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Berechnung von SGB II-Hilfequoten und Bezugsgrößen im SGB II

An dieser Stelle wird ein Überblick über die verschiedenen Formen von SGB II-Hilfequoten und deren Berechnungsweisen gegeben.

SGB II - Hilfequoten geben an, wie groß der Anteil von hilfebedürftigen Personen, die nach dem SGB II leistungsberechtigt sind, an einer bestimmten Bevölkerungsgruppe ist. Zudem zeigen sie, in welchem Umfang deren Bedarfsgemeinschaften einer bestimmten Familien- bzw. Lebensform zugeordnet ist. Sie verdeutlichen, wie stark eine Bevölkerungsgruppe oder eine Familien- bzw. Lebensform von Hilfebedürftigkeit betroffen ist und sind Ausgangspunkt einer Analyse der räumlichen und soziodemographischen Verteilung von Hilfebedürftigkeit (vgl. zu Definitionen von Bedarfsgemeinschaften und deren Mitgliedern die Informationen zur Grundsicherungsstatistik).

SGB II - Hilfequoten werden zum einen für die Leistungsberechtigten (LB) nach dem SGB II sowie die Teilgrößen erwerbsfähige Leistungsberechtigte (ELB) und nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte (NEF) ermittelt. Zum anderen kann eine Berechnung für die Gesamtheit der Bedarfsgemeinschaften sowie für einzelne Typen von Bedarfsgemeinschaften erfolgen. Es gelten folgende Definitionen:

1 SGB II-Hilfequoten von Personen

SGB II-Quote

Der Zähler der Quote enthält alle Leistungsberechtigten (LB) nach dem SGB II. Dazu gehören neben den Regelleistungsberechtigten[1] (RLB), die in erwerbsfähige Leistungsberechtigte (ELB) und nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte (NEF) unterteilt werden können, auch die sonstigen Leistungsberechtigten (SLB)[2]. Damit werden bei der Quotenberechnung alle Personen der Bedarfsgemeinschaft berücksichtigt, die Leistungen nach dem SGB II erhalten – unabhängig davon, welche Leistungen dies sind. Weitere Informationen zu den Personengruppen können dem Methodenbericht "Revision der Statistik der Grundsicherung für Arbeitsuchende - Grundlagen(pdfPDF, 443 KB)" entnommen werden.

Da seit Anfang 2012 die sukzessive Anhebung der Altersgrenze nach § 7a SGB II von bisher 65 Jahren in 1- bzw. 2-Monatsschritten auf 67 Jahre erfolgt, vergrößert sich ceteris paribus die Personengruppe der Leistungsberechtigten (LB). Die Leistungsberechtigten (LB) können stets exakt nach der jeweils geltenden Altersgrenze abgebildet werden.

Der Nenner berücksichtigt nur die Bevölkerung unter der Altersgrenze nach § 7a SGB II, da für die Leistungsberechtigten (LB) nach dem SGB II in der Regel ebenfalls diese Altersgrenze gilt. Eine exakte Abbildung der jeweils geltenden Altersgrenze ist für die Bevölkerungsdaten nicht möglich, so dass diese anhand einer Näherungslösung ermittelt werden. Diese ist unter Punkt 4 beschrieben.
Hilfeqouten erwerbsfähiger Leistungsberechtigte

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte (ELB) sind Personen mit einem Anspruch auf Arbeitslosengeld II und ggf. weiteren Leistungen nach dem SGB II. Sie haben ein Alter zwischen 15 Jahren und der Altersgrenze nach § 7a SGB II.

Die Nennergröße  enthält daher die Bevölkerung in der entsprechenden Altersabgrenzung. Eine exakte Abbildung der jeweils geltenden Altersgrenze ist für die Bevölkerungsdaten nicht möglich, so dass diese anhand einer Näherungslösung ermittelt werden. Diese ist unter Punkt 4 beschrieben.
Hilfequoten nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte (NEF) unter 15 Jahren

Die NEF-Quote bezieht sich sowohl im Zähler als auch im Nenner auf die Personen unter 15 Jahren. Nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte (NEF) sind alle Personen mit einem Anspruch auf Sozialgeld sowie ggf. weitere Leistungen nach dem SGB II, die mit erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in einer Bedarfsgemeinschaft zusammen leben. In der Regel handelt es sich dabei um Kinder unter 15 Jahren, in einigen wenigen Fällen um Personen im Alter von 15 Jahren und älter (ca. 3,7 Prozent der NEF). Eine hohe Aussagekraft besitzt daher nur eine NEF-Quote, die sich auf die Personen unter 15 Jahren beschränkt.

Die hier beschriebenen Grundformen der SGB II-Hilfequoten von Personen können auch für soziodemographische Teilgruppen, z. B. nach Alter, Geschlecht und Nationalität, berechnet werden. Zähler und Nenner müssen dann entsprechend angepasst werden. Beispiel:
Hilfequoten nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte (NEF) unter 3 Jahren

Im Gegensatz zum Zähler der SGB II-Quote, in dem alle Leistungsberechtigen Personen (LB) berücksichtigt werden, sind in den Zählern der ELB- bzw. NEF-Quote die Personen mit sonstigem Leistungsanspruch (SLB) nicht enthalten.

Die Bevölkerungszahl stammt aus der Bevölkerungsfortschreibung des Statistischen Bundesamtes der in Deutschland wohnhaften Bevölkerung.


2 Hilfequoten von Bedarfsgemeinschaften

Hilfequoten BG

Bedarfsgemeinschaften sind ein rechtliches Konstrukt des SGB II (§7 SGB II), das den Familienzusammenhang und das wechselseitige füreinander Einstehen in der Familie zum Ausdruck bringen soll. Man unterscheidet verschiedene Bedarfsgemeinschaftstypen wie Single-Bedarfsgemeinschaften, Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender und ihrer Kinder und Partner-Bedarfsgemeinschaften.

Im Nenner steht die Anzahl aller Familien und Lebensformen in Privathaushalten der in Deutschland wohnhaften Bevölkerung, angepasst an das Konzept der Bedarfsgemeinschaft des SGB II. Datenquelle für den Nenner ist der Mikrozensus[3] der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Es werden Familien oder Lebensformen von Alleinstehenden, Alleinerziehenden, Paaren ohne Kinder und Paaren mit Kindern unterschieden.

Die Systematik der Bedarfsgemeinschaftstypen der Grundsicherungsstatistik und die Systematik der Lebensformen des Mikrozensus (s.o.) erlauben es, BG-Hilfequoten für verschiedene Familientypen bzw. Lebensformen zu berechnen. Dabei werden für die Quotenberechnung die Lebensformen gemäß Mikrozensus an die Definitionen der Bedarfsgemeinschaft und der Bedarfsgemeinschaftstypen angepasst, um weitest gehende Konsistenz zwischen Zähler und Nenner der Quote zu erreichen. So werden beispielsweise unverheiratete Kinder im Alter von 25 Jahren und älter, die mit ihren Eltern in einer Familie zusammenleben, für die Quotenberechnung jeweils als eigenständige Single-Lebensformen betrachtet, da sie nach dem SGB II ebenfalls eigene – von den Eltern unabhängige – Bedarfsgemeinschaften bilden

Im Ergebnis setzen BG-Hilfequoten Bedarfsgemeinschaften eines bestimmten Familientyps in Relation zu allen Familien oder Lebensformen desselben Familientyps in der Bevölkerung. BG-Hilfequoten können nach Single-Bedarfsgemeinschaften, Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender und Bedarfsgemeinschaften von Ehepaaren oder Lebensgemeinschaften mit und ohne Kinder differenziert werden, wobei Hilfequoten auch nach Anzahl der Kinder berechnet werden können. Beispiel:
Hilfequoten BG Abwandlung

3 Bezugsgrößen

Hinsichtlich der Nenner bzw. Bezugsgrößen sind folgende Unterschiede zu beachten:

SGB II-Hilfequoten von Personen werden mit Bevölkerungsdaten aus der Bevölkerungsfort­schreibung berechnet. Diese Daten liegen jeweils für den 31.12. vor; sie werden für das halbe Jahr vor und das halbe Jahr nach dem Jahresendwert als Nenner verwendet. Für die jüngsten Berichtsmonate, für die noch keine Bevölkerungszahlen vorliegen, wurden bisher die Ergebnisse der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes genutzt, soweit solche Daten vorlagen.

Hinweis: Aktuell wird die Verwendung der Bevölkerungsvorausberechnung aufgrund der nicht abschätzbaren Flüchtlingsströme ausgesetzt. Deshalb werden vorübergehend vorläufige SGB II-Hilfequoten auf Bundes-, Bundesland- und Kreisebene mit den zuletzt vorliegenden Daten der Bevölkerungsfortschreibung berechnet.

Für die Berechnung der BG -Hilfequoten werden die Bevölkerungsdaten nicht aus der Bevölkerungsfortschreibung, sondern aus dem Mikrozensus genutzt, die dort als Jahresdurchschnittswerte vorliegen. Die Jahresdurchschnittswerte werden dann dem entsprechenden Kalenderjahr als Bezugsgröße zugeordnet.

Das Statistische Bundesamt hat Ende Mai 2013 erste Ergebnisse aus dem Zensus 2011 veröffentlicht. Danach lebten in Deutschland am Zensusstichtag rund 80,2 Mio. Einwohner, das sind rund 1,5 Mio. weniger als bislang angenommen. Mit der Bereitstellung der Bevölkerungsdaten auf Basis des Zensus 2011 in den für die Berechnung der Quoten notwendigen Differenzierungen durch das Statistische Bundesamt wurden mit der Veröffentlichung im November 2014 die Hilfequoten auf die neuen Bevölkerungszahlen umgestellt. Die Hintergrundinformation, die ausführliche Erläuterungen dazu enthält, befindet sich unten in der Rubrik "Weitere Informationen".

Bei der Interpretation von Veränderungen der Hilfequoten im Zeitverlauf muss auch berücksichtigt werden:

  1. Die Bezugsgrößen der Quoten werden jährlich angepasst. Bei der jährlichen Aktualisierung einer Bezugsgröße kann es zu Veränderungen der Quoten kommen, die hauptsächlich auf die Veränderung der Bezugsgröße zurückgehen. Bei monatlichen Darstellungen der Hilfequoten schlagen die Bezugsgrößenumstellungen auch deshalb so stark zu Buche, weil beim Wechsel eine Entwicklung vollzogen wird, die tatsächlich über 12 Monate hinweg reicht.
  2. Da es sich beim Mikrozensus um eine Stichprobenerhebung handelt, können die Bezugsgrößen der Hilfequoten für Bedarfsgemeinschaften von einem Jahr zum nächsten zufälligen Schwankungen unterliegen, was sich insbesondere bei kleinen Teilpopulationen bemerkbar macht. Auch methodische Veränderungen wie die Umstellung des Mikrozensus seit 2005 auf eine unterjährige Erhebung oder eine in größeren Zeitabständen stattfindende Revisionen der Bevölkerungszahlen aufgrund einer Volkszählung können zu Veränderungen der Bezugsgrößen führen, die sich in den Quoten widerspiegeln.


4 Altersgrenze nach § 7a SGB II

Die Besonderheiten für die Berechnung der SGB II-Hilfequoten, die auf der Anhebung der Altersgrenze nach § 7a SGB II beruhen, sind in folgender Dokumentation(pdfPDF, 432 KB) ausführlich beschrieben.

Weitere Erläuterungen im Zusammenhang mit der Berechnung der SGB II-Hilfequoten finden Sie unter dem Menüpunkt "Dokumentation".

Informationen zum Mikrozensus und zur Bevölkerungsfortschreibung bzw. Bevölkerungsvorausberechnung sind im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes zu finden.


5 Einschränkungen in der Berichterstattung

Im erweiterten Zähl- und Gültigkeitskonzept der Grundsicherungsstatistik SGB II werden für Jobcenter, deren Eckwerte als unplausibel eingestuft werden, keine hochgerechneten Werte für Leistungsberechtigte (LB) sowie für nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte unter 15 Jahre (NEF) zur Verfügung gestellt. Die entsprechenden Quoten können in diesen Berichtsmonaten auf Ebene der Jobcenter nicht ausgewiesen werden.

BG–Hilfequoten werden nur auf Bundes- und Bundeslandebene berichtet.


[1] Personen mit Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld

[2] Personen ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld, jedoch mit Anspruch auf sonstige Leistungen, wie z. B. Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung

[3] Beim Mikrozensus handelt es sich um eine repräsentative Haushaltsbefragung von ca. 1% der in Deutschland lebenden Bevölkerung.