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Berechnung von Hilfequoten und Bezugsgrößen

An dieser Stelle soll ein Überblick über die verschiedenen Formen von Hilfequoten und deren Berechnungsweisen gegeben werden.

Hilfequoten geben an, wie groß der Anteil von hilfebedürftigen Personen oder deren Bedarfsgemeinschaft nach dem SGB II in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe oder einer bestimmten Familien- bzw. Lebensform ist (vgl. zu Definitionen von Bedarfsgemeinschaften und deren Mitgliedern die Informationen zur Grundsicherungsstatistik). Sie zeigen, wie stark eine Bevölkerungsgruppe oder eine Familien- bzw. Lebensform von Hilfebedürftigkeit betroffen ist und sind Ausgangspunkt einer Analyse der räumlichen und soziodemographischen Verteilung von Hilfebedürftigkeit.

Hilfequoten werden zum einen für die Gesamtheit der hilfebedürftigen Personen nach dem SGB II sowie die Teilgrößen erwerbsfähige Leistungsberechtigte und nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte ermittelt. Zum anderen kann eine Berechnung für die Gesamtheit der Bedarfsgemeinschaften sowie für einzelne Typen von Bedarfsgemeinschaften erfolgen. Es gelten folgende Definitionen:

1 Hilfequoten von Personen


Hilfequoten SGB II


Der Zähler der Quote enthält alle hilfebedürftigen Personen nach dem SGB II, sowohl erwerbsfähige Leistungsberechtigte als auch nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte wie insbesondere Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Der Nenner berücksichtigt nur die Bevölkerung unter 65 Jahren, da hilfebedürftige Personen nach dem SGB II in der Regel ebenfalls unter 65 Jahren sind.

Hilfeqouten erwerbsfähiger Leistungsberechtigte


Da erwerbsfähige Leistungsberechtigte zwischen 15 bis unter 65 Jahre alt sind, enthält der Nenner die Bevölkerung in der entsprechenden Altersgruppe.

Hilfequoten nEf


Nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte sind alle anderen Personen, die mit erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in einer Bedarfsgemeinschaft zusammenleben. In der Regel handelt es sich dabei um Kinder unter 15 Jahren, in einigen Fällen um Personen zwischen 15 bis unter 65 Jahren und in sehr wenigen Fällen auch um Personen ab 65 Jahren (ca. 0,05% aller nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten). Aufgrund des sehr geringen Anteils der Personen ab 65 Jahren im Zähler wird im Nenner diese Altersgruppe nicht berücksichtigt.

Die Bevölkerungszahl stammt aus der Bevölkerungsfortschreibung des Statistischen Bundesamtes der in Deutschland wohnhaften Bevölkerung.

Die hier beschriebenen Grundformen der Hilfequoten von Personen können auch für soziodemographische Teilgruppen (nach Alter, Geschlecht und Nationalität) berechnet werden. Zähler und Nenner müssen dann entsprechend angepasst werden. Beispiel:

Hilfequoten nEf unter 15 Jahre


2 Hilfequoten von Bedarfsgemeinschaften


Hilfequoten BG


Bedarfsgemeinschaften sind ein rechtliches Konstrukt des SGB II (§7 SGB II), das den Familienzusammenhang und das wechselseitige füreinander Einstehen in der Familie zum Ausdruck bringen soll. Man unterscheidet verschiedene Bedarfsgemeinschaftstypen wie Single-Bedarfsgemeinschaften, Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender und ihrer Kinder und Partner-Bedarfsgemeinschaften.

Im Nenner steht die Anzahl aller Familien und Lebensformen in Privathaushalten der in Deutschland wohnhaften Bevölkerung, angepasst an das Konzept der Bedarfsgemeinschaft des SGB II. Datenquelle für den Nenner ist der Mikrozensus der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Beim Mikrozensus handelt es sich um eine repräsentative Haushaltsbefragung von ca. 1% der in Deutschland lebenden Bevölkerung. Es werden Familien oder Lebensformen von Alleinstehenden, Alleinerziehenden, Paaren ohne Kinder und Paaren mit Kindern unterschieden.

Die Systematik der Bedarfsgemeinschaftstypen der Grundsicherungsstatistik und die Systematik der Lebensformen des Mikrozensus (s.o.) erlauben es, BG-Hilfequoten für verschiedene Familientypen bzw. Lebensformen zu berechnen. Dabei werden für die Quotenberechnung die Lebensformen gemäß Mikrozensus an die Definitionen der Bedarfsgemeinschaft und der Bedarfsgemeinschaftstypen angepasst, um weitestgehende Konsistenz zwischen Zähler und Nenner der Quote zu erreichen. So werden beispielsweise unverheiratete Kinder im Alter von 25 Jahren und älter, die mit ihren Eltern in einer Familie zusammenleben, für die Quotenberechnung jeweils als eigenständige Single-Lebensformen betrachtet, da sie nach dem SGB II ebenfalls eigene – von den Eltern unabhängige – Bedarfsgemeinschaften bilden.

Im Ergebnis setzen Hilfequoten für BG-Typen Bedarfsgemeinschaften eines bestimmten Familientyps in Relation zu allen Familien oder Lebensformen desselben Familientyps in der Bevölkerung. Hilfequoten können nach Single-Bedarfsgemeinschaften, Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender und Bedarfsgemeinschaften von Ehepaaren oder Lebensgemeinschaften mit und ohne Kinder differenziert werden, wobei Hilfequoten auch nach Anzahl der Kinder berechnet werden können. Beispiel:

Hilfequoten BG Abwandlung



3 Bezugsgrößen

Hinsichtlich der Nenner bzw. Bezugsgrößen sind folgende Unterschiede zu beachten:

Hilfequoten von Personen werden mit Bevölkerungsdaten aus der Bevölkerungsfortschreibung berechnet. Diese Daten liegen jeweils für den 31.12. vor; sie werden für das halbe Jahr vor und das halbe Jahr nach dem Jahresendwert als Nenner verwendet. Für die jüngsten Berichtsmonate für die noch keine Bevölkerungszahlen vorliegen, werden die Ergebnisse der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes genutzt, soweit solche Daten vorliegen. Die so berechneten Quoten sind vorläufig und werden bei Vorliegen der endgültigen aktuelleren Bevölkerungszahlen revidiert.

Für die Berechnung der Hilfequoten für Bedarfsgemeinschaften werden die Bevölkerungsdaten nicht aus der Bevölkerungsfortschreibung, sondern aus dem Mikrozensus genutzt, die dort als Jahresdurchschnittswerte vorliegen. Die Jahresdurchschnittswerte werden dann dem entsprechenden Kalenderjahr als Bezugsgröße zugeordnet.

Das Statistische Bundesamt hat Ende Mai 2013 erste Ergebnisse aus dem Zensus 2011 veröffentlicht. Danach lebten in Deutschland am Zensusstichtag rund 80,2 Mio. Einwohner, das sind rund 1,5 Mio. weniger als bislang angenommen. Die Umstellung der Hilfequoten auf die neuen Bevölkerungszahlen ist erst im Laufe des Jahres 2014 möglich, weil das Statistische Bundesamt dann die Bevölkerungsdaten auf Basis des Zensus 2011 in den für die Berechnung der Quoten notwendigen Differenzierungen bereitstellen wird. Die Hintergrundinformation, die ausführliche Erläuterungen dazu enthält, befindet sich in der rechten Spalte unter der Rubrik "Weitere Informationen".

Bei der Interpretation von Veränderungen der Hilfequoten im Zeitverlauf muss auch berücksichtigt werden:

  1. Die Bezugsgrößen der Quoten werden jährlich angepasst. Bei der jährlichen Aktualisierung einer Bezugsgröße kann es zu Veränderungen der Quoten kommen, die hauptsächlich auf die Veränderung der Bezugsgröße zurückgehen. Bei monatlichen Darstellungen der Hilfequoten schlagen die Bezugsgrößenumstellungen auch deshalb so stark zu Buche, weil beim Wechsel eine Entwicklung vollzogen wird, die tatsächlich über 12 Monate hinweg reicht.
  2. Da es sich beim Mikrozensus um eine Stichprobenerhebung handelt, können die Bezugsgrößen der Hilfequoten für Bedarfsgemeinschaften von einem Jahr zum nächsten zufälligen Schwankungen unterliegen, was sich insbesondere bei kleinen Teilpopulationen bemerkbar macht. Auch methodische Veränderungen wie die Umstellung des Mikrozensus seit 2005 auf eine unterjährige Erhebung oder eine in größeren Zeitabständen stattfindende Revisionen der Bevölkerungszahlen aufgrund einer Volkszählung können zu Veränderungen der Bezugsgrößen führen, die sich in den Quoten widerspiegeln.


Weitere Erläuterungen im Zusammenhang mit der Berechnung der Hilfequoten finden Sie unter dem Menüpunkt "Dokumentation".


Informationen zum Mikrozensus und zur Bevölkerungsfortschreibung bzw. Bevölkerungsvorausberechnung sind im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes zu finden.