Statistik der Bundesagentur für Arbeit

Statistik erklärt: Beschäftigung

Hier finden Sie häufig gestellte Fragen rund um das Thema "Beschäftigung"

Arbeitslosenstatistik und Beschäftigungsstatistik nach Wirtschaftszweigen

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht regelmäßig Daten für Wirtschaftszweige bzw. Branchen, beispielsweise zum Baugewerbe oder zur Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit). Umfassende Publikationen stehen insbesondere für die Beschäftigungsstatistik und die Statistik der gemeldeten Arbeitsstellen zur Verfügung. Auch in der Arbeitslosenstatistik werden Daten für Branchen veröffentlicht.

Hier lassen sich Aussagen darüber treffen, in welcher Branche Arbeitslose tätig waren bevor sie arbeitslos wurden bzw. in welcher Branche sie eine Beschäftigung aufnehmen, wenn sie die Arbeitslosigkeit beenden.

Sie finden bei uns detaillierte Daten für Wirtschaftszweige in den Bereichen Arbeitslosigkeit, Beschäftigung und Gemeldete Arbeitsstellen.

Zugänge nach Wirtschaftszweigen in Arbeitslosigkeit finden Sie in den Tabellen Arbeitslose nach Rechtskreisen - Deutschland, West/Ost, Länder und Agenturen für Arbeit (Monatszahlen).

Darüber hinaus stehen zusammenfassende monatlich aktualisierte Analysen auf Bundesebene mit Grafiken und Zeitreihen zu Beschäftigten, gemeldeten Arbeitsstellen und zugegangenen Arbeitslosen in den einzelnen Wirtschaftszweigen in den Tabellen und Grafiken Arbeitsmarkt nach Branchen bereit.

Beschäftigte und Erwerbstätige sind nicht deckungsgleich

Häufig werden die Begriffe "Erwerbstätige" und "Beschäftigte" synonym verwendet. Obwohl sich ihre Bedeutungsfelder stark überschneiden, ist unter "Erwerbstätigen" und "Beschäftigten" nicht dasselbe zu verstehen.
"Beschäftigte" im Sinne der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit sind sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigte.
Zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zählen insbesondere

  • Auszubildende,
  • Altersteilzeitbeschäftigte,Praktikanten,
  • Werkstudenten,
  • Personen, die aus einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zur Ableistung von gesetzlichen Dienstpflichten (z. B. Wehrübung) einberufen werden,
  • Behinderte Menschen in anerkannten Werkstätten oder gleichartigen Einrichtungen (seit der Revision im August 2014),
  • Personen in Einrichtungen der Jugendhilfe, Berufsbildungswerken oder ähnlichen Einrichtungen für behinderte Menschen (seit der Revision im August 2014) sowie
  • Personen, die ein freiwilliges soziales, ein freiwilliges ökologisches Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst ableisten (seit der Revision im August 2014).

Nicht zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gezählt werden im Rahmen der Beschäftigungsstatistik die geringfügig Beschäftigten, da für diese nur pauschale Sozialversicherungsabgaben zu leisten sind. Nicht einbezogen sind zudem Beamte, Selbstständige und mithelfende Familienangehörige, Berufs- und Zeitsoldaten, sowie Wehr- und Zivildienstleistende (siehe o. g. Ausnahme).

Geringfügig Beschäftigte sind entweder geringfügig entlohnte Beschäftigte (450 Euro-Grenze) oder kurzfristig Beschäftigte (max. 3 Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage), die vom Arbeitgeber mit pauschalierten Sozialversicherungsbeiträgen angemeldet werden.
Zu den "Erwerbstätigen" in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen zählen laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis):

  • sozialversicherungspflichtig Beschäftigte,
  • geringfügig Beschäftigte,
  • Selbstständige beziehungsweise mithelfende Familienangehörige,
  • Beamte und Beamtinnen sowie
  • Soldaten und Soldatinnen

die als Arbeitnehmer/innen eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben, unabhängig vom Umfang dieser Tätigkeit.

Sowohl bei den Erwerbstätigen als auch bei den sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten wird das Personenkonzept zugrunde gelegt. Dies bedeutet, dass Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen nur einmal mit ihrer Haupterwerbstätigkeit erfasst werden.

Beschäftigungsquote

Die Beschäftigungsquote ist ein wichtiger Indikator für die Beurteilung des Beschäftigungsstandes und der Beschäftigungsentwicklung in einer Region. Sie berücksichtigt den Einfluss von Zahl und Struktur der Bevölkerung auf die Beschäftigung und erleichtert so auch die vergleichenden Betrachtungen zwischen den Regionen.

Die Beschäftigungsquote gibt den prozentualen Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 15 bis unter 65 Jahren an der gleichaltrigen Bevölkerung an. Beschäftigungsquoten können auch für bestimmte Altersgruppen und/oder für Männer oder Frauen in einem bestimmten geografischen Gebiet (z.B. Kreise) berechnet werden.

Im Gegensatz zur Erwerbstätigenquote berücksichtigt die Beschäftigungsquote nur die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, nicht aber Beamt(e)innen, Selbstständige oder geringfügig Beschäftigte; sie ist daher niedriger als die Erwerbstätigenquote.

Die Nennergröße, also die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis unter 65 Jahren, wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Geburtenentwicklung und Lebenserwartung bestimmen den langfristigen Trend, Wanderungen und Pendlerströme haben zuweilen kurzfristig Einfluss und auch innerhalb der einzelnen Altersgruppen wirken sich demografische Wellen teilweise von Jahr zu Jahr aus. Welcher Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht, unterliegt ebenfalls vielfältigen, regional unterschiedlich ausgeprägten Einflüssen. Dazu gehören die Erwerbsneigung in der Bevölkerung, die Wirtschaftslage der Unternehmen sowie qualitative Aspekte des Zusammenspiels von Arbeitskräfteangebot und –nachfrage.

Auf unseren Internetseiten finden Sie weitergehende Informationen und eine ausführliche Darstellung zu den Beschäftigungsquoten und deren Berechnung.

Detaillierte Daten zu den Beschäftigungsquoten finden Sie in der Tabelle "Beschäftigungsquoten – Deutschland, Länder, Kreise, Regionen der Agenturen für Arbeit".

Bruttoarbeitsentgelte: Wer ist eigentlich "Geringverdiener"?

In Anlehnung an die von der OECD vorgeschlagenen und in Forschung und Wissenschaft allgemein verwendeten Definition gilt als Geringverdiener, wer weniger als zwei Drittel des mittleren Einkommens aller Vollzeitbeschäftigten der Kerngruppe erzielt. Der untere Entgeltbereich wird also relativ zur Verteilung der Verdienste aller betrachteten Beschäftigten abgegrenzt. Je nach verwendeter Datenquelle weichen die Angaben zur Höhe des Lohns unterer Entgeltgruppen voneinander ab, da unterschiedliche (Lohn-)Bestandteile in die Berechnung mit einfließen. Eine weitere Ursache für Unterschiede ist die Erhebungsart: Handelt es sich um eine Stichprobe über Haushalte, Betriebe, oder um eine Vollerhebung über alle Arbeitnehmer, geht es um Brutto- oder Nettolöhne, sind Sonderzahlungen enthalten? Die in der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit enthaltenen Angaben schließen alle laufenden oder einmaligen Einnahmen aus einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung ein. Je nach Fragestellung können also bestimmte Datenquellen besser für Analysen geeignet sein als andere; entscheidend ist aber in jedem Fall die Kohärenz der Daten: Im Zeitverlauf sollten sich die Höhe der Entgelte in dieselbe Richtung entwickeln.

Die untere Entgeltschwelle liegt 2015 bundesweit bei ca. 2.056 €. Da es zwischen West- und Ostdeutschland ein erhebliches Lohngefälle gibt, werden für beide Landesteile spezifische Grenzen berechnet. In Westdeutschland beträgt die Grenze zum unteren Entgeltbereich ca. 2.146 €, in Ostdeutschland ca. 1.633 €. In Westdeutschland erzielen 18,8% der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten Arbeitsentgelte unter der westdeutschen Schwelle des unteren Entgeltbereichs. In Ostdeutschland beträgt der Anteil der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten, die ein Arbeitsentgelt unter der ostdeutschen Schwelle erzielen, 16,6%. Bundesweit liegen dann 18,4% unter der jeweiligen Schwelle des unteren Entgeltbereichs.

Die Wahrscheinlichkeit, ein Einkommen unterhalb der unteren Entgeltschwelle zu erzielen, ist geringer, je höher das Anforderungsniveau der ausgeübten Tätigkeit ist. Analog dazu zeigt sich: je höher der Berufsabschluss ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, eine Tätigkeit im unteren Entgeltbereich auszuüben.

Geringverdiener sind außerdem besonders häufig Jüngere zwischen 15 und 24 Jahren (ohne Auszubildende), da diese in der Regel noch keinen (akademischen) Berufsabschluss oder noch keine langjährige Berufserfahrung haben. Frauen verdienen deutlich häufiger unterhalb der Schwelle des unteren Entgeltbereichs als Männer. Je nach struktureller Lage des Arbeitsmarktes können die Anteile der Beschäftigten, die ein Einkommen unterhalb der unteren Entgeltschwelle verdienen, regional stark variieren. Die Analyse nach Wirtschaftsabschnitten zeigt: Die größte Bedeutung hat der untere Entgeltbereich bundesweit im Gastgewerbe und in den privaten Haushalten. Überdurchschnittlich häufig finden sich Personen im unteren Entgeltbereich insbesondere unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einer Tätigkeit in den Segmenten Reinigungsberufe und Lebensmittel- und Gastgewerbeberufe.

Die Wahrscheinlichkeit einen Lohn in den unteren Entgeltgruppen zu beziehen, erhöht sich mit der Kumulation entsprechender Merkmalskombinationen, also mit einer Mehrfachbetroffenheit.

Die Entgeltstatistik

Höhe, Verteilung und Unterschiede in den Einkommen sind häufig Diskussionsthema. Gibt es ein West-Ost-Gefälle? Wie unterscheiden sich Einkommen nach Geschlecht und Branchen?

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit bietet hierzu im Rahmen der Beschäftigungsstatistik Informationen. Sie berichtet zusätzlich über die sozialversicherungspflichtigen Bruttoarbeitsentgelte von Beschäftigten. Dabei handelt es sich um Berichte über Entgelte aus einzelnen Beschäftigungsverhältnissen; bei mehreren Beschäftigungsverhältnissen kann das Gesamteinkommen von Personen und auch von Haushalten natürlich höher sein.

Die wesentlichen Aspekte dieser "Entgeltstatistik" einschließlich erster Analyseergebnisse sind im Bericht "Sozialversicherungspflichtige Bruttoarbeitsentgelte" veröffentlicht.

Die Datengrundlage für diese Entgeltstatistik bildet das Meldeverfahren zur Sozialversicherung. Dabei handelt es sich um eine Vollerhebung aller sozialversicherungspflichtig und geringfügig entlohnt Beschäftigten in Deutschland. Die Entgeltstatistik unterscheidet sich dadurch von anderen bekannten Datenquellen zu Verdiensten oder Einkommen (z.B. Verdienststrukturerhebung, Mikrozensus und Sozioökonomisches Panel (SOEP)), die auf Stichprobenerhebungen basieren. Die verschiedenen Datenquellen über Entgelte, Einkommen oder Verdienste haben jeweils ihre methodischen und konzeptionellen Besonderheiten. Keine Quelle kann grundsätzlich alle Informationsbedürfnisse abdecken. Allerdings zeichnet sich die Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit dadurch aus, dass differenzierte Analysen in der Kombination verschiedener Merkmale der Beschäftigungsstatistik möglich sind, z.B. nach Alter, nach Geschlecht, nach Vollzeit/Teilzeit, nach Berufen, nach Wirtschaftszweigen oder nach sozialversicherungspflichtiger bzw. geringfügiger Beschäftigung. Die Ergebnisse aus der Entgeltstatistik ermöglichen Aussagen über die Verteilung und Streuung der Bruttoarbeitsentgelte sowie über den Einfluss wichtiger, die individuelle Entgelthöhe bestimmender Faktoren auf unterschiedlichen regionalen Ebenen.

Die Entgeltstatistik basiert auf klassierten Auswertungen von durchschnittlichen monatlichen Bruttoarbeitsentgelten der jeweils am Stichtag 31.12. Beschäftigten. Die Daten stehen rückwirkend ab dem Jahr 1999 zur Verfügung.
Regelmäßige Standardveröffentlichungen sind jeweils Mitte des Jahres mit Daten zum Stichtag 31.12. des Vorjahres nach 6-monatiger Wartezeit vorgesehen.

Statistische Ergebnisse und weiterführende Informationen finden Sie in unseren "Themen im Fokus" zum Thema Entgelt.

Ein Helfer kann mehr als eine Hilfstätigkeit ausüben

Der "Helfer/in" als Ausbildungsberuf – Beispiel Altenpflegehelfer.
Der Ausdruck "Helfer/in" deutet sprachlich und auch im Rahmen von Klassifikationen der Berufe von 1988 bzw. 2010 (KldB1988/KldB2010) normalerweise daraufhin, dass es sich bei dem benannten Beruf in der Tat um eine Hilfs- bzw. Anlerntätigkeit handelt, welche einfachere Arbeiten und nur eine Einweisung am Arbeitsplatz umfasst. Hervorzuheben ist eine Gemeinsamkeit sämtlicher Hilfstätigkeiten: Sie setzen keinen einschlägigen formalen Berufsausbildungsabschluss voraus.

Bekannte Beispiele für derlei Hilfsberufe/ -tätigkeiten sind etwa Küchenhilfen, Helfer/in im Gastgewerbe oder diverse Helfer/in am Bau wie der Gerüstbauhelfe/in. Diese Schlussfolgerung anhand des Ausdrucks "Helfer/in" trifft jedoch nicht in jedem Fall zu. Neben obigen Hilfstätigkeiten tragen auch einige Berufe den "Helfer/innen" im Namen, die eine Ausbildung voraussetzen, da es sich tatsächlich um einen Ausbildungsberuf und nicht um eine Hilfstätigkeit handelt. Beispiele finden sich im Gesundheits- und Pflegebereich wie Gesundheits- und Krankenpflegehelfer/innen, Arzthelfer/innen oder Rettungshelfer/innen.

Ein weiteres Beispiel findet sich im Ausbildungsberuf des "Altenpflegehelfers", der eine schulische Ausbildung voraussetzt. Die Dauer der Ausbildung variiert dabei zwischen den Bundesländern, beträgt in der Regel jedoch ein Jahr. Für den Ausbildungsberuf "Altenpfleger/in" zum Vergleich beträgt die Dauer der Ausbildung meist drei Jahre. Die eigentliche Hilfstätigkeit im Bereich Altenpflege, die keine Ausbildung voraussetzt, wird mit "Hilfskraft-Altenpflege" bezeichnet. Examinierte Altenpfleger/innen können anhand der KldB2010 mithilfe des Anforderungsniveaus 2 (Fachkraft) innerhalb der Berufsgruppe Altenpflege (821) identifiziert werden, da Altenpflegehelfer/innen und Hilfskräfte in der Altenpflege dem Anforderungsniveau 1 (Helfer/in) zugeordnet sind. Das stellt einen Fortschritt im Vergleich zur KldB1988 dar. Eine Unterscheidung in Altenpflegehelfer und Hilfskraft-Altenpflege erlaubt die KldB2010 nicht, da beide Tätigkeiten wegen der nahen Verwandtschaft auf der untersten Ebene der Klassifikation zur selben Berufsgattung 82101 gehören.

Um im Einzelfall identifizieren zu können, um welche Art von Beruf es sich handelt (Ausbildungsberuf, Weiterbildungsberuf, Helferberuf bzw. Hilfskraft usw.), stellt das Internetangebot BERUFENET ein gutes Werkzeug dar. Dort finden Sie eine Beschreibung für jeden Beruf der Klassifikation der Berufe und die zugehörige Systematik-Nummer.

Neue Erhebungsinhalte "Arbeitszeit", "ausgeübte Tätigkeit" sowie "Schulabschluss" und "Berufsabschluss" in der Beschäftigungsstatistik ab dem Jahr 2012

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit berichtet regelmäßig über die sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten in Deutschland. Grundlage dieser Statistik sind die Angaben, welche die Arbeitgeber im Meldeverfahren zur Sozialversicherung über ihre Beschäftigten machen. Im Meldeverfahren ist geregelt, welche Informationen auf welche Weise zu erheben sind. Der Teil des Verfahrens, der sich auf die Tätigkeit der Beschäftigten im Betrieb bezieht – ob sie Vollzeit oder Teilzeit arbeiten, welche berufliche Tätigkeit sie ausüben, welche Ausbildung sie haben – wurde im Jahr 2011 geändert. Dies war notwendig, um ihn aktuellen Erfordernissen, vor allem einer neuen Berufsklassifikation, anzupassen. Daraus ergeben sich bessere statistische Aussagemöglichkeiten, denn die betroffenen Merkmale sind nun präziser und differenzierter als zuvor auswertbar und liegen nach aktuellen Systematiken gegliedert vor.

Die Umstellung war für die Betriebe aufwändig und dauerte länger als ein Jahr. Für diesen Übergangszeitraum liegen Angaben zu den Beschäftigten nach alten und neuen Erhebungsinhalten gemischt vor, mit der Folge, dass für Stichtage von Januar 2011 bis Oktober 2012 über die betroffenen Merkmale nicht berichtet werden kann. Zudem sind spezifische Umstellungseffekte erkennbar.

So ergeben Auswertungen der Arbeitszeit einen Teilzeitanteil, der mit bundesweit 25 Prozent am Stichtag 31.12.2012 um rund 5 Prozentpunkte über dem Wert vom 31.12.2010 liegt – obwohl sich die Definition von Vollzeit und Teilzeit nicht geändert hat. Das ist viel mehr als der normale Anstieg der Teilzeit zuvor betrug. Der Grund liegt darin, dass die Arbeitgeber im Zuge der Umstellung die Angaben über ihre Beschäftigten überprüft und häufig aktualisiert haben. Für die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung kann dieser Sondereffekt mit rund 4 Prozentpunkten veranschlagt werden.

Das Merkmal "ausgeübte Tätigkeit" wird seit der Änderung nach der neuen Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) erhoben. Dadurch sind die neuen Ergebnisse nicht mehr vergleichbar mit den alten auf Grundlage der früheren Berufsklassifikation (KldB 1988). Die neuen Erhebungsinhalte bilden die Tätigkeiten jedoch viel differenzierter und der aktuellen Berufelandschaft entsprechend ab. Anhand der Angaben zur schulischen und beruflichen Ausbildung in neuer Form kann nun präziser als zuvor zwischen den heute relevanten Abschlussarten unterschieden werden. Ein Vergleich der Ergebnisse mit denen früherer Jahre ist möglich, wenn man zu Oberkategorien aggregiert. Wie bei der Arbeitszeit ist auch bei den Ausbildungsabschlüssen ein Sondereffekt durch die aktualisierten Angaben erkennbar. Die Anteilswerte für die höheren Schul- und Berufsabschlüsse fallen nun etwas höher aus als zuvor.

Ausführliche methodische Hinweise und Analyseergebnisse finden Sie im Methodenbericht (PDF, 1MB).

Statistik zur Arbeitnehmerüberlassung auf der Basis des Meldeverfahrens zur Sozialversicherung

Bei der Arbeitnehmerüberlassung wird ein Arbeitnehmer (Leiharbeitnehmer) von seinem Arbeitgeber (Verleiher) einem Dritten (Entleiher) zur Arbeitsleistung überlassen - zumeist gegen ein Entgelt. Der Vertrag zwischen dem Leiharbeitnehmer und dem Verleiher ist ein Arbeitsvertrag mit allen Rechten und Pflichten, wie in jedem Arbeitsverhältnis üblich. Der Unterschied besteht nur darin, dass der Arbeitgeber berechtigt ist, den Arbeitnehmer einem Dritten zu überlassen. In Deutschland bedürfen Arbeitgeber, die als Verleiher von Arbeitnehmern (Leiharbeitnehmer) tätig sein wollen, der Erlaubnis. Diese Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung erteilt die Bundesagentur für Arbeit auf Antrag des Arbeitgebers. Näheres hierzu regelt das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Im AÜG wird die Tätigkeit von überlassenen Arbeitnehmern als "Leiharbeit" bezeichnet. In der Öffentlichkeit wird anstelle der Begriffe "Arbeitnehmerüberlassung" und "Leiharbeit" häufig auch der Begriff "Zeitarbeit" verwendet. In der Statistik zur Arbeitnehmerüberlassung wird die Zahl und Struktur der Leiharbeitnehmer und der Verleihbetriebe abgebildet. Erhebungseinheit ist die Zahl der Leiharbeitnehmer (Bestand, begonnene und beendete Beschäftigungsverhältnisse) und die Zahl der Verleihbetriebe.

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht regelmäßig die Statistik zur Arbeitnehmerüberlassung als einen speziellen Teil der Beschäftigungsstatistik. Datenbasis bilden die Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung. Möglich ist dies, da im Rahmen des Meldeverfahrens zur Sozialversicherung ein personenbezogenes Kennzeichen der Arbeitnehmerüberlassung verfügbar ist.

Für Beschäftigte in der Arbeitnehmerüberlassung können daher alle Merkmale der Beschäftigungsstatistik ausgewiesen und kombiniert werden. Damit ist immer eine direkte Einordnung der Leiharbeit ins Gesamtbeschäftigungssystem bzw. ein direkter Vergleich zwischen den Strukturen bei Leiharbeitnehmern und den Strukturen bei allen Beschäftigten (jeweils Summe aus sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und ausschließlich geringfügig Beschäftigten) möglich.

Weiterführende Informationen können dem Methodenbericht "Statistik zur Arbeitnehmerüberlassung auf Basis des Meldeverfahrens zur Sozialversicherung" (PDF, 3MB) entnommen werden.

Zusätzlich bieten wir Ihnen Publikationen der regelmäßigen Berichterstattung zum Thema Zeitarbeit.

Teilzeitbeschäftigung, Zeitarbeit und Minijobs

Die sehr positive Beschäftigungsentwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt in den letzten Jahren wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Neben den Erfolgsmeldungen zum Beschäftigungsaufbau wird die Zunahme von unsicheren und nicht existenzsichernden Beschäftigungsverhältnissen kritisiert. Dabei stehen vor allem die Teilzeitbeschäftigung, die Zeitarbeit und die Minijobs im Fokus. Diese Beschäftigungsformen entwickelten sich in den letzten Jahren unterschiedlich und sie haben für den Arbeitsmarkt auch ganz unterschiedliche Bedeutung.

Mit der Umsetzung einer EU-Richtlinie im "Teilzeit- und Befristungsgesetz" (TzBfG) aus dem Jahr 2000 wurden die Rechte der Arbeitnehmer zur Verringerung der Arbeitszeit gestärkt. In der Folge nahm die Zahl der Teilzeitbeschäftigten zu. Diese Entwicklung geht einher mit einer höheren Erwerbsbeteiligung der Frauen, der Initiativen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und dem Bedürfnis der Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Arbeitszeit flexibel zu gestalten.

Die Arbeitnehmerüberlassung (Leiharbeit, Zeitarbeit) weist in den letzten Jahren ebenfalls ein hohes Wachstum auf. Gleichwohl wird die quantitative Bedeutung der Leiharbeit häufig überschätzt. Derzeit liegt ihr Anteil an allen Beschäftigten bei unter 3 Prozent. Vor allem bei den Zu- und Abgängen in und aus Arbeitslosigkeit spielt die Zeitarbeit eine zentrale Rolle. Einerseits birgt sie für die Leiharbeitnehmer ein hohes Risiko arbeitslos zu werden, andererseits bietet sie auch Chancen für die Integration von Arbeitnehmern in den Arbeitsmarkt.

Mit der Einführung des "Zweiten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" im Jahr 2003 haben sich die Minijobs stärker etabliert. Zu unterscheiden ist dabei zwischen den "geringfügig entlohnt Beschäftigten im Nebenjob" und den "ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten". Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht dabei die Frage, ob die ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigung die sozialversicherungspflichtige Arbeit verdrängt. Nachdem es 2004/2005 zu einem einmaligen Niveauanstieg der ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten auf einen Bestand ca. 5 Mio. kam, ist ihre Anzahl seitdem in etwa gleich geblieben. Im Gegensatz zu der Entwicklung bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist eine stärkere Zunahme seit 2005 nicht zu erkennen. Vielmehr ist die Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten im Nebenjob kontinuierlich angestiegen.

Die Beschäftigungsstatistik berichtet regional tiefgegliedert über die Teilzeit, die Minijobs und die Arbeit in der Arbeitnehmerüberlassung und macht so die Häufigkeit und die Strukturen der verschiedenen Beschäftigungsformen transparent.

Die Regionalreports der Statistik beinhalten die relevanten Informationen über Teilzeitbeschäftigte, über Minijobs und über Leiharbeitnehmer für alle Kreise, kreisfreien Städte und Agenturen.

Umstellung der Methodik in der Entgeltstatistik

Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse für 2014 und 2015 aus der Entgeltstatistik wurde eine Umstellung vorgenommen. Diese beruht auf einer neuen Abgrenzung der entgeltstatistikrelevanten Beschäftigtengruppe.

Mit der Revision der Beschäftigungsstatistik im August 2014 sind einzelne Beschäftigtengruppen (z.B. Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen) neu in die Statistik hinzugekommen. Für die Entgeltstatistik wurde deshalb untersucht, welche Gruppen von Beschäftigten überhaupt sinnvoll einbezogen werden können.

Die Analyse zur Neufestlegung der entgeltstatistikrelevanten Beschäftigtengruppe verfolgte primär folgendes Ziel: Die Berichterstattung zu den Entgelten von Beschäftigten soll auf diejenigen Personengruppen aus dem Meldeverfahren abstellen, für die sinnvolle Vergleiche untereinander möglich sind. Sinnvoll erscheinen Vergleiche in der Entgeltstatistik dann, wenn diese in ihrer Aussagekraft nicht durch Unterschiede in der Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse beeinflusst sind. Eine vergleichbare Ausgestaltung dürfte für solche Beschäftigte vorliegen, die alle der folgenden Kriterien erfüllen:

  • Beschäftigung, bei der sich die Entgeltzahlung an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Arbeitsleistung orientiert ("Marktstatistik")
  • Keine Beschäftigung, für die eine besondere (gesetzliche) Vergütungs-Regelung zur Ausbildung, zur Jugendhilfe, zur Berufsförderung, zu Tätigkeiten in Behindertenwerkstätten oder zu Freiwilligendiensten gilt
  • Vollzeitbeschäftigung

Im Ergebnis werden nun folgende Beschäftigtengruppen in der Entgeltstatistik berücksichtigt (in den Klammern sind die Nummern der Personengruppen aus dem Meldeverfahren und die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten mit Entgeltangabe am 31.12.2015 dargestellt):

  • Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne besondere Merkmale (Nr. 101; Anzahl: 20.179.491)
  • Unständig Beschäftigte (Nr. 118 und 205; Anzahl: 40)
  • Versicherungsfreie Altersvollrentner und Versorgungsbezieher wegen Alters (Nr. 119; Anzahl: 49.665)
  • Beschäftigte der Seefahrt (Nr. 140, 143 und 149; Anzahl: 8.207)
  • Nebenerwerbslandwirte (Nr. 113 und 114; Anzahl: 1.887)

Nicht enthalten in der Entgeltstatistik sind damit neben den Auszubildenden insbesondere Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen (Nr. 107 und 111), Personen im Bundesfreiwilligendienst (Nr. 123), Beschäftigte in Altersteilzeit (Nr. 103), Praktikanten (Nr. 105) und Werkstudenten (Nr. 106). Für Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen und Personen im Bundesfreiwilligendienst gelten besondere gesetzliche Regelungen, die pauschale Entgeltangaben bzw. ein Taschengeld mit sehr niedriger Obergrenze vorsehen. Bei Beschäftigten in Altersteilzeit kann in der Ruhephase des Blockmodells anders als in der aktiven Phase keine Vollzeitbeschäftigung vorliegen (eine Eingrenzung auf Vollzeitbeschäftigte in der aktiven Phase des Blockmodells ist in der Statistik nicht möglich). Bei Praktikanten und Werkstudenten orientiert sich die Entgeltzahlung nicht zwingend an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Arbeitsleistung.

Durch die neue Abgrenzung der entgeltstatistikrelevanten Gruppe in der Statistik ändern sich die bisherigen Erkenntnisse aus Strukturanalysen und den Verteilungen der Bruttomonatsentgelte grundsätzlich nicht.

Ausführliche Informationen zur Umstellung der Methodik in der Entgeltstatistik sind im Methodenbericht der Statistik der BA "Bruttomonatsentgelte von Beschäftigten nach der Revision 2014" (PDF, 746KB) zu finden.

Unterschiede zwischen einem Unternehmen und einem Betrieb

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe "Unternehmen" und "Betrieb" häufig gleichgesetzt. Die Begriffe haben zwar eine ähnliche Bedeutung, stehen aber in der Statistik nicht immer für wirklich vergleichbare Objekte.

Ein Unternehmen ist ein spezieller Betriebstyp im marktwirtschaftlichen System mit verschiedenen Rechtsformen. Ein Unternehmen kann aus einem oder mehreren Betrieben (auch Tochterfirmen) bestehen. Ein Unternehmen hat beispielsweise den Hauptsitz in Frankfurt, außerdem verfügt es über Niederlassungen in Hamburg und München. Somit hat dieses Unternehmen drei Betriebe (Betriebsstätten). Damit gilt jedes Unternehmen als Betrieb, jedoch nicht jeder Betrieb ist ein Unternehmen.

Ein Betrieb im Sinne der Beschäftigungsstatistik ist eine regional und wirtschaftsfachlich abgegrenzte Einheit, in der mindestens ein sozialversicherungspflichtig oder geringfügig Beschäftigter tätig ist. Grundlage ist die Definition des Beschäftigungsortes in § 9 SGB IV und des Arbeitgeberbegriffes im SGB. Als Betrieb gilt immer die Einheit, in der Arbeitnehmer/innen am Beschäftigungsort beschäftigt werden und für die zur Durchführung des Meldeverfahrens dem Arbeitgeber eine Betriebsnummer zur Verfügung gestellt worden ist. In der Beschäftigungsstatistik kann ein eventueller Zusammenhang von Unternehmen und zugehörigen Betrieben oder Betriebsstätten nicht abgebildet werden. Deshalb wird in dieser Statistik auch nicht der Begriff "Unternehmen", sondern immer der des Betriebs oder der Betriebsstätte verwendet.

Grundlage der regionalen Zuordnung von Betrieben ist das Gemeindegebiet, in dem der Beschäftigungsort liegt. Das heißt, ein Unternehmen mit Niederlassungen (Filialen) in verschiedenen Gemeinden besteht aus verschiedenen Betrieben; diese Betriebe haben jeweils eine eigene Betriebsnummer.

Die wirtschaftsfachliche Zuordnung folgt dem wirtschaftlichen Schwerpunkt des Betriebs. Dieser richtet sich nach der wirtschaftlichen Tätigkeit des überwiegenden Teils der Beschäftigten. Das heißt, ein Betrieb mit Sitz in einer Gemeinde und mit Tätigkeit in verschiedenen Bereichen, aber ausschließlich einer Niederlassung, bekommt lediglich eine Betriebsnummer und wird auch wirtschaftsfachlich nur einem Schwerpunkt zugeordnet. Ebenso kann der Betrieb auch aus mehreren Niederlassungen in einer Gemeinde bestehen, die lediglich eine Betriebsnummer benötigen, wenn sie denselben wirtschaftsfachlichen Schwerpunkt besitzen.

Auswertungen aus der Beschäftigungsstatistik beinhalten differenzierte Angaben zu den einzelnen Betrieben und ihren sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigten nach regionaler Zuordnung sowie wirtschaftsfachlichen Schwerpunkten. Dadurch erklärt sich auch, dass die Anzahl der Betriebe bei Weitem höher liegt als die Anzahl der Unternehmen, da Unternehmensstrukturen nicht abgebildet werden können.

Unterschiede zwischen geringfügiger, geringfügig entlohnter und kurzfristiger Beschäftigung

Begriffe wie geringfügige Beschäftigung, geringfügig entlohnte Beschäftigung, kurzfristige Beschäftigung oder auch "Mini-Job" und "Midi-Job" werden oft gelesen oder verwendet; hier, zum besseren Verständnis, eine kurze Erklärung der wesentlichen Merkmale bzw. Unterschiede.

Zu den geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen zählen zum einen Arbeitsverhältnisse mit einem niedrigen Lohn (geringfügig entlohnte Beschäftigung) oder kurzer Dauer (kurzfristige Beschäftigung). Beide werden auch als "Mini- Job" bezeichnet.

Geringfügig entlohnt bedeutet, dass das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt die Einkommensgrenze von derzeit 450 Euro nicht überschreitet. Regelmäßig bedeutet, dass, wenn die Grenze von derzeit 450 Euro nur gelegentlich und nicht vorhersehbar überschritten wird, trotzdem eine geringfügig entlohnte Beschäftigung vorliegt. Geringfügig entlohnte Beschäftigte sind versicherungsfrei; der Arbeitgeber zahlt eine pauschale Abgabe von derzeit rund 30 Prozent des Brutto-Arbeitsentgelts (in privaten Haushalten rund 14 Prozent).

Von einer kurzfristigen Beschäftigung spricht man, wenn die Tätigkeit im Laufe eines Kalenderjahres nach ihrer Eigenart auf nicht mehr als zwei Monate oder 50 Arbeitstage (im Zeitraum vom 01.01.2015 bis 31.12.2018: 3 Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage) begrenzt zu sein pflegt oder im Voraus vertraglich begrenzt ist. Wenn die Beschäftigung durchgängig an mindestens 5 Tagen pro Woche ausgeübt wird, muss das Beschäftigungsverhältnis auf maximal zwei Monate (im Zeitraum vom 01.01.2015 bis 31.12.2018: 3 Monate) beschränkt sein. Bei Beschäftigungen von regelmäßig weniger als 5 Tagen pro Woche liegt eine kurzfristige Beschäftigung vor, wenn 50 Arbeitstage (im Zeitraum vom 01.01.2015 bis 31.12.2018: 70 Arbeitstage) im Kalenderjahr nicht überschritten werden. Kurzfristig Beschäftigte sind ebenfalls versicherungsfrei.

Bei einem "Midi-Job" liegt das Arbeitsentgelt zwischen derzeit 450,01 Euro und 850,00 Euro. "Midi-Jobber" sind (voll) sozialversicherungspflichtig beschäftigt, egal ob das monatliche Entgelt durchgehend oder nur zeitweise in der Gleitzone liegt. In dieser Gleitzone steigt – bei gleichzeitigem Leistungsanspruch in der Sozialversicherung – der Arbeitnehmerbeitrag von 4 Prozent linear auf den hälftigen Beitrag an. Der Arbeitgeber hat immer den vollen Anteil zu entrichten. Zu beachten ist, dass die Abrechnung bzw. Meldung als Midi-Job nicht automatisch durch die Sozialversicherungsträger erfolgt, sondern vom Arbeitgeber bereits bei der Lohnabrechnung erfolgen muss.

Daten und weitergehende Informationen zum Thema sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigte finden Sie im Glossar (PDF, 1MB).

Ergebnisse der Beschäftigungsstatistik erhalten Sie in unserem Produktangebot.

Hinweis: Änderung der gesetzlichen Grundlage zum 01.01.2013
Geringfügig entlohnte Beschäftigung
Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung nach § 8 (1) Nr.1 SGB IV liegt vor, wenn das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung (§ 14 SGB IV) regelmäßig im Monat 450,- € nicht überschreitet.

Bis Ende März 2003 lag die Obergrenze des Arbeitsentgelts bei 325,-€. Außerdem durfte gem. § 8 (1) Nr.1 SGB IV die Beschäftigung regelmäßig nur weniger als 15 Stunden die Woche ausgeübt werden. Die Begrenzung auf eine wöchentliche Stundenzahl ist seit April 2003 weggefallen. Bis Ende 2012 lag die Obergrenze bei 400,- €.

Geringfügig entlohnte Beschäftigte sind versicherungsfrei, der Arbeitgeber zahlt eine pauschale Abgabe von 30 Prozent (13 Prozent Krankenversicherung, 15 Prozent Rentenversicherung, 2 Prozent Pauschsteuer). Bis Ende 2012 konnte der oder die geringfügig entlohnte Arbeitnehmer/in freiwillig weitere 4,6 Prozent zahlen, um voll rentenversichert zu sein. Seit 2013 wurde im Gegensatz dazu festgelegt, dass zunächst alle geringfügig entlohnten Arbeitnehmer/innen voll rentenversichert sind und einen Eigenanteil von 3,9 Prozent zu leisten haben. Sie haben allerdings die Möglichkeit sich von der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung befreien zu lassen.

Verfahren und Bedeutung der wirtschaftsfachlichen Verschlüsselung von Beschäftigungsbetrieben

Damit ein Arbeitgeber Meldungen zur Sozialversicherung für seine Beschäftigten abgeben kann, benötigt er eine Betriebsnummer für seinen Beschäftigungsbetrieb. Der Beschäftigungsbetrieb ist eine nach Gemeindegrenze und wirtschaftlicher Betätigung abgegrenzte Einheit, in der Beschäftigte tätig sind. Je Arbeitgeber kann es mehrere Beschäftigungsbetriebe geben. Die Betriebsnummer wird vom Betriebsnummern-Service (BNS) der Bundesagentur für Arbeit vergeben. Hierbei erfolgt auch die Zuordnung zu einem Wirtschaftszweig gemäß der Angaben des Arbeitgebers zur wirtschaftlichen Betätigung des Beschäftigungsbetriebes. Im Falle späterer Änderungen an den gespeicherten Betriebsdaten wird stets nochmals diese Zuordnung überprüft und – sofern erforderlich – aktualisiert.

Grundlage für die wirtschaftsfachliche Zuordnung ist die Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008) des Statistischen Bundesamtes (Destatis) auf Ebene der Wirtschaftsunterklassen (5-Steller). Bezugspunkt für die Zuordnung durch den BNS ist stets der einzelne Beschäftigungsbetrieb und nicht beispielsweise der Unternehmenszweck insgesamt oder der Bereich mit der höchsten Wertschöpfung. Wenn innerhalb eines Beschäftigungsbetriebes mehreren wirtschaftlichen Betätigungen nachgegangen wird und damit mehrere Wirtschaftsunterklassen in Betracht zu ziehen sind, dann müssen zur Bestimmung des wirtschaftsfachlichen Schwerpunktes weitere Informationen zum Zweck des Beschäftigungsbetriebes und zur wirtschaftlichen Tätigkeit des überwiegenden Teils der Beschäftigten eingeholt werden. Beide Informationen sind dann für die Zuordnung zu einer Wirtschaftsunterklasse sinnvoll zu nutzen.

Beispiel: Ein großes Unternehmen im Bereich des Buch-Einzelhandels wird von einer Zentrale in Form eines reinen Verwaltungsbüros geführt und verfügt im gesamten Bundesgebiet über Verkaufsfilialen. Dann würde die Zentrale der Wirtschaftsunterklasse 70.10.9 ("Sonstige Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben") zugeordnet werden und die einzelnen Verkaufsfilialen der Wirtschaftsunterklasse 47.61.0 ("Einzelhandel mit Büchern"). Diese Beschäftigungsbetriebe fließen dann in der Folge auch jeweils separat in die Beschäftigungsstatistik ein.

Ein Arbeitgeber kann also über mehrere Beschäftigungsbetriebe verfügen, die unterschiedlichen Wirtschaftsunterklassen zuzuordnen sind. Aber die Meldungen bezogen auf den einzelnen Beschäftigungsbetrieb können jeweils nur unter einer Wirtschaftsunterklasse erfolgen. Die einem jeden Beschäftigungsbetrieb zugeordnete Wirtschaftsunterklasse ist dann in der Folge maßgeblich für die Gliederung der Beschäftigungsstatistik nach Branchen.

Im Internetangebot der Statistik der BA finden Sie weitergehende Informationen zu der Klassifikation der Wirtschaftszweige sowie auch auf der Internetseite des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

Warum weist die Beschäftigungsstatistik regelmäßig Daten zum Stichtag 30.6. statt "echter" Jahresdurchschnitte aus?

Die Bundesagentur für Arbeit erstellt auf Grundlage der Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung ihre Statistiken über sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigte. Für zentrale Eckwerte stehen diese Daten als Hochrechnung bereits nach zwei Monaten zur Verfügung. Lediglich in tiefer regionaler, wirtschaftsfachlicher und anderer spezifischer Untergliederung, für die keine valide Hochrechnung möglich ist, werden die Daten aufgrund von Meldefristen, der technischen Verarbeitung der Meldungen sowie deren Qualitätssicherung mit einer "Wartezeit" von 6 Monaten veröffentlicht.

Will man Aussagen über die trendmäßige Entwicklung der Beschäftigung treffen, bei denen die saisonalen, unterjährigen Schwankungen außer Betracht bleiben, ist grundsätzlich die Bildung von Jahresdurchschnitten (z.B. für Januar bis Dezember) angezeigt. Alternativ kann man den Fokus aber auch auf einen einzelnen Berichtsmonat im Jahr legen, der dem Jahresdurchschnitt regelmäßig sehr nahe kommt. Auf diese Weise sind Aussagen zu Beschäftigungstrends frühzeitiger möglich, da nicht erst bis zum Vorliegen des Dezember-Wertes zur Bildung des "echten" Jahresdurchschnittes abgewartet werden muss.

Beim Bestand an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erfüllt der Stichtag 30. Juni in aller Regel diese Eigenschaft, den Jahresdurchschnittswert zu repräsentieren, sehr gut. Im bundesweiten Mittel der Jahre 2000 bis 2015 liegt der Juni-Wert nur rund 0,2 Prozent unter dem jeweiligen Jahreswert. Gleichzeitig ist die Schwankungsbreite der Abweichungen von Juni- und Jahresdurchschnittswert sehr gering: Sie lag im besagten Zeitraum zwischen 0,5% und 0,0%. Grund für die geringe Abweichung des Juni-Werts vom jeweiligen Jahresdurchschnitt ist, dass jahreszeitliche Einflüsse – ob sie nun witterungsbedingter oder ökonomischer Art sind – in ihrer Summe offenbar nur wenig Einfluss auf die Beschäftigung am 30. Juni haben. Auch konjunkturelle Schwankungen führen kaum zu einer gravierenden Abweichung von Juni- und Jahreswert des sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsbestands, da der Stichtag 30. Juni in der Jahresmitte liegt und sich so trendmäßige Entwicklungen im Jahresdurchschnitt meist annährend ausgleichen.

Die repräsentative Verwendung des Juni-Stichtags für das gesamte Jahr ist allerdings nicht für alle Beschäftigungsarten gleichermaßen geeignet. Bei den geringfügig Beschäftigten weichen Juni- und Jahresdurchschnittswert viel deutlicher voneinander ab; zudem unterliegt diese Abweichung größeren relativen Schwankungen. Für eine trendmäßige Beurteilung der geringfügigen Beschäftigung ist daher der "echte" Jahresdurchschnittswert als analytische Größe zu bevorzugen.

Ein Sonderfall stellt die Pendlerstatistik dar, die den Bestand an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gleichzeitig nach Arbeits- und Wohnort differenziert. Hier dient die Fokussierung auf einen einzelnen Stichtag im Jahr nicht nur der zeitnahen Bereitstellung statistischer Informationen, sondern auch deren Wirtschaftlichkeit. Da sich grundlegende Pendlerstrukturen nur mittel- bis langfristig verändern und die Aufbereitung der Pendlerstatistik besonders aufwändig ist, wird sie nur einmal jährlich – mit Werten zum Stichtag 30. Juni – veröffentlicht.

Welche Informationen stecken in der Beschäftigungsstatistik schwerbehinderter Menschen? - Möglichkeiten und Grenzen

Der Beschäftigungsstatistik schwerbehinderter Menschen (BsbM) liegen, in Abhängigkeit von dem Erfordernis einer Anzeigepflicht durch die Arbeitgeber, zwei methodisch unterschiedliche Erhebungsverfahren zugrunde:

I. Anzeigeverfahren gem. § 80 Abs. 2 SGB IX

II. Teilerhebungsverfahren gem. § 80 Abs. 4 SGB IX.

Doch was verbirgt sich inhaltlich dahinter und worin liegen die Unterschiede begründet?

I. Anzeigeverfahren gem. § 80 Abs. 2 SGB IX

Im Rahmen des Anzeigeverfahrens gem. § 80 Abs. 2 SGB IX sind der Bundesagentur für Arbeit (BA) von den anzeigepflichtigen Arbeitgebern Daten über schwerbehinderte Menschen zur Berechnung der Beschäftigungspflicht, zur Überwachung ihrer Erfüllung sowie der Berechnung einer unter Umständen fälligen Ausgleichsabgabe anzuzeigen.

Wer gilt als anzeigepflichtiger Arbeitgeber?
Anzeigepflichtig sind alle Arbeitgeber, die im Kalenderjahr (sog. Anzeigejahr) jahresdurchschnittlich monatlich über mindestens 20 zu zählende Arbeitsplätze verfügen. Die Anzahl der zu zahlenden Arbeitsplätze ergibt sich dabei aus der Anzahl aller Arbeitsplätze (Anzahl der Arbeitsplätze aus allen zugehörigen Beschäftigungsbetrieben) abzüglich der Auszubildenden (§ 74 Abs. 1 SGB IX) und sonstiger Stellen (§ 73 Abs. 2, 3 und § 74 Abs. 1 SGB IX). Hiervon betroffene Arbeitgeber müssen ihre Anzeigen jährlich bis zum 31.03. des Folgejahres bei der für ihren Sitz zuständigen Agentur für Arbeit einreichen.

Wie groß ist die Anzahl der zu beschäftigenden schwerbehinderten Menschen?
Arbeitgeber mit jahresdurchschnittlich monatlich mindestens 20 Arbeitsplätzen sind im Sinne des § 73 SGB IX dazu verpflichtet, auf mindestens fünf Prozent dieser Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Nach § 71 Abs. 1 Satz 3 SGB IX müssen Arbeitgeber mit weniger als 60 (aber mindestens 40) Arbeitsplätzen nur zwei und mit weniger als 40 (aber mindestens 20) Arbeitsplätzen nur mindestens eine schwerbehinderte Person beschäftigen. Kommen Arbeitgeber diesen gesetzlichen Vorgaben nicht nach, müssen sie eine Ausgleichsabgabe bezahlen.

Nach welchen Kriterien wird die Ausgleichsabgabe berechnet?
Die Ausgleichsabgabe wird den Arbeitgebern gestaffelt zugeordnet. Dabei richtet sich die Höhe des Staffelbetrags bei Arbeitgebern mit mindestens 60 Arbeitsplätzen nach dem Füllgrad der Ist-Quote und bei weniger als 60 Arbeitsplätzen nach der Anzahl der jahresdurchschnittlich besetzten Pflichtarbeitsplätze; dies sind Arbeitsplätze, auf denen schwerbehinderte, ihnen gleichgestellte oder sonstige anrechnungsfähige Personen beschäftigt sind. Die Ist-Quote gibt dabei den Anteil der schwerbehinderten, gleichgestellten oder sonstigen anrechnungsfähigen Personen gemessen an allen zu zählenden Arbeitsplätzen an. Sie wird pro Arbeitgeber ermittelt und regional sowie wirtschaftsfachlich dem Hauptsitz des Arbeitgebers zugeordnet.

Welche Merkmale werden in der statistischen Berichterstattung ausgewiesen?
Neben Informationen über die Anzahl der anzeigepflichtigen Arbeitgeber liefert die BsbM u. a. Angaben über die Anzahl der Pflichtarbeitsplätze, der Ist-Quote, die Anzahl der schwerbehinderten, gleichgestellten und sonstigen anrechnungsfähigen Personen in Beschäftigung. Auswertungen nach weiteren Merkmalen, beispielsweise den Größenklassen der Anzahl Arbeitsplätze, den Wirtschaftszweigen, den Bundesländern, den Agenturen für Arbeit sowie Kreisen und kreisfreien Städten sind möglich.

Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung (Anzeigeverfahren SGB IX) - Deutschland, West/Ost und Länder
Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung (Anzeigeverfahren SGB IX) - Kreise und Agenturen für Arbeit

Wie lange beträgt die Wartezeit dieser Daten?
Die BsbM auf Basis des Anzeigeverfahrens wird einmal jährlich mit einer Wartezeit von 15 Monaten im Internetangebot der BA-Statistik veröffentlicht.
II. Teilerhebungsverfahren gem. § 80 Abs. 4 SGB IX
Für schwerbehinderte, gleichgestellte und sonstige anrechnungsfähige Personen, die bei Arbeitgebern mit weniger als 20 Mitarbeitern beschäftigt sind, ist die BsbM nur eingeschränkt aussagekräftig. Dieses liegt darin begründet, dass besagte Personen grundsätzlich nicht über das Anzeigeverfahren gem. § 80 Abs. 2 SGB IX (siehe hierzu Punkt I.) erfasst werden.

Bei welchen Arbeitgebern findet die Teilerhebung statt?
Bei Arbeitgebern mit weniger als 20 Beschäftigten wird ergänzend zum Anzeigeverfahren gemäß § 80 Abs. 2 SGB IX alle fünf Jahre und nach Aufforderung durch die BA eine repräsentative Teilerhebung über die bei ihnen beschäftigten schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten Personen gemäß § 80 Abs. 4 SGB IX durchgeführt.

Welche Merkmale werden in der statistischen Berichterstattung ausgewiesen?
Neben Informationen über die Anzahl der besetzten Arbeitsplätze von schwerbehinderten und gleichgestellten Menschen, liefert die Teilerhebung wertvolle Informationen über weitere Merkmale wie beispielsweise den Wirtschaftszweigen.

Wann findet die nächste Teilerhebung statt?
Die repräsentativen Teilerhebungen finden alle fünf Jahre statt. Zuletzt im Jahr 2016 und demnächst wieder 2021. Die Arbeitgeber mit Jahresdurchschnittlich weniger als 20 Mitarbeitern werden stets für das Vergangene Jahr befragt. Also im Jahr 2016 wurden sie gebeten Angaben für den Stichtag 31. Oktober 2015 einzureichen und im Jahr 2021 werden dann Angaben für den Stichtag 31. Oktober 2020 fällig.
Die Veröffentlichung findet zeitgleich zum nächstanstehenden Veröffentlichungstermin der Daten aus dem Anzeigeverfahren gem. §80 Abs. 2 SGB IX jeweils im April statt. D.h. die im Jahr 2016 erhobenen Daten werden im April 2017 und die im Jahr 2021 erhobenen Daten im April 2022 veröffentlicht.

Wie lange beträgt die Wartezeit dieser Daten?
Die Wartezeit beträgt 15 Monate nach erfolgter Teilerhebung alle fünf Jahre.

Weiterführende Informationen finden Sie in unseren "Themen im Fokus" zum Thema Menschen mit Behinderungen.

Wie wird das durchschnittliche Bruttomonatsentgelt bestimmt?

In der Statistik werden häufig Maße verwendet, die etwas über eine Gruppe von Personen aussagen. So kann man z.B. das durchschnittliche Alter einer Gruppe berechnen, aber auch das durchschnittliche Einkommen. Das gebräuchlichste statistische Maß zur Ermittlung des "Durchschnitts" ist das "arithmetische Mittel". Bei der Berechnung des arithmetischen Mittels werden die einzelnen Werte aller Personen addiert und durch deren Anzahl dividiert. Wenn beispielsweise in einem Haus 5 Personen wohnen und zwei davon 30.000€ pro Jahr verdienen, weitere zwei Bewohner 40.000€ pro Jahr und die fünfte Person 50.000€ pro Jahr, dann ist das Jahresdurchschnittseinkommen in diesem Haus:

(30.000€ + 30.000€ +40.000€ +40.000€ + 50.000€) / 5 = 38.000€.

Wir sehen hierbei, dass wir zur Berechnung des arithmetischen Mittels das Jahreseinkommen jedes einzelnen Bewohners kennen müssen; andernfalls ist eine Berechnung nicht möglich bzw. das Ergebnis wird verfälscht.

Bei den Bruttoarbeitsentgelten aus der Beschäftigungsstatistik liegen allerdings nicht immer Informationen über das exakte Jahresentgelt aller Beschäftigten vor. Insbesondere wenn das Einkommen von Personen oberhalb der "Beitragsbemessungsgrenze" zur Rentenversicherung liegt, wird vom Arbeitgeber nur dieser Grenzwert als beitragspflichtiges Entgelt gemeldet. Man weiß dann nur, dass das Entgelt oberhalb der Grenze lag, kennt aber nicht dessen genauen Wert. Die Beitragsbemessungsgrenzen für das Jahr 2017 liegen in der allgemeinen Rentenversicherung bei 76.200€ (West) bzw. 68.400€ (Ost) und in der knappschaftlichen Rentenversicherung bei 94.200€ (West) bzw. 84.000€ (Ost).

Aufgrund der "abgeschnittenen" Entgeltangabe der Beschäftigten mit hohen Einkommen, also oberhalb der Beitragsbemessungsgrenzen, würde bei der Berechnung eines arithmetischen Mittels das Ergebnis verfälscht. Wegen der begrenzten Entgeltangaben für hohe Einkommen würden die durchschnittlichen Entgelte fälschlicherweise geringer ausfallen als sie tatsächlich sind. Deshalb verwendet die Statistik der Bundesagentur für Arbeit den "Median" als statistisches Maß für durchschnittliche Bruttoarbeitsentgelte. Der Median (oder Zentralwert) ist diejenige Merkmalsausprägung, die – nach ihrer Größe geordnet – in der Mitte einer Reihe von einzelnen Messergebnissen liegt. In unserem oben betrachteten Beispiel mit Jahreseinkommen von

30.000€ / 40.000€ / 40.000€ / 50.000€ / 50.000€

wäre das Medianeinkommen des Hauses also 40.000€.

Die Verwendung des Medians als Lagemaß für Bruttoarbeitsentgelte ermöglicht allerdings nicht nur die Berechnung bei z.T. unbekannten Einzelwerten, sondern bringt auch Vorteile aus fachlich-methodischer Sicht: Nehmen wir an, im o.g. Beispiel zieht der "Median-Bewohner" aus und es zieht eine Person mit einem Jahreseinkommen von 500.000€ in dessen Wohnung ein. Dadurch würde das (arithmetische) Durchschnittseinkommen von 38.000€ auf 134.000€ hochschnellen. Dies erweckt den falschen Eindruck, dass es sich nun um ein sehr "reiches Haus" handelt, obwohl größtenteils Personen mit einem eher "normalen" Einkommen darin wohnen. Deutlich robuster verhält sich dagegen der Median, der sich in diesem Fall nur von 40.000€ auf 50.000€ (als neuem Zentralwert) verändert:

30.000€ / 40.000€ / 50.000€ / 50.000€ / 500.000€

Dieser Wert ist also geeigneter, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in besagtem Haus zu beschreiben, da er weniger anfällig gegenüber statistischen "Ausreißern" ist.