab als der Master von Fachhochschulen.

Entscheidender als die Hochschulart ist für den beruflichen Erfolg und die Berufszufriedenheit nach wie vor das Studienfach. Ähnlich wie beim Bachelor­abschluss oder auch beim traditionellen Diplomabschluss fällt es Absolvent/-innen der Informatik, der Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaften in der Regel deutlich leichter sich am Markt zu etablieren als den Absolventinnen und Absolventen der Geistes- oder Gesellschaftswissenschaften.

 

Stand: Juli 2022